Wilhelm Franz (Architekt)

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Wilhelm Franz (* 23. Januar 1864 in Weilmünster; † 26. November 1948 in Dahlwitz-Hoppegarten bei Berlin) war ein deutscher Architekt und Hochschullehrer.

Leben und Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wilhelm Franz besuchte das Gymnasium in Wiesbaden. Er begann sein Architekturstudium an der Technischen Hochschule Hannover und studierte dann vom Wintersemester 1886/1887 bis zum Wintersemester 1890/1891 an der Technischen Hochschule (Berlin-) Charlottenburg.[1] Wilhelm Franz absolvierte ab dem Jahr 1893 ein Referendariat bei der Stadtverwaltung in Wiesbaden. Er war dort so erfolgreich, dass er ab April 1894 als Abteilungsleiter im Stadtbauamt eingesetzt wurde.[2] In Wiesbaden lernte Franz beim Bau des Neuen Rathauses den Architekten des Gebäudes, Georg von Hauberrisser, kennen und schätzen.[3] Nachdem Franz zum 16. Mai 1895 als Stadtbaumeister nach St. Johann (Saar) (heute Saarbrücken) gewechselt hatte und dort ab August 1895 besoldeter Beigeordneter geworden war, vermittelte er im Jahr 1896 Hauberisser als Architekt des Rathauses St. Johann. Am 30. Juli 1896 beschloss die St. Johanner Stadtverordnetenversammlung, das Vorprojekt Hauberrissers anzunehmen, und kurze Zeit darauf wurde am 3. September 1896 durch den Stadtbaumeister Franz der Vertrag mit Hauberrisser abgeschlossen.[4]

Wilhelm Franz schrieb in einem Brief an den St. Johanner Bürgermeister Neff am 26. September 1906:

„Als wir den Vertrag schlossen, kannte ich Herrn Hauberisser als tüchtigen Künstler und wußte im besonderen aus der Geschäftsführung beim Wiesbadener Rathaus, daß er in seinen Honorarforderungen bescheiden sein würde. Das habe ich zu unseren Gunsten ausgenutzt.“

Stadtarchiv Saarbrücken, Bestand St. Johann, Nr. 372, S. 355.
Postamt St. Johann, Foto um 1900
Altes Postamt St. Johann (Saarbrücken) nach postmoderner Rekonstruktion

Franz entwarf in St. Johann im Jahr 1898 das Postamt (Dudweilerstraße 15/17, unweit des Rathauses) in neobarocken Formen.

1901 übersiedelte Wilhelm Franz von St. Johann nach Charlottenburg, wo er zum 1. Oktober 1901 als ordentlicher Professor die neu geschaffene Professur für Baukonstruktionen und Industriebauten in der Abteilung III für Maschinen-Ingenieurwesen (ab 1922 Fakultät III für Maschinenwirtschaft, ab 1928 Fakultät III für Maschinenwesen, Lehrgebiet: Hoch- und Tiefbau) der Technischen Hochschule (Berlin-) Charlottenburg antrat. Er war in den Studienjahren 1902/1903, 1908/1909 und 1909/1910 Abteilungsvorsteher (Dekan) der Abteilung III.[5][6] Am 25. Februar 1929 wurde er emeritiert.

Wilhelm Franz starb am 26. November 1948 in Dahlwitz-Hoppegarten bei Berlin.[7]

Zwischen 1906 und 1908 errichtete Franz in der aufstrebenden Industriegemeinde Dillingen/Saar ein eindrucksvolles Rathaus. Das Rathaus Dillingen/Saar ist in einer Mischung aus Neorenaissance und Jugendstilelementen entworfen. Beim Hauptgiebel zitiert Franz die neoromanischen Giebel des Metzer Bahnhofs, des Wormser Hauptbahnhofs sowie des Aachener Hauptbahnhofs.[8][9][10][11][12][13] Der mit der Rezeption wuchtiger Stilformen vorgenommene Verweis auf die unter Kaiser Wilhelm II. idealisiert gesehenen Epochen des Mittelalters und der Frühen Neuzeit diente der Legitimation und Glorifizierung des zeitgenössischen Kaisertums und sollte eine Zeit wachrufen, in der das Heilige Römische Reich machtvoll und das Herrscherhaus ein absolutes und nicht ein verfassungsrechtlich eingeschränktes gewesen war. Die Wahl des Baustils und der verwendeten Materialien wurde bewusst als Wahrzeichen für die Kraft des Deutschtums eingesetzt.[14]

Für die zwei großformatigen Wandgemälde des Sitzungssaals vermittelte Franz den Charlottenburger Landschafts- und Architekturmaler Otto Günther-Naumburg, der ebenfalls als Professor an der Technischen Hochschule Charlottenburg lehrte.[15][16][17]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Technische Hochschule Breslau verlieh Franz die Ehrendoktorwürde (als Dr.-Ing. E. h.).[18] Am 12. Juli 1929 wurde Wilhelm Franz die Ehrenbürgerwürde der Technischen Hochschule Berlin verliehen. Die philosophische Fakultät der Universität Berlin verlieh ihm ebenfalls die Ehrendoktorwürde.[19][20]

Bauten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Friedrich Hellwig: Das Kaiserliche Post- und Telegrafenamt zu St. Johann an der Saar und seine Baugeschichte. In: Saarheimat, 34. Jahrgang 1990, S. 42–49.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Es gibt in den Studierendenmatrikeln zwei Daten für die Abschlusszeugnisse: 24. März 1887 (wohl für die „Bauführer-Prüfung“ = 1. Staatsexamen) und 26. Februar 1891 (wohl für die „Baumeister-Prüfung“ = 2. Staatsexamen), Quelle: Studierendenmatrikel Bd. III, S. 252 und S. 269; Weitere Quellen neben den Vorlesungsverzeichnissen und den Studierendenmatrikeln, wie z. B. die Studentenakte, sind infolge der Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg nicht erhalten geblieben.
  2. Fr. Hellwig: Das Saarbrücker Rathaus in St. Johann an der Saar. S. 167, Anmerkung Nr. 10.
  3. B. Huber: Das Neue Rathaus in München, Georg von Hauberisser (1841–1922) und sein Hauptwerk. S. 226, Anmerkung Nr. 131.
  4. Charlotte Kranz-Michaelis: Das Rathaus Georg Hauberissers in St. Johann an der Saar. S. 447, Anmerkung Nr. 15.
  5. Universitätsarchiv der Technischen Universität Berlin, Codex Professorum, Wilhelm Franz
  6. VDI-Zeitschrift, 91. Jahrgang, Nr. 6 (vom 15. März 1949) (Nachruf auf Wilhelm Franz)
  7. Friedrich Hellwig: Das Kaiserliche Post- und Telegrafenamt zu St. Johann an der Saar und seine Baugeschichte. In: Saarheimat 34. Jahrgang 1990, S. 42–49, Anmerkung 33.
  8. Niels Wilcken: Architektur im Grenzraum. Das öffentliche Bauwesen in Elsaß-Lothringen (1871-1918). Saarbrücken 2000, Seite 121–136, insbesondere S. 128.
  9. Manfred Berger: Historische Bahnhofsbauten, Band 2. Berlin (Ost) 1987, S. 91–94.
  10. Lutz-Henning Meyer: 150 Jahre Eisenbahnen im Rheinland. (= Beiträge zu den Bau- und Kunstdenkmälern im Rheinland, Band 30.) Köln 1989, S. 524–526.
  11. Eisenbahngebäude in Worms. In: Altlas zur Zeitschrift für Bauwesen, Jahrgang 1906, Blatt1-4.
  12. Manfred Berger: Historische Bahnhofsbauten, Band 3. Berlin (Ost) 1988, S. 223–227.
  13. Zeitschrift für Bauwesen, 56. Jahrgang 1906, Blatt 1.
  14. Niels Wilcken: Architektur im Grenzraum. Das öffentliche Bauwesen in Elsaß-Lothringen (1871-1918). Saarbrücken 2000, Seite 121–136.
  15. Kunstverein Dillingen (Hrsg.): Kunstführer Dillingen/Saar. Saarbrücken / Dillingen 1999, S. 17.
  16. A. Jakob: Die Siersburg im Wandel der Jahrhunderte. Saarlouis 1958, S. 37.
  17. digitalisierte Vorlesungsverzeichnisse der Technischen Hochschule Berlin
  18. Friedrich Hellwig: Das Kaiserliche Post- und Telegrafenamt zu St. Johann an der Saar und seine Baugeschichte. In: Saarheimat, 34. Jahrgang 1990, S. 42–49, Anmerkung 33.
  19. Universitätsarchiv der Technischen Universität Berlin, Codex Professorum, Wilhelm Franz
  20. VDI-Zeitschrift, 91. Jahrgang 1949, Nr. 6 (vom 15. März 1949). (Nachruf auf Wilhelm Franz)
  21. Albert Ruppersberg: Geschichte der ehemaligen Grafschaft Saarbrücken, Geschichte der Städte Saarbrücken und St. Johann 1815-1909, der Stadt Malstatt-Burbach und der vereinigten Stadt Saarbrücken bis zum Jahre 1914. Band III, Teilband 2, 2. Auflage, Saarbrücken 1914, S. 486.
  22. Albert Ruppersberg: Geschichte der ehemaligen Grafschaft Saarbrücken, Geschichte der Städte Saarbrücken und St. Johann 1815-1909, der Stadt Malstatt-Burbach und der vereinigten Stadt Saarbrücken bis zum Jahre 1914. Band III, Teilband 2, 2. Auflage, Saarbrücken 1914, S. 132–133.