Wolfgang Szepansky

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Wolfgang Szepansky (* 9. Oktober 1910 in Berlin-Wedding; † 23. August 2008 in Berlin-Schöneberg) war ein deutscher Antifaschist, kommunistischer Widerstandskämpfer, Autor und Maler.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gedenktafel am Haus Methfesselstraße 42 in Berlin-Kreuzberg

Wolfgang Szepansky wuchs in einer sozialistischen Familie auf und war Mitglied einer kommunistischen Kindergruppe. Seine ältere Schwester Luise Szepansky war Vorsitzende des Kommunistischen Jugendverbandes in Mariendorf. Als Jugendlicher war er in der Arbeitertheaterbewegung aktiv und absolvierte eine Lehre als Maler. 1930 trat er in den kommunistischen Jugendverband ein und wurde Organisationsleiter des Unterbezirks Tempelhof. 1931 wurde er wegen Sachbeschädigung und Straßenverunreinigung zu 3 Tagen Haft und 1932 wegen Teilnahme an einer verbotenen Demonstration zu 10 Tagen Haft verurteilt.

Im Sommer 1933 wurde er verhaftet wegen der Aufschrift in der Lichterfelder Straße (seit 1935 Methfesselstraße)[1] in Berlin-Kreuzberg: Nieder mit Hitler! KPD lebt! Rot Front! Er kam dann von der Abteilung  I im Polizeipräsidium Alexanderplatz ins Berliner Konzentrationslager Columbia-Haus. Nach der Haftentlassung im Januar 1934 floh er in die Niederlande, dort wurde er 1940 interniert, an die Gestapo ausgeliefert und von Oktober 1940 bis zum 21. April 1945 im Konzentrationslager Sachsenhausen gefangen gehalten. Die Befreiung erlebte er während des Todesmarsches nach Nordwesten bei Schwerin. Während der KZ-Haft wurde er 1941 wegen „Rassenschande“ verurteilt und kam für zwei Jahre ins Strafgefängnis nach Tegel, weil er im Exil in Amsterdam beim Aufenthalt innerhalb einer jüdischen Familie 1938 zusammen mit seiner ersten Liebe einen Sohn bekommen hatte.

Am 18. Juni 1945 organisierte er ein Treffen im Mariendorfer Eckener-Gymnasium und der Antifaschistische Jugendausschuß von Tempelhof entstand, aus dem später eine Bezirksgruppe der FDJ wurde.

Beruflich wurde er Zeichenlehrer, bis er per Strafbescheid 1951 aus dem Schuldienst entlassen wurde wegen „aktiver Betätigung im Sinne der SED“.[2] Gleichzeitig wurde ihm die Entschädigung als NS-Opfer aberkannt. Fast 20 Jahre dauerte der Prozess gegen das Land Berlin, bevor ihm ein Gericht die aberkannte Entschädigung und Anerkennung wieder zusprach.

Anschließend war er als Klubhausleiter bei der West-Berliner Reichsbahn tätig. Er engagierte sich in der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Verband der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-VdA), gehörte zu den Gründern der Galerie Olga Benario und war im Internationalen Sachsenhausenkomitee tätig.

Mit der Songgruppe Sorgenhobel brachte er in den 1980er Jahren mehrere Schallplatten heraus und trat auf Veranstaltungen auf.

Wolfgang Szepansky führte seit 1978 fast 40.000 Jugendliche durch das ehemalige KZ Sachsenhausen.[3] Mit dem Verein Paper Press e. V. führte er von 1980 bis 2007 65 antifaschistische Stadtrundfahrten durch den Bezirk Tempelhof in Berlin durch. An diesen Fahrten nahmen mehr als 2500 Menschen teil.

Er war verheiratet mit Gerda Szepansky, die er auf einer Versammlung antifaschistischer Lehrer kennenlernte und mit der er vier Kinder hatte. Szepansky starb im Alter von 97 Jahren und ist auf dem Friedhof Mariendorf II in Berlin beerdigt.

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Szepansky wurde am 26. September 1996 für seine Tätigkeit als Zeitzeuge mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet.

Gedenktafel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 11. August 2012, 79 Jahre nachdem er die antifaschistische Losung an die Mauer schrieb, wurde am historischen Ort eine Gedenktafel für Wolfgang Szepansky eingeweiht.[4] Diese Gedenktafel wurde im Februar 2015 mit roher Gewalt zerstört. Der Polizei, dem örtlichen Kontaktbereichsbeamten, ist dies über 14 Tage nicht aufgefallen.[5] Am 2. Mai 2015 wurde eine neue Gedenktafel aus noch stabilerem Material enthüllt, die aber bereits am 26. August 2015 wiederum von Unbekannten zerstört wurde.

Am 9. Oktober 2016 wurde die erneuerte Gedenktafel eingeweiht.[6] Auch diese wurde nach kurzer Zeit, im Februar 2017 aus ihrer Halterung gerissen und entwendet.[7]

Die vierte Einweihung der Gedenktafel für Wolfgang Szepansky fand am 7. Oktober 2017 statt.[8]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Dennoch ging ich diesen Weg. Trafo-Verlag, Berlin 2000, ISBN 3-89626-035-9; Autobiografie illustriert mit 70 Handzeichnungen von Wolfgang Szepansky.

Dokumentarfilm[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • „Ich dachte, der Himmel stürzt ein ...“ (Wolfgang Szepansky). In: Berliner Zeitzeugen. Aus dem antifaschistischen Widerstand (Heinz SchröderGertrud Keen – Wolfgang Szepansky). Eine Dokumentation von Loretta Walz, Videoproduktion Berlin, Landesjugendring Berlin 1993 (21 Min.)[9]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Wolfgang Szepansky – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Methfesselstraße. In: Straßennamenlexikon des Luisenstädtischen Bildungsvereins (beim Kaupert)
  2. Kirsten Wenzel: Gerda Szepansky. In: tagesspiegel.de vom 29. Oktober 2004. Abgerufen am 18. August 2011.
  3. Junge Welt, 7. August 2002
  4. Peter Nowak: Parole an der Wand. In: taz, 10. August 2012, abgerufen am 19. Oktober 2012.
  5. Unbekannte zerstören in Kreuzberg Gedenktafel für den Berliner Antifaschisten Wolfgang Szepansky. Berliner VVN-BdA e. V., 2. März 2015.
  6. Gedenken an Wolfgang Szepansky
  7. Gedenktafel für Wolfgang Szepansky erneut zerstört und entwendet. Pressemeldung der Berliner VVN-BdA vom 10. Februar 2017.
  8. Nach erneuter Zerstörung; Einladung zur vierten Einweihung der Gedenktafel für Wolfgang Szepansky am 7. Oktober. Pressemitteilung Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg, 20. September 2017.
  9. Gedenkstätte Deutscher Widerstand, 2000