Wilhelmskirche (Straßburg)

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Fassade der Wilhelmskirche
Blick vom Eingang zum Chorraum
Blick vom Chor in die Kirche

Die Wilhelmskirche bzw. Wilhelmerkirche (Église Saint-Guillaume) ist ein evangelisch-lutherisches Kirchengebäude innerhalb der Protestantischen Kirche Augsburgischen Bekenntnisses von Elsass und Lothringen in der Stadt Straßburg im Elsass.[1] Sie ist bemerkenswert wegen ihrer Lage an der Ill, ihres „schiefen“ Äußeren sowie ihrer reichen gotischen und barocken Innenausstattung. Aufgrund ihrer guten Akustik dient sie seit Ende des 19. Jahrhunderts auch als Spielstätte von Aufführungen klassischer geistlicher Musik, insbesondere der Passionen von Johann Sebastian Bach.

Architektur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das 1307 fertiggestellte, langgestreckte gotische Bauwerk war ursprünglich die Kirche eines Bettelordensklosters der Wilhelmiten bzw. Wilhelmer nach Wilhelm von Malavalle, Herzog von Aquitanien, geb. 1086, was noch an der einschiffigen Anlage und der schlichten Außengestalt zu erkennen ist. 1667 wurde der asymmetrische Glockenturm über dem Haupteingang errichtet. Die schiefe Anlage des Gebäudes liegt an dem schlammigen Untergrund, auf dem es errichtet wurde, und ist auch an anderen Häusern des Viertels Krutenau festzustellen.

Ausstattung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Reste eines gotischen Portals in der Vorhalle
  • Zahlreiche hoch- und spätgotische Bleiglasfenster, darunter mehrere von Peter Hemmel von Andlau
  • Aufwändiges Doppelgrab der Brüder Philipp und Ulrich von Werd (14. Jahrhundert)
  • Fragmente eines Lettners (1485)
  • Bemalte Relieftafel „Heiliger Wilhelm“ aus Eichenholz (16. Jahrhundert)
  • Kanzel von 1656
  • Hauptaltar von 1767

Silbermann-Orgel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Orgelprospekt

Die Orgel der Wilhelmerkirche wurde 1728 von Andreas Silbermann erbaut und ist die älteste an Ort und Stelle gebliebene Silbermann-Orgel Straßburgs. Original erhalten ist allerdings nur das barocke Gehäuse. Das Orgelwerk selbst hat zwischenzeitlich zahlreiche Veränderungen erfahren. Es hat heute 30 Register auf zwei Manualen und Pedal. Die Trakturen sind mechanisch.[2]

I Grand Orgue C–d3
1. Bourdon 16′
2. Principal 8′
3. Flûte à cheminée 8′
4. Viole de gambe 8′
5. Octave 4′
6. Flûte pointue 4′
7. Quinte 22/3
8. Octave 2′
9. Gemshorn 2′
10. Tierce 13/5
11. Cornet V 8′
12. Mixture IV
13. Trompette 8′
II Positif de dos C–d3
14. Bourdon 8′
15. Quintaton 8′
16. Prestant 4′
17. Flûte à cheminée 4′
18. Nasard 22/3
19. Octave 2′
20. Larigot 11/3
21. Sifflet 1′
22. Sesquialtera II 13/5′+4/5
23. Mixture II
24. Voix humaine 8′
Pédale C–d1
25. Principal 16′
26. Octavebasse 8′
27. Octavebasse 4′
28. Posaune 16′
29. Trompette 8′
30. Clairon 4′

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von 1693 bis 1697 wirkte der Komponist und spätere Pfarrer Johann Georg Keifflin (1672–1728) aus Diemeringen während seiner Studienzeit als Organist an der Kirche. Er verfasste hier 1696 die Motette Elevation. Aspiratio ad Christum für Sologesang, 2 Violinen, Fagott und Basso continuo,[3] die in einer Handschrift von Sébastien de Brossard erhalten ist.[4]

Von 1826 bis 1837 war der Dichter Johann Jakob Jägle Pfarrer an der Wilhelmerkirche.

Der 1885 vom Organisten Ernst Münch (1859–1928) gegründete Chor der Wilhelmerkirche ist überregional bekannt, und wurde bereits von berühmten Dirigenten wie Wilhelm Furtwängler, John Eliot Gardiner und Charles Münch, dem Sohn von Ernst Münch, geleitet.

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Einige Nachrichten über die Pfarrkirche zu Sanct Wilhelm in Straßburg, Straßburg 1818
  • Gustav Lasch, Eugen Herrmann, Robert Will (Hrsg.): Geschichte der Wilhelmer Kirche zu Straßburg im Elsaß. Drei Beiträge, Straßburg 1914

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Wilhelmskirche – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://www.itinerairesprotestants.fr/de/sehenswurdigkeiten/strasbourg-8
  2. Nähere Informationen zur Silbermann-Orgel
  3. Johann Georg Keifflin, Th[eologiae] Aud[itor], 1696, canto Solo cum V. V. F. et organo Dulce Pelicani pectus; vgl. Jean-Luc Gester: La musique religieuse en Alsace au XVIIe siècle. Réception de la musique italienne en pays rhénan, Presses Universitaires de Strasbourg, Straßburg 2001, S. 196 und 251.
  4. Sébastien de Brossard: [Anthologie] Recueil de motets de différents autheurs [SdB recueil 27], Handschrift 2. Hälfte des 17. Jh. (Bibliothèque nationale de France; Vm 1 1266).

Koordinaten: 48° 34′ 56″ N, 7° 45′ 27″ O