Winterstreu

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Verkehrsschild-Zusatzzeichen 1060-30 in Deutschland
Streugutkiste
Orangefarbener Streugutkasten der Landeshauptstadt Kiel

Winterstreu, Streugut oder Streustoff ist ein Oberbegriff für verschiedene Substrate, die in den gemäßigten, subarktischen und arktischen Zonen während der kalten Jahreszeit (Winter) verwendet werden, um verschneite und vor allem vereiste Wege und Straßen griffiger zu machen.

Auftauende Streumittel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Auftausalz

In gemäßigten Klimazonen setzt man Streusalz, mit Nebenmineralen vergälltes Natriumchlorid, ein, um Schnee und Eis aufzutauen. Beigabe von Salz senkt den Gefrierpunkt des Wassers. So hat Meerwasser bei einer Salzkonzentration von 3,5 % einen Gefrierpunkt von −1,9 °C, eine gesättigte Kochsalzlösung (356 g Natriumchlorid pro Liter Wasser) hat einen Gefrierpunkt von −21 °C. In der Praxis kann also die Vereisung von Wegen bestenfalls bis ca. −10 °C mit normalem Natriumchlorid-Streusalz beseitigt werden. Dagegen stehen durch das Salz verursachte Umweltprobleme, weswegen die Nutzung in den meisten Gemeinden verboten ist (siehe Auftausalz).

Abstumpfende Streumittel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vor allem auf weniger befahrenen Straßen sowie auf Rad- und Fußwegen verwendet man sogenannte „abstumpfende Mittel“. Diese stumpfen die Glätte ab und schmelzen das Eis nicht, nehmen beim Streuen aber direkt die Rutschglätte.

Streusand
Gewöhnlicher Sand, wie er aus Kiesgruben und von Sandstränden gewonnen wird, kann ebenfalls verwendet werden. Nach dem Abtauen der Vereisungen kann er zusammengefegt und entsorgt werden. Sand ist weniger witterungsbeständig als Granulate und kommt daher seltener zum Einsatz.
Mineralische Streugranulate
Diverse Kiese, Schottersubstrate, Splitt (Streusplitt) oder auch Blähton und Ähnliches können ebenfalls verwendet werden. Ihr Vorteil ist, dass sie aufgrund der Größe der einzelnen Körner beziehungsweise Steinchen nicht so schnell von Neuschnee verdeckt werden. Aufgrund der Korngröße werden sie nicht so rasch in die Eisdecke gedrückt wie Sand. Nach dem Winter werden diese Streugranulate im Zuge der Straßenreinigung eingesammelt und für den Straßenbau verwendet. Einige Produkte sind jedoch scharfkantig und hart, so dass dann Fliesen oder Steinzeug, wenn unter den Schuhen mit ins Haus getragen, beschädigt werden können. Mürbe Produkte, die sich beim Darauftreten zerdrücken, sind hier zu bevorzugen.
Granulate aus nachwachsenden Rohstoffen
Aus Erntereststoffen hergestellte Granulate (z. B. Maisspindelgranulat) wirken abstumpfend gegen Winterglätte bei Eis oder Schnee. Probleme, die durch Salz, Splitt oder Asche an Pflanzenwurzeln, Schuhwerk, Bausubstanz, Metall, Bodenbelag, Grundwasser oder Hundepfoten verursacht werden, können damit vermieden werden. Organische Streumittel stauben nicht und sind schwer genug bei Wind. Sie können von Hand oder per Streukarre sparsam ausgestreut werden. Ausgestreutes organisches Granulat bleibt witterungsbeständig, abriebfest, staubfrei, kratzt nicht an empfindlichen Flächen im Haus. Allerdings sind sie teurer als herkömmliche Mittel, was jedoch durch Handhabungsvorteile ausgeglichen wird. Einsatzbereiche sind vor allem Gehwege (Fußgängerzonen, Fußwege vor Hotels, Geschäften, Behörden, Krankenhäusern und Schulen), Straßenkreuzungen. Nach Gebrauch kann das Granulat unschädlich ins Grüne gekehrt werden.
Asche
wurde früher vor allem in Gegenden gestreut, in denen viel mit Holz oder Kohle geheizt wurde. Heutige Kaminöfen produzieren kaum noch Asche (100 Kilogramm Holz ergeben zwei bis drei Kilogramm Asche); sie enthält praktisch keine unverbrannten Reste mehr. Solche Reste (die als abstumpfende Partikel auf Schnee und Eis wirken können) hat man nur in Asche aus offenen Kaminen. Die wasserlöslichen Anteile der Asche (Rohpottasche) haben eine dem Auftausalz ähnliche gefrierpunktserniedrigende Wirkung auf Schnee und Eis.