Wjatscheslaw Ponomarjow

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Wjatscheslaw Ponomarjow

Wjatscheslaw Ponomarjow (russisch Вячеслав Пономарёв; * 2. Mai 1965 in Slawjansk, Ukrainische SSR, Sowjetunion) war Anführer der prorussischen Kräfte in der ostukrainischen Stadt Slowjansk und bezeichnete sich selbst seit der gewaltsamen Stürmung der Stadtverwaltung[1] als „Bürgermeister“ der Stadt.[2][3] Ponomarjow verschärfte in den Folgetagen mit der Festsetzung internationaler Militärbeobachter die Krise in der Ukraine 2014.

Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Afghanistanveteran Ponomarjow[4] stammt aus Slawjansk.[5] Unklar ist, welche Funktionen er vor dem Ukraine-Konflikt eingenommen hat. Nach eigenen Angaben hat er in der sowjetischen Armee gedient und dabei auch an Spezialoperationen teilgenommen, bevor er 1992 aus der Armee ausgeschieden sei. Bei seinen Kräften handele es sich hauptsächlich um Ortsansässige, doch es gebe auch „Gesinnungsgenossen“ aus anderen Städten und Regionen, darunter ehemalige Sowjetarmee-Kameraden aus Russland, Moldawien und Kasachstan.[6] Ponomarjow soll zuvor eine Haftstrafe abgesessen[7] und in Slowjansk eine Seifenfabrik geleitet haben.[8]

Gefangennahme internationaler Militärbeobachter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 25. April 2014 setzten von Ponomarjow befehligte Bewaffnete in Slowjansk 13 internationale Militärbeobachter und ihre Begleiter fest, die unter der Leitung des deutschen Oberst Schneider „bilateral in der Ukraine unter einem OSZE-Dokument tätig“[9] gewesen seien.[10] Darunter waren drei Offiziere und ein ziviler Dolmetscher aus Deutschland sowie je ein Offizier aus Dänemark, Polen, Schweden und Tschechien. Begleitet wurden diese von vier ukrainischen Offizieren und einem ukrainischen Soldaten als Fahrer, die ebenfalls verhaftet wurden. Es handelt sich um Militärbeobachter von Staaten nach dem Wiener Dokument 2011 der Verhandlungen über vertrauens- und sicherheitsbildende Maßnahmen.[11] „Es gehe ihnen gut“, erklärte Ponomarjow später: „aber ich kann nicht sagen, wann sie wieder freikommen“. Sie würden von „unseren Sicherheitsdiensten“ untersucht, denn sie hätten keine Genehmigung für ihre angebliche Beobachtermission.[12] Er betrachte sie als Kriegsgefangene, sie seien keine Geiseln, wie die ukrainische Regierung und ausländische Regierungen sie betrachten.[13][14] Die Militärbeobachter wurden am 3. Mai 2014 freigelassen.

Absetzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 10. Juni 2014 wurde Ponomarjow auf Anweisung des „Verteidigungsministers“ der Volksrepublik Donezk, Igor Girkin, festgenommen. Als sein Nachfolger in Slowjansk wurde Wladimir Pawlenko eingesetzt.[15] Ponomarjow soll auf Grund der Belastung durch seine Position nicht mehr zurechnungsfähig gewesen sein und habe Drogen konsumiert.[16]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bloomberg Business Week - Abgerufen am 1. Mai 2014
  2. Webseite der Stadt Slawjansk [1] Abgerufen am 1. Mai 2014
  3. The Voice of Russia [2] Abgerufen am 1. Mai 2014
  4. Julia Smirnowa: Die russische Invasion hat längst begonnen. welt.de, 21. April 2014, abgerufen am 26. April 2014.
  5. Ljubow Ljulko: Lidery jugo-wostoka Ukrainy kto oni? pravda.ru, 30. April 2014, abgerufen am 7. Juni 2014.
  6. Ukraine-Krise: Von ukrainischer Armee belagertes Slawjansk hat 2500 Verteidiger. RIA Nowosti, 24. April 2014, abgerufen am 26. April 2014.
  7. Ann-Dorit Boy: Wjatscheslaw Ponomarjow: Der Führer aus dem Nichts. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30. April 2014.
  8. Alec Luhn: Vyacheslav Ponomarev: the 'people's mayor' who runs Slavyansk. The Guardian online, 25. April 2014, abgerufen am 26. April 2014 (englisch).
  9. Die Tageszeitung: Geiselnahme in der Ukraine. [3] Abgerufen am 1. Mai 2014
  10. Stellungnahme der OSZE auf der offiziellen Webseite der OSZE - Abgerufen am 1. Mai 2014
  11. Ukraine, a developing story. 25. April 2014, abgerufen am 26. April 2014 (englisch).
  12. Separatistenführer betrachtet Deutsche als „Kriegsgefangene“. t-online.de, 26. April 2014, abgerufen am 26. April 2014.
  13. Die Zeit: Bundesregierung: Russland muss sich von Geiselnahme distanzieren. [4] Abgerufen am 1. Mai 2014
  14. Paul Ronzheimer, Sergej Polezhaka: Was passiert mit den „Kriegsgefangenen“? bild.de, 26. April 2014, abgerufen am 26. April 2014.
  15. Gazeta.ru: Вячеслав Пономарев
  16. http://fakty.ictv.ua/ru/index/read-news/id/1517612