Wendegetriebe

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Prinzip des Wendegetriebes einer Werkzeugmaschine. Die Maschine wird über eine Transmission über Flachriemen angetrieben. Der Antriebsriemen kann wahlweise auf die Riemenscheibe 1, 2 oder drei aufgelegt werden. Dazu ist eine Verschiebeeinrichtung des Riemens vorhanden. Die Riemenscheibe 1 ist mit dem Kegelrad I über die Welle α verbunden. Die Riemenscheibe 2 dreht sich frei auf der Welle α (Leerlauf). Die Riemenscheibe 3 ist direkt mit dem Kegelrad III verbunden. Das Kegelrad K treibt direkt die Abtriebswelle β an.
Mit der Antriebswelle α dreht sich eine Trommel, auf der zwei Riemen aufgelegt sind: Einer gekreuzt und einer parallel. Mit der Abtriebswelle β fest verbunden sind die Riemenscheiben 2 und 5. Die Riemenscheiben 3 und 4 laufen frei auf dieser Welle (Leerlauf). Mit einer Schaltgabel 1 lassen sich die Riemen gemeinsam in die Positionen 2+3 (Abtriebsrichtung V), 3+4 (Leerlauf) und 4+5 (Abtriebsrichtung R) verschieben.

Ein Wendegetriebe dient zur Umsteuerung der Fahrtrichtung eines Fahrzeuges.[1] Betätigt wird es im Stillstand, wenn Zahnräder oder Klauenkupplungen in Eingriff gebracht werden müssen. Bei der Verwendung von Reibkupplungen oder hydraulischen Wandlern kann die Umschaltung auch während der Bewegung erfolgen. Es ermöglicht Vorwärts- und Rückwärtslauf (bei Fahrzeugen (-fahrt)) sowie Leerlauf. In dieselhydraulischen oder dieselmechanischen Lokomotiven ist es zwingend vorhanden, weil der Haupt-Dieselmotor eine fest vorgegebene Drehrichtung hat.

Aufbau und Prinzip[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Prinzipiell gibt es folgende Möglichkeiten, in einem mechanischen Getriebe die Drehrichtung umzuschalten:

  1. durch die Verwendung eines doppelten Kegelradgetriebes
  2. durch Umschalten zwischen einer geraden und einer ungeraden Anzahl von Rädern (z. B. Zahnräder, Reibräder) im Übertragungsstrang
  3. durch Umschalten zwischen einem Riementrieb mit gekreuzten und parallelen Riemen

Im ersten Fall besteht das Wendegetriebe aus drei Kegelrädern und einer Schaltvorrichtung. Die Zahnräder für den Abtrieb zu den Radsätzen beispielsweise einer Diesellokomotive liegen diese links und rechts einander gegenüber, je eines für eine Drehrichtung. Dazwischen liegt das Kegelrad für den Antrieb. Über die Schaltvorrichtung (meist eine Klauenkupplung) wird immer nur eines der Abtriebsräder mit der Abtriebswelle verbunden, das jeweils andere läuft ohne Kraftschluss mit. So können die beiden Drehrichtungen vom Getriebe abgenommen werden. Das bedeutet aber, dass der Winkel der Drehebene zwischen An- und Abtrieb 90° beträgt. Bei Lokomotiven, bei denen alle Radsätze in dem Rahmen geführt werden, auf dem auch der Dieselmotor montiert ist, kann das erwünscht sein, weil die Drehrichtung der Radsätze zur Drehrichtung des Dieselmotors ohnehin 90° beträgt.

Bei Lokomotiven mit Drehgestellen wird die antreibende Bewegung vom Getriebe auf in den Drehgestellen geführten Radsätze über Gelenkwellen übertragen. Diese haben die gleiche Drehebene wie der Dieselmotor. Die Drehebene darf also im Getriebe nicht verändert werden. In diesen Fällen wird die Drehrichtungsänderung über das Zuschalten eines weiteren Zahnrades im Getriebe bewirkt. Die Änderung der Drehebene findet in diesen Fällen dann in den Radsatzgetrieben statt. In seltenen Fällen werden Wendegetriebe mit Kegelrädern in den Radsatzgetrieben (Radsatzwendegetriebe) bei Drehgestelllokomotiven integriert.

Der "Rückwärtsgang" bei Kfz ist kein Wendegetriebe im klassischen Sinne, es handelt sich um meist um ein weiteres Zahnrad, was einem Gang nachgeschaltet wird, und so eine Drehrichtungsänderung für diesen einen Gang bewirkt.

Die Anwendung von Riementrieben in der Technik ist inzwischen selten geworden und findet allenfalls bei kleineren Werkzeugmaschinen Anwendung.

Es gibt auch Gruppenwendegetriebe, bei denen entweder eine gleiche Anzahl Vor- und Rückwärtsgänge (z. B. 8 Vorwärts/8 Rückwärts) vorliegt, oder die Anzahl der Rückwärtsgänge ein ganzzahliger Teiler der Anzahl der Vorwärtsgänge ist (z. B. 8V/4R).

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. wissen.de: Wendegetriebe (Memento vom 24. November 2011 im Internet Archive) (abgerufen am 18. Februar 2012)