Zackenstil

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Der Zackenstil, auch „zackbrüchiger Stil“ genannt, ist ein Übergangsstil zwischen Romanik und Gotik in Buch-, Wand- und Glasmalerei.

Évangile de Mayence (Codex aureus)

Das charakteristische Merkmal des Zackenstils ist das zickzackförmig scharfbrüchige Linienspiel von Gewandfalten und Konturen unter weitgehender Beibehaltung des überlieferten romanischen Formenguts. Die Spätphase zeigt einen verspielten Linearismus. Die Zacken sollen Bewegung und Emotionalität in die Bilder bringen.

Er entwickelte sich in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts aus byzantinischen und westlich-deutschen Wurzeln. Vorstufen finden sich in Thüringen, am Mittelrhein und in der Regensburger Buchmalerei. Das Beispiel Altarretabel mit dem Gnadenstuhl in Soest (heute in Berlin) zeigt die meisterliche Umsetzung eines Kölner Meister. Der Zackenstil erreichte nach der Jahrhundertmitte in Österreich seine volle Entfaltung. Bedeutende Werke dieser Stilrichtung haben sich in Wien, Niederösterreich (z.B. Fresko um 1280 in der Dominikanerkirche Krems / Krönung Mariens mit dem Stifterpaar Gozzo von Krems) und insbesondere im kärntnerisch-steirischen Raum (z.B. Bischofskapelle in Gurk, 1264) erhalten. Auch in Polen zeigen beispielsweise die Schlusssteine in der Dominikanerkirche in Krakau entsprechend Charakteristika.[1]

Von der entstehenden gotischen Architektur in Frankreich beeinflusst, entwickelte sich der Zackenstil in der deutschen Buchmalerei. Charakteristische Beispiele hierfür sind das Brandenburger Evangelistar, der Elisabethpsalter in Cividale del Friuli und das Mainzer Evangeliar von 1250.

Die prunkvollen Initialen einer Handschrift der Moralia in Job Gregors des Großen sind im Kurzinventar der illuminierten Handschriften des Augustiner-Chorherrenstiftes Herzogenburg beschrieben und abgebildet.[2]

Beispiele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Daniel Hess: Barocke Spätromanik oder byzantinische Gotik? Der Zackenstil in den Bildkünsten von 1250 bis 1290
  2. Kurzinventar der illuminierten Handschriften bis 1600 auf www.univie.ac.at