Weilmünster

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Weilmünster
Weilmünster
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Weilmünster hervorgehoben

Koordinaten: 50° 26′ N, 8° 22′ O

Basisdaten
Bundesland: Hessen
Regierungsbezirk: Gießen
Landkreis: Limburg-Weilburg
Höhe: 175 m ü. NHN
Fläche: 77,42 km2
Einwohner: 8649 (31. Dez. 2019)[1]
Bevölkerungsdichte: 112 Einwohner je km2
Postleitzahl: 35789
Vorwahlen: 06472, 06475 (Laubuseschbach, Wolfenhausen)Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Vorwahl enthält Text
Kfz-Kennzeichen: LM, WEL
Gemeindeschlüssel: 06 5 33 018
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Rathausplatz 8
35789 Weilmünster
Website: www.weilmuenster.de
Bürgermeister: Mario Koschel (parteilos)
Lage der Gemeinde Weilmünster im Landkreis Limburg-Weilburg
Rheinland-PfalzHochtaunuskreisRheingau-Taunus-KreisLahn-Dill-KreisBad CambergBeselichBrechen (Hessen)Dornburg (Hessen)Elbtal (Hessen)Elz (Westerwald)HadamarHünfeldenLimburg an der LahnLimburg an der LahnLöhnbergMengerskirchenMerenbergRunkelSelters (Taunus)VillmarWaldbrunn (Westerwald)WeilburgWeilmünsterWeinbachKarte
Über dieses Bild
Blick über Weilmünster

Weilmünster ist ein Marktflecken im mittelhessischen Landkreis Limburg-Weilburg.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weilmünster liegt am Nordhang des Taunus im Tal der Weil, einem Nebenfluss der Lahn. Nächste größere Städte sind Wetzlar (20 Kilometer) im Nordosten, Butzbach (30 Kilometer) im Osten, Usingen (18 Kilometer) im Südosten sowie Bad Camberg (23 Kilometer) und Limburg an der Lahn (35 Kilometer) im Südwesten.

Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weilmünster grenzt im Norden an die Städte Weilburg (Landkreis Limburg-Weilburg) und Braunfels, im Osten an die Gemeinde Waldsolms (beide Lahn-Dill-Kreis), im Süden an die Gemeinden Grävenwiesbach, Weilrod (beide Hochtaunuskreis) und Selters, sowie im Westen an die Gemeinden Villmar und Weinbach (alle drei im Landkreis Limburg-Weilburg).

Gliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weilmünster besteht aus den Ortsteilen Audenschmiede, Aulenhausen, Dietenhausen, Ernsthausen, Essershausen, Laimbach, Langenbach, Laubuseschbach, Lützendorf, Möttau, Rohnstadt, Weilmünster (Kernort) und Wolfenhausen.

Der Kernort Weilmünster ist der größte aller Ortsteile des knapp 9000 Einwohner großen Marktfleckens sowie das Zentrum für die medizinische Versorgung und ein Einkaufsort.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weilmünster wurde im Jahr 1217 als Wilmunstre erstmals urkundlich erwähnt, war zu dieser Zeit aber schon ein Dorf mit eigener Kirche. Es gibt Hinweise, dass das Kloster Fulda, welches Besitzungen im Ort hatte, diese Kirche im Laufe des 9. Jahrhunderts erbauen ließ. Die jetzige evangelische Kirche wurde Anfang des 16. Jahrhunderts errichtet und ihr viereckiger Wehrturm etwa um das Jahr 1300. Ab 1601 ist ein regelmäßiger Markt in Weilmünster nachgewiesen. Weilmünster war Amtssitz des Amtes Weilmünster. Der Ort gehörte zu Nassau, nach der Erbteilung zu Nassau-Weilburg, ab 1806 zum Herzogtum Nassau und kam nach der preußischen Annexion im September 1866 zur preußischen Provinz Hessen-Nassau.

Die Industrialisierung in Weilmünster begann früh. Für das Jahr 1421 ist in Audenschmiede eine Waldschmiede nachgewiesen. Bereits vor 1495 existierte mit der Grube Mehlbach ein Bergwerk auf Silber, Blei und Kupfer, welches im Lauf der Jahrhunderte zu den ergiebigsten der Lahnmulde gehörte.

Ende des 16. Jahrhunderts existierte in Weilmünster selbst ein Hüttenwerk mit Hochofen. In der Folge siedelten sich Gießereien und weitere metallverarbeitende Betriebe an. Während des Dreißigjährigen Kriegs erlosch die Metallverarbeitung weitgehend, 1655 wurde der Hochofen wieder in Betrieb genommen. 1712 verfügte die nassau-weilburgische Regierung die Stilllegung der Hütte, um die wegen der Holzkohleproduktion geschädigten Wälder zu schonen. Audenschmiede sollte als einziger Hüttenstandort fortgeführt werden.

Im Jahr 1798 ging das Werk Audenschmiede in den Besitz des im Entstehen begriffenen Buderus-Konzerns über und war bis 1930 einer von dessen bedeutendsten Standorten. Diese industrielle Entwicklung war jedoch nur von kurzer Dauer. Während die Straße im Lahntal ausgebaut und die Lahn kanalisiert wurde, geriet das abseits gelegene Weilmünster ins Hintertreffen. Der Bau der Weilstraße 1860 kam zu spät, die Bahn erreichte Weilmünster erst 1890.

In der 1897 errichteten Landesheil- und Pflegeanstalt Weilmünster wurden in der Zeit des Nationalsozialismus psychisch Kranke und Behinderte zwangssterilisiert und durch vorsätzlichen Entzug von Nahrung, Unterlassung der Pflege oder durch überdosierte Medikamente systematisch ermordet. Von 1937 bis 1945 starben dort mehr als 6000 Menschen, darunter alle jüdischen Patienten. Ein Ermittlungsverfahren gegen Personal der Anstalt, wegen Beteiligung an den nationalsozialistischen Krankenmorden, wurde 1953 eingestellt.

Von den heutigen Ortsteilen wurde Möttau im Jahr 802 erstmals urkundlich erwähnt, Laubuseschbach 897, Wolfenhausen 1194, Essershausen 1233, Lützendorf 1234, Dietenhausen 1301, Ernsthausen 1309, Laimbach 1344, Langenbach 1335, Rohnstadt 1355 und Aulenhausen im Jahr 1565.

Der Weilmünsterer Bauernaufstand[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts kam es zu teils gewaltsamen Auflehnungen der mehrheitlich landwirtschaftlich tätigen Weilmünsterer Bevölkerung gegen den Landesherren. Anlass war der Wunsch von Graf Albrecht von Nassau-Weilburg, den Wald „Bulnberg“ der Gemeinde Weilmünster übereignet zu bekommen. Eine entsprechende Bitte wurde am 1. Juli 1563 der Einwohnerschaft während einer Versammlung auf der Diedenhausener Landstraße vorgetragen und von dieser zurückgewiesen. Darauf ließ der Graf die Weilmüsterer aus ihrem Wald aussperren und bei der Durchsetzung dieser Sperre zwei von ihnen verhaften. Die Gemeinde wiederum klagte erfolgreich vor dem Reichskammergericht in Speyer auf Unterlassung der Sperre und Freilassung der Gefangenen.

Im weiteren Jahresverlauf bot der Graf der Gemeinde einen Tausch des Waldes gegen andere Rechte in Weilmünster in seinem Besitz an, was die Gemeinde ebenfalls ablehnte. Darauf rief Albrecht den Bann über den Bulnberg aus und ließ in der Nacht zum 10. November 1563 Reisige und Fußvolk in Weilmünster einfallen. Die Soldaten schlugen vier Bauern nieder und nahmen mehrere gefangen.

Im folgenden Jahr erhöhte Albrecht die Frondienste der Weilmünsterer und zahlte ihnen kein Dienstgeld mehr. Die Mehrheit der Bauern verweigerte daraufhin die Fron und rief erneut das Reichskammergericht an. Der Graf reagierte mit Strafgeldern und, als diese nicht gezahlt wurden, mit der Pfändung von Vieh und später von Immobilien und Ackergeräten. Bis 1668 sollen so, nach Angaben der Bauern, rund 1.500 Stück Vieh eingezogen worden sein. In den folgenden rund 20 Jahren blieb der Konflikt weitgehend unverändert bestehen. Es kam zu immer neuen Schreiben und Verhandlungen am Reichskammergericht sowie zu Suppliken an den Kaiserhof von Seiten der Bauern und zu immer weitergehenden Pfändungen, Verhaftungen und Ausweisungen von Seiten des Grafen. Die Pfändungen und die Kosten des Rechtsstreits sowie der Ausfall verhafteter oder ausgewiesener Arbeitskräfte führten in den folgenden Jahren zu einer immer höheren Verschuldung vieler Gemeindemitglieder in Weilmünster. 1566 verbot Albrecht die Aufnahme von Hypotheken auf Gemeindebesitz, was den finanziellen Spielraum seiner Kontrahenten weiter einschränkte.

Im Jahr 1571 erreichte der Graf eine Beilegung der Auseinandersetzungen mit neun umliegenden Dörfern, die im geringeren Umfang beteiligte gewesen waren. Innerhalb Weilmünsters waren die Spannungen zwischen den Bauern einerseits und dem Schultheis Christian Weismann sowie den örtlichen Juden andererseits über die Jahre hinweg gewachsen. Ersterer war die örtliche Exekutivperson des Grafen, letztere traten sowohl als Kreditgeber der Hypotheken auf als auch als Verwerter der gepfändeten Güter im Auftrag des Grafen.

1584 kam es nach Vermittlungsbemühungen durch Johann VI. von Nassau-Dillenburg über den von ihm geführten Wetterauer Grafenverein zu einer Beilegung des Konflikts zwischen Graf Albrecht und einer Minderheit von 67 Mitgliedern der Gemeinde Weilmünster. Im folgenden Jahr setzte Kaiser Rudolf II. (HRR) schließlich ein Kommission unter dem Vorsitz von Kurmainz und der Reichsstadt Frankfurt ein, die den Konflikt beilegen sollte. Parallel ließ Graf Albrecht aber alle an der Auseinandersetzung festhaltenden Gemeindemitglieder aus Weilmünster vertreiben. Die folgenden Lösungsvorschläge der Kommission lehnte Albrecht ab und drohte den Weilmünsterer Widerständlern bei einer Versammlung am 4. September 1587 in Weilburg die endgültige Ausweisung mitsamt ihrer Familien und die Einziehung ihres gesamten Vermögens an. Daraufhin unterwarf sich eine Mehrheit der Gemeinde dem Grafen. Im November des Jahres unterstützte nur noch 53 und damit rund ein Drittel der Gemeindemitglieder die Forderungen gegenüber dem Landesherrn. Bis zum Februar 1588 schrumpfte die Zahl auf wenige Bauern zusammen, die tatsächlich aus der Grafschaft verwiesen und damit zu Vagabunden wurden. Albrecht erließ der Gemeinde daraufhin einen Teil ihrer Schulden und übernahm dafür den gesamten Burgwald. Die verbliebenen Schulden mussten die Weilmünsterer in den folgenden Jahren zurückzahlen.

Gebietsreform[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Zuge der Gebietsreform in Hessen fusionierten am 31. Dezember 1970 der bisherige Marktflecken Weilmünster im Oberlahnkreis mit den bis dahin selbstständigen Gemeinden Aulenhausen, Dietenhausen, Ernsthausen, Laimbach, Langenbach, Laubuseschbach, Lützendorf, Möttau, Rohnstadt und Wolfenhausen freiwillig zur neuen Großgemeinde Weilmünster.[2] Die diesbezügliche offizielle Urkunde des Landes Hessen übergab Landrat Alfred Schneider im „Roten Salon“ des Hotels „Lord“ in Weilburg.[3] Essershausen kam am 31. Dezember 1971 hinzu.[4] Für alle zwölf ehemals eigenständigen Gemeinden wurden Ortsbezirke mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung gebildet.[5]

Territorialgeschichte und Verwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die folgende Liste zeigt im Überblick die Territorien, in denen Weilmünster lag, bzw. die Verwaltungseinheiten, denen es unterstand:[6][7]

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weilmünster: Einwohnerzahlen von 1834 bis 2015
Jahr  Einwohner
1834
  
1.299
1840
  
1.429
1846
  
1.506
1852
  
1.550
1858
  
1.503
1864
  
1.570
1871
  
1.517
1875
  
1.401
1885
  
1.464
1895
  
1.531
1905
  
2.744
1910
  
2.967
1925
  
1.893
1939
  
3.643
1946
  
3.328
1950
  
3.684
1956
  
4.120
1961
  
3.675
1967
  
4.040
1970
  
8.897
1972
  
9.429
1976
  
9.094
1984
  
8.900
1992
  
9.014
2000
  
9.400
2010
  
9.029
2015
  
8.800
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: [6]; 1972:[8]; 1976:[9]; 1984:[10]; 1992:[11]; 2000, 2015:[12]; 2010:[13]
Ab 1970 einschließlich der im Zuge der Gebietsreform in Hessen eingegliederten Orte.

Religionszugehörigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quelle: Historisches Ortslexikon[6]

• 1885: 1378 evangelische (= 97,66 %), 32 katholische (= 2,27 %), ein jüdischer (= 0,07 %) Einwohner
• 1961: 2499 evangelische (= 68,00 %), 1074 katholische (= 29,22 %) Einwohner

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeindevertretung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kommunalwahl am 14. März 2021 lieferte folgendes Ergebnis,[14] in Vergleich gesetzt zu früheren Kommunalwahlen:[15][16][17][18]

Sitzverteilung in der Gemeindevertretung 2021
    
Insgesamt 31 Sitze
  • SPD: 12
  • BL: 6
  • BfW: 3
  • CDU: 10
Parteien und Wählergemeinschaften 2021 2016 2011 2006 2001
% Sitze % Sitze % Sitze % Sitze % Sitze
SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 39,5 12 35,6 11 45,5 14 43,1 13 43,3 13
CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 32,7 10 32,2 10 37,9 12 41,2 13 40,5 13
BL Bürgerliste FWG-F.D.P. 17,2 6 19,1 6 16,6 5 15,7 5 10,9 3
BfW Bürger für Weilmünster 10,6 3 13,2 4
Grüne Bündnis 90/Die Grünen 5,2 2
Gesamt 100,0 31 100,0 31 100,0 31 100,0 31 100,0 31
Wahlbeteiligung in % 49,1 52,0 49,3 48,4 56,9

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit dem Jahr 1993 werden in Hessen die Bürgermeister direkt gewählt:[19]

  • Eppstein, Johann Christian (1867–1875)
  • Dienst, Philipp Friedrich (1876–1880)
  • Dienst, Friedrich Ernst (1880–1891)
  • Dienst, Philipp Friedrich (1891–1896)
  • Eppstein, Philipp (1896–1900)
  • Klein, Philipp Heinrich (1900–1926)
  • Müller, August (1926–1933)
  • Färber, August (1933–1941)
  • Weil, Hermann (1941–1945)
  • Weil, Albert (1945)
  • Metzler, Adolf (1945–1946)
  • Weil, Albert (1946–1948)
  • Weinbrenner, Friedrich (1948), kommissarisch, Erster Beigeordneter
  • Benz, Albert (1948–1951)
  • Dr. Kottek (1951–1952), kommissarisch, Erster Beigeordneter
  • Benz, Wilhelm (1952–1958)
  • Windmeier, Waldemar (1958–1988)
  • Pfeiffer, Klaus (1988–1994)
  • Heep, Manfred (1994–2018)
  • Koschel, Mario (seit 2018)

Bei der Wahl am 27. Mai 2018 wurde Mario Koschel (parteilos) mit 55,3 8 % der Stimmen gewählt.[20]

Hoheitssymbole[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen des Marktfleckens Weilmünster
Wappen des Marktfleckens Weilmünster
Blasonierung: „In Silber eine zweitürmige, blau-bedachte und mit bekreuzten goldenen Turmkugeln auf den Turmspitzen und dem Langhausdachende besetzte rote Kirche in perspektivischer Südostansicht, im linken Obereck in Blau ein mit sieben goldenen Schindeln bestreuter steigender rot-bezungter und rot-wehrter goldener Löwe.“[21]
Wappenbegründung: Das Wappen in der heutigen Form wurde am 1. Juli 1935 vom Oberpräsident der Provinz Hessen-Nassau verliehen und am 30. September 1983 vom hessischen Innenminister bestätigt. Gleichzeitig wurde mit separater Urkunde der Gemeinde Weilmünster (Oberlahnkreis) das Recht verliehen, die Bezeichnung „Marktflecken“ zu führen.

Die Kirche im Wappen ist der evangelischen Kirche Weilmünster nachgebildet. Der goldene Löwe mit den sieben Schindeln entstammt dem Wappen des ehemaligen Herzogtums Nassau. Nachweisbar wurde das heutige Wappen bereits in der Zeit kurz nach dem Dreißigjährigen Krieg als Amtssiegel geführt.

Flagge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Die Flagge zeigt die beiden Farbbahnen Orange und Blau, die im oberen Drittel verwechselt sind, belegt mit dem Gemeindewappen.“[21] Die Farben Orange und Blau erinnern an die Landesfarben des ehemaligen Herzogtums Nassau. Alternativ zum Gemeindewappen wird bei bestimmten Veranstaltungen eine Fahne, die Weilmünsterfahne, gehisst.

Partnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weilmünster unterhält seit dem Jahr 1963 eine partnerschaftliche Beziehung zur Gemeinde Le Cheylard in Frankreich.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kulturdenkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Altes Nassauisches Amtshaus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Amtshaus in Weilmünster ist ein Fachwerkhaus mit Krüppelwalmdach und sechseckigem Firstreiter gegenüber Rathaus und evangelischer Kirche. Das Gebäude wurde im 17. Jahrhundert errichtet und war Sitz des Oberschultheißen und des Gerichtes. 1772 bis 1822 diente das Gebäude auch als Schule. Eine Jungen- und eine Mädchenklasse waren eingerichtet. 1822 bis 1915 war das Haus Schulgebäude von Weilmünster. 1915 bis 1965 wurde das Haus als Wohnhaus genutzt. 1969 bis 1974 wurden vorbereitende Arbeiten zur Nutzungsänderung durchgeführt und 1979/80 die Sanierung abgeschlossen. Heute ist das Haus Sitz des Bauamtes und des Standesamtes.

An das Amtshaus angebaut ist das ehemalige Backhaus (im Volksmund „Bolles-che“). Das kleine Gebäude mit dem auffälligen Dach wurde als Gefängnis, Wachlokal, Sitz des Nachtwächters und des Ortsschäfers genutzt.

Evangelische Kirche mit Wehrturm[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die evangelische Kirche in Weilmünster verfügt über einen freistehenden Wehrturm aus dem 12./13. Jahrhundert. Chor und Langhaus wurden 1511 geweiht. 1790 wurde das Gotteshaus in barockem Stil umgebaut. Die dreiseitige Empore und der Opferstock stammen aus dem Jahr 1654, die Kanzel aus dem 17. Jahrhundert, die Orgel aus 1776 und der Taufbeckenständer aus dem 18. Jahrhundert.

Rathaus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das klassizistische Rathaus wurde um 1810 erbaut. Bis 1915 wurde das Gebäude auch als Schule genutzt. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Haus 1944 zerstört und nach dem Krieg teilweise wieder aufgebaut.

Heimatstube[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Heimatstube ist ein traufständiges Doppelhaus mit einem Baujahr um 1700. Das Fachwerkhaus verfügt über Schnitzereien an Schwelle und Eckständer. Die mit Rauten und Zopfwerk geschmückte Oberlichttür weist als Jahreszahl 1837 aus. Das Haus wird heute als Heimatstube des Heimatvereins Weilmünster genutzt.

Neben der Heimatstube gibt es weitere Fachwerkhäuser im Ort.

Aussichtsturm „Kirbergturm“[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Kirbergturm, im Volksmund auch „Römerturm“ genannt, ist ein etwa 20 Meter hoher Turm, der ca. 25 Meter oberhalb der Gemeinde liegt. Es handelt sich um einen Wachturm als Teil der mittelalterlichen Befestigungsanlage von Weilmünster. Der Bau stammt aus der Zeit um 1600. In der Nachbarschaft befinden sich Reste der Befestigungsmauer. 1986/87 wurde der Turm renoviert.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weilmünster besitzt seit mehr als 400 Jahren Marktrechte und macht davon auch heute noch regen Gebrauch. Frühlings-, Bauern- und Martinimarkt sorgen für großen Publikumsandrang. Außerdem ziehen Sportveranstaltungen wie der Weiltal-Marathon und der autofreie Sonntag im Weiltal immer wieder Gäste in den Ort. Der Jahresverlauf:

  • März Frühlingsmarkt
  • April Weiltal-Marathon
  • Juni Weiltal-Familien-Radtour in Zusammenarbeit mit dem Verkehrs- und Verschönerungsverein Weilmünster
  • Juli Apfellauf in Zusammenarbeit mit der Kelterei Heil
  • Juli Weinfest
  • August Autofreier WeiltalSonntag
  • September Kirmes (mit Bauernmarkt)
  • November Martinimarkt

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Vitos Klinikum Weilmünster ist mit 680 Beschäftigten größter Arbeitgeber in der Großgemeinde. Im Februar 2021 gab der Vitos-Konzern bekannt, sein großes Klinikgelände in Weilmünster zu räumen. Was bislang an Ideen für eine neue Nutzung bekannt wurde, hat Kritiker aufgeschreckt. Denn 6.000 Patienten der früheren Heilanstalt wurden von Nazis ermordet.[22]

Zweitgrößter Arbeitgeber ist der Automobilzulieferer KM Decorative Components GmbH in Audenschmiede. Es folgen ein Straßenbau-Unternehmen sowie eine Vielzahl an mittelständischen Geschäften und Handwerksbetrieben.

Weilmünster gehört zu den waldreichsten Orten im Landkreis. Das Forstamt Weilmünster betreut neben dem Staatswald auch den Wald von zwölf Kommunen im Süden des Landkreises Limburg-Weilburg und des Lahn-Dill-Kreises.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weilmünster liegt in der Nähe der Bundesstraße 456, über die Weilburg und Bad Homburg vor der Höhe zu erreichen sind. Die Entfernung zum Flughafen Frankfurt beträgt etwa 60 km.

Die bis zum Jahr 1990 abgebaute Bahnstrecke Weilburg – Grävenwiesbach (Weiltalbahn) führte durch Weilmünster. Neben dem eigentlichen, abgelegenen Bahnhof selbst besaß auch die Kureinrichtung einen eigenen Haltepunkt namens Weilmünster-Kurhaus. Im Ort zweigte die Stichstrecke nach Laubuseschbach ab. Zwischenzeitlich wurden alle Gleise restlos entfernt und die Trasse wurde größtenteils für den Bau des Weiltalwegs genutzt.

Auch die Trasse nach Laubuseschbach kann heute von Wanderern, Radfahrern oder Inlinern benutzt werden (Asphaltdecke). In Weilmünster finden sich als letzte Zeugen der Eisenbahn das alte Bahnhofsgebäude und die zugemauerten Tunnelportale. Die bis August 2007 noch vorhandenen Steinbögen des Viaduktes im Ort mussten einer Straßenverbreiterung weichen. Im Zusammenhang mit der Reaktivierung der Eisenbahnstrecke Grävenwiesbach – Brandoberndorf wurde auch eine erneute Anbindung Weilmünsters an das Schienennetz erwogen. Die Pläne wurden aber nicht konkret weiterverfolgt.

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Kerngemeinde Weilmünster besteht eine Grundschule mit Außenstelle in Laubuseschbach. Weiterhin besteht eine kooperative Gesamtschule mit Haupt-, Realschule sowie einem Gymnasiumszweig der Jahrgangsstufen fünf bis neun. Viele Schüler aus Weilmünster besuchen auch weiterführende Schulen in Weilburg.

Einrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Freiwillige Feuerwehr Weilmünster, gegr. 1910 (seit 1. Oktober 1975 mit Jugendfeuerwehr und seit 23. September 2007 mit Kinderfeuerwehr)
  • Freiwillige Feuerwehr Aulenhausen, gegr. 1934 (seit 1. Januar 1992 mit Jugendfeuerwehr)
  • Freiwillige Feuerwehr Dietenhausen, gegr. 1934 (seit 27. Februar 1996 mit Jugendfeuerwehr und seit 2. April 2011 mit Kinderfeuerwehr)
  • Freiwillige Feuerwehr Ernsthausen, gegr. 1932 (seit 8. Juli 1990 mit Jugendfeuerwehr)
  • Freiwillige Feuerwehr Essershausen, gegr. 1934
  • Freiwillige Feuerwehr Laimbach, gegr. 1934 (seit 1. Juli 1988 mit Jugendfeuerwehr)
  • Freiwillige Feuerwehr Langenbach, gegr. 1934 (seit 1977 mit Fanfarenzug und seit 1. Dezember 1981 mit Jugendfeuerwehr)
  • Freiwillige Feuerwehr Laubuseschbach, gegr. 1934 (seit 16. Juni 1983 mit Jugendfeuerwehr und seit 21. August 2010 mit Kinderfeuerwehr)
  • Freiwillige Feuerwehr Rohnstadt, gegr. 1934 (seit 9. Januar 1999 mit Jugendfeuerwehr)
  • Freiwillige Feuerwehr Wolfenhausen, gegr. 1932 (seit 1. März 1977 mit Jugendfeuerwehr und seit 25. September 2010 mit Kinderfeuerwehr)

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Erco von Dietze: Archiv Evangelische Kirchengemeinde Weilmünster I. 1565–1975. Findbuch. 1989
  • Erco von Dietze: Archiv Evangelische Kirchengemeinde Weilmünster II. (Ernsthausen) 1766–1976. Findbuch. 1989
  • Fritz Geisthardt: Landesherrliche Eisenindustrie im Taunus. In: Nassauische Annalen. Bd. 68, 1957, S. 156–174.
  • Georg Schmidt (Historiker): Bauernunruhen in Weilmünster (1563-1588). In: Nassauische Annalen. Bd. 95, 1984, S. 91–118.
  • Literatur über Weilmünster in der Hessischen Bibliographie

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Weilmünster – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hessisches Statistisches Landesamt: Bevölkerungsstand am 31.12.2019 (Landkreise und kreisfreie Städte sowie Gemeinden, Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011)  (Hilfe dazu).
  2. Zusammenschluss von Gemeinden zur Gemeinde „Weilmünster“, Oberlahnkreis vom 6. Januar 1971. In: Der Hessische Minister des Inneren (Hrsg.): Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1971 Nr. 4, S. 141, Punkt 170 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 6,3 MB]).
  3. Franz-Josef Sehr: Vor 50 Jahren: Entstehung der Gemeinde Beselich. In: Der Kreisausschuss des Landkreises Limburg-Weilburg (Hrsg.): Jahrbuch für den Kreis Limburg-Weilburg 2021. Limburg 2020, ISBN 3-927006-58-0, S. 41–48.
  4. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 373.
  5. Hauptsatzung. (PDF; 51 kB) § 6. In: Webauftritt. Gemeinde Weilmünster, abgerufen im März 2020.
  6. a b c Weilmünster, Landkreis Limburg-Weilburg. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 5. Juni 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  7. Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Land Hessen. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  8. Kommunalwahlen 1972; Maßgebliche Einwohnerzahlen der Gemeinden vom 4. August 1972. In: Der Hessische Minister des Inneren (Hrsg.): Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1972 Nr. 33, S. 1424, Punkt 1025 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 5,9 MB]).
  9. Kommunalwahlen 1977; Maßgebliche Einwohnerzahlen der Gemeinden vom 15. Dezember 1976. In: Der Hessische Minister des Inneren (Hrsg.): Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1976 Nr. 52, S. 2283, Punkt 1668 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 10,3 MB]).
  10. Kommunalwahlen 1985; Maßgebliche Einwohnerzahlen der Gemeinden vom 30. Oktober 1984. In: Der Hessische Minister des Inneren (Hrsg.): Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1984 Nr. 46, S. 2175, Punkt 1104 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 5,5 MB]).
  11. Kommunalwahlen 1993; Maßgebliche Einwohnerzahlen der Gemeinden vom 21. Oktober 1992. In: Der Hessische Minister des Inneren (Hrsg.): Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1992 Nr. 44, S. 2766, Punkt 935 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 6,1 MB]).
  12. Gemeindedatenblatt: Weilmünster. (PDF; 222 kB) In: Hessisches Gemeindelexikon. HA Hessen Agentur GmbH;
  13. Die Bevölkerung der hessischen Gemeinden am 30. Juni 2010. (PDF; 552 kB) Hessisches Statistisches Landesamt, S. 11, archiviert vom Original am 7. Februar 2018; abgerufen am 20. März 2018.
  14. Ergebnis der Gemeindewahl am 14. März 2021. In: Webauftritt. Hessisches Statistisches Landesamt, abgerufen im April 2021.
  15. Ergebnis der Gemeindewahl am 6. März 2016. In: Webauftritt. Hessisches Statistisches Landesamt, abgerufen im April 2016.
  16. Ergebnis der Gemeindewahl am 27. März 2011. In: Webauftritt. Hessisches Statistisches Landesamt, abgerufen im April 2011.
  17. Ergebnis der Gemeindewahl am 26. März 2006. (Memento vom 30. Juni 2016 im Internet Archive) In: Webauftritt. Hessisches Statistisches Landesamt.
  18. Ergebnis der Gemeindewahl am 18. März 2001. (Memento vom 16. Dezember 2007 im Internet Archive) In: Webauftritt. Hessisches Statistisches Landesamt.
  19. Bürgermeister-Direktwahlen in Weilmünster, Marktflecken. In: Statistik.Hessen. Hessisches Statistisches Landesamt, abgerufen im Januar 2021.
  20. Bürgermeisterwahl. In: Statistik.Hessen. Hessisches Statistisches Landesamt, abgerufen am 28. März 2021.
  21. a b Wappenbeschreibung. In: weilmuenster.de. Marktflecken Weilmünster, abgerufen am 29. Januar 2019.
  22. Wolfgang Türk: Romantik-Hochzeiten am Ort des NS-Verbrechens? Streit um Gelände in Weilmünster. hessenschau.de, 17. Februar 2021