Ys

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Ys (Begriffsklärung) aufgeführt.

Ys (bretonisch, Ker-Ys) ist ein Mythos über eine versunkene Stadt in der Bucht von Douarnenez in der Bretagne. In unterschiedlichen Erzählungen wird geschildert, wie die Stadt Ys zu ihrem Reichtum kam. Höhepunkt jeder Darstellung ist allerdings die Sturmnacht, in der die Stadt Ys in den Fluten versinkt und der König für die Rettung der Stadt seine Tochter Dahut den Fluten und somit auch dem Tod übergeben muss.

Auch heute soll der Legende nach die Prinzessin, ihr langes blondes Haar kämmend, den Fischern in Mondnächten als Sirene erscheinen. Oftmals wird auch erzählt, dass die Stadt bei Sonnenaufgang als ein mahnendes Beispiel aus dem Meer auftaucht. An klaren und windstillen Tagen sollen die Fischer die Glocken der im Meer versunkenen Stadt hören.

Wirkungsgeschichte[Bearbeiten]

Die Legende wurde vielfach künstlerisch verarbeitet. So hat der französische Komponist Claude Debussy für sein Prélude La cathédrale engloutie Inspiration in der Legende gefunden. In seinem Werk ist zu hören, wie das Glockengeläut einer Kathedrale, die ebenfalls ein Bestandteil einiger Fassungen der Erzählung ist, langsam aus dem Meer hervordringt, bis sie musikalisch sinnbildlich sichtbar am Horizont erscheint. Gegen Ende des Stückes versinkt Ys in den Fluten. Der Komponist Édouard Lalo schreibt in dem Zeitraum von 1875 bis 1887 die Oper Le Roi d’Ys, in der ebenfalls das wasserreiche Schicksal dieser versunkenen Stadt Handlungsfolie ist. Eine symphonisch dichtende Oper zu dem Meeresuntergang der Stadt schrieb der französische Komponist Paul le Flem: La Magicienne de la mer.

Der Science Fiction-Autor Poul Anderson verfasste mit seiner Frau Karen den Roman-Zyklus The King of Ys. Die Sängerin und Harfenspielerin Joanna Newsom veröffentlichte 2006 das Album Ys, in der sie auf die Legende der Stadt Bezug nimmt. Auch der polnische Autor Andrzej Sapkowski arbeitete die Legende in eine seiner Kurzgeschichten um den Hexer (polnisch: Wiedźmin) Geralt mit ein. Enthalten ist sie in der Kurzgeschichtensammlung Miecz przeznaczenia (1993), zu deutsch: „Das Schwert der Vorsehung“, mit dem Titel „Ein kleines Opfer“. Gekonnt hat er darin auch gleich die Geschichte der kleinen Meerjungfrau von Hans Christian Andersen mit eingewoben, die dort aber als recht widerspenstige Sirene auftaucht und zuerst partout keine Beine bekommen möchte, nur um sich von einem in sie verliebten „Zweibeiner“ ehelichen zu lassen.

Poul Andersons Tetralogie „Der König von Ys“ (Roma Mater, Gallicenae, Dahut und The Dog and the Wolf), beruht auf der Legende von Ys und auf FrazersGoldenem Zweig“. Der römische Legionär Gratillonius wird zum König von Ys, nachdem er seinen Vorgänger im Zweikampf besiegt. Die Romane spielen zur Zeit des Bagaudenaufstandes.

Im 2007 erschienenen ComputerspielThe Witcher“, des polnischen Publishers CD Projekt, wurde das Thema um die Stadt Ys ebenfalls wieder aufgegriffen und so erscheint sie dem Spieler in einem Kapitel des Spiels als Luftspiegelung über dem Meer. Zudem gibt es im Spiel eine aufzufindende Zutat für Tränke die sich „Stein von Ys“ nennt.

Im fünften Band der französischen Comicserie Le chant d'Excalibur spielt die Stadt Ys eine zentrale Rolle[1]. Auch der Comic-Roman "Bran Ruz" von Auclair und Alain Deschamps spielt zum Teil in Ys.

In „Im Bann der Wasserfee“ von Sharon Morgan wurde die Legende in eine historische Liebesgeschichte mit phantastischen Elementen eingewoben. Dahut ist darin neben ihrem Vater, dem König Gradlon, eine der Hauptpersonen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Keris gesammelt und veröffentlicht von E. Souvestre in Le foyer de bretons übersetzt vorliegend in Bretonische Märchen S.221-227; hrsg. und übersetzt von Re Soupault; Eugen Diederichs Verlag Köln Düsseldorf 1959
  • Thomas Harlan: Die Stadt Ys und andere Geschichten vom ewigen Leben, Eichborn 2007, ISBN 3-8218-0717-2

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Chant d'Excalibur in der BD-Theque (französisch)