Étienne-Louis Boullée

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Étienne-Louis Boullée [bule] (* 12. Februar 1728 in Paris; † 6. Februar 1799 in Paris) war ein klassizistischer französischer Architekt.

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Neben Claude-Nicolas Ledoux ist Boullée als Hauptvertreter der französischen Revolutionsarchitektur bekannt geworden. Diese Strömung in der Architektur brach mit der barocken Tradition und propagierte einen kargen, monumentalen Klassizismus, der den imperialen Herrschaftsanspruch anzeigte. Dabei zeigt sich eine Beeinflussung durch den Geist der Aufklärung. Er entwarf zahlreiche meist öffentliche Bauten, die wegen ihrer übersteigerten Dimensionen nicht zu realisieren waren.

Boullée wurde in Paris geboren und studierte bei Jacques-François Blondel, Germain Boffrand und Jean Laurent Legeay, von dem er das Wiederaufleben der klassischen Architektur im 17. und 18. Jahrhundert vermittelt bekam.

Boullée, Kenotaph für Newton (1784)
Boullée, Entwurf für die Nationalbibliothek

1762 wurde er in die französische königliche Akademie für Architektur gewählt. Er baute zwischen 1762 und 1778 eine Reihe von Privathäusern, von denen die meisten jedoch nicht mehr existieren. Ausnahmen sind die Stadtpalais Hôtel Alexandre und Hôtel de Brunoy in Paris.

Seinen größten Einfluss entfaltete er zwischen 1778 und 1788 als Lehrer und Theoretiker an der École Nationale des Ponts et Chaussées, wo er einen unverwechselbaren abstrakten Stil entwickelte, der von klassischen Formen inspiriert war. In seinen Entwürfen verzichtete er konsequent auf funktionslose Ornamentierung und vergrößerte einfache Formen wie Kugeln und Säulen ins Monumentale. Er entwickelte die Idee, dass die Architektur ihren Zweck ausdrücken sollte – eine Doktrin, die er „sprechende Architektur" (architecture parlante) nannte.

Am eindrucksvollsten zeigt sich dieser Stil in seinem Entwurf für ein Kenotaph für Isaac Newton, das er als Kugel mit einer Höhe von 150 Metern entwarf. Die Kugel ruhte auf einem doppelten ringförmigen Sockel, der von Zypressen bekrönt war.

Nachwirkung[Bearbeiten]

Boullées Ideen übten einen großen Einfluss auf seine Zeitgenossen aus, nicht zuletzt deshalb, weil er Lehrer weiterer wichtiger Architekten war, darunter Jean-Françoise-Thérèse Chalgrin, Alexandre Théodore Brongniart und Jean-Nicolas-Louis Durand.

Teilweise wurden seine Entwürfe erst im 20. Jahrhundert bekannt; sein Buch Architektur, Abhandlung über die Kunst, in dem er sich für einen emotional engagierten Neoklassizismus aussprach, wurde erst 1953 veröffentlicht. Das Buch enthielt sämtliche Entwürfe aus der Zeit zwischen 1778 und 1788, meist Ideen für öffentliche Gebäude, jedoch fast alle in kaum ausführbarer Größe.

Boullées Vorliebe für übergroße Entwürfe führte dazu, dass er sowohl als Megalomane als auch als Visionär charakterisiert wurde. Seine Vorliebe für Polaritäten (Verwendung gegensätzlicher Design-Elemente) und die Nutzung von Licht und Schatten war innovativ. Im 20. Jahrhundert wiederentdeckt, beeinflusste er Architekten wie den Italiener Aldo Rossi und Louis I. Kahn.

Der Film Der Bauch des Architekten (The Belly of an Architect) des englischen Filmemachers Peter Greenaway aus dem Jahr 1987 zeigt mehrere Entwürfe von Boullée.

Siehe auch[Bearbeiten]

Boulées Architektur für das höchste Wesen

Werke[Bearbeiten]

  • Boullée's Treatise on Architecture. A complete presentation of the architecture. Essai sur l'art, which forms part of the Boulée papers (MS 9153) in the Bibliothèque Nationale, Paris. Edited [mit engl. Anm.] by Helen Rosenau, London: Tiranti, 1953 (The Tiranti Library ; 3).
    • Architektur. Abhandlung über d. Kunst. Einführung und Kommentare von Adolf Max Vogt. Übersetzt aus dem Französischen von Hanna Böck, Zürich / München: Artemis, Verl. für Architektur, 1987.

Literatur[Bearbeiten]

  • Klaus Lankheit: Der Tempel der Vernunft. Unveröffentlichte Zeichnungen von Etienne-Louis Boullée. Birkhäuser, Basel u. a. 1973, ISBN 3-7643-0666-1
  • Philippe Madec: Etienne-Louis Boullée. Birkhäuser, Basel u. a. 1989, ISBN 3-7643-2253-5
  • Marc Fester (Hrsg.): Gebaute Weltbilder von Boullée bis Buckminster Fuller.Arch-+-Verlag, Aachen 1993 (Texte von J. Krausse, Kritik: Vilém Flusser)
  • Beat Wyss (Edit.): Etienne-Louis Boullée. Architektur. Abhandlung über die Kunst. Artemis, Zürich und München 1987
  • Jean-Marie Pérouse de Montclos: Étienne-Louis Boullée 1728-1799. Theoretician of Revolutionary Architecture. George Braziller, New York 1974
  • Jean-Claude Lemagny: Visionary Architects. Boullée, Ledoux, Lequeu. Hennessey & Ingalls, Santa Monica 2002, ISBN 0-940512-35-1

Weblinks[Bearbeiten]