Wendemark (Altmärkische Wische)

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Wendemark
Wappen von Wendemark
Koordinaten: 52° 51′ 37″ N, 11° 55′ 31″ O
Höhe: 23 m ü. NHN
Fläche: 19,18 km²
Einwohner: 232 (2014)[1]
Bevölkerungsdichte: 12 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 2010
Postleitzahl: 39615
Vorwahl: 039393
Evangelische Dorfkirche Wendemark
Evangelische Dorfkirche Wendemark
Wendemark (Sachsen-Anhalt)
Wendemark
Wendemark
Lage in Sachsen-Anhalt

Wendemark ist ein Ortsteil der Gemeinde Altmärkische Wische im Landkreis Stendal in Sachsen-Anhalt.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wendemark, ein Marschhufendorf,[2] liegt im Norden der Altmark in der Wische am Flüsschen Tauber Aland nahe der Elbe. Die Kleinstadt Werben (Elbe) ist nur vier Kilometer entfernt. Durch Wendemark führt die Straße der Romanik.[3]

Ortsteilgliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zum Ortsteil Wendemark gehören das Dorf Wendemark und 10 Wohnplätze (kleinere Ansiedlungen):[4][3]

Im Jahre 1928 wurde außerdem der Ackerhof Barfeldshof bei der Gemeinde Wendemark aufgeführt,[6] dessen Lage bislang nicht ermittelt werden konnte.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahre 1309 wird ein Conradus dictus de Wentmarke als Zeuge in einer Urkunde aufgeführt.[7]

Die erste Erwähnung des Dorfes Wendemark stammt aus dem Jahr 1322 als in uilla wentmarc.[8] Heinrich von Wendemark verkaufte eine Getreidehebung aus Lichterfelde. Aus dem gleichen Jahr[9] stammt die Erwähnung des Pfarrers Heinrich als Dominus Hinricus, plebanus in wentmarke.[10][11]

Weitere Nennungen sind 1329 in villa, que dicitur Wendemark, 1542 Wendemarck und 1687 Wendemarck.[2] 1804 werden Dorf und Gut Wendemark mit Windmühle und Krug genannt, die aus 4 Teilen bestehen. Ober- und Unter-Wendemark gehörten zum Seehausenschen Kreis, Paris- und Vorwerk-Wendemark zum Arneburgischen Kreis.[5]

Herkunft des Ortsnamens[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die beiden Wortstämme sind wohl mittelhochdeutschen Ursprungs: "wend" für Grenze oder ein Personenname wie Winid oder Windo sowie "marke" als Grenze oder Grenzland.[12]

Eingemeindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 25. Juli 1952 wurde die Gemeinde Wendemark aus dem Landkreis Osterburg in den Kreis Seehausen umgegliedert. Am 2. Juli 1965 wurde sie dem Kreis Osterburg zugeordnet. Am 1. Februar 1974 ist die Gemeinde Wendemark in die Stadt Werben eingemeindet worden. Am 1. Mai 1984 erfolgte die Ausgliederung aus Werben, Wendemark war wieder eine Gemeinde.[13]

Bis zum 31. Dezember 2009 war Wendemark eine selbständige Gemeinde mit den Wohnplätzen Burchardshof, Delkerhof, Elendshof, Engelshof, Parishof, Roggehof, Wiesenhof und Wolmirstift und gehörte der jetzt aufgelösten Verwaltungsgemeinschaft Seehausen (Altmark) an.

Durch einen Gebietsänderungsvertrag haben die Gemeinderäte der Gemeinden Falkenberg (am 19. Januar 2009), Lichterfelde (am 19. Januar 2009), Neukirchen (Altmark) (am 9. Januar 2009) und Wendemark (am 16. Januar 2009) beschlossen, dass ihre Gemeinden aufgelöst und zu einer neuen Gemeinde mit dem Namen Altmärkische Wische vereinigt werden. Dieser Vertrag wurde vom Landkreis als unterer Kommunalaufsichtsbehörde genehmigt und trat am 1. Januar 2010 in Kraft.[14]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohner
1734 133
1775 151
1789 181
Jahr Einwohner
1801 257[15]
1818 255[15]
1840 506
Jahr Einwohner
1864 557
1871 442
1885 339
Jahr Einwohner
1892 415[6]
1895 346
1900 451[6]
Jahr Einwohner
1905 391
1910 441[6]
1925 575
Jahr Einwohner
1939 472
1946 862
1964 612
Jahr Einwohner
1971 554
1993 379
2006 234
Jahr Einwohner
2008 226[16]
2011 218[17]
2012 224[17]
Jahr Einwohner
2014 232[1]

Quelle wenn nicht angegeben:[2]

Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die evangelische Kirchengemeinde Wendemark gehörte früher zur Pfarrei Wendemark bei Werben an der Elbe.[18] Die Kirchengemeinde gehört heute zum Kirchspiel Werben. Ursprünglich vom Pfarrbereich Werben betreut,[19] wird sie seit 2018 vom Pfarrbereich Seehausen[20] des Kirchenkreises Stendal im Propstsprengel Stendal-Magdeburg der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland betreut.

Die ältesten überlieferten Kirchenbücher für Wendemark stammen aus dem Jahre 1645.[21]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der letzte Bürgermeister der Gemeinde Wendemark war Karsten Reinhardt.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blasonierung: „In Rot ein schräger silberner Wellenbalken, nach der Figur begleitet von oben drei fächerartig gestellten goldenen Eichenblättern mit einer Eichel und unten dem Oberteil eines goldenen Bischofsstabes mit in einer Eichel auslaufender und hervorsprießenden kleinen Eichenblättern verzierter Krümme.“[22]

Es war Beschluss der Gemeinde, die besondere Situation des Ortes am Grenzfluss zwischen den beiden Bistümern Verden und Halberstadt im Wappen auszudrücken. So symbolisiert der silberne Wellenbalken die Aland, der Bischofsstab die Bistumsgrenze und die Eichenblätter nehmen Bezug auf die natürliche Umgebung der Gemeinde. Die sogenannte Krümme des Bischofsstabes, die in der Praxis verschiedenartig verziert ist, wurde im Wappen von Wendemark mit Eichenblättern bestückt, um eine grafische Beziehung zu den oben befindlichen Eichenblätter zu bilden.[23]

Das Wappen wurde vom Magdeburger Kommunalheraldiker Jörg Mantzsch gestaltet und am 4. März 2009 durch den Landkreis genehmigt.

Die Farben Wendemarks sind abgeleitet von den Tinkturen der Symbolik = Gold (Gelb) und dem Schild = Rot.

Flagge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Flagge ist Rot - Gelb - Rot (1:4:1) gestreift (Querformat: Streifen waagerecht verlaufend, Längsformat: Streifen senkrecht verlaufend) und mittig mit dem Gemeindewappen belegt.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die evangelische Dorfkirche Wendemark war ursprünglich ein frühgotischer Backsteinbau, der im Dreißigjährigen Krieg zerstört wurde. Die Kirche wurde 1663 wieder errichtet und 1719 erweitert. Der frühere massive Backsteinturm bildet das Fundament für den erst 1738 errichteten Fachwerkturm.[24]
  • Auf dem Kirchhof befindet sich der alte Friedhof.
  • Im Jahre 1958 wurde am südlichen Ortsausgang nach Parishof ein neuer Friedhof mit einer Leichenhalle geschaffen.[25]
  • In Wendemark stehen ein Denkmal für die Kriegstoten des Ersten Weltkriegs (eine viereckige Stele) und ein Gedenkstein.[26]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verkehrsanbindung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Wendemark zweigt die Straßenverbindung von Werben (Elbe) kommend in eine Süd- und eine Nordquerung der Wische jeweils nach Seehausen (Altmark) ab.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Karl Ludwig Kannegießer (1781–1861), deutscher Gymnasiallehrer, Schriftsteller und Übersetzer, geboren in Wendemark
  • Friedrich Wilhelm Marpurg (1718–1795), deutscher Musiktheoretiker, -kritiker und -historiker der Aufklärung, geboren in Wendemark (Altmark)

Trivia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hanns H. F. Schmidt erzählt im Jahre 1994 die Sage Das Wunderbuch:[27] Ein Herr in Wendemark besaß eine Reihe Bücher. Ein wertvolles Buch hatte er an ein Lesepult zimmern lassen. Ein junger Mann in seinen Diensten las in seiner Abwesenheit in dem Buch, als plötzlich Kröten, Schlangen, Molche, Marder mit Fischschuppen und anderes Getier in das Zimmer kamen. Ein schwarzer Ritter in einem Schrank riet ihm, den Text rückwärts zu lesen. Das tat er und damit verschwanden die Tiere wieder. Lühe übermittelt 1908 die Sage als Das Bannbuch zu Wedemark.[28] Hier löst jedoch der Buchbesitzer den Zauber auf, in dem er den Text rückwärts nochmals liest.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Wendemark – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Landkreis Stendal – Der Landrat: Kreisentwicklungskonzept Landkreis Stendal 2025. 30. Oktober 2015, S. 296, abgerufen am 3. August 2019.
  2. a b c Peter P. Rohrlach: Historisches Ortslexikon für die Altmark (Historisches Ortslexikon für Brandenburg, Teil XII). Berliner Wissenschafts-Verlag, Berlin 2018, ISBN 978-3-8305-2235-5, S. 2387–2394.
  3. a b c Sachsen-Anhalt-Viewer des Landesamtes für Vermessung und Geoinformation (Hinweise)
  4. a b Verzeichnis Gemeinden und Gemeindeteile. Gebietsstand: 1. April 2013 (= Statistisches Landesamt Sachsen-Anhalt [Hrsg.]: Verzeichnisse / 003. Nr. 2013). Halle (Saale) Mai 2013, S. 112 (destatis.de [PDF; 1,6 MB; abgerufen am 24. August 2019]).
  5. a b c Friedrich Wilhelm August Bratring: Statistisch-topographische Beschreibung der gesammten Mark Brandenburg. Für Statistiker, Geschäftsmänner, besonders für Kameralisten. Band 1. Berlin 1804, S. VI–VII (Digitalisathttp://vorlage_digitalisat.test/1%3D~GB%3D~IA%3D~MDZ%3D%0A10000735~SZ%3D00010~doppelseitig%3D~LT%3D~PUR%3D).
  6. a b c d e f g Wilhelm Zahn: Heimatkunde der Altmark. Nach Hinterlassenschaften des Verfassers bearbeitet von Martin Ehlies. 2. Auflage. Verlag Salzwedeler Wochenblatt, Graphische Anstalt, G.m.b.H., Salzwedel 1928, DNB 578458357, S. 169–170.
  7. Adolph Friedrich Riedel: Codex diplomaticus Brandenburgensis: Sammlung der Urkunden, Chroniken und sonstigen Quellschriften. Hauptteil 1. Band 22. Berlin 1862, S. 21, XXXVI. (Digitalisathttp://vorlage_digitalisat.test/1%3D~GB%3D~IA%3D~MDZ%3D%0A10001038~SZ%3D00029~doppelseitig%3D~LT%3D~PUR%3D).
  8. Adolph Friedrich Riedel: Codex diplomaticus Brandenburgensis: Sammlung der Urkunden, Chroniken und sonstigen Quellschriften. Hauptteil 1. Band 6. Berlin 1846, S. 25–26 (Digitalisathttp://vorlage_digitalisat.test/1%3D~GB%3D~IA%3D~MDZ%3D%0A10001022~SZ%3D00036~doppelseitig%3D~LT%3D~PUR%3D).
  9. Rohrlach führt an, 1321 sei ein plebanus genannt. Das ist jedoch ein Übertragungsfehler bei Riedel, Band 17, S. 376. In der Urkundenabschrift steht 1322.
  10. Adolph Friedrich Riedel: Codex diplomaticus Brandenburgensis: Sammlung der Urkunden, Chroniken und sonstigen Quellschriften. Hauptteil 1. Band 17. Berlin 1859, S. 376, VII. (Digitalisathttp://vorlage_digitalisat.test/1%3D~GB%3D~IA%3D~MDZ%3D%0A10000995~SZ%3D00386~doppelseitig%3D~LT%3D~PUR%3D).
  11. Adolph Friedrich Riedel: Codex diplomaticus Brandenburgensis: Sammlung der Urkunden, Chroniken und sonstigen Quellschriften. Hauptteil 1. Band 25. Berlin 1863, S. 197 (Digitalisathttp://vorlage_digitalisat.test/1%3D~GB%3D~IA%3D~MDZ%3D%0A10001003~SZ%3D00207~doppelseitig%3D~LT%3D~PUR%3D).
  12. Helmut Kurt Block und Kulturförderverein Östliche Altmark (Hrsg.): Gemeinde Wendemark (= Das Wissen der Region. Band 3). 1. Auflage. Edition Kulturförderverein Östliche Altmark, Kremkau 2008, DNB 994253249, S. 473.
  13. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Gemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 01.01.1948 in den neuen Ländern. Metzler-Poeschel, Stuttgart 1995, ISBN 3-8246-0321-7, S. 344–347.
  14. Landkreis Stendal (Hrsg.): Amtsblatt. 19. Jahrgang, Nr. 17. Stendal 12. August 2009, S. 210 ff. (landkreis-stendal.de [PDF; 6,8 MB; abgerufen am 2. Dezember 2015]).
  15. a b J. A. F. Hermes, M. J. Weigelt: Historisch-geographisch-statistisch-topographisches Handbuch vom Regierungsbezirke Magdeburg. Topographischer Teil. Hrsg.: Verlag Heinrichshofen. Band 2, 1842, S. 386, 147. Wendemark (Digitalisathttp://vorlage_digitalisat.test/1%3D~GB%3DHB4_AAAAcAAJ%26pg%3DPA386~IA%3D~MDZ%3D%0A~SZ%3D~doppelseitig%3D~LT%3D~PUR%3D).
  16. Bevölkerung der Gemeinden nach Landkreisen (= Statistisches Landesamt Sachsen-Anhalt [Hrsg.]: Statistische Berichte / A / I / A / II / A / III / 102. Nr. 2008,02). 2009, ZDB-ID 2921509-2, S. 54 (destatis.de [PDF]).
  17. a b Andreas Puls: Orte verlieren 122 Einwohner in 12 Monaten. In: Volksstimme Magdeburg, Lokalausgabe Osterburg. 21. Februar 2013 (volksstimme.de [abgerufen am 19. Juni 2019]).
  18. Pfarr-Almanach oder die evangelischen Geistlichen und Kirchen der Provinz Sachsen der Grafschaften Wernigerode, Rossla und Stolberg. 19. Jahrgang, 1903, ZDB-ID 551010-7, S. 126 (wiki-de.genealogy.net [abgerufen am 1. September 2019]).
  19. Evangelischer Kirchenkreis Stendal: Pfarrbereich Werben. 10. April 2018 (archiviert auf archive.org (Memento vom 10. April 2018 im Internet Archive) [abgerufen am 31. August 2019]).
  20. Pfarrbereich Seehausen. Abgerufen am 31. August 2019.
  21. Ernst Machholz: Die Kirchenbücher der evangelischen Kirchen in der Provinz Sachsen (= Mitteilungen der Zentralstelle für Deutsche Personen- und Familiengeschichte. 30. Heft). Leipzig 1925, S. 19 (wiki-de.genealogy.net [abgerufen am 1. September 2019]).
  22. Amtsblatt des Landkreises Nr. 6/2009, S. 61 (PDF; 246 kB)
  23. Jörg Mantzsch: Das Wappen der Gemeinde Wendemark, Dokumentation zum Genehmigungsverfahren, hinterlegt beim Landkreis Stendal (Gutachten: Landeshauptarchiv Magdeburg)
  24. Thomas Hartwig: Alle Altmarkkirchen von A bis Z. Elbe-Havel-Verlag, Havelberg 2012, ISBN 978-3-9814039-5-4, S. 530.
  25. Seehausen: Wendemark auf seehausen-altmark.de. Abgerufen am 1. September 2019.
  26. Onlineprojekt Gefallendenkmäler. In: Wendemark auf www.denkmalprojekt.org. 1. September 2012, abgerufen am 1. September 2019.
  27. Hanns H. F. Schmidt: Das große Sagenbuch der Altmark. Teil 2 von K wie Kleinau bis Z wie Zichtau. dr. ziethen verlag, Oschersleben 1994, ISBN 3-928703-42-0, S. 253.
  28. Lehrer Lühe: Altmärkischer Sagenschatz. Das Bannbuch zu Wendemark (= Lehrerverband der Altmark [Hrsg.]: Beiträge zur Volks- und Heimatkunde der Altmark. Band 2). Klinkhardt, 1908, ZDB-ID 1198714-5, S. 181–182.