Zava

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Zava

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Rechtsform Privat
Gründung 2010
Sitz London, Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Vereinigtes Königreich
Leitung David Meinertz
Mitarbeiterzahl 200
Branche Gesundheit
Website www.zavamed.com
Stand: 2020

Logo bis 2019

Zava (früher DrEd) ist eine Online-Arztpraxis, mit Hauptsitz in London, Großbritannien, die Patienten ausschließlich aus der Ferne berät und behandelt.[1] Patienten aus Deutschland, Österreich[2], Schweiz[3], Frankreich[4], Irland[5] und England[6] können sich über Zava an zugelassene Ärzte wenden. Mit Millionen Patienten ist Zava der führende Anbieter telemedizinischer Leistungen in Deutschland und Europa.[7] Zava behandelt über 35 Indikationen aus den Behandlungsfeldern Allgemeinmedizin, Innere Medizin, Männergesundheit, Frauengesundheit und Reisemedizin.[8][9][10] Patienten können sich 24 Stunden, 7 Tage die Woche über ihr verschlüsseltes Patientenkonto an die Online-Arztpraxis wenden.[11]

Unternehmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Online-Arztpraxis wurde im Jahr 2010 vom Hamburger Juristen David Meinertz (CEO)[12] und Amit Khutti[13] in London (UK) unter dem Namen "DrEd" gegründet[14] und eröffnete 2011.[15] Seit 2014 ist das Unternehmen profitabel.[16] Anfang 2019 hat sich “DrEd” in Deutschland in “Zava” umbenannt.[17] Die Online-Arztpraxis ist bei der Care Quality Commission (CQC) registriert und richtet sich nach den Vorgaben und Empfehlungen deutscher wissenschaftlicher Fachgesellschaften.[18] Zava versucht nach eigenen Angaben, medizinische Beratungen und Leistungen einfacher verfügbar zu machen und nutzt dafür die vorhandenen technischen Möglichkeiten.[19] Die ärztliche Konsultation erfolgt zeit- und ortsunabhängig[20] über das Internet. Eine EU-Richtlinie stellt es den Patienten frei, sich ihren Arzt im gesamten EU-Gebiet zu wählen.[21] Die Patienten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz werden von deutschen Ärzten behandelt.[10][22] Die Konsultation bei Zava läuft meist elektronisch ab, indem der Patient ein Patientenkonto anlegt[23] und einen medizinischen Fragebogen ausfüllt.[24] Der behandelnde Arzt analysiert die Informationen und stellt, falls medizinisch erforderlich, ein Rezept aus.[25] Zava schickt das Rezept an Versandapotheken, die die Medikamente an die Patienten versenden.[26]

Zava hat nach eigenen Angaben über fünf Millionen Behandlungen europaweit durchgeführt.[27][28] In Deutschland erfolgen die meisten Behandlungen in Berlin, gefolgt von München, Hamburg, Köln und Düsseldorf.[29]

Im Rahmen der fortschreitenden Liberalisierung der Telemedizin bekommt Zava in Deutschland zunehmend Konkurrenz von weiteren Online-Arztpraxen wie Fernarzt[30] oder Teleclinic.[31] 2019 eröffnete die Online-Arztpraxis einen neuen Standort in Hamburg.[32]

Seit Februar 2020 ist es erstmals möglich, Rezepte an Vor-Ort-Apotheken zu versenden. Von nun an "können Patienten die Rezepte aus der Online-Sprechstunde auch digital in eine von rund 5000 Apotheken in Deutschland senden lassen" und das Medikament entweder in der Apotheke abholen oder zu sich nach Hause geschickt bekommen.[33]

Außerdem brachte die Online-Arztpraxis 2020 die Zava App heraus, mit der Patienten direkt per Video oder Telefon mit einem der Zava Partnerärzte sprechen können. Über die App können auch Krankschreibungen und Rezepte versendet werden. Privatversicherungen erstatten den Online-Arztbesuch.[34][35]

Im Frühjahr 2020 stellte Zava seinen Medizinischen Beirat vor. Mitglieder sind Franz Bartmann und Thomas Meinertz.[36]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der 2013 Johnson & Johnson Digital Health Masterclass Challenge wurde DrEd mit dem 2. Platz ausgezeichnet.[37] Außerdem schnitt die Online-Arztpraxis 2017[38] bei einer Routinekontrolle der unabhängigen Kommission “Care Quality Commission (CQC)” mit dem bestmöglichen Ergebnis ab und entspricht damit vollumfänglich den aktuellen Regularien und Empfehlungen für Fernbehandlungen.

Kritik und politische Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stiftung Warentest kritisierte im Juli 2012 den Online-Dienst, nachdem bereits zum Start die Bundesärztekammer gewarnt hatte: Zum Schutz der Patienten dürften Ärzte „die individuelle ärztliche Behandlung, insbesondere auch Beratung, nicht ausschließlich aus der Ferne durchführen“.[39] Zwei Infektionskrankheiten wurden nach dem Urteil der Stiftung Warentest schlecht behandelt, „obwohl die angegebenen Symptome nur teilweise zum Krankheitsbild passten und ohne dass DrEd für die Diagnose nötige Urintests anforderte.“ DrEd antwortete mit einem offenen Brief und zweifelte darin die Sorgfalt der anonymen Tester an.[40]

Das Bundesministerium für Gesundheit befasste sich 2013 mit der Frage, ob deutsche Apotheker es ablehnen können, Arzneimittel auf Rezept eines ausländischen Arztes abzugeben. Aufgrund des geltenden EU-Rechts sei dies aber nicht so einfach zu beantworten.[41] Die im Herbst 2013 gewählte Bundesregierung beriet über eine Klarstellung, „dass ein direkter Arzt-Patienten-Kontakt Voraussetzung für die Erstverschreibung von Arzneimitteln sein muss“, was von DrEd scharf kritisiert wurde.[42] Die bayerische Gesundheitsministerin Melanie Huml forderte im Mai 2014 klare Regeln für Online-Rezepte.[43]

Im Oktober 2013 kündigte der Apothekenverbund Ordermed eine kurz zuvor geschlossene Vereinbarung mit DrEd für die "Pille danach", die es ermöglichen sollte, für das Medikament auch ohne Arztbesuch ein Rezept zu bekommen.[44] Als Grund gab Ordermed die Kritik seitens Politik und Partnerapotheken an.[45] Zu diesem Zeitpunkt wurde bereits die Aufhebung der Rezeptpflicht in Deutschland diskutiert. Die “Pille danach” ist seit 2015 ohne Rezept in der Apotheke erhältlich.[46]

2016 änderte die Landesärztekammer Baden-Württemberg als erstes Bundesland die Berufsordnung, um ausschließliche ärztliche Fernbehandlung im Rahmen von Modellprojekten zu ermöglichen. Im April 2018 entschied sich die Landesärztekammer Schleswig-Holstein für eine Aufhebung des Fernbehandlungsverbots[47] und war damit Vorreiter für die auf dem 121. Ärztetag im Mai 2018 beschlossene bundesweite Änderung der (Muster-)Berufsordnung durch die Bundesärztekammer.[48] Seitdem haben 13 weitere Länder wie Hamburg[49] und Berlin[50] ihre Berufsordnung geändert.

Ende Mai 2018 wurde die Online-Arztpraxis Zava für ein Modellprojekt in Baden-Württemberg zugelassen.[51] Laut der Landesärztekammer prüfen „begleitende wissenschaftliche Evaluationen [...] in jedem einzelnen Modellprojekt kontinuierlich, ob Patienten auch bei der ausschließlichen ärztlichen Fernbehandlung die gleiche Qualität und Expertise wie in Praxis oder Krankenhaus geboten wird.“[52]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bild.de | Webdoktor dred.com behandelt nur online
  2. DAZ Online | Online-Arztpraxis - Österreich: „DrEd“ sorgt für Trubel
  3. Blick.ch | Jetzt behandeln deutsche Ärzte Schweizer via Internet
  4. BLOG - 7 choses à savoir si vous souhaitez consulter un médecin en ligne. 6. August 2018, abgerufen am 15. Februar 2019 (französisch).
  5. DrEd Ireland | Your Online Doctor. Abgerufen am 15. Februar 2019.
  6. Arvind Hickman: Europe's 'largest' digital healthcare provider appoints UK agency. Abgerufen am 15. Februar 2019.
  7. DER SPIEGEL 2019/7. Abgerufen am 15. Februar 2019.
  8. Online-Arztpraxis DrEd erweitert telemedizinische Leistungen für Frauen. Abgerufen am 15. Februar 2019.
  9. DrEd: Erstverschreibung der Pille jetzt online. Abgerufen am 15. Februar 2019.
  10. a b Hamburger Abendblatt | Wer sich schämt, geht lieber zum Online-Arzt (Memento vom 25. Februar 2014 im Internet Archive)
  11. DrEd: Online-Arztpraxis Zava will auch in Deutschland eröffnen - Golem.de. Abgerufen am 15. Februar 2019.
  12. Paul-Jonas Hildebrandt, Martin U. Müller: : Sprechzimmer im Web. In: Der Spiegel. 23. August 2016 (spiegel.de [abgerufen am 1. Februar 2019]).
  13. Health Bridge Limited | Companies in the UK (englisch)
  14. Augsburger Allgemeine: "DrEd.com": Die Online-Arztpraxis hat eröffnet. Abgerufen am 18. März 2019.
  15. DocCheck | Online-Arztportale: Mausklick mit Nebenwirkungen?
  16. Hamburger Abendblatt- Hamburg: Hamburger setzen verstärkt auf den Doktor aus dem Internet. 6. Februar 2019, abgerufen am 25. März 2019.
  17. Neuer Name: Doktor Ed tauft sich um. Abgerufen am 25. März 2019.
  18. Ausschließliche ärztliche Fernbehandlung. Abgerufen am 25. März 2019.
  19. Yahoo Nachrichten Online-Arztpraxis "DrEd eröffnet / Deutsche Ärzte bieten erstmals Diagnosen und Behandlungen über das Internet an" (Memento vom 5. März 2014 im Internet Archive)
  20. Sebastian Balzter: Online-Praxis: Der heiße Draht zum Hausarzt. ISSN 0174-4909 (faz.net [abgerufen am 25. März 2019]).
  21. DAZ Online | EU-Richtlinie zur Patientenmobilität : DrEd freut sich über Rechtssicherheit.
  22. DrEd: Online-Arztpraxis DrEd eröffnet / Deutsche Ärzte bieten erstmals Diagnosen und Behandlungen über das Internet an. Abgerufen am 27. Januar 2017.
  23. Online-Praxis: DrEd zieht es nach Deutschland. Abgerufen am 25. März 2019.
  24. DrEd: Wie am Fließband - brand eins online. Abgerufen am 27. Januar 2017.
  25. Paul-Jonas Hildebrandt, Martin U. Müller: : Sprechzimmer im Web. In: Der Spiegel. 23. August 2016 (spiegel.de [abgerufen am 25. März 2019]).
  26. Ärztliche Behandlung aus der Ferne: Deutschland verpasst große Chance. In: finanzen.de. (finanzen.de [abgerufen am 27. Januar 2017]).
  27. Digitale Gesundheitsversorgung der Zukunft: Zava und sprechstunde.online bündeln ihre Kräfte. Abgerufen am 15. Februar 2021.
  28. Zava Online-Arzt: Ihre Diagnose online – ohne Wartezeit. Abgerufen am 25. März 2020.
  29. Fünf Jahre Online-Arztpraxis DrEd: knapp eine Million telemedizinische Behandlungen europaweit. In: presseportal.de. (presseportal.de [abgerufen am 27. Januar 2017]).
  30. Theresa Dräbing: DrEd: Rezepte aus London. In: Frankfurter Rundschau. 8. Mai 2018, abgerufen am 9. August 2018.
  31. Maike Telgheder: Digitale Sprechstunde: Online-Ärzte drängen mit Macht nach Deutschland. 28. März 2018, abgerufen am 9. August 2018.
  32. Telemediziner erwarten starkes Wachstum im Jahr 2020:Online-Arztpraxis Zava baut Team, Technologie und Services aus. Abgerufen am 25. März 2020.
  33. Online-Arztpraxis: Zava kooperiert mit Apotheken in Deutschland. Abgerufen am 17. Juli 2020.
  34. Benjamin Rohrer: Zava launcht App und streicht Fragebogen. 25. Mai 2020, abgerufen am 17. Juli 2020.
  35. Christoph Rybarczyk: Zava: „Zahl der Arztbesuche wird sich halbieren“. 25. Mai 2020, abgerufen am 17. Juli 2020 (deutsch).
  36. Das Team von Zava. Abgerufen am 29. Juli 2020.
  37. Masterclass Challenge (Memento vom 11. Oktober 2013 im Internet Archive) (englisch)
  38. Care Quality Commission: Health Bridge Limited - Inspection report. Abgerufen am 28. März 2019.
  39. DrEd: Riskanter Besuch beim Online-Arzt. Stiftung Warentest, 18. Juli 2012.
  40. Stellungnahme zur Bewertung durch Stiftung Warentest. DrEd.com, 20. Juli 2012.
  41. DrEd beschäftigt BMG. In: Pharmazeutische Zeitung, 5. März 2013.
  42. DrEd kritisiert Koalitionspläne. In: Deutsche Apothekerzeitung, 21. November 2013.
  43. Huml fordert klare Regeln für Online-Rezepte. In: Deutsche Apothekerzeitung, 6. Mai 2014.
  44. "Pille danach" weiterhin nur nach Arztbesuch. In: Süddeutsche Zeitung, 2. Oktober 2013.
  45. 'Pille danach': Ordermed gibt DrEd schon wieder den Laufpass. Abgerufen am 28. März 2019.
  46. Nora Burgard-Arp: Pille danach: "20 Euro. Danke. Wiedersehen". In: Die Zeit. 3. Februar 2018, ISSN 0044-2070 (zeit.de [abgerufen am 28. März 2019]).
  47. Deutscher Ärzteverlag GmbH, Redaktion Deutsches Ärzteblatt: Ärztekammer Schleswig-Holstein hebt Fernbehandlungsverbot auf. 19. April 2018, abgerufen am 28. März 2019.
  48. Deutscher Ärzteverlag GmbH, Redaktion Deutsches Ärzteblatt: Ärztekammer Schleswig-Holstein hebt Fernbehandlungsverbot auf. 19. April 2018, abgerufen am 28. März 2019.
  49. Deutscher Ärzteverlag GmbH, Redaktion Deutsches Ärzteblatt: Verbot ausschließlicher Fernbehandlung in Hamburg aufgehoben. 9. April 2019, abgerufen am 25. April 2019.
  50. Änderung der Berufsordnung seit dem 5. Januar 2019 in Kraft. Abgerufen am 28. März 2019.
  51. Landesärztekammer Baden-Württemberg genehmigt zwei weitere Modellprojekte. 29. Mai 2018, abgerufen am 28. März 2019.
  52. Landesärztekammer Baden-Württemberg genehmigt zwei weitere Modellprojekte. 29. Mai 2018, abgerufen am 28. März 2019.