Werberg

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Werberg ist eine Wüstung im Truppenübungsplatz Wildflecken. Es war das älteste Dorf auf dem Gebiet des Truppenübungsplatzes. Die Anfänge gehen auf eine fuldische Burg aus dem 13. Jahrhundert zurück.

Die noch vorhandene Antoniuskapelle von Werberg

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Werberg lag auf 533 Metern über dem Meeresspiegel im Tal des Lachsgrundes und der angrenzenden Hügel[1] nördlich um den Burgfelsen der Ruine Werberg in einer Talweitung am Zusammenfluss zweier Quellbäche.[2] Das Dorf lag 6 km nördlich von Bad Brückenau.[3]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während der Gründung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Über das Dammersfeld führten während des karolingischen Landesausbaus und während des Hochmittelalters Altstraßen, die abseits der damals sumpfigen Flusstäler lagen. Der Karolingische Königsweg verband hier das Gebiet um Mainz mit der Pfalz Salz[4] und führte hier, von Brückenau kommend, an Werberg westlich vorbei zur Dammersfeldkuppe. An der Dammersfeldkuppe mündete ein von Fulda kommender Weg in den Karolingischen Königsweg, in Brückenau ein von Hammelburg und Würzburg kommender.

Ortsverbindung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Dorf war durch einen Weg im Lachsbachtal mit Volkers verbunden. Dieser nimmt südlich des Dorfes den Weg von Brückenau auf, um gen Norden nach Kothen und in das Tal der Kleinen Sinn zu führen. Nach Osten führte ein Weg nach Rothenrain.[5]

Eisenbahn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahre 1891 wurde die Bahnstrecke Jossa–Brückenau eröffnet. Brückenau war dadurch der nächstgelegene Bahnhof für Werberg. 1908 wurde die Strecke bis Wildflecken erweitert.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Werberg geht auf die Burg Werberg zurück, die erstmals 1260 indirekt mit der Nennung eines Fridericus de Werberg historisch fassbar wird.

1799 wurde eine Schule erbaut. Im Jahr 1850 wurde die dem Heiligen Kilian geweihte Kirche errichtet. Ein Friedhof befand sich nahe dem Burgfelsen. Die Bewohner lebten von Landwirtschaft und Obstanbau.

Wie die Dörfer Rothenrain, Neu- und Altglashütten sowie Reußendorf[6] musste Werberg, damals 264 Einwohner zählend, am 15. April 1938 aufgrund des Baus des Truppenübungsplatzes auf dessen Gebiet das Dorf lag, geräumt werden. Einer Abhandlung des Medizinstudenten und SS-Angehörigen Heinrich Josef Glotzbach[7] folgend wurden Einwohner nach „nationalsozialistischen Grundsätzen“ umgesiedelt. Die „Bauernfähigen“ wurden „als Erbhofbauern in der näheren und weiteren Umgebung angesiedelt“. Die Bewohner wurden nach Bad Brückenau im Raum Offenbach[8] versetzt oder ließen sich in Niederbayern nieder. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Dorf mit 356 Leuten wiederbesiedelt, um 1966 letztendlich doch abgesiedelt zu werden.

Die ehemalige Landgemeinde Werberg bestand aus dem Kirchdorf Werberg und dem Weiler Auersberg und umfasste 566,35 Hektar.[9] Sie wurde 1942 aufgelöst und dem Heeresgutsbezirk Wildflecken zugeteilt. Die Absiedlung der Gemeinde war zum Zeitpunkt der Volkszählung 1939 bereits erfolgt.[10]

Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der ehemalige Friedhof mit dem Friedhofskreuz

Das Dorf Werberg besaß vor der letzten Auflösung eine dem Heiligen Kilian geweihte Kirche mit dazugehörigem Friedhof, eine Schule, ein Schwesternheim, einen Kindergarten, ein Schwimmbad, die Freiwillige Feuerwehr Werberg, zwei Gaststätten, einen Lebensmittelladen und einen Friseur. Die Straßen waren entweder gepflastert oder geteert. Zudem besaß das Dorf als erstes im Altlandkreis Brückenau eine elektrische Straßenbeleuchtung.[11]

Erinnerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mehrere Museen befassen sich mit der Geschichte des Dorfes.

In Kothen wurde 1987 die Werberger Stube auf Initiative des Werbergers Ernst Zimmermann eingerichtet. In einem der drei Räume ist eine rhöntypische „Gute Stube“ eines Bauernhauses eingerichtet. In den anderen Räumen befinden sich u. a. der Grundstein der Kirche, das Taufbecken, eine Glocke, das Turmkreuz und mehrere Messgewänder. Außerdem zeigen mehrere Fotografien und landwirtschaftliche Geräte Werkzeuge der Heimarbeit das Leben des Dorfes.[12] [13] In Wildflecken widmet sich das militärhistorische Museum der Geschichte des Truppenübungsplatzes.[14]

Jedes letzte Juniwochenende im Jahr treffen sich die Werberger sowie ihre Nachkommen in Kothen, um das Museum sowie den Friedhof zu besuchen. Die Interessengemeinschaft ehem. Werberger pflanzte 2013 anlässlich ihres 40-jährigen Bestehens eine Rotbuche auf dem Dorfplatz.

Je nach Startpunkt und Wegstrecke können während der Volkswandertage auf dem Truppenübungsplatz Wildflecken in unregelmäßigen Abständen die Dorfstelle und der Friedhof auch erwandert werden.[15]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Matthias Elm: Werberg – was bleibt, ist die Erinnerung. Geschichte, Häuser und Familien eines ehemaligen Rhöndorfes. Selbstverlag, Motten-Speicherz 2017.
  • Bayerischen Verwaltungsstelle Biosphärenreservat Rhön: Historische Kulturlandschaft Rhön. Band 3: Historische Kulturlandschaft des oberen Sinntales - Gemeinde Riedenberg und Marktgemeinde Wildflecken. Michael Imhof Verlag, Petersberg 2012, ISBN 978-3-86568-888-0.
  • Gemeinde Wildflecken (Hrsg.): Unvergessene Heimat rund um’s Dammersfeld. Die abgesiedelten Ortschaften des Truppenübungsplatzes Wildflecken. 7. überarbeitete Auflage. Geiger, Wildflecken 2011, ISBN 3-89264-184-6, S. 201–244.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Werberg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sollten die Quellen aus einem der vorgenannten Bücher stammen, wurden in den Einzelnachweisen nur der Autor bzw. der Herausgeber und die Seite genannt.

  1. Gemeinde Wildflecken, S. 201
  2. Bayerische Verwaltungsstelle Biosphärenreservat Rhön, S. 35
  3. Gemeinde Wildflecken, S. 205
  4. Bayerische Verwaltungsstelle Biosphärenreservat Rhön, S. 115f
  5. Bayerische Verwaltungsstelle Biosphärenreservat Rhön, S. 35f
  6. Ute Felbor: Rassenbiologie und Vererbungswissenschaft in der Medizinischen Fakultät der Universität Würzburg 1937–1945. Königshausen & Neumann, Würzburg 1995, ISBN 3-88479-932-0 (= Würzburger medizinhistorische Forschungen. Beiheft 3.) – Zugleich: Dissertation Würzburg 1995), S. 79.
  7. Heinrich Josef Glotzbach: Bevölkerungsbewegung und Erbgefüge des Rhöndorfes Werberg. (= Schriftenreihe aus dem Rassenpolitischen Amt der NSDAP bei der Gauleitung Mainfranken zum Dr.-Hellmuth-Plan. Band 17). Medizinische Dissertation Würzburg 1938.
  8. Ute Felbor: Rassenbiologie und Vererbungswissenschaft in der Medizinischen Fakultät der Universität Würzburg 1937–1945. 1995, S. 79.
  9. Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Ortschaften-Verzeichnis für den Freistaat Bayern nach der Volkszählung vom 16. Juni 1925 und dem Gebietsstand vom 1. Januar 1928. Heft 109 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1928, Abschnitt II, Sp. 1336 (Digitalisat).
  10. Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis : Die Einwohnerzahlen der Gemeinden Bayerns in der Zeit von 1840 bis 1952 (= Beiträge zur Statistik Bayerns. Heft 192). München 1954, DNB 451478568, S. 196, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00066439-3 (Digitalisat).
  11. Stephanie Elm: Was von dem Dorf Werberg übrig blieb. inFranken.de, 26. August 2015, abgerufen am 18. März 2018.
  12. Werberger Stube. Gemeinde Motten, abgerufen am 18. März 2018.
  13. „IT“: Letzte Reste eines alten Dorfes. inFranken.de, 28. April 2011, abgerufen am 18. März 2018.
  14. MILITÄRMUSEUM / ABGESIEDELTE ORTSCHAFTEN. Gemeinde Wildflecken, abgerufen am 18. März 2018.
  15. Stütz: Flyer 2017. (PDF) Gemeinde Wildflecken, abgerufen am 18. März 2018.

Koordinaten: 50° 20′ 59,9″ N, 9° 48′ 33,2″ O