Lichterfelde (Wische)

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Lichterfelde
Koordinaten: 52° 51′ 25″ N, 11° 52′ 20″ O
Höhe: 21 m ü. NHN
Fläche: 18,84 km²
Einwohner: 227 (2014)[1]
Bevölkerungsdichte: 12 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 2010
Postleitzahl: 39615
Vorwahl: 039396
Dorfkirche und Landwirtschaft
Dorfkirche und Landwirtschaft
Lichterfelde (Sachsen-Anhalt)
Lichterfelde
Lichterfelde
Lage in Sachsen-Anhalt

Lichterfelde ist ein Ortsteil der Gemeinde Altmärkische Wische im Landkreis Stendal in Sachsen-Anhalt.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lichterfelde ist ein langgezogenes Reihendorf[2] in der Wische zwischen Seehausen (Altmark) und Werben (Elbe) im Norden der Altmark am Flüsschen Tauber Aland.[3]

Ortsteilgliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zum Ortsteil Lichterfelde gehört der Wohnplatz Ferchlipp.[4]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die erste urkundliche Erwähnung von Lichterfelde stammt aus dem Jahre 1310 als in curia Lichterfelde.[5] Den von dem Knesebeck gehörte dort ein Hof. Weitere Nennungen sind 1322 lichteruelde, 1333 villa Liechterveld, 1520 im dorpe to Lichteruelde und 1687 Lichterfelde.[2]

Wie viele andere Dörfer in der Wische, so ist auch Lichterfelde in der Zeit Albrecht des Bären (1157–1170) entstanden. Dies war erst durch die damals stattfindenden Eindeichungen der Elbe und des Aland möglich. Danach konnte die Wische mit größeren Ortschaften besiedelt werden.[6] Markgraf Albrecht der Bär hatte 1157 Siedler aus Holland, Seeland und Flandern als Kolonisten gewonnen.[7] Einzelne Hofstellen waren nachweislich vorher auch schon vorhanden.[6]

Herkunft des Ortsnamens[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Erklärung des Ortsnamens Lichterfelde lautet „Feld auf einer Waldblöße“[8], also ein Feld auf einer Lichtung. Eine andere Version ist: Lichterfelde hat wohl seinen Namen von den Siedlern, die aus Lichtervelde kamen,[9] das heute in Flandern in Belgien liegt.

Muntenack[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Muntenack war eine Wüstung, die etwa einen Kilometer südlich des Dorfes lag. Das Dorf war 1401 erstmals erwähnt worden. Eine Ackerbreite trug früher den Namen des untergegangenen Dorfes.[10]

Eingemeindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 1. Oktober 1938 wurden die Gemeinden Lichterfelde und Ferchlipp zu einer neuen Gemeinde Lichterfelde zusammengeschlossen.[11] Die ehemalige Gemeinde Ferchlipp wurde noch 1957 als Ortsteil von Lichterfelde aufgeführt, 1986 jedoch nicht mehr,[12] sondern als Wohnplatz.[13]

Bis zum 31. Dezember 2009 war Lichterfelde eine selbständige Gemeinde mit dem Wohnplatz Ferchlipp und gehörte der jetzt aufgelösten Verwaltungsgemeinschaft Seehausen (Altmark) an.

Durch einen Gebietsänderungsvertrag haben die Gemeinderäte der Gemeinden Falkenberg (am 19. Januar 2009), Lichterfelde (am 19. Januar 2009), Neukirchen (Altmark) (am 9. Januar 2009) und Wendemark (am 16. Januar 2009) beschlossen, dass ihre Gemeinden aufgelöst und zu einer neuen Gemeinde mit dem Namen Altmärkische Wische vereinigt werden. Dieser Vertrag wurde vom Landkreis als unterer Kommunalaufsichtsbehörde genehmigt und trat am 1. Januar 2010 in Kraft.[14]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohner
1734 188
1775 147
1789 208
Jahr Einwohner
1798 244
1801 225
1818 320
Jahr Einwohner
1840 405
1864 383
1871 377
Jahr Einwohner
1885 351
1892 372[15]
1895 365
Jahr Einwohner
1900 292[15]
1905 312
1910 268[15]
Jahr Einwohner
1925 327
1939 312
1946 715
Jahr Einwohner
1964 567
1971 578
1981 509
Jahr Einwohner
1993 466
2006 311
2007 297[16]
Jahr Einwohner
2008 272[16]
2011 244[17]
2014 227[1]

Quelle wenn nicht angegeben:[2]

Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die evangelische Kirchengemeinde Lichterfelde gehörte früher zur Pfarrei Wendemark bei Werben an der Elbe.[18] Die Kirchengemeinde gehört heute zum Kirchspiel Werben im Pfarrbereich Seehausen[19] des Kirchenkreises Stendal im Propstsprengel Stendal-Magdeburg der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland.

Die ältesten überlieferten Kirchenbücher für Lichterfelde stammen aus dem Jahre 1646.[20]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der letzte Bürgermeister der Gemeinde Lichterfelde war Bernd Sennecke.[21]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die evangelische Dorfkirche Lichterfelde ist ein Backsteinbau aus dem 13. Jahrhundert. Der Westturm kam im 16. Jahrhundert dazu. Das Innere wurde um 1960 restauriert und dabei die zum Teil erhaltenen spätgotischen Wandmalereien wieder übertüncht.[22]
  • Auf dem Kirchhof ist ein Friedhof. Der Ortsfriedhof befindet sich am westlichen Ortsausgang.
  • Lichterfelde steht ein Denkmal aus gemauerten Feldsteinen für die Kriegstoten des Ersten Weltkriegs.[23]

Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Vereinsregister des Amtsgerichts Stendal sind aufgeführt:[24]

  • Förderverein für Kultur und gesellschaftliches Zusammenleben in der Gemeinde Altmärkische Wische, OT Lichterfelde „Dorfclub Lichterfelde“ e. V., 2010 gegründet. Er organisiert Dorffeste und den Karneval.[25]
  • Jagdgesellschaft „Von der kleinen Wässerung“ Lichterfelde e. V., 2007 gegründet

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde liegt an der Straßenverbindung zwischen Werben (Elbe) und Seehausen (Altmark).

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Landkreis Stendal – Der Landrat: Kreisentwicklungskonzept Landkreis Stendal 2025. (PDF) 30. Oktober 2015, S. 296, abgerufen am 3. August 2019.
  2. a b c Peter P. Rohrlach: Historisches Ortslexikon für die Altmark (Historisches Ortslexikon für Brandenburg, Teil XII). Berliner Wissenschafts-Verlag, Berlin 2018, ISBN 978-3-8305-2235-5, S. 1344–1350.
  3. Sachsen-Anhalt-Viewer des Landesamtes für Vermessung und Geoinformation (Hinweise)
  4. Verzeichnis Gemeinden und Gemeindeteile. Gebietsstand: 1. April 2013 (= Statistisches Landesamt Sachsen-Anhalt [Hrsg.]: Verzeichnisse / 003. Nr. 2013). Halle (Saale) Mai 2013, S. 111 (destatis.de [PDF; 1,6 MB; abgerufen am 24. August 2019]).
  5. Adolph Friedrich Riedel: Codex diplomaticus Brandenburgensis: Sammlung der Urkunden, Chroniken und sonstigen Quellschriften. Haupttheil 1. Band 17. Berlin 1859, S. 330 (Digitalisat).
  6. a b Seehausen: Lichterfelde auf seehausen-altmark.de. Abgerufen am 25. August 2019.
  7. Helmold von Bosau: Helmolds Chronik der Slaven. Besser, Berlin 1852, S. 186, 88. Von Adelbert dem Bären (Digitalisathttp://vorlage_digitalisat.test/1%3D~GB%3D~IA%3D~MDZ%3D%0A11248164_00196~SZ%3D~doppelseitig%3D~LT%3D~PUR%3D – Latein: Helmoldi presbyteri Bozoviensis Cronica Slavorum. Übersetzt von Johann Christian Moritz Laurent).
  8. Helmut Kurt Block und Kulturförderverein Östliche Altmark (Hrsg.): Gemeinde Lichterfelde mit dem Ortsteil Ferchlipp (= Das Wissen der Region. Band 3). 1. Auflage. Edition Kulturförderverein Östliche Altmark, Kremkau 2008, DNB 994253249, S. 219.
  9. Christa Rau: Das Dorf Lichterfelde, in dem es sich gut leben lässt. Hrsg.: Helmut Kurt Block und Kulturförderverein Östliche Altmark (= Das Wissen der Region. Band 3). 1. Auflage. Edition Kulturförderverein Östliche Altmark, Kremkau 2008, DNB 994253249, S. 219–222.
  10. Wilhelm Zahn: Die Wüstungen der Altmark. In: Geschichtsquellen der Provinz Sachsen und angrenzender Gebiete. Band 43. Hendel, Halle a.S. 1909, S. 146–147, Nr. 146.
  11. Regierungsbezirk Magdeburg (Hrsg.): Amtsblatt der Regierung zu Magdeburg. 1938, ZDB-ID 3766-7, S. 22.
  12. Ortslexikon der Deutschen Demokratischen Republik, 1986: Bearbeitet von Karla Balkow und Werner Christ. R. v. Decker’s Verlag. G. Schenck GmbH, Heidelberg, ISBN 3-7685-2185-0, S. 182.
  13. Ortsteilverzeichnis Land Sachsen-Anhalt, Statistisches Landesamt Sachsen-Anhalt, Halle (Saale), 2011
  14. Landkreis Stendal (Hrsg.): Amtsblatt. 19. Jahrgang, Nr. 17. Stendal 12. August 2009, S. 210 ff. (landkreis-stendal.de [PDF; 6,8 MB; abgerufen am 2. Dezember 2015]).
  15. a b c Wilhelm Zahn: Heimatkunde der Altmark. Nach Hinterlassenschaften des Verfassers bearbeitet von Martin Ehlies. 2. Auflage. Verlag Salzwedeler Wochenblatt, Graphische Anstalt, G.m.b.H., Salzwedel 1928, DNB 578458357, S. 170.
  16. a b Bevölkerung der Gemeinden nach Landkreisen (= Statistisches Landesamt Sachsen-Anhalt [Hrsg.]: Statistische Berichte / A / I / A / II / A / III / 102. Nr. 2008,02). 2009, ZDB-ID 2921509-2, S. 51 (destatis.de [PDF]).
  17. Andreas Puls: Orte verlieren 122 Einwohner in 12 Monaten. In: Volksstimme Magdeburg, Lokalausgabe Osterburg. 21. Februar 2013 (volksstimme.de [abgerufen am 19. Juni 2019]).
  18. Pfarr-Almanach oder die evangelischen Geistlichen und Kirchen der Provinz Sachsen der Grafschaften Wernigerode, Rossla und Stolberg. 19. Jahrgang, 1903, ZDB-ID 551010-7, S. 126 (genealogy.net [abgerufen am 25. August 2019]).
  19. Pfarrbereich Seehausen. Abgerufen am 26. August 2019.
  20. Ernst Machholz: Die Kirchenbücher der evangelischen Kirchen in der Provinz Sachsen (= Mitteilungen der Zentralstelle für Deutsche Personen- und Familiengeschichte. 30. Heft). Leipzig 1925, S. 19 (wiki-de.genealogy.net [abgerufen am 25. August 2019]).
  21. Statistisches Landesamt Sachsen-Anhalt, Gemeinde Lichterfelde – Landkreis Stendal, Bürgermeisterwahlen am 17. Februar 2008
  22. Thomas Hartwig: Alle Altmarkkirchen von A bis Z. Elbe-Havel-Verlag, Havelberg 2012, ISBN 978-3-9814039-5-4, S. 296.
  23. Onlineprojekt Gefallendenkmäler. In: Lichterfelde auf www.denkmalprojekt.org. 1. September 2012, abgerufen am 25. August 2019.
  24. Vereinsregister des Amtsgerichts Stendal auf handelsregister.de. Abgerufen am 3. August 2019.
  25. Andreas Puls: Verein fördert Kultur und dörfliches Miteinander. Dorfclub Lichterfelde ergreift Eigeninitiative im Ort und in der Gemeinde Verein fördert Kultur und dörfliches Miteinander. In: Volksstimme Magdeburg, Lokalausgabe Osterburg. 23. April 2011 (volksstimme.de [abgerufen am 25. August 2018]).