Yusuf ibn Taschfin

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Münze des Emirs Yusuf ibn Taschfin: auf dem Revers (rechts) wird bereits der Emir Ali, Yusufs Sohn und Nachfolger genannt

Yusuf ibn Taschfin (arabisch ‏يوسف بن تاشفين‎, DMG Yūsuf b. Tāšfīn; * 1009; † 2. September 1106) war ein Herrscher der Almoraviden (1061–1106). Man sagt, er habe sein Gesicht niemals gezeigt und immer verborgen.

Yusuf war Vetter des Almoravidenführers Abu Bakr ibn Umar (1056–1087) und wurde von diesem 1070 mit der Regentschaft in Marokko betraut, als Abu Bakr einen Stammesaufstand in der Sahara niederschlagen musste. Yusuf nutzte die Abwesenheit Abu Bakrs und begann mit der Organisation einer Verwaltung sowie dem Aufbau eines Söldnerheeres. Als Abu Bakr zurückkehrte, verzichtete er 1073 auf den Machtkampf mit Yusuf und zog sich in die Sahara zurück. Yusuf ibn Taschfin wurde damit Begründer der Dynastie der Taschfiniden, die die Führung der Almoraviden bis 1147 innehatte.

In der Folgezeit unterwarf Yusuf die Fürstentümer der Miknasa und Magrawa, eroberte 1075 Fès, 1077 Tanger und 1083 Ceuta. Schon 1081 war das westliche Algerien bis nach Algier unterworfen worden, bis die Almoraviden von den Hammadiden (Sanhadscha) mit Hilfe der Banu Hilal 1082 aufgehalten wurden.

Schon 1082 waren die Almoraviden zu einer Intervention in Andalusien gegen die christlichen Reiche aufgefordert worden. Erst nach einer erneuten Bitte der Abbadiden, der Aftasiden und der Ziriden von Granada, folgte Yusuf diesem Ansinnen, landete in Andalusien und vernichtete am 23. Oktober 1086 in der Schlacht bei Zallaqa (span. Sagrajas) das Heer von Kastilien. Nachdem 1088 ein erneuter Feldzug an der mangelnden Unterstützung der Taifa-Königreiche scheiterte, wurden 1090 die Ziriden von Granada und die Abbadiden von Sevilla gestürzt und bis 1095 die anderen Taifa-Königreiche annektiert. Nur Valencia unter El Cid (bis 1102) und Saragossa unter den Hudiden (bis 1110) konnten zunächst ihre Unabhängigkeit behaupten.

1098 erkannten die Abbasiden Yusuf ibn Taschfin den Titel „amir al-muslimin“ (Fürst der Muslime) zu. Unter Yusuf begann eine umfangreiche Bautätigkeit, die sich aber vor allem auf den Ausbau der Hauptstadt Marrakesch konzentrierte (u. a. Bau der Moschee). Daneben wurden auch Moscheen in Fes, Tlemcen (1082) und Algier (1096) errichtet.

Nachfolger von Yusuf ibn Taschfin wurde dessen Sohn Ali ibn Yusuf (1106–1143).

Literatur[Bearbeiten]

  • Ulrich Haarmann: Geschichte der Arabischen Welt. Herausgegeben von Heinz Halm. 4. überarbeitete und erweiterte Auflage. C. H. Beck, München 2001, ISBN 3-406-47486-1 (Beck's historische Bibliothek).
  • Stephan Ronart, Nandy Ronart: Lexikon der Arabischen Welt. Ein historisch-politisches Nachschlagewerk. Artemis Verlag, Zürich u. a. 1972, ISBN 3-7608-0138-2.
Vorgänger Amt Nachfolger
Abu Bakr ibn Umar Herrscher der Almoraviden
1061/87–1106
Ali ibn Yusuf