Workcamp

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Internationale Workcamps (aus dem Englischen, "work camps") sind Formen des Freiwilligendienstes mit dem Ziel der Völkerverständigung.

Historischer Abriss[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als spezielle Form internationaler Jugendbegegnungen hat sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts der Typ des Friedensdienstes, Freiwilligendienstes oder Jugendgemeinschaftsdienstes herausgebildet. Insbesondere nach dem Ersten Weltkrieg gewann die internationale Verständigung an Bedeutung und in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg an erneuter Brisanz insbesondere in und für Europa. Mit zunehmender Globalisierung gewinnt der weltweite Austausch immer mehr an Bedeutung. Typisch für diese Maßnahmen ist die Arbeit an einem gemeinnützigen, sozialen oder lokalen Projekt.

Beispiele für Arbeitsprojekte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Teilnehmer eines ökologischen Workcamps im Spreewald, 1990
Teilnehmer eines ökologischen Workcamps im Spreewald 1990 mit Naturschützern aus Frankreich, Ghana, Hongkong, den Niederlanden und den USA

Soziale Projekte sind zum Beispiel die Hilfe in Kinder- oder Behindertenheimen, die Mithilfe bei Kinderferienprogrammen oder die Organisation eines Kultur-, Jugend- oder Musikfestivals. Umweltschutzeinsätze sind z. B. Wiederaufforstung, Strandhafer-Setzen, Bachsanierung, Bau-, Landschaftspflege- oder Restaurierungsarbeiten, Kriegsgräberpflege, Restaurierung denkmalgeschützter Gebäude, Denkmalpflege, Bau von Gemeinschaftsräumen oder sanitären Anlagen (insb. in Entwicklungsländern), Bau oder Restaurierung von Kinderspielplätzen, Renovierung eines Jugendhauses, Kindergartens oder Behindertenheims oder das Anlegen von Wanderwegen.

Wichtig ist, dass es sich um zeitlich überschaubare (normalerweise in drei bis sechs Wochen abschließbar), nicht-kommerzielle und sinnvolle Projekte handeln soll, die ohne die internationale Gruppe nicht finanzierbar oder leistbar wären, d. h. das Workcamp sollte keine lokalen Arbeitsplätze wegnehmen aber auch nicht als billige Arbeitskräfte zu stupiden Arbeiten, die mit Maschinen schneller zu erledigen wären, herangezogen werden.

Projektträger, Workcamp-Organisation und Teilnehmer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Regel stellt der örtliche Projektträger die Arbeitsleitung, eine einfache Unterkunft für die Teilnehmer sowie einen Zuschuss für die Workcamp-Organisation, der sich nach den geleisteten Arbeitstagen bemisst. Die Workcamp-Organisation sorgt für die komplette organisatorische Abwicklung, stellt eine geschulte Campleitung zur Verfügung, übernimmt die Versicherung der Teilnehmer und wirbt die internationalen Teilnehmer über weltweite Partnerorganisationen an. Die Teilnehmer zahlen in der Regel eine Anmelde- und Vermittlungsgebühr direkt an ihre nationale Organisation und zahlen für die eigene Anreise. Unterkunft, Verpflegung, Versicherung und Freizeitprogramm sind dann als Gegenleistung für die Mitarbeit am Projekt frei.

Workcamps heute[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Workcamps arbeiten und leben in der Regel 10-20 Teilnehmer verschiedener Nationalitäten zwischen 18 und 26 Jahren für zwei bis vier Wochen in ihren Ferien zusammen. Zu sogenannten „Junior-Camps“ können sich je nach Veranstalter teilweise aber auch schon Jugendliche ab 14 Jahren anmelden.

Grundkenntnisse der jeweiligen Campsprache – häufig Englisch – können Teilnahmevoraussetzung sein. In den Camps wird aufgrund multinationaler Zusammensetzung tatsächlich Sprachenvielfalt vorherrschen.

Neben der Fertigstellung des jeweiligen Arbeitsprojektes können im gemeinsamen Campalltag mit Selbstversorgung und bei der Freizeitgestaltung (Ausflüge in die Umgebung, Kennenlernen des Camplandes) interkulturelles Lernen, Sprachenlernen und der Abbau von Vorurteilen durch direktes Erleben im Mittelpunkt stehen.

Organisationen in Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Deutschland gibt es zahlreiche Organisationen und gemeinnützige Vereine, die internationale Jugendgemeinschaftsdienste in allen Bundesländern durchführen und auch Teilnehmer an Partnerorganisationen in aller Welt vermitteln. Sie erhalten zur Durchführung der internationalen Begegnungen in der Regel über diese Dachverbände Zuschüsse aus dem Bundesjugendplan.

Die Trägerorganisationen haben sich in mehreren Dachverbänden zusammengeschlossen, der größte ist die „Trägerkonferenz der deutschen Workcamp-Organisationen“. Eine komplette Übersicht findet sich auf der unten angegebenen Website des IJAB (Fachstelle für Internationale Jugendarbeit der Bundesrepublik Deutschland e.V.). Dort sind auch alle weiteren internationalen Austauschprogramme und Angebote gelistet. Zu den wichtigsten dieser Organisationen zählen:

Organisationen und Ursprünge in der Schweiz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ursprünge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wichtige Impulse für die Zivildienstbewegung und internationale Workcamps gehen zurück auf den Pazifisten Pierre Cérésole, der schon in den 1920er Jahren die ersten "Dienste" (Workcamps) mit internationalen Freiwilligen in Frankreich und der Schweiz organisierte.[1] Er gründete den Service Civil International (SCI), der noch heute sowohl in der Schweiz als auch international Workcamps organisiert und durchführt.

Organisationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Organisationen in Österreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Service Civil International (SCI) Österreich (seit 1947)[2]
  • Grenzenlos (seit 1949)[3]
  • Österreichischer Bauorden

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Historische Liste der Workcamps des Service Civil International bis 1981
  2. Geschichte des SCI
  3. Über Grenzenlos