Wolfgang Georg Fischer

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Wolfgang Georg Fischer (* 24. Oktober 1933 in Wien) ist ein österreichischer Schriftsteller und Kunstexperte mit dem Spezialgebiet: Die Wiener Klassische Moderne mit Klimt, Kokoschka und Schiele.

Biografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fischers Eltern waren der Buchhändler und Verleger Heinrich Robert Fischer (Buchhandlung Frick, Graben 27, 1010 Wien) und Martha, geborene Hölzl. Sie war die Tochter des sozialdemokratischen Abgeordneten Anton Hölzl, der im Parlament der Ersten Republik für den Wiener Wahlbezirk Wien Südost vertreten war. Sein väterlicher Großvater Georg Fischer war Vertrauensanwalt der mosaischen Kaufmannschaft.

Fischer wuchs im Ringstraßenhaus Schottenring 35 (wo sich die Rechtsanwaltskanzlei Georg Fischer, Robert Fischer und Josef Rochlitzer) und im Villenvorort Pötzleinsdorf auf. 1938, nach dem Anschluss Österreichs emigrierte die Familie auf Grund der jüdischen Herkunft des Vaters zunächst nach Jugoslawien.

Fischer kehrte 1940 mit seiner Mutter nach Wien zurück. Nachdem er das Realgymnasium absolviert hatte, studierte er Kunstgeschichte und Archäologie an der Universität Wien, der Universität Freiburg im Breisgau und in Paris. 1961 promovierte er zum Dr. phil. mit einer Dissertation über den französischen Maler des 17. Jahrhunderts Claude Vignon. Es folgte von 1961 bis 1963 eine Lehrtätigkeit an der Harvard University und am Smith College in Cambridge (Massachusetts). Ab 1963 lebte Fischer in London, wo er Mitarbeiter der 1948 von seinem Vater mitbegründeten Kunsthandlung (Marlborough Fine Art) war. Der Vater war im September 1939 weiter nach Großbritannien geflohen, wo er als sogenannter „enemy alien“ auf der Isle of Man interniert wurde und sich als Freiwilliger zur britischen Armee meldete. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs eröffnete er dort er mit einem anderen Wiener Emigranten Frank Lloyd (vormals Kurt Levai) die Kunsthandelsfirma Marlborough Fine Art. Die Galerie vertrat vor allem die Kunst des 19. und 20. Jahrhunderts wie auch den deutschen Expressionismus und die klassische österreichische Moderne. Henry Moore, Oskar Kokoschka und andere Künstler wurde von Vater und Sohn Fischer betreut.

Von 1972 bis 1995 leitete er die Galerie Fischer Fine Art, 30 King Street, London SW 1. Daneben veröffentlichte er literarische Texte. 1982 nahm er am Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb in Klagenfurt teil.

Seit 1995 lebt Fischer wieder in Wien. Er ist Verfasser von zahlreichen, teils noch unpublizierten erzählerischen Werken und Gedichten.

Fischer gründete zusammen mit seinem Freund, dem Kunsthistoriker und Architekten Hans Buchwald, ein Komitee zur Errichtung eines Denkmals für Ausgegrenzte, Emigrierte und Ermordete des Kunsthistorischen Instituts der Universität Wien. Es wurde 2008 im Hof 8 des Universitätscampus vor dem Kunsthistorischen Institut der Universität Wien enthüllt. Es erinnert an mehr als 60 Kunsthistoriker und Kunsthistorikerinnen jüdischer Herkunft, die emigrieren mussten beziehungsweise in Konzentrationslagern ermordet wurden.

Mitgliedschaften und Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

und 1970 wurde ihm der Schweizer Charles-Veillon-Preis verliehen. (Dieser Preis wird jährlich für den besten Roman in einer der drei Landessprachen der Schweiz, deutsch, französisch, italienisch, verliehen).

  • 1981 erhielt er das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse und den Professorentitel h. c. für seine Verdienste für die österreichische Kultur und Kunst (zum Beispiel erste Schiele-Ausstellung 1964 in London und Erstausstellungen junger österreichischer Künstler wie Hrdlicka, Brauer, Schmalix u. a.).

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Publiziert

  • Wohnungen, Hanser, München 1969
  • Simplex Simplicius. Ein fast historischer teutscher Bilderbogen, Universal Edition, Wien 1970 (Musik von Alexander Goehr).
  • Möblierte Zimmer, Hanser, München 1972. Sie sind Teil eines vierbändigen Zykluses mit den Titeln Wohnungen (1900 bis 1938), Möblierte Zimmer (1938 bis 1940), Tausendjährige Dinge (1940 bis 1945) und Zimmer für Zimmer (1945 bis 1955).
  • Die Zuckerzwerge aus dem Zwergenzuckerland, Herder, Freiburg im Breisgau 1975 (Bilder von Monika Beisner).
  • Gustav Klimt und Emilie Flöge, Brandstätter, Wien 1987.
  • Die Mauer, Ernst & Sohn, Berlin 1990 (mit Fotos von Fritz von der Schulenburg).
  • Egon Schiele, Taschen, Köln 1994.
  • Wolfgang Georg Fischer: In 80 Jahren um die Welt 1933 - 2013. Wien 2013.

Unpubliziert

  • Polnische Schwäne überleben. Polnische Tagebücher I (1978) und II (1989). Beschreibung zweier Lesereisen, liegen auch in polnischer Übersetzung vor.
  • Tausendjährigen Dinge (siehe oben).
  • Zimmer für Zimmer. (siehe oben).
  • Der letzte jüdische Clown und andere Kurzgeschichten.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]