Slowjansk
| Slowjansk | ||
|---|---|---|
| Слов'янськ | ||
| Basisdaten | ||
| Staat: | ||
| Oblast: | Oblast Donezk | |
| Rajon: | Rajon Kramatorsk | |
| Höhe: | 74 m | |
| Fläche: | 58,9 km² | |
| Einwohner: | 105.141 (1. Januar 2022) | |
| Bevölkerungsdichte: | 1.785 Einwohner je km² | |
| Postleitzahlen: | 84122 | |
| Vorwahl: | +380 6262 | |
| Geographische Lage: | 48° 51′ N, 37° 36′ O | |
| KATOTTH: | UA14120210010032554 | |
| KOATUU: | Angabe fehlt | |
| Verwaltungsgliederung: | 1 Stadt, 2 Siedlungen städtischen Typs, 1 Dorf, 1 Ansiedlung | |
| Verwaltung | ||
| Bürgermeister: | Ljach Wadym Mychajlowytsch (ukrainisch Лях Вадим Михайлович) | |
| Adresse: | пл. Жовтневої Революції 2 84122 м. Слов’янськ | |
| Website: | http://www.slavrada.gov.ua/ | |
|
| ||
Slowjansk (ukrainisch ; russisch Slawjansk) ist eine Stadt in der Oblast Donezk im Osten der Ukraine. Slowjansk war bis 2020 das administrative Zentrum des gleichnamigen Rajons Slowjansk und hatte 2026 etwa 40.000 Einwohner.[1] Seit 2020 gehört es zum Rajon Kramatorsk.
Geographie
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Slowjansk liegt im Donezbecken am Zusammenfluss des Kasennyj Torez mit dem Suchyj Torez 93 Kilometer nördlich der Oblasthauptstadt Donezk. Im Ort gibt es einen Bahnhof an der Bahnstrecke Poltawa–Rostow.
Bei Slowjansk befinden sich salzhaltige Seen, die die Basis der Erholungsindustrie der Stadt bilden.[2][3]
Geschichte
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Im Stadtkreis von Slowjansk befindet sich das erstmals 1526 schriftlich erwähnte Kloster Swjatohirsk. 1676 wurde an der Stelle der Stadt die Festung Tor gegründet. Schon damals wurde in der Umgebung der Stadt Salz gewonnen und intensiver Salzhandel getrieben. Heute noch ist sie einer der größten Salzlieferanten in Osteuropa. 1784 wurde sie in Slowjansk umbenannt, wörtlich: „Slawische Stadt“. Seit Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelte sich die Stadt zum Zentrum der chemischen Industrie. Vom 25. Oktober 1941 bis zum 6. September 1943 war sie von Truppen der Wehrmacht besetzt, bis sie von der Roten Armee eingenommen wurde. Seit 1974 hat Slowjansk den Status einer kreisfreien Stadt, am 8. September 2016 wurde die bis dahin zum Stadtkreis von Slowjansk gehörende Stadt Mykolajiwka administrativ dem Rajon Slowjansk unterstellt.[4]
Gewaltsame Stürmung der Stadtverwaltung 2014
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der Afghanistanveteran Wjatscheslaw Ponomarjow war Anführer der prorussischen Kräfte, die am 12. April 2014 während prorussischer Proteste das Hauptquartier der Polizei und den Sitz des Geheimdienstes SBU besetzten. Er bezeichnete sich selbst seit der gewaltsamen Stürmung der Stadtverwaltung[5] als „Bürgermeister“ der Stadt.[6][7] Tags darauf kam es zu einer bewaffneten Auseinandersetzung zwischen Einheiten des ukrainischen Innenministeriums und den Besetzern. Nach Angaben des ukrainischen Innenministeriums habe es auf beiden Seiten Tote und Verletzte gegeben.[8] Die prorussischen Rebellen waren „plötzlich und unerwartet“ aufgetaucht.[9] Ponomarjow verschärfte in den Folgetagen mit der Festsetzung internationaler Militärbeobachter die Krise in der Ukraine.
In den folgenden Tagen war die Umgebung der Stadt eines der Zentren des Anti-Terror-Sondereinsatzes der ukrainischen Armee.[10][11][12] In jenen Tagen wurde auch die Bürgermeisterin Nelja Schtepa entführt und war bis zum Abzug der Rebellen verschwunden.
Die ukrainische Armee griff am 2. Mai 2014 Stellungen der prorussischen Miliz im Rahmen eines „Anti-Terror-Einsatzes“ an. Hubschrauber der ukrainischen Armee wurden von den prorussischen Milizen beschossen. Zwei Kampfhubschrauber vom Typ Mi-24 stürzten ab, wobei die Piloten starben und weitere Personen verletzt wurden.[13]
Ab Mitte Mai 2014 führte Igor Girkin als „Generalissimus“ bzw. „Armeechef“ die Separatisten in Slowjansk.[14][15] Auch nach Aussage Igor Girkins, ging der gesamte Krieg in der Ostukraine nicht von den Donbass-Bewohnern selbst, sondern von diesen bewaffneten Einheiten aus.[16]
Am 10. Juni 2014 wurde Ponomarjow auf Anweisung von Girkin festgenommen. Als sein Nachfolger in Slowjansk wurde Wladimir Pawlenko eingesetzt.[17] Ponomarjow soll auf Grund der Belastung durch seine Position nicht mehr zurechnungsfähig gewesen sein und habe Drogen konsumiert.[18] Seit dem 20. Juni 2014 befindet sich Ponomarjow auf der Sanktionsliste der USA.[19]
Nach Berichten von Augenzeugen herrschte in der Stadt völlige Gesetzlosigkeit.[20][21][22][23] Die Angst und ein drakonisches Regime gegen Abweichler währte bis zum Abzug der regierungsfeindlichen Kämpfer.[9]

In der zweiten Juniwoche gab es in Slowjansk während andauernder Gefechte weder Strom noch Gas oder Wasser.[24] Am 5. Juli 2014 wurde die Stadt durch die ukrainische Armee befreit, nachdem die Rebellen über Nacht abgezogen waren.[25]
Russischer Überfall auf die Ukraine
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Seit April 2022 ist Slowjansk infolge des russischen Überfalls auf die Ukraine Kriegsschauplatz.[26] Die Stadt erlebte innerhalb eines Kriegsjahres, d. h. bis 2023, einen Bevölkerungsrückgang um etwa 50 %.[27] Im Herbst 2025 stand Slowjansk unter täglichem Beschuss von russischen Drohnen und mitunter auch Gleitbomben.[28][29]
Im Zuge der russischen Offensive mit dem Ziel, den Rest des Donbasses einzunehmen, wurden Kramatorsk und Slowjansk zum zentralen Ankerpunkt der ukrainischen Verteidigung. Strategisch sind beide Städte von bedeutendem Wert; sie bieten aufgrund ihrer Bebauung äußerst vorteilhaftes Gebiet für eine Verteidigung und bilden einen wichtigen Bestandteil des Festungsgürtels.[30] Ebenfalls stellt ihre geografische Lage ein wichtiges Element der ukrainischen Logistik dar; beide Städte haben Anschluss an ein gut ausgebautes Straßennetz, während westlich bis Pawlohrad überwiegend nur rudimentär ausgebaute Straßen zur Verfügung stehen.[31][32]
Seit dem Fall von Pokrowsk und Myrnohrad liegt der Fokus der russischen Armee auf Kostjantyniwka und Lyman.[33][34][35]
Verwaltungsgliederung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Am 12. Juni 2020 wurde die Stadt zum Zentrum der neugegründeten Stadtgemeinde Slowjansk (Слов'янська міська громада/Slowjanska miska hromada). Zu dieser zählen auch die 2 Siedlungen städtischen Typs Suchaniwka und Bylbassiwka, das Dorf Torez sowie die Ansiedlung Myrne,[36] bis dahin bildete sie die gleichnamige Stadtratsgemeinde Slowjansk (Слов'янська міська рада/Slowjanska miska rada) welche direkt unter Oblastverwaltung stand und im Zentrum des ihn umschließenden Rajons Slowjansk lag.
Zur Stadtratsgemeinde gehörte neben den genannten Ortschaften auch noch die Stadt Mykolajiwka. Am 17. Juli 2020 wurde der Ort ein Teil des Rajons Kramatorsk.[37]
Folgende Orte sind neben dem Hauptort Slowjansk Teil der Gemeinde:
| Name | ||
|---|---|---|
| ukrainisch transkribiert | ukrainisch | russisch |
| Bylbassiwka | Билбасівка | Былбасовка (Bylbassowka) |
| Myrne | Мирне | Мирное (Mirnoje) |
| Suchaniwka | Суханівка | Сухановка (Suchanowka) |
| Torez | Торець | Торец |
Bevölkerung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]| 1860 | 1897 | 1923 | 1926 | 1939 | 1959 | 1970 | 1979 | 1989 | 2001 | 2016 | 2019 | 2022 | 2023 |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 9.300 | 15.792 | 21.410 | 28.385 | 77.842 | 82.784 | 124.183 | 140.256 | 135.300 | 124.829 | 114.437 | 109.683 | 105.141 | 40.000–50.000[27] |
Quelle:[38]
Die meisten Einwohner sind Ukrainer (73,1 Prozent), daneben leben Russen (23,6 Prozent) und weitere Nationalitäten in Slowjansk. Russisch ist allerdings für über 54 Prozent der Bevölkerung die Muttersprache. Für über 43 Prozent der Bewohner ist Ukrainisch die Muttersprache.
| Nationalität | Anzahl | Anteil | davon als Muttersprache | ||||
| Sprache der eigenen Nationalität | ukrainisch | russisch | andere | keine Angabe | |||
| Ukrainer | 104.423 | 73,1 % | 58,6 % | 58,6 % | 41,3 % | 0,0 % | 0,1 % |
| Russen | 33.649 | 23,6 % | 96,8 % | 3,1 % | 96,8 % | 0,0 % | 0,1 % |
| Türken | 829 | 0,6 % | 97,6 % | 0,6 % | 1,6 % | 0,1 % | 0,1 % |
| Weißrussen | 766 | 0,5 % | 14,5 % | 8,3 % | 77,2 % | 0,0 % | 0,0 % |
| Armenier | 592 | 0,4 % | 43,4 % | 4,6 % | 51,7 % | 0,3 % | 0,0 % |
| Griechen | 320 | 0,2 % | 4,4 % | 12,8 % | 82,2 % | 0,0 % | 0,6 % |
| Roma | 279 | 0,2 % | 54,5 % | 1,8 % | 36,5 % | 7,2 % | 0,0 % |
| Aserbaidschaner | 208 | 0,1 % | 51,0 % | 1,4 % | 42,3 % | 5,3 % | 0,0 % |
| Insgesamt | 142.873 | 100 % | |||||
Quelle:[39]
Hochschulen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]In der Stadt befindet sich die Staatliche Pädagogische Universität Donbas.
Persönlichkeiten
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Mychajlo Petrenko (1817–1862), ukrainischer Poet und Dramatiker
- Pjotr Kontschalowski (1876–1956), russischer Maler, Grafiker und Bühnenbildner
- Sofiya Ostrovska (* 1958), sowjetisch-ukrainische Mathematikerin und Hochschullehrerin
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Скільки людей залишається у Слов'янську | Новини. Abgerufen am 11. Juni 2026.
- ↑ Славянский курорт. slavkurort.org.ua, abgerufen am 4. Dezember 2019 (russisch).
- ↑ Славянский курорт. niceplaces.com, abgerufen am 4. Dezember 2019 (russisch).
- ↑ Верховна Рада України; Постанова, План від 08.09.2016 № 1518-VIII Про зміни в адміністративно-територіальному устрої Донецької області, зміну і встановлення меж міста Слов’янськ та Слов’янського району Донецької області. zakon.rada.gov.ua (ukrainisch).
- ↑ Leonid Ragozin: In the Center of Eastern Ukraine's Separatist Movement, the People's Mayor Speaks Out. Bloomberg Businessweek, 23. April 2014, abgerufen am 1. Mai 2014 (englisch).
- ↑ Website der Stadt Slawjansk, abgerufen am 1. Mai 2014.
- ↑ Mass media report: Russian flag raised above Sloviansk town administration. ( des vom 19. August 2014 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. The Voice of Russia, abgerufen am 1. Mai 2014 (englisch).
- ↑ Ukraine: Minister spricht von Toten und Verletzten in Slawjansk. zeit.de, 13. April 2014, abgerufen am 19. Dezember 2014.
- 1 2 Konrad Schuller: Es ist vorüber, die Separatisten sind weg. FAZ, 5. Juli 2014.
- ↑ Osten der Ukraine: Sondereinsatz im Osten der Ukraine. fr-online.de, 15. April 2014, abgerufen am 19. Dezember 2014.
- ↑ Kiew schickt Soldaten in den Osten. ( vom 16. April 2014 im Internet Archive) tagesschau.de, 16. April 2014.
- ↑ Donetsk’s police confirm death of three people in skirmish in Slavyansk. itar-tass.com, 20. April 2014 (englisch).
- ↑ Gefechte in der Ostukraine: Kreml hält Friedensplan für gescheitert. Der Spiegel, 2. Mai 2014, abgerufen am 19. Dezember 2014.
- ↑ Julia Smirnova: Machtkampf unter den Separatisten. welt.de, 15. Mai 2014, abgerufen am 19. Dezember 2014.
- ↑ David Nauer: In der Ostukraine hat der Wind gedreht. Berner Zeitung/Tages-Anzeiger, 24. Mai 2014, abgerufen am 29. Mai 2014.
- ↑ Julian Hans: Russischer Geheimdienstler zur Ostukraine – „Den Auslöser zum Krieg habe ich gedrückt“. sueddeutsche.de, 21. November 2014, abgerufen am 22. November 2014.
- ↑ Мэр Славянска Владимир Павленко: Блокада нашего города грозит экологической катастрофой Азовскому бассейну. kp.ru, abgerufen am 21. Mai 2022 (russisch).
- ↑ У террориста Пономарева передозировки наркотиками. fakty.ictv.ua, 6. Juni 2014, abgerufen am 18. November 2022 (russisch).
- ↑ США добавили в санкционный список семь имен. Голос Америки, 20. Juni 2014, abgerufen am 6. Mai 2020 (russisch).
- ↑ In Slawjansk herrscht jetzt Krieg. faz.net, 25. Mai 2014, abgerufen am 19. Dezember 2014.
- ↑ Welche Rolle spielt der „Rechte Sektor“? faz.net, 20. April 2014, abgerufen am 19. Dezember 2014.
- ↑ Российский СК решил наказать украинских военных за убийства мирных жителей. ntv.ru (russisch).
- ↑ Ukraine: Nato berichtet von russischem Truppenabzug. zeit.de, 30. Mai 2014, abgerufen am 19. Dezember 2014.
- ↑ Tim Lister, Diana Magnay: Europe's new frontline. Inside Slovyansk. CNN, 11. Juni 2014, abgerufen am 13. Juni 2014 (englisch).
- ↑ Poroschenko sieht nach Rückeroberungen Wendepunkt im Kampf gegen die Separatisten. 22-Uhr-Nachrichten des Deutschlandfunks am 5. Juli 2014, abgerufen am 5. Juli 2014, nicht mehr online verfügbar.
- ↑ Wir sind bereit – Ukrainische Armee wappnen sich für russische Offensive. Der Tagesspiegel, 6. April 2022.
- 1 2 Like a ghost town: Slovyansk locals live in fear of Russia’s return. In: ft.com. 26. April 2023, abgerufen am 5. November 2025.
- ↑ »Die ukrainischen Streitkräfte schrumpfen und die Front ist sehr ausgedünnt«. In: spiegel.de. 5. November 2025, abgerufen am 5. November 2025.
- ↑ mdr.de: Mittwoch: Lage an der Front in Kramatorsk "sehr gefährlich" | MDR.DE. Abgerufen am 7. Mai 2026.
- ↑ „Schlüsselfrage“ zum Ukraine-Frieden: Warum der Donbass zentral für das Kriegsende ist. 23. Januar 2026, abgerufen am 7. Mai 2026.
- ↑ Georg Häsler, Jan Ludwig, Cian Jochem: Der Festungsgürtel im Donbass: Kiews militärische Rückversicherung. 25. August 2025, abgerufen am 7. Mai 2026.
- ↑ Google Maps. Abgerufen am 7. Mai 2026.
- ↑ Ausharren im Donbass: "Geben wir auf, bleibt nichts übrig". Abgerufen am 7. Mai 2026.
- ↑ Russland rückt auf den "Festungsgürtel" vor: Was ein Durchbruch bedeuten könnte. 3. Mai 2026, abgerufen am 7. Mai 2026.
- ↑ DeepStateMAP | Map of the war in Ukraine. Abgerufen am 7. Mai 2026 (ukrainisch).
- ↑ Кабінет Міністрів України Розпорядження від 12 червня 2020 р. № 710-р "Про визначення адміністративних центрів та затвердження територій територіальних громад Донецької області"
- ↑ Верховна Рада України; Постанова від 17.07.2020 № 807-IX "Про утворення та ліквідацію районів"
- ↑ Demographie ukrainischer Städte pop-stat.mashke.org.
- ↑ history.org.ua (PDF; 0,2 MB).

