Zigarettenfabrik Jasmatzi

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Hauptwerk Dresden von 1900
Panorama der Westseite: links das Gebäude von 1900, rechts der Bau von 1912. Dazwischen ein Straßenübergang.
Blick von Osten: Das Portal des Gebäudes von 1912 geht zur Glashütter Straße.
Ehemalige Zigarettenfabrik Josetti, jetzt Josetti Höfe, in der Rungestraße 22–25 in Berlin-Mitte, erbaut 1906–1907

Mit Zigarettenfabrik Jasmatzi wird zum einen ein ehemaliges Dresdner Unternehmen, die Jasmatzi AG (nach 1945 VEB Jasmatzi) bezeichnet. Andererseits ist mit Ehemalige Zigarettenfabrik Jasmatzi ein unter Denkmalschutz stehendes Gebäude in Dresden-Striesen gemeint. Unternehmen und Gebäude gehörten nach 1945 zum VEB Vereinigte Zigarettenfabriken Dresden (VEB VEZIFA), 1958 ging der VEB Jasmatzi endgültig darin auf. Das Gebäude wurde Werk I des VEB, nach 1990 Vereinigte Zigarettenfabriken Dresden GmbH genutzt. Die Firma wurde schließlich zur f6 Cigarettenfabrik Dresden GmbH, einer Tochterfirma des Philip Morris-Konzerns, die das Gebäude als Hauptproduktionsgebäude nutzt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jasmatzi AG[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1880 gründete der aus Griechenland stammende Georg Anton Jasmatzi, der seit 1868 als Werksmeister in der Firma „Compagnie Laferme“ beschäftigt war und sich daraufhin selbstständig machte, ein kleines Handwerksunternehmen. Zunächst als Verkäufer von selbst hergestellten Zigarren tätig, erwarb er 1889 in Dresden ein Grundstück an der Blasewitzer Straße. 1900 errichtete er ein Produktionsgebäude an der Schandauer Straße 68. Mit dem Ergänzungsbau an der Glashütter Straße wurde die Firma „Jasmatzi & Söhne“ das bedeutendste Striesener Tabakunternehmen.

Das an der Glashütter Straße 94 gelegene Fabrikgebäude mit historistischen Stilelementen zur Schandauer Straße wurde 1900 nach Plänen des Dresdner Architekturbüros Rose & Röhle errichtet. Über die Straße führt ein Verbindungsgang zum streng gegliederten, 1912 von Lossow und Kühne erbauten Neubau mit hohem Mansardwalmdach.

Jasmatzi exportierte Zigaretten der Marken „Cheops“, „Sphinx“ und „Ramses“ weltweit.

Anzeige aus dem Jahr 1904

1901 wandelte Jasmatzi sein Unternehmen in eine Aktiengesellschaft, die Jasmatzi AG um, wobei er fortan alleiniger Unternehmensleiter unter der Mehrheitsaktionärin American Tobacco blieb. Diese war mit einem Kapital von 10 Millionen Mark die größte Kapitalgesellschaft der Tabakindustrie in Deutschland. Als American Tobacco 1901 Jasmatzi gegen dessen Willen das alleinige Zeichnungsrecht entzog und ihm einen Vorstand zu Seite stellte, schied er 1902 aus der Gesellschaft aus.

Die Jasmatzi AG selbst kam jedoch 1915 in den Besitz der Deutschen Bank und entwickelte sich zum Konzern. Bis 1925 erwarb dieser u. a. folgende andere Zigarettenfabriken:

  • Josetti Cigarettenfabrik, Berlin (Übernahme 1905; Markennamen JUNO neben ELJEN und VERA)
  • Constantin Cigarettenfabrik, Hannover (Marke „Ernst August“ – Immer frisch! Immer gut!)
  • Constantin Cigarettenfabrik, Dresden (Marke „Constantin No. 23“ – Deine alte Liebe)
  • Tabak- und Cigarettenfabrik Sulima, Dresden (Marke „Piaster No. 8“)
  • Sarasvati G.m.b.H, Dresden (Marke „Obak“)
  • Adler Compagnie Cigarettenfabrik (Marke „Henny“ an Sarasvati GmbH)
  • Delta Cigarettenfabrik GmbH, Dresden (Marke „Atikah“)

1925 schloss die Jasmatzi AG einen Interessengemeinschafts-Vertrag mit der Reemtsma ab, der schon bald in eine vollständige finanzielle Abhängigkeit zum Reemtsmakonzern führte: 1929 übernahm Reemtsma die Markenrechte an JUNO. 1935 wurde der Jasmatzi-Konzern in eine KG umgewandelt und als Zweigbetrieb von Reemtsma betrieben.[1]

f6 Cigarettenfabrik - Schandauer Straße 68 - Dresden - Gedenkstätte

Im Februar 1944 wurde die Zigarettenfabrik auf Weisung von NS-Beamten in das „Metallwerk Striesen“ umfunktioniert, in das sich im November 1944 das Rüstungsunternehmen Bernsdorf & Co. einmietete. Ziel der Firma war es 40 Millionen Geschosskerne pro Monat herzustellen. Schon im Ghetto Litzmannstadt hatte Bernsdorf & Co. große Rüstungsaufträge produzieren lassen, mit der Liquidierung des Ghettos mussten 1944 neue Räumlichkeiten gefunden werden. Zur Durchführung der Produktion wurden Zwangsarbeiter eingesetzt, 500 kamen am 26. November 1944 in Dresden an und wurden in den Büchern des KZ Flossenbürg registriert. Sie mussten unter widrigsten Bedingungen arbeiten. Bis zum Ende des Krieges starben mehr als 80 von ihnen.[2]

Georg Jasmatzi & Söhne[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jasmatzi betätigte sich nach seinem Ausscheiden 1901 zunächst mit dem Handel von Rohtabak. 1908 begann er mit der Herstellung von Zigarettenmaschinen[3] und mit einer eigenen Fabrik die Produktion von Zigarettenhülsen. Nach Ablauf seiner vertraglichen Verpflichtung (zehnjährige Sperrfrist), keine eigene Zigarettenproduktion zu betreiben, gründete er schließlich 1911 mit seinen Söhnen Anton Gustav Jasmatzi und Konstantin Jasmatzi die Gesellschaft Georg Jasmatzi & Söhne (Georg A. Jasmatzi and Sons) und produzierte wieder Zigaretten, diese mit den Marken August der Starke, JAS und Kleine JAS.

Nach 1945[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Jasmatzi AG – auf der Grundlage des Volksentscheides von 1946 – enteignet und gemeinsam mit der ebenfalls enteigneten Georg Jasmatzi & Söhne zum VEB Jasmatzi Dresden verschmolzen, die in den 1950er Jahren unter anderem die Marke Turf produzierte. 1959 wurde der Betrieb den Vereinigten Zigarettenfabriken Dresden zugeordnet[1] und als Werk I dieses VEBs bezeichnet. Das Gebäude der früheren Fabrik Jasmatzi AG wurde Sitz dieses Unternehmens.

Heute werden die Gebäude von der f6 Cigarettenfabrik Dresden GmbH genutzt. Die Firma gehört zur Altria Group, zu der seit 2003 alle Firmen des Philip Morris-Konzerns gehören.

Die Zigarettenfabrik war Teil des Filmes Karbid und Sauerampfer mit Erwin Geschonneck.

Sammelobjekte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Unternehmen gab eigene Zigarettenbilder heraus, die dann in gesonderten Alben, jedes mit einem anderen Namen und anderem Thema, gesammelt wurden. Die Alben trugen, im Stil ihrer Zeit, Namen wie Deutsche Kolonien, Hänsom-Filmbilder I bis IV, Ramses-Film-Fotos 1 bis 3, Unsere Marine sowie Unsere Reichsmarine, Bilder aus dem Leben der Matrosen, Deutscher Sport (Vorschau auf 1936), Die Bunte Welt.[4]

Zahlreiche Hinterlassenschaften der Firma, etwa lithografierte Blechschachteln, Notgeldscheine, Aktien, Reklamemarken, Spielkarten und gedruckte Werbungen wie etwa Plakate werden noch heute auf dem Sammlermarkt angeboten.

Archivalien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Hauptstaatsarchiv Dresden finden sich unter anderem Firmen-Dokumente der Fabriklager Chemnitz, Dresden, Eisenach, Erfurt, Gera, Görlitz, Halle, Leipzig und Stendal; außerdem Archivalien der Dresdner Emballagenfabrik, der Betriebsabteilung Weißeritzstraße, Geschäftsübersichten, Belege des Aufsichtsrats, Urkunden, Akten der Direktion, Verträge, Revisionsberichte, Bilanzen, Steuerunterlagen, Papiere der Interessengemeinschaften und zu Personalangelegenheiten.[1]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch die Literaturangaben bei Georg Anton Jasmatzi

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Zigarettenfabrik Jasmatzi – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c 11773 – Jasmatzi AG, Dresden auf der Seite des Hauptstaatsarchivs Dresden (siehe Weblinks)
  2. Cziborra, Pascal 2013: KZ Dresden Striesen. Das Familienlager Bernsdorf & Co. in der Schandauer Straße 68, Bielefeld, Lorbeer Verlag.
  3. Herbert Pönicke: Jasmatzi, Georg. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 10, Duncker & Humblot, Berlin 1974, ISBN 3-428-00191-5, S. 360 (Digitalisat).
  4. private Sammlerliste

Koordinaten: 51° 2′ 23″ N, 13° 48′ 2″ O