Tlemcen

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تلمسان
ⵜⵍⴻⵎⵙⴻⵏ
Tlemcen
Tlemcen (Algerien)
Tlemcen
Tlemcen
Koordinaten 34° 52′ 59″ N, 1° 19′ 10″ WKoordinaten: 34° 52′ 59″ N, 1° 19′ 10″ W
Basisdaten
Staat Algerien

Provinz

Tlemcen
Höhe 800 m
Fläche 42 km²
Einwohner 140.158 (2008[1])
Dichte 3.337,1 Ew./km²
Kultur
Schutzpatron Abu Madyan
Tlemcen
Tlemcen

Tlemcen (arabisch تلمسان, Tilimsān; tamazight ⵜⵍⴻⵎⵙⴻⵏ Tlemsen; bei Leo Africanus auch Telensin) ist eine ca. 150.000 Einwohner zählende Großstadt im Nordwesten Algeriens nahe der Grenze zu Marokko; sie ist Hauptstadt der gleichnamigen Provinz. Ibn Chaldūn bezeichnete sie im ausgehenden 14. Jahrhundert als das Zentrum des mittleren Maghreb.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tlemcen liegt gut 150 km (Fahrtstrecke) südwestlich von Oran am Fuße des Jebel Terni in einer Höhe von etwa 750 bis 830 m.[2] Die algerische Hauptstadt Algier ist gut 500 km in nordöstlicher Richtung entfernt; dagegen befindet sich die aus merinidischer Zeit stammende Stadt Mansourah nur ca. 5 km südwestlich. Die Stadt liegt auf einer Kalkhochebene und wird vom südlichen Hang des Lalla Setti gesäumt; weitere Hochebenen in der Region sind die Tafna und Safsaf. Das Klima ist gemäßigt bis warm; Regen (ca. 485 mm/Jahr) fällt überwiegend im Winterhalbjahr.[3]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Flughafen Tlemcen - Zenata - Messali El Hadj liegt 22 km nordwestlich der Stadt. Die Stadt besitzt eine Seilbahn, die 2009 eingeweiht wurde und die westlichen Bezirke mit der Lalla-Setti-Hochebene verbindet.[4] Tlemcen liegt an der Ost-West-Autobahn. Sie verbindet Tlemcen mit Annaba. Die Eisenbahn erlebte seit den frühen 1990er Jahren einen Aufschwung, ein Intercity-Zug verbindet Tlemcen mit Sabra.

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Wiederaufnahme des Eisenbahnpersonenverkehrs zwischen Oran und Tlemcen über Sidi bel Abbès und der Wiedereröffnung der Verbindung zwischen Tlemcen mit Maghnia, konnte der Transport von Waren und Produkten der tlemcener Wirtschaft, nicht nur erleichtert, sondern auch gesteigert werden, insbesondere der Zugang zu Häfen wie Ghazaouet. Wirtschaftliche Bedeutung hat insbesondere die Produktion von Teppichen, Lederwaren und Textilien.

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr 1977 1987 1998 2008
Einwohner 96.028 110.242 132.341 140.158

Bereits seit der Kolonialzeit erlebt Tlemcen eine enorme Zuwanderung aus anderen Regionen Algeriens. Die nur ca. 5 km südwestlich gelegene Stadt Mansourah mit ihren ca. 60.000 Einwohnern muss überdies als Wohn- und Schlafstadt Tlemcens gelten.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tlemcen liegt an einer von Berbern bewohnten und bereits in der Antike bedeutsamen Ost-West-Verbindung im Norden des Maghreb; die Römer nannten sie Pomaria. Nach den Zerfall des Römischen Reiches entstanden mehrere kleinere Berberkönigreiche. In den Jahren um 710 wurde der gesamte Maghreb von den Arabern eingenommen. Im Jahr 1079 wurde die Stadt von den marokkanischen Almoraviden quasi neugegründet, doch mussten diese im Jahr 1143 den Almohaden weichen. Auch die ebenfalls marokkanischen Meriniden belagerten und beherrschten im frühen 14. Jahrhundert zeitweise die Stadt und ihr Umland. Ihre Blütezeit erlebte die Stadt als sie unter den Abdalwadiden, oder besser unter den Zianiden, mit Unterbrechungen von 1236 bis 1554 Hauptstadt eines unabhängigen Sultanats im Maghreb war, welches auch von der Zuwanderung von vertriebenen Juden und Muslimen aus Al-Andalus profitierte. Ab der Mitte des 16. Jahrhunderts beherrschten die Osmanen weite Teile Nordafrikas und somit auch Tlemcen. Die französische Kolonialzeit dauerte von 1842 bis 1962.[5][6]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sehenswürdigkeiten in Tlemcen

Die Innenstadt von Tlemcen besteht aus traditionell und französisch-kolonial geprägten Quartieren. Es existieren Bauwerke, die Zeugnisse eines hohen kulturellen Standes islamischer Kultur repräsentieren. In den schachbrettartigen Straßenanlagen der Kolonialzeit hat man Platanenalleen angelegt. Südöstlich des alten Zentrums befinden sich die Festungsanlagen des Mechouar (Zitadelle). Unweit der Stadt in nordöstlicher Richtung sind Reste der ehemaligen römischen Ansiedlung Pomaria erhalten.

Im Stadtgebiet existieren mehrere Moscheen, von denen die Große Moschee, ihre heutige Gestalt stammt aus dem Jahr 1132, und die Moschee Sidi Bel Hassen zu den wichtigen alten Baudenkmalen der Stadt zählen. In Letzterer ist das Museum zur Geschichte untergebracht. Es zeigt Exponate archäologischer Grabungen, prähistorische Funde und geologischer Verhältnisse aus der Region. Eine Besonderheit des Museums bildet der prachtvoll gestaltete Mihrāb mit einem Stalaktitgewölbe.

Nennenswert ist weiterhin die Moschee des Sidi Haloui, in deren Betsaal Onyxmarmorsäulen mit gestalteten Kapitellen den Innenraum verzieren. Die im weiteren Umfeld der Stadt vorhandenen Lagerstätten farbiger Sinterkalke haben auf diese Weise in der Architektur Tlemcens und seiner Region, so auch in Fès und in Paris als wertvolle farbige Dekorationsgesteine für herausgehobene Zwecke Eingang gefunden. Einzelne Vorkommen von ihnen wurden bereits in der römischen Epoche abgebaut.

Schutzpatron[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schutzpatron der Stadt ist der Sufi-Heilige Abū Madyan, der 1126 als Schu'aib ibn Husain in Sevilla geboren wurde, in Mekka und Bagdad die Erfahrungen für seine Glaubenslehre erwarb und sich schließlich im Dorf El Ubbad (al-ʿUbbād al-Suflī) bei Tlemcen niederließ. Nach seinem Tod 1197/98 wurde sein Grabmal (qubba)[7] Ziel von jährlichen Pilgerfahrten. Ein anderer verehrter und einflussreicher Sufi-Mystiker aus dem 12. Jahrhundert ist Abdallah es-Schudhi, der ein angesehener Richter in Sevilla war, bis er nach langen Reisen in Tlemcen hängenblieb, wo er Süßigkeiten an Kinder verkaufte und als Heiliger erkannt wurde.[8]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wissenschaft
Kunst
Sport
Politik

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Tlemcen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Tlemcen – Bevölkerungsentwicklung
  2. Tlemcen – Karte mit Höhenangaben
  3. Tlemcen – Klimatabellen
  4. Tlemcen – Lalla-Setti-Hochebene
  5. Tlemcen – Geschichte
  6. Tlemcen – Geschichte
  7. Ubbad (mosque, madrasa and tomb of Abu Madyan or Sidi Bumadyan). Discover Islamic Art. Museum with no Frontiers
  8. Uwe Topper: Sufis und Heilige im Maghreb. Eugen Diederichs Verlag, München 1984, S. 44–50