Äquatoria

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Frühere Bundesstaaten des Sudan auf dem Gebiet der Provinz Äquatoria in den Grenzen vor 1948

Äquatoria (arabisch ‏الاستوائيةal-Istiwa'iyya, englisch Equatoria) war bis 1956 eine Provinz des Anglo-Ägyptischen Sudan, dann bis 1976 eine Provinz und von 1991 bis 1994 ein Bundesstaat der Republik Sudan. Heute bildet das Gebiet einen Teil des 2011 entstandenen Staates Südsudan.

Geschichte[Bearbeiten]

19. Jahrhundert[Bearbeiten]

Sie entstand in dem Versuch des britisch dominierten Ägypten, einen Modellstaat im Zentrum Afrikas zu errichten. Äquatoria bestand im Wesentlichen aus wenig mehr als einer Handvoll Abenteurer in einigen isolierten Außenposten. Es waren zu keiner Zeit mehr als 600 Soldaten in der Provinz stationiert. Neben den heute südsudanesischen Gebieten umfasste sie zu dieser Zeit auch Teile des heutigen Uganda.

Äquatoria wurde 1870 von Samuel White Baker geschaffen, der von der ägyptischen Regierung mit der Errichtung von Handelsposten am oberen Weißen Nil beauftragt worden war. Er ließ den Posten Gondokoro befestigen und benannte ihn zu Ehren des regierenden Khediven Ismail Pascha in Ismailia um. In diesem Gebiet lebten zahlreiche teils verwandte ethnische Gruppen mit eigenen Häuptlingen, darunter die Acholi, Azande, Bari, Lotuko, Madi, Moru, Mundari, Pojulu und Toposa. Weiterhin wurde das Gebiet von arabischen Sklavenhändlern durchquert.

1874 wurde Charles George Gordon Gouverneur, der anschließend Generalgouverneur des gesamten Türkisch-Ägyptischen Sudan wurde. 1878 folgte ihm Eduard Schnitzer, genannt Emin Pascha. Der Mahdi-Aufstand des Muhammad Ahmad in den 1880ern trennte Äquatoria von Ägypten und mehrere europäische Expeditionen wurden organisiert, um Emin Pascha zu retten. Anschließend erlangten bis 1898 die Mahdisten die Kontrolle über das Gebiet. Wichtige Siedlungen in Äquatoria waren Lado in der Ladoenklave, Gondokoro und Wadelai.

Zur Namensgebung im 19. Jahrhundert[Bearbeiten]

Die Namensgebung sollte den anglo-ägyptischen Anspruch auf erheblich größere Gebiete untermauern, Charles Gordon und Emin Pascha bereisten auch angrenzende Gebiete und prüften die Möglichkeit der Gebietserweiterung nach Süden. Aufgrund des Mahdi-Aufstandes konnten diese Pläne jedoch nicht weiter verfolgt werden und Wadelai (heute im Norden Ugandas) blieb mit 2° 50' N der südlichste Punkt der Provinz, die den Äquator nirgends berührte.

Verwaltungseinheit im 20. Jahrhundert[Bearbeiten]

Im Anglo-Ägyptischen Sudan wurde Äquatoria eine der acht ursprünglichen Provinzen. 1948 wurde die Region Bahr al-Ghazal im Nordwesten als eigenständige Provinz von Äquatoria abgetrennt. 1976 wurde die Provinz erneut in Ost- und Westäquatoria geteilt. Von 1991 bis 1994 wurde ein Bundesstaat Äquatoria geschaffen, der in den Grenzen der Provinz Äquatoria von 1948 bis 1976 glich. Am 14. Februar 1994 wurde erneut Äquatoria aufgespalten, diesmal in die Bundesstaaten al-Istiwa'iyya al-wusta (Zentral-Äquatoria), Gharb al-Istiwa'iyya (West-Äquatoria) und Scharq al-Istiwa'iyya (Ost-Äquatoria).[1]

Teil des Südsudan[Bearbeiten]

Bundesstaaten des Südsudan

Die Region war im 20. und frühen 21. Jahrhundert Schauplatz der beiden Bürgerkriege um die Sezession des Südsudan sowie Rückzugsgebiet ugandischer regierungsfeindlicher Milizen wie der Lord’s Resistance Army und der West Nile Bank Front. Nach dem Ende des zweiten Bürgerkriegs und dem Unabhängigkeitsreferendum im Südsudan 2011 bildeten die drei Äquatoria-Provinzen zusammen mit den Regionen Bahr al-Ghazal und Great Upper Nile den neuen Staat Südsudan.

Literatur[Bearbeiten]

  • Richard Gray: A History of the Southern Sudan, 1839–1889. Oxford University Press, London 1961

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Äquatoria – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. www.statoids.com: Historische Übersicht der sudanesischen Bundesstaaten