Zöschen

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Zöschen
Stadt Leuna
Wappen von Zöschen
Koordinaten: 51° 21′ 29″ N, 12° 6′ 58″ O
Höhe: 90 m
Fläche: 7,2 km²
Einwohner: 973 (30. Jun. 2017)
Bevölkerungsdichte: 135 Einwohner/km²
Eingemeindung: 31. Dezember 2009
Postleitzahl: 06237
Vorwahl: 034638
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Lage von Zöschen in Leuna

Zöschen ist ein Ortsteil der Stadt Leuna im Saalekreis in Sachsen-Anhalt (Deutschland). Zu Zöschen gehört der Ort Zscherneddel.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zöschen (Sachsen-Anhalt)
Zöschen
Zöschen
Lage von Zöschen in Sachsen-Anhalt
Zöschen, November 2017

Zöschen liegt zwischen Merseburg und Leipzig an der Luppe, südlich des Raßnitzer Sees. Westlich bzw. nördlich des Ortsteils befinden sich die Schkopauer Ortsteile Wallendorf und Raßnitz, östlich und südlich die Leunaer Ortsteile Zweimen und Kötzschau.

Ortsgliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ortschaft setzt sich aus den beiden Ortsteilen Zöschen und Zscherneddel zusammen.

Teich in Zscherneddel

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zöschen und Zscherneddel gehörten bis 1815 zum hochstiftlich-merseburgischen Amt Schkeuditz, das seit 1561 unter kursächsischer Hoheit stand und zwischen 1656/57 und 1738 zum Sekundogenitur-Fürstentum Sachsen-Merseburg gehörte.[1] Durch die Beschlüsse des Wiener Kongresses wurden Zöschen und Zscherneddel mit dem Westteil des Amts Schkeuditz im Jahr 1815 an Preußen abgetreten. Bei der politischen Neuordnung Preußens wurden sie 1816 dem Kreis Merseburg[2] im Regierungsbezirk Merseburg der Provinz Sachsen zugeteilt, zu dem sie bis 1952 gehörten. Am 1. April 1939 wurde Zscherneddel nach Zöschen eingemeindet.[3] Bei der Kreisreform in der DDR wurde Zöschen mit Zscherndeddel im Jahr 1952 dem Kreis Merseburg im Bezirk Halle zugeteilt, der 1994 im Landkreis Merseburg-Querfurt und 2007 zum Saalekreis kam.

Von 2006 bis 2009 gehörte Zöschen zur Verwaltungsgemeinschaft Leuna-Kötzschau. Bis zur Eingemeindung in die Stadt Leuna am 31. Dezember 2009[4] war Zöschen eine selbständige Gemeinde.

Altes Rathaus in Zöschen

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kirche in Zöschen mit Ladegast-Orgel

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der letzte Bürgermeister der Gemeinde Zöschen war Richard Schaaf.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blasonierung: „In Blau ein silberner Pferdekopf.“

Das Wappen wurde vom Magdeburger Kommunalheraldiker Jörg Mantzsch gestaltet.

Die Farben von Zöschen sind Weiß-Blau.

Herrenhaus Oberhof in Zöschen

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gedenktafel an die Franzosenbraut

Der Gutsverwalter Louis Staufer erschoss die zwanzigjährige Tochter des Gutsbesitzers 1833 aufgrund einer tragischen Liebe, scheiterte aber beim anschließenden Selbstmord. Im Zuchthaus schrieb er das Gedicht "Geduldig trag ich alle Leiden", welches später vertont und zum Volkslied wurde. Eine Gedenktafel zur Erinnerung an den Vorfall wurde 1999 angebracht.

Touristische Wege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zöschen liegt am Radweg "Alte Salzstraße", der über 25 km von Merseburg (Saaleradweg) bis zur A 9 und von der Landesgrenze zu Sachsen bis nach Leipzig reicht. Er führt vorbei an den renaturierten Tagebaurestlöchern „Wallendorfer See“ und „Raßnitzer See“. Ferner geht der Ökumenische Pilgerweg (Jakobsweg) durch Zöschen.

Kulturelle Höhepunkte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein kultureller Höhepunkt im dörflichen Leben ist das jährliche "Kuchenessen" (14 Tage nach Pfingsten), ein Heimat- und Volksfest, welches seit Jahrhunderten stattfindet.

Gedenkstätten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gedenkstein im Ehrenfriedhof

Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges, im April 1944, wurde im Ort ein Arbeitserziehungslager errichtet für hunderte Häftlinge, die in Leuna Zwangsarbeit verrichteten. Ein Ehrenfriedhof mit Gedenkstein erinnert an 500 Häftlinge, die wegen unmenschlicher Bedingungen umgekommen sind. Ein Gedenkstein der Republik Italien trägt zweisprachig die Inschrift: "Zum steten Gedenken an ihre hier ruhenden Gefallenen".

Auf dem Friedhof befindet sich das gemeinsame Grab für elf am 4. November 1944 gefallene Flaksoldaten.

Verkehrsanbindung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch Zöschen verläuft die Bundesstraße 181 von Merseburg nach Leipzig. Die Bundesautobahn 9 liegt in unmittelbarer Nähe (hinter Günthersdorf Richtung Leipzig, ca. 5 km) von Zöschen. Der Betrieb auf der Bahnstrecke Merseburg–Leipzig-Leutzsch, zu der der Bahnhof in Zöschen gehörte, wurde 1998 eingestellt.

Schule[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sekundarschule

In Zöschen befindet sich die Sekundarschule "Bertolt Brecht", die nächstgelegene Grundschule ist in Wallendorf, ein Gymnasium in Merseburg.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Karlheinz Blaschke, Uwe Ulrich Jäschke: Kursächsischer Ämteratlas, Leipzig 2009, ISBN 978-3-937386-14-0, S. 84 f.
  2. Der Landkreis Merseburg im Gemeindeverzeichnis 1900
  3. Zscherneddel auf gov.genealogy.net
  4. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2009, 2. Liste

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Zöschen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien