When I’m Gone (Carter-Lied)

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When I’m Gone
Carter Family
Veröffentlichung 1931
Länge 3:02
Genre(s) Country-Musik
Autor(en) A. P. Carter, Trad.
Label Victor Talking Machine Company
Coverversionen
2009 Lulu and the Lampshades
Titel: You’re Gonna Miss Me
Länge: 1:37
2012 Anna Kendrick
Titel: Cups
Länge: 1:16
2013 Anna Kendrick
Titel: Cups (Pitch Perfect’s When I’m Gone)
Länge: 2:07

When I’m Gone ist ein traditioneller amerikanischer Country-Song, der – 80 Jahre nach der Erstveröffentlichung auf Schallplatten – Anfang des 21. Jahrhunderts eine Renaissance als Internetphänomen und internationaler Charterfolg erlebte.

Die erste Tonträger-Aufzeichnung des Liedes erfolgte 1931 in einer Darbietung der Carter-Family.

2009 wurde von der englischen Indie-Folkband Lulu and the Lampshades eine A-cappella-Neufassung unter dem Titel You’re Gonna Miss Me auf der Video-Plattform YouTube veröffentlicht, die mit dem Rhythmus eines populären Klatsch-Spiels mit Bechern (englisch: Cups) unterlegt war.

Den Charterfolg brachte schließlich 2012 die Adaption der Lampshades-Version durch Anna Kendrick in einer kurzen Szene der Musikfilm-Komödie Pitch Perfect. Kendrick erreichte im folgenden Jahr 2013 mit einer verlängerten Einspielung ihrer Coverversion, jetzt unter dem Titel Cups, in den USA mehrfachen Platin-Status.

Die Darbietungen der Lampshades und Kendricks wurden zur Vorlage vieler weiterer privater YouTube-Präsentationen des Cup-Songs.

„When I’m Gone“ (1931)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

When I’m Gone, die ursprüngliche Version des Liedes, wurde von A. P. Carter gesammelt und für die Carter-Family arrangiert zu einem konventionell aufgebauten, eingängigen Country-Song, die Melodie des Refrains (zweite, vierte und sechste Strophe) ist eng an die Hauptmelodie des Liedes angelehnt. Das Lied ist in mittlerem Tempo gespielt, mit der für die Carter-Family-Aufnahmen charakteristischen Gitarrenführung Maybelle Carters. Die sechs Strophen mit jeweils sechs Versen sind einander im Aufbau sehr ähnlich, und auch die Texte weichen wenig voneinander ab. Sie variieren durchweg die Kernaussage You’re gonna miss me when I’m gone: Der Song ist ein Abschiedslied, an eine Person gerichtet, der vorhergesagt wird, dass der Sänger oder die Sängerin ihr fehlen wird, wenn er (bzw. sie) weggegangen ist; die erste, dritte und fünfte Strophe variieren Aussagen, was genau fehlen wird: das Gehen und Sprechen, das Gebet und der Gesang sowie allgemein Eigenheiten des singenden lyrischen Ichs. Die zweite, vierte und sechste Strophe sind ein wortgleich wiederholter Refrain.[1]

Der Song der Carter-Family, in der Originalbesetzung mit A. P. Carter, seiner Frau Sara Carter und seiner Schwägerin Maybelle Carter, wurde erstmals 1931 bei einer der legendären Recording-Sessions der Plattenfirma Victor Talking Machine Company aufgenommen.[2] Mehrfach wurde das Werk von anderen Country- und Bluegrass-Musikern gecovert, bspw. 1937 von J. E. Mainer mit dem Titel Miss Me When I’m Gone, 1938 von Charlie Monroe als You’re Gonna Miss Me When I’m Gone[3] oder 1949 von der nächsten Generation der Carter-Family, den „Carter Sisters“ Helen, June und Anita (zusammen mit ihrer Mutter Maybelle).[4]

„You’re Gonna Miss Me“ (2009)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2009 veröffentlichte die englische Indie-Folkband Lulu and the Lampshades den traditionellen Country-Song der Carter-Family unter dem Titel You’re Gonna Miss Me in einer A-cappella-Version auf der Video-Plattform YouTube – das Video zeigt die beiden Sängerinnen der Lampshades, Luisa Gerstein und Heloise Tunstall-Behrens, bei einer Spaß-Performance in der unspektakulären Umgebung einer privaten Küche.[5] 2011 war das Lied die B-Seite der zweiten Lampshade-Single Cold Water.[6]

Die Lampshades hatten den Song inhaltlich um zusätzlichen Text in zwei neuen Hauptstrophen ergänzt, so dass jetzt alle Strophen der ursprünglichen Version Carters, gekürzt und neu zusammengestellt, den Refrain ihres Liedes ergaben, die neuen Strophen dagegen gaben dem gesamten Song eine neue inhaltliche Ausrichtung: Es ist nun eine charmante Einladung der Sängerin (oder des Sängers) an ihr Gegenüber, sie auf eine interessante Reise zu begleiten:

„I got my ticket for the long way ’round / Two bottle ‘a whiskey for the way / And I sure would like some sweet company / And I’m leaving tomorrow, wha-do-ya say?“

„Ich mache eine lange Reise hier herum, habe zwei Whiskey-Flaschen Proviant dabei, und ich hätte natürlich gern eine nette Begleitung, und morgen ziehe ich los, was meinst du dazu?“

Luisa Gerstein[7]

Abgesehen von den zusätzlichen Texten und einer neuen Melodielinie für die Hauptstrophen war die auffälligste musikalische Änderung der Komponistin, Luisa Gerstein, dass sie das alte Lied mit dem Rhythmus einer populären Klatsch-Percussion mit Bechern (englisch: Cups) unterlegte. Diese Version wurde von anderen YouTube-Nutzern in Video-Veröffentlichungen mehrfach gecovert und entwickelte sich in den folgenden Jahren zum Internetphänomen.[8] Kevin Rutherford wies in einer Analyse zur Geschichte des Cup-Songs darauf hin, dass die Mit- und Nachmach-Natur des Klatsch-Rhythmus’ („the song’s participatory nature“) einen Großteil des Erfolgs ausmache.[9]

„Cups“ (2012)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die verspielte Performance der Lampshades wurde 2012 zur Grundlage einer kurzen Szene der Hauptdarstellerin Anna Kendrick in der Musikfilm-Komödie Pitch Perfect. Die Version der Lampshades hatte sich bis zur Verfilmung von Pitch Perfect zwar schon in diversen Coverversionen im Internet verbreitet, aber bis zur Aufnahme des Titels in den Soundtrack des Films war es „nur“ ein Internet-Phänomen geblieben. Die Adaption durch Anna Kendrick[10] machte den Unterschied aus: Unter dem Titel Cups wurde der alte Country-Song ab 2012 zum Phänomen der Mainstream-Popkultur.[11]

Der überraschende Erfolg des Liedes bewog die Produzenten, Anfang 2013 eine auf gut zwei Minuten verlängerte Version des Covers neu einzuspielen, mit starker Veränderung der musikalischen Ausrichtung: Melodie und Text der Lampshades blieben erhalten, aber Kendricks Gesang wurde jetzt von einer Band begleitet. Damit war das Lied Popmusik geworden – und radiotauglich.[12] Diese Version erzielte in den USA mehrfachen Platin-Status, stieg bis auf Platz sechs der Billboard Hot 100, erreichte Charterfolge in weiteren Ländern und wurde zur Vorlage unzähliger weiterer YouTube-Videos.[13]

Der Erfolg der Single wurde auch dadurch gestützt, dass der Pitch Perfect-Regisseur Jason Moore zur Pop-Version des Titels im April 2013 ein vierminütiges Musikvideo vorgelegt hatte – wie in Erinnerung an den ursprünglichen YouTube-Film der Lampshades ist eine Küche der Ort der Handlung: Anna Kendrick spielt die Hilfskraft einer Imbiss-Küche, die beim Einsammeln des gebrauchten Geschirrs ihr Lied singt, die Gäste begleiten die Melodie mit der Becher-Percussion. Am Ende des Videos stellt sich das kleine Spiel als Tagtraum der Protagonistin heraus, aber die Küchenhilfe lässt ihre Arbeit liegen und verlässt den Imbiss durch die Hintertür.[14]

Chart-Platzierungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Internationale Chart-Platzierungen für „Cups (Pitch Perfect’s When I’m Gone)“ (Auswahl)
Land Zeitraum Beste
Position
AustralienARIA-Charts[15] Januar 2013 bis Mai 2013 44
BelgienUltratop 50 Single-Charts (Flandern)[16] September 2013 bis Februar 2014 11
FrankreichSNEP Single-Charts[17] Januar 2014 181
NiederlandeDS Single Top 100[18] September 2013 bis März 2014 14
NeuseelandRM Single Top 40[19] August 2013 bis Oktober 2013 26
ÖsterreichÖ3 Single-Charts[20] August 2013 75
USABillboard Hot 100[21] Januar 2013 (32 Wochen) 6

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. When I'm Gone lyrics, Allthelyrics.com, abgerufen 20. März 2015.
  2. Tony Russell: Country Music Records. A Discography. 1921-1942. Oxford University Press 2004, S. 189, 25. Mai 1931, „When I’m Gone -2“, Digitalisathttp://vorlage_digitalisat.test/1%3Dhttps%3A%2F%2Fbooks.google.de%2Fbooks%3Fid%3D2usUpwMgx3gC%26pg%3DPA189~GB%3D~IA%3D~MDZ%3D%0A~SZ%3D~doppelseitig%3D~LT%3D~PUR%3D; vgl. die Auflistung der Wiederauflagen in Sammlungen bei Allmusic.com; beide Weblinks abgerufen 7. April 2015.
  3. Tony Russell: Country Music Records. A Discography. 1921-1942. Oxford University Press 2004; Daten zu J. E. Mainer: S. 582, 5. August 1937, Digitalisathttp://vorlage_digitalisat.test/1%3Dhttps%3A%2F%2Fbooks.google.de%2Fbooks%3Fid%3Dx9E-ntJJpEoC%26pg%3DPA582~GB%3D~IA%3D~MDZ%3D%0A~SZ%3D~doppelseitig%3D~LT%3D~PUR%3D; zu Charlie Monroe: S. 632, 29. September 1938, Digitalisathttp://vorlage_digitalisat.test/1%3Dhttps%3A%2F%2Fbooks.google.de%2Fbooks%3Fid%3Dx9E-ntJJpEoC%26pg%3DPA632~GB%3D~IA%3D~MDZ%3D%0A~SZ%3D~doppelseitig%3D~LT%3D~PUR%3D; Weblinks (Digitalisate) abgerufen 7. April 2015.
  4. Allmusic.com: Carter Sisters and Mother Maybelle With Chet Atkins (s. Track Listing, Titel 8); vgl. zur Einspielung von J. E. Mainer J. E. Mainer, Classic Sides 1937-1941 (s. Track Listing – Disc 1, Titel 5); vgl. zur Einspielung von Charlie Monroe Charlie Monroe, I'm Old Kentucky Bound (s. Track Listing – Disc 1, Titel 10); alle abgerufen 7. April 2015.
  5. Lulu and the Lampshades: You're Gonna Miss Me, YouTube, 8. Juni 2009 (Upload-Datum), abgerufen 21. März 2015.
  6. Lulu & the Lampshades, Cold Water, Allmusic.com, abgerufen 21. März 2015.
  7. Cups, Lyrics, Allmusic.com, abgerufen 21. März 2015.
  8. vgl. beispielsweise: Amazing "Cups (You're Going To Miss Me)" Covers, Huffington Post, 7. Juli 2011; abgerufen 25. März 2015.
  9. Pitch Perfect’s 'Cups': How a Traditional Folk Song Went Top 10, radio.com (CBS Corporation), 2. August 2013 (mit Musikbeispielen), abgerufen 19. März 2015.
  10. Scott Kerr: Lulu and the Lampshades, Allmusic.com; Kendrick, Cups, Credits, Allmusic.com, abgerufen 16. März 2015.
  11. Kevin Rutherford: Pitch Perfect’s 'Cups': How a Traditional Folk Song Went Top 10, radio.com (CBS Corporation), 2. August 2013 (mit Musikbeispielen), abgerufen 19. März 2015.
  12. Gary Trust: Anna Kendrick’s ‚Cups‘ Timeline: How Her ‚Pitch Perfect‘ Song Became a Top 10 Hit, billboard.com 11. Juli 2013, abgerufen 26. März 2015.
  13. Entwicklung zum Platin-Award in den USA: Messung des Single-Erfolgs bei der RIAA; Billboard-Erfolgsgeschichte, Gary Trust: Anna Kendrick Tops AC Chart With 'Cups'. A year after the movie’s premiere, the 'Pitch Perfect' hit crowns its first Billboard airplay chart., billboard.com 7. Oktober 2013; beide abgerufen 21. März 2015. Zur Wirkung der Kendrick-Performance im Film allgemein und zur musikalischen Überarbeitung speziell vgl. Gary Trust: Weekly Chart Notes: Anna Kendrick Finally ‚Pitch Perfect‘ For Radio, billboard.com 11. Juli 2013, abgerufen 22. März 2015.
  14. Cups (Pitch Perfect's „When I'm Gone“), Vevo-Veröffentlichung, Universal Music Enterprises 2013 (April 2013), Regie: Jason Moore. Vgl. Gary Trust: Anna Kendrick’s ‚Cups‘ Timeline: How Her ‚Pitch Perfect‘ Song Became a Top 10 Hit, billboard.com 11. Juli 2013, beide abgerufen 26. März 2015.
  15. australian-charts.com, abgerufen 23. März 2015.
  16. ultratop.be/nl, abgerufen 23. März 2015.
  17. lescharts.com, abgerufen 23. März 2015.
  18. dutchcharts.nl, abgerufen 23. März 2015.
  19. charts.org.nz, abgerufen 23. März 2015.
  20. austriancharts.at, abgerufen 23. März 2015.
  21. billboard.com, abgerufen 23. März 2015.
  22. Gary Trust: Anna Kendrick’s ‚Cups‘ Timeline: How Her ‚Pitch Perfect‘ Song Became a Top 10 Hit, billboard.com 11. Juli 2013, abgerufen 22. März 2015.