Slowjansk

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Slowjansk
Слов'янськ
Wappen von Slowjansk
Slowjansk (Ukraine)
Slowjansk
Slowjansk
Basisdaten
Oblast: Oblast Donezk
Rajon: Kreisfreie Stadt
Höhe: 74 m
Fläche: 74 km²
Einwohner: 117.695 (2013)
Bevölkerungsdichte: 1.590 Einwohner je km²
Postleitzahlen: 84122
Vorwahl: +380 6262
Geographische Lage: 48° 52′ N, 37° 37′ O48.8737.6274Koordinaten: 48° 52′ 12″ N, 37° 37′ 12″ O
KOATUU: 1414100000
Verwaltungsgliederung: 3 Städte
Bürgermeister: Nelja Ihoriwna Schtepa
(ukrainisch Неля Ігорівна Штепа)
Adresse: пл. Жовтневої Революції 2
84122 м. Слов’янськ
Website: http://www.slavrada.gov.ua/
Statistische Informationen
Slowjansk (Oblast Donezk)
Slowjansk
Slowjansk
i1

Slowjansk (ukrainisch Слов'янськ; russisch Славянск/Slawjansk) ist eine Stadt in der Oblast Donezk im Osten der Ukraine. Slowjansk ist Zentrum des gleichnamigen Rajons und hat etwa 118.000 Einwohner (2013)[1].

Geographie[Bearbeiten]

Slowjansk liegt im Donezbecken am Zusammenfluss des Kasennyj Torez mit dem Suchyj Torez 93 km nördlich der Oblasthauptstadt Donezk. Zusammen mit den Städten Mykolajiwka (Миколаївка) und Swjatohirsk (Святогірськ; bis 2003 Slowjanohirsk) bildet sie eine Stadtratsgemeinde.

Geschichte[Bearbeiten]

Im Stadtkreis von Slowjansk befindet sich das erstmals 1526 schriftlich erwähnte Kloster Swjatohirsk. 1676 wurde an Stelle der Stadt die Festung Tor gegründet. Schon damals wurde in Umgebung der Stadt Salz gewonnen und intensiver Salzhandel getrieben. Heute noch ist die Stadt einer der größten Salzlieferanten in Osteuropa. 1784 wurde die Stadt in Slowjansk umbenannt, wörtlich: „Slawische Stadt“. Seit Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelte sich die Stadt zum Zentrum der chemischen Industrie. Vom 25. Oktober 1941 bis zum 6. September 1943 war die Stadt von Truppen der Wehrmacht besetzt. Seit 1974 hat Slowjansk den Status einer kreisfreien Stadt.

Prorussische Proteste 2014[Bearbeiten]

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Am 12. April 2014 wurde während prorussischer Proteste das Hauptquartier der Polizei und der Sitz des Geheimdienstes SBU von bewaffneten Demonstranten besetzt. Tags darauf kam es zu einer bewaffneten Auseinandersetzung zwischen Einheiten des ukrainischen Innenministeriums und den Besetzern. Nach Angaben des ukrainischen Innenministeriums habe es auf beiden Seiten Tote und Verletzte gegeben.[2] In den folgenden Tagen war die Umgebung der Stadt eines der Zentren des Anti-Terror-Sondereinsatzes der ukrainischen Armee.[3][4][5] In jenen Tagen wurde auch die Bürgermeisterin Nelja Ihoriwna Schtepa entführt und war bis zum Abzug der Rebellen verschwunden.

Bahnhof von Slowjansk im Jahr 1917

Die ukrainische Armee griff am 2. Mai 2014 Stellungen der prorussischen Miliz im Rahmen eines „Anti-Terror-Einsatzes“ an. Hubschrauber der ukrainischen Armee wurden von den prorussischen Milizen mit schweren Waffen beschossen. Zwei Kampfhubschrauber vom Typ Mi-24 stürzten ab, wobei die Piloten starben und weitere Personen verletzt wurden.[6]

Ab Mitte Mai 2014 führt Igor Strelkow als „Generalissimus“ bzw. „Armeechef“ die Separatisten in Slowjansk.[7][8] Nach Berichten von Augenzeugen herrschte in der Stadt völlige Rechtlosigkeit.[9] Der Untersuchungsausschuss der Russischen Föderation hat die Ukrainische Nationalarmee und den Rechten Sektor wegen Kriegsverbrechern - der Ermordung der Zivilbevölkerung - angeklagt.[10][11][12]

In der 2. Juniwoche wurde Slowjansk von ukrainischer Artillerie beschossen. Wohnhäuser der Stadt wurden dabei zerstört, viele der Einwohner verließen die Stadt. Ein Teil versteckte sich in den Wäldern der Umgebung. In Slowjansk gab es weder Strom noch Gas oder Wasser. Die Ausfallstraßen waren durch ukrainische Checkpoints für bewaffnete Kämpfer abgeriegelt.[13] Am 5. Juli 2014 wurde die Stadt laut dem ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko von der ukrainischen Armee zurückerobert, nachdem die Rebellen über Nacht abgezogen waren.[14] Seitdem hat sich das Leben in Slowjansk normalisiert.[15]

Bevölkerung[Bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung
1860 1897 1923 1926 1939 1959 1970 1979 1989 2001 2013
9.300 15.792 21,410 28.385 77,842 82.784 124.183 140.256 135.300 124.829 117.695

Quelle: 1897–1970[16]; 1979–2013[1]

Die meisten Einwohner sind Ukrainer (73,1 %), daneben leben Russen (23,6 %) und weitere Nationalitäten in Slowjansk. Russisch ist allerdings für über 54% der Bevölkerung die Muttersprache. Für über 43% der Bewohner ist Ukrainisch die Muttersprache.

Ethnische Zusammensetzung der Bevölkerung und Muttersprache
Nationalität Zahl Anteil davon … als Muttersprache
die Sprache eigener
Nationalität
ukrainisch russisch andere keine Angabe
alle 142.873 100 x x x x x
Ukrainer 104.423 73,1 58,6 58,6 41,3 0 0,1
Russen 33.649 23,6 96,8 3,1 96,8 0 0,1
Türken 829 0,6 97,6 0,6 1,6 0,1 0,1
Weißrussen 766 0,5 14,5 8,3 77,2 - -
Armenier 592 0,4 43,4 4,6 51,7 0,3 -
Griechen 320 0,2 4,4 12,8 82,2 - 0,6
Roma 279 0,2 54,5 1,8 36,5 7,2 -
Aserbaidschaner 208 0,1 51 1,4 42,3 5,3 -
Quelle: Institut für Statistik in Donezk

Rajon[Bearbeiten]

Wappen des Rajons Slowjansk

Slowjansk ist Verwaltungssitz des gleichnamigen Rajons, ist aber selbst kein Teil von ihm. Der Rajon Slowjansk (ukrainisch Слов'янський район) hat knappe 40.000 Einwohner auf einer Fläche von 1.274 km². Die Bevölkerungsdichte beträgt 31 Einwohner pro km².

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Slowjansk – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Seite nicht mehr abrufbar, Suche im Webarchiv:@1 @2 Vorlage:Toter Link/bevoelkerungsstatistik.deBevölkerungszahlen auf World Gazetteer
  2. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatUkraine: Minister spricht von Toten und Verletzten in Slawjansk. In: zeit.de. 13. April 2014, abgerufen am 19. Dezember 2014.
  3. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatOsten der Ukraine: Sondereinsatz im Osten der Ukraine. In: fr-online.de. 15. April 2014, abgerufen am 19. Dezember 2014.
  4. Kiew schickt Soldaten in den Osten auf tagesschau.de am 16. April 2014
  5. Donetsk’s police confirm death of three people in skirmish in Slavyansk auf itar-tass.com am 20. April 2014
  6. Gefechte in der Ostukraine: Kreml hält Friedensplan für gescheitert. In: Spiegel Online. 2. Mai 2014, abgerufen am 19. Dezember 2014.
  7. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatJulia Smirnova: Machtkampf unter den Separatisten. In: welt.de. 15. Mai 2014, abgerufen am 19. Dezember 2014.
  8. David Nauer: In der Ostukraine hat der Wind gedreht, Berner Zeitung/Tages-Anzeiger vom 24. Mai 2014, abgerufen am 29. Mai 2014.
  9. F.A.S.: In Slawjansk herrscht jetzt Krieg. In: FAZ.net. 25. Mai 2014, abgerufen am 19. Dezember 2014.
  10. FAZ.NET: Welche Rolle spielt der „Rechte Sektor“? In: FAZ.net. 20. April 2014, abgerufen am 19. Dezember 2014.
  11. Российский СК решил наказать украинских военных за убийства мирных жителей
  12. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatUkraine: Nato berichtet von russischem Truppenabzug. In: zeit.de. 30. Mai 2014, abgerufen am 19. Dezember 2014.
  13. Tim Lister, Diana Magnay: Europe's new frontline. Inside Slovyansk. CNN, 11. Juni 2014, abgerufen am 13. Juni 2014 (englisch).
  14. 22-Uhr-Nachrichten des Deutschlandfunks am 5. Juli 2014: Poroschenko sieht nach Rückeroberungen Wendepunkt im Kampf gegen die Separatisten, abgerufen am 5. Juli 2014.
  15. Frankfurter Rundschau: „Hauptsache es ist kein Krieg“, abgerufen am 15. Februar 2015
  16. Demographie ukrainischer Städte auf pop-stat.mashke.org