Zedernöl

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Zedernöl oder Zedernholzöl (Oleum cedri beziehungsweise Oleum cedri ligni) ist ein aus dem Holz bestimmter Zedernarten gewonnenes ätherisches Öl.

Atlas-Zeder (Cedrus atlantica)

Von den weltweit drei Arten der Gattung Zedern (Cedrus) – der Atlas-Zeder (Cedrus atlantica), der Himalaya-Zeder (Cedrus deodora) und der Libanon-Zeder (Cedrus libani) – werden heute vornehmlich die Atlas- und die Himalaya-Zeder für die ätherische Ölgewinnung verwendet. Das ätherische Öl von Zedern im Libanon (Oleum cedri verum) ist seit einem Jahrhundert nicht mehr im Handel erhältlich; der dortige, stark zurückgegangene Bestand von Cedrus libani ist geschützt.

Dem ätherischen Öl von Zedern wird eine besondere Wirkweise zugeschrieben. In der Literatur wird vor Falschdeklarationen gewarnt, bei denen Öle aus Hölzern anderer Pflanzenfamilien mit unterschiedlicher biochemischer Zusammensetzung als „Zedernöl“ ausgegeben werden. Das als (optisches) Zedernöl bezeichnete dickflüssige Öl stammt meistens von Juniperus-Arten. Das sogenannte Zedernussöl wird aus der Sibirischen Zirbelkiefer oder anderen Kiefern gewonnen.

Als Zedernharz (Resina cedri) oder Zederngummi wird ein dem Mastix ähnliches Harz bezeichnet, das gelblichweiß, durchsichtig, zerreibbar und wohlriechend ist; dieses Harz fließt von selbst oder nach gemachten Einschnitten aus der Rinde der Zedern.[1]

Gewinnung und Zusammensetzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das ätherische Öl der Zedern wird mittels Wasserdampf-Destillation aus den Holz- und Sägespänen der Zedern gewonnen. Das Öl ist bräunlichgelb und riecht angenehm, balsamisch-holzig, würzig. Die Öle von Cedrus atlantica (Atlas-Zedernöl) und von Cedrus libani (Echtes Zedernöle) bestehen hauptsächlich aus den Sesquiterpenen Himalachen, Himalachol, Atlanton, Deodaron und dem Diterpen Manool sowie dem Alkohol Longborneol.[2][3] Die Zusammensetzung des aus Cedrus deodora gewonnenen Öls (Deodar-Zedernöl) ist ähnlich.[4]

Daneben werden aus den Hölzern mittels Lösemittel­extraktion auch Resinoide (Harz und Balsame) gewonnen.[5]

Verfälschungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zedernöl

Außer den tatsächlich aus Pflanzen der Gattung Zedern (Cedrus) gewonnenen ätherischen Ölen, dem eigentlichen Zedernöl, werden auf dem Markt unter der Bezeichnung „Zedernöl“ auch Öle angeboten, die nur zum Teil oder gar nicht von Zedernarten stammen.

Für die Herstellung solcher botanisch missverständlich bezeichneter oder falsch deklarierter Öle werden Hölzer anderer Pflanzen genutzt, zumeist die von Zypressengewächsen (Cupressaceae). Hierzu gehören der Chinesische Wacholder (Juniperus chinensis) („China-Zedernöl“) und der Virginische Wacholder (Juniperus virginiana) („Bedford-Zedernöl“ oder „Virginia-Zedernöl“) sowie von Juniperus ashei („Texas-Zedernöl“). Genutzt werden auch Zypressengewächse wie die Tränen-Zypresse (Cupressus funebris) und der Morgenländische Lebensbaum (Platycladus orientalis) („China-Zedernöl“)[6] sowie Lawsons Scheinzypresse (Chamaecyparis lawsoniana) („Port Orford-Zedernöl“) oder die Nootka-Scheinzypresse (Chamaecyparis nootkatensis) („Alaska-Zedernöl“).[5][7] Diese dickflüssigen Öle sind je nach Herkunft durchsichtig, hellgelb bis braun, rötlichbraun. Die Dichte beträgt ca. 0,94–0,965 g·ml−1, es sind also ziemlich schwere Öle. Sie enthalten als Hauptkomponenten die Sesquiterpene Cedren, Thujopsen und Cedrol wobei die „China-Zedernöle“ etwas abweichen.[4][6][8]

Weitere in diesem Zusammenhang anzuführende Öle sind japanische (Hiba-, Hinoki-, Sugiöl) („Japanisches-Zedernöl“, -Cypressenöl) und afrikanische „Zedernöle“ von verschiedenen Arten, z. B. von dem Hiba-Lebensbaum (Thujopsis dolobrata)[4] und der Sicheltanne (Cryptomeria japonica) sowie der Hinoki-Scheinzypresse (Chamaecyparis obtusa) und dem Ostafrikanischen Wacholder (Juniperus procera) („Kenia-Zedernöl“, „Ostafrika-Zedernöl“).[5] Auch von der Westindischen Zedrele (Cedrela odorata) („Westindisches Zedernöl“) wird Öl produziert.[4]

Auch werden Blätter und Zweige verschiedener Thuja-Arten genutzt, wie z. B. von dem Morgenländischen Lebensbaum (Platycladus orientalis) oder dem Abendländischen Lebensbaum (Thuja occidentalis), die fälschlicherweise als Zedern bezeichnet werden. Diese Gewächse haben mit den Zedern wenig zu tun und gehören zu anderen Pflanzenfamilien. Ihre Öle sind dünnflüssiger und farblos bis grünlich-gelb mit Camphergeruch.

Viele der Warnhinweise zum Gebrauch von „Zedernöl“ beziehen sich auf Falschdeklarationen von Ölen der vorgenannten Pflanzen. Denn Thujagewächse enthalten das Nervengift Thujon; deren Öle dürfen keinesfalls mit einem Zedernöl gleichgesetzt werden. Dennoch werden nach wie vor „Thujaöle“ (Oleum thujae, „Weißes Zedernöl“)[9] so deklariert, dass sie leicht mit ätherischem Zedernöl verwechselt werden können. Daher muss man den botanischen Namen eines Zedernöles beachten, um Nebenwirkungen zu vermeiden, die aus einer falschen Anwendung entstehen können. Denn welches Öl sich in einem Fläschchen befindet, darüber gibt nicht der deutsche Name, sondern nur der botanische Name Auskunft.

Verwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zedernöl findet Anwendung als Repellent und Konservierungsmittel für Schränke, Kästen und Bücher, insbesondere Kodizes mit Holzbindung. In der Optik wird es als Immersionsflüssigkeit eingesetzt.[10][11] Es wird auch für medizinische Anwendungen und als Schutzmittel gegen Insekten und Schadnager gebraucht. Verwendung findet Zedernholz ebenso in der Parfümerie; so ist es ein Bestandteil des bekannten Rasierwassers Pitralon Classic. Zedernholz wird auch in der Aromatherapie verwendet.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. C. J. Meyer (Hrsg.): Neues Conversations-Lexikon. 4. Band, Bibliographisches Institut, 1858, S. 503 f, online bei Bayerische Staatsbibliothek, abgerufen am 15. November 2017.
  2. A. M. Saab, F. Y. Harb, W. A. Koenig: Essential oils components in heart wood of Cedrus Libani and Cedrus Atlantica from Lebanon. In: Minerva Biotec. 17(3), 2005 S. 159-61, online auf researchgate.net, abgerufen am 16. November 2017.
  3. Andrea Büttner (Hrsg.): Springer Handbook of Odor. Springer, 2017, ISBN 978-3-319-26930-6, S. 49 f.
  4. a b c d Robert Tisserand, Rodney Young: Essential Oil Safety. Second Edition, Churchill Livingstone, 2014, ISBN 978-0-443-06241-4, S. 237–241, 301.
  5. a b c Steffen Arctander (Hrsg.): Perfume and Flavor Materials of Natural Origin. Dänemark 1960, S. 138–147, online auf babel.hathitrust.org, abgerufen am 16. November 2017.
  6. a b Robert P. Adams, Shufen Li: The Botanical Source of Chinese Cedarwood Oil: Cupressus funebris or Cupressaceae Species? In: Journal of Essential Oil Research. 20(3), 2008, doi:10.1080/10412905.2008.9700001.
  7. John H. Wiersema, Blanca León: World Economic Plants. CRC Press, 1999, ISBN 0-8493-2119-0, S. 124.
  8. Ullmann's Food and Feed. Vol. 3, Willey, 2017, ISBN 978-3-527-33990-7, S. 1169 f.
  9. Heinz A. Hoppe: Drogenkunde. Band 2, 8. Auflage, De Gruyter, 1977, 2011, ISBN 978-3-11-084414-6 (Reprint), S. 238.
  10. Paul Heermann, Alois Herzog: Mikroskopische und mechanisch-technische Textiluntersuchungen. 3. Auflage, Springer, 1931, ISBN 978-3-642-98596-6, S. 87.
  11. Burkhard Meißner: Die technologische Fachliteratur der Antike. Akademie Verlag, 1999, ISBN 3-05-003194-8, S. 266.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Meyers Großes Konversations-Lexikon. Band 20, Leipzig 1909, S. 861.: Zedernöl bei Zeno.org.