Wolfram Adolphi

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Wolfram Adolphi (* 6. Januar 1951 in Leuna) ist ein deutscher Journalist und Politikwissenschaftler. Von 1990 bis zum Bekanntwerden seiner Arbeit als inoffizieller Mitarbeiter der DDR-Staatssicherheit 1991 war er Vorsitzender des PDS-Landesverbandes Berlin.

Leben[Bearbeiten]

Adolphi erwarb neben dem Abitur den Facharbeiterbrief eines Rinderzüchters. Von 1971 bis 1976 studierte Adolphi Außenpolitik am Institut für Internationale Beziehungen der Akademie für Staats- und Rechtswissenschaft in Potsdam-Babelsberg.[1] 1976 schrieb er dort seine Diplomarbeit zum Thema „Die Chinapolitik Frankreichs in den siebziger Jahren“. Von 1976 bis 1980 war er wissenschaftlicher Aspirant an der Sektion Asienwissenschaften der Humboldt-Universität zu Berlin (HU)[1]. 1980 legte er seine Dissertation zum Thema „Zur Wirkung des Verhältnisses zwischen den USA und der VR China in Südostasien in den siebziger Jahren“ vor. Anschließend war er von 1980 bis 1985 als Korrespondent der außenpolitischen Wochenzeitung Horizont in Japan tätig. In dieser Position spionierte er für die Hauptverwaltung Aufklärung des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS).[2] Zwischen 1985 und 1988 war er erneut als wissenschaftlicher Aspirant an der HU tätig.[1] 1987–1988 weilte er zu einem Studienaufenthalt in China, an der Beijing daxue, der Peking-Universität, und am Di’er lishi dang’anguan, dem Zweiten Historischen Archiv, in Nanjing. Als Oberassistent nahm er 1988 ehrenamtlich den Posten des SED-Parteisekretärs an der Humboldt-Universität ein.[1] 1989 verteidigte er die Dissertation B zur „Chinapolitik des faschistischen Deutschlands“. Im Mai 1990 zog er für die PDS in die Stadtverordnetenversammlung von (Ost-)Berlin ein.

1990 wurde er erster Vorsitzender des Berliner PDS-Landesverbandes und Mitglied des Abgeordnetenhauses von Berlin. Nachdem Elternvertreter an der Schule seiner Kinder ihn der Stasi-Tätigkeit verdächtigt hatten, machte Adolphi seine Zusammenarbeit mit dem MfS im Juni 1991 öffentlich. Zwar sprach ihm der Landesverband mit 128 zu 59 Stimmen mehrheitlich das Vertrauen aus[3], dennoch musste Adolphi auf innerparteilichen Drucks seine Mandate am 22. August 1991 niederlegen. Seine Nachfolge trat der früher ebenso für das MfS tätige André Brie an.[4] Auch die Humboldt-Universität zu Berlin kündigte ihm 1991 fristlos.[1]

Adolphi arbeitete seither als Redakteur für die Zeitschrift „Utopie kreativ“, von November 2003 bis Oktober 2005 war er Mitarbeiter für die Öffentlichkeitsarbeit der Rosa-Luxemburg-Stiftung. Er ist seit 2005, wie auch schon 1999 bis 2002, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Bundestag für den Abgeordneten Roland Claus (Die Linke). Er gehört zur Redaktion der Zeitschrift Das Argument.

Veröffentlichungen[Bearbeiten]

  • Adolphi, Wolfram: Mao. Eine Chronik, Berlin 2009, ISBN 978-3-355-01763-3.
  • Adolphi, Wolfram: Chinatraum, Berlin 2007, ISBN 3-86557-132-8.
  • Adolphi, Wolfram: Chinafieber, Roman, Berlin 2004, ISBN 3-86557-012-7.
  • Mechthild Leutner (Hg.), Wolfram Adolphi, Peter Merker (Bearb.): Deutschland und China 1937-1949. Politik – Militär – Wirtschaft – Kultur. Eine Quellensammlung. Akademie Verlag, Berlin 1998, ISBN 3-05-002986-2.
  • Adolphi, Wolfram/Schütrumpf, Jörn (Hg.): Ernst Thälmann: An Stalin - Briefe aus dem Zuchthaus 1939 bis 1941, Berlin 1996, ISBN 3-320-01927-9.
  • Achim Sperling, Roland Felber, Wolfram Adolphi: Die Volksrepublik China 1979–1989. Eine kommentierte Chronik. Dietz, Berlin 1990, ISBN 3-320-01504-4.
  • Wolfram Adolphi: Die Chinapolitik des faschistischen Deutschland 1937–1945. Habilitation, Humboldt-Universität zu Berlin, 1989.
  • Wolfram Adolphi, Joachim Adolphi: High-Tech im Land der Samurai. Erlebnisse im Umfeld eines „Wirtschaftswunders“. Neues Leben, 1988, ISBN 3-355-00598-3.
  • Wolfram Adolphi u.a.: China-Westeuropa. Blickpunkt Weltpolitik. Staatsverlag der Deutschen Demokratischen Republik, 1981.
  • Wolfram Adolphi: Zur Wirkung des Verhältnisses zwischen der Volksrepublik China und den Vereinigten Staaten von Amerika in Südostasien (1969–1979): Dissertation, Humboldt-Universität zu Berlin, 1980.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e Vgl. Wolfram Adolphi: NeXXor, in: Das Blättchen - Zeitschrift für Politik, Kunst und Wirtschaft, eingesehen am 7. Juni 2010.
  2. Vgl. Webseite des MdA Peter Rudolf Zotl.
  3. Vgl. Stefan Wolle: Die Akten der DDR-Archive - Giftmülldeponie oder Fundgrube für den Historiker?, in: Gewerkschaftliche Monatshefte 7/1991, PDF.
  4. Vgl. Pries, Dorit: Stasi-Mitarbeiter in deutschen Parlamenten?, 2008, S. 76.