Aldo Rossi

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Dieser Artikel befasst sich mit dem italienischen Architekten geb. 1931 in Mailand, den geb. 1933 in Neapel siehe Aldo Loris Rossi

Aldo Rossi (* 3. Mai 1931 in Mailand; † 4. September 1997 ebenda) war einer der richtungsweisenden Architekten und Designer des 20. Jahrhunderts.

Biografie[Bearbeiten]

Erste Schritte[Bearbeiten]

Von 1949 bis 1959 studierte Rossi Architektur am Polytechnikum Mailand. Bereits 1955 wurde er von Ernesto Nathan Rogers aufgefordert, bei der Architekturzeitschrift Casabella Continuità (ISSN 0008-7181) mitzuarbeiten; zunächst in Form von redaktionellen Beiträgen, später – von 1959 bis 1964 – als festangestellter Redakteur. Gegen Ende der 1950er Jahre stellte sich Rossi auf die Seite derjenigen, die eine kritische Revision der dogmatischen Prinzipien der Moderne forderten. Rossi zählte in dieser Zeit zu der Gruppe der Schüler von Rogers, die das „Experiment“ des „Neoliberty“ mitmachten, einem Rückgriff auf die italienische Spielart des Jugendstils, des Stile Liberty zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

Wegfindung und theoretische Auseinandersetzung[Bearbeiten]

Doch Rossi betonte damals noch, dass sein Interesse nicht in erster Linie architektonischer Natur sei. Erst zu Beginn der 1960er Jahre beginnt Rossis eigentlicher Weg mit dem Wettbewerbsentwurf für ein "Resistenza"-Denkmal in Cuneo (1962) und dem kurz danach beginnenden Projekt des Rathausplatzes mit Partisanendenkmal in Segrate bei Mailand aus dem Jahr 1965. Sämtliche elementaren Entwurfsmaxime, die Bedeutung des typologischen, formalen und metaphysischen Aspekts in Rossis Architektur lassen sich auf diese ersten Entwürfe zurückbinden.

Zwischen 1963 und 1965, zeitgleich zu seinen ersten Realisierungen, war Rossi zudem als Assistent bei Ludovico Quaroni an der Schule für Stadtplanung in Arezzo und als Assistent bei Carlo Aymonino an der Fakultät für Architektur und Stadtplanung der Universität Venedig (IUAV) beschäftigt. Parallel dazu entwickelte Rossi bereits die Fundamente seiner "Architettura Razionale", die in enger Verbindung mit den rationalistischen Architekturtheorien der Renaissance, des aufgeklärten Klassizismus und insbesondere dem "Razionalismo" aus den 1920er Jahren zu betrachten ist.

Gemeinsam mit Luca Meda übernahm er 1964 die Planung für die XIII. Triennale in Mailand. 1965 wurde er Dozent an der Polytechnischen Hochschule Mailand.

Von rationalen, klassizistischen und monumentalen Stilen ausgehend, fand er als junger Architekt zu einer reduzierten, klaren Formensprache.[1] Licht und Schatten bildeten ein herausragendes Element seiner Gestaltung.

Rossi veröffentlichte 1966 seine Überlegungen zur modernen Architektur in dem Buch L'architettura della città (Die Architektur der Stadt). Das Buch lenkte den Blick auf die traditionelle europäische Stadt. Er kritisiert darin das modernistische Dogma, wonach die Form aus der Funktion erwachse. Vielmehr sei historisch belegt, dass formal prägnante Monumente sich vielfältigen Nutzungen anpassen könnten. Städtebau solle nicht voraussetzungslose Totalplanung sein, sondern historisch-kritisch die überkommenen Stadtstrukturen weiterentwickeln.

Von 1972 bis 1974 war Rossi Gastprofessor an der ETH Zürich.

Ab 1972 arbeitete Aldo Rossi mit Gianni Braghieri zusammen.

Von nationaler zu internationaler Bekanntheit[Bearbeiten]

Wohnblock Gallaratese in Mailand, 1968–1973
Grundschule in Fagnano Olona, 1972–1976

Im Jahr 1973 formuliert Rossi schließlich den für ihn wesentlichen Begriff der Architettura Razionale im Rahmen der XV. Triennale in Mailand. Er setzt die Architettura Razionale direkt mit der Situation des Razionalismo der 1920er Jahre in Bezug weil für ihn „die Probleme, die sich damals stellten auch die Probleme von heute sind […]“ Neu ist jedoch, dass sich Rossis Architektur dezidiert als Autonome Architektur versteht, die zwar die Stadt als historischen Ort begreift, im Unterschied zu den 1920er Jahren soziale oder politische Fragen weitestgehend ausblendet.

Mit der Vorstellung der Architettura Razionale findet Rossis erste Schaffensphase gleichsam ihren Hochpunkt und ihren Abschluss. Rossis architektonisches Vokabular hat sich 1973 bereits verfestigt: Seine charakteristische, auf wenige geometrische Grundformen reduzierte Sprache, die daraus abgeleitete Entwicklung von archetypischen Elementen, die Rossi in seine Untersuchungen zur Typologie der Stadt einbindet, haben bereits zu diesem Zeitpunkt eine beispielhafte Umsetzung in gebaute Architektur erfahren.

Signifikanteste Beispiele hierfür sind die 1969–1973 erbaute Wohnzeile im Quartiere Gallaratese 2 in Mailand, der Friedhof San Cataldo in Modena (ab 1971), das Rathaus in Muggiò (1972) oder die Grundschule in Fagnano Olona (1972–1976).

Auch der für Rossis Entwurfstheorie wichtige Begriff der Analogen Architektur (La città analoga, 1976) geht bis auf das Jahr 1969 zurück und ist mit dieser ersten Phase verklammert.

Rossis zentrales Anliegen war – wie in L'architettura della città formuliert – das Herausstellen der Beziehung zwischen der Einmaligkeit der Form und der Vielfältigkeit der Funktionen: Während für ihn die Form eine dauerhafte Konstante bildet, ist die Funktion wechselnd und vergänglich. „Der Rationalist“, so Rossi, „möchte die größtmögliche Fähigkeit zur Anpassung des Gebäudes an eine Vielfalt von Bedürfnissen.“

Zwischen 1973 und 1980 gelingt es Rossi in seiner zweiten Schaffensphase, sich vor allem auf nationaler Ebene zu positionieren. In dieser Zeit folgen – häufig in Zusammenarbeit mit Gianni Braghieri – mehrere herausragende Arbeiten, wie etwa der Wettbewerbsentwurf für den Sitz der Regionalverwaltung in Triest (1974), die Mittelschule in Broni (1979–1980) und insbesondere auch das schwimmende Teatro del Mondo für die Theater- und Architekturbiennale 1980 in Venedig.

Bereits ein Jahr später beginnt Rossi sein erstes Projekt außerhalb Italiens: Von 1981 bis 1988 entsteht im Rahmen der Internationalen Bauausstellung IBA das vielbeachtete Wohn- und Geschäftshaus an der Wilhelmstraße in Berlin-Friedrichstadt. Rossi erlangt durch diesen Signalbau weitaus größere Bekanntheit. Auch das Verwaltungsgebäude Fontivegge in Perugia (1982–1988) und das Teatro Carlo Felice in der Altstadt von Genua (1982–1990) werden, obwohl sie zu den nationalen Projekten zählen, sehr viel stärker wahrgenommen.

1980 begann Rossis Zusammenarbeit mit der Firma Alessi in Crusinallo (Omegna), für die er zahlreiche Objekte, u. a. die Kaffeekanne Rossicaffè (1984), den Wasserkessel Il Conico (1986) und die Espressomaschine La Cupola (1990) entwarf.

1983 leitete Rossi die 1. Architektur-Biennale in Venedig. Mit Umberto Barbieri gründete er 1987 ein gemeinsames Büro in Den Haag. 1988 wird er Ehrenmitglied des American Institute of Architects

Während Rossi in der ersten Hälfte der 1980er Jahre vor allem noch Projekte im europäischen Ausland (Schweiz, Niederlande, Deutschland) errichtet, so ist die zweite Hälfte der 1980er Jahre bereits geprägt von ersten außereuropäischen Realisierungen, wie etwa der Architekturschule der Universität Miami (1986–1992) oder dem Hotelgebäude in Fukuoka (Japan) (1987–1989). Rossis Popularität, die nun auf einer Vielzahl nationaler und internationaler Projekte basiert, hat damit ein absolutes Maximum erreicht. Seine theoretisch formulierte Architettura della Città hat mit diesen prominenten Gebäuden eine konkrete bauliche Umsetzung erfahren.

Im Jahr 1987 war er mit dem Entwurf Ein Museum für Marburg Teilnehmer der Documenta 8 in Kassel.

Spätwerk[Bearbeiten]

Bis gegen Ende der 1980er Jahre hatte die anfängliche Strenge und Kühle der frühen Entwürfe Rossis deutlich nachgelassen. Im Verlauf dieses Jahrzehnts wurde Rossi sogar in die Nähe der Architekten der Postmoderne gebracht.

Mit zahlreichen Bauaufträgen beschäftigt, wechselt Rossi an der Schnittstelle zu den 1980er Jahren mit dem Zentralbau des Teatro del Mondo von einer vornehmlich theoretischen Auseinandersetzung zu einer vornehmlich praktischen Auseinandersetzung mit Architektur. Die für ihn bis dahin sehr wichtige theoretische Untersuchung von Architektur verliert zunehmend an Bedeutung.

Im Jahr 1990 gewann er den Pritzker-Preis für Architektur.

In den Jahren 1990 bis 1993 fanden in Paris, Berlin, Gent und Amsterdam große Rossi-Ausstellungen statt.

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In den 1990er Jahren vollzieht sich eine weitere Wandlung der Architektur Aldo Rossis: Während in den Jahren zuvor die Projekte, die Rossi realisiert, noch mit der Programmatik seiner Architettura Razionale in Einklang zu bringen sind, trifft dies auf seine letzten Großprojekte kaum mehr zu. Die Möglichkeit des Autonomen dieser Architektur wird allein durch deren Größe als kompletter städtischer Block in Frage gestellt. Rossis Collagierung in signalhaften Farbtönen wirkt wie das Reproduzieren seiner Architektur. Beispielhaft hierfür stehen das UNY Shopping Center in Nagoya (Japan, 1989–1993), der Walt-Disney-Komplex in Orlando (1991–1995) , oder der Wohnblocks in der Berliner Schützenstraße (1994–1997).[2] Darin ist eine Wandlung der „Analogien des Ortes“ zu einem internationalistischen Strukturalismus zu sehen, in dem ähnliche Lösungen in vergleichbaren Situationen immer ähnlicher werdenden Städte global funktionieren. In dieser Tendenz zur Austauschbarkeit seiner Entwürfe ist es Rossi gelungen, seine Typologie mit einer weltweiten Akzeptanz zusammenzuführen – seine aus Archetypen entwickelten Gebäude funktionieren als Hülle für unterschiedlichste Nutzungen im selben Kontext unabhängig vom Ort.

Am 4. September 1997 starb Aldo Rossi in Mailand an den Folgen eines Verkehrsunfalls am Lago Maggiore. Sein letztes großes Projekt, der Wiederaufbau des Anfang der 1990er Jahre abgebrannten Theaters La Fenice in Venedig, wurde von seinen ehemaligen Büromitarbeitern zu Ende geführt. Wie kaum ein anderes Projekt des Architekten manifestiert der getreue Umgang mit den originalen Plänen des Theaters und die behutsame Schöpfung räumlicher und technischer Ergänzungen Rossis ungebrochene außergewöhnliche Sensibilität für das gebaute Erbe und die Identität des Orts.[3]

Bauwerke[Bearbeiten]

(Auswahl)

Theoretische Veröffentlichungen[Bearbeiten]

(Auswahl)

  • 1966 L'architettura della città. Padova, 1966, deutsch: Die Architektur der Stadt. Skizze zu einer grundlegenden Theorie des Urbanen. Bauwelt Fundamente Band 41, Düsseldorf 1973
  • 1973 Architettura razionale
  • 1975 Scritti scelti sull'architettura e la città. 1956-1972
  • 1976 "La città analoga"
  • 1981 Autobiografia scientifica (Wissenschaftliche Selbstbiographie)

Literatur[Bearbeiten]

  • Aldo Rossi: Aldo Rossi. Das Gesamtwerk. Könnemann Verlag, Köln, ISBN 3-8290-7764-5.
  • Rossi, Aldo: The Architecture of the City. MIT Press, Cambridge, Massachusetts/ London 1982. (ab 1984, ISBN 0-262-68043-2)
  • Adjmi, Morris (Hrsg.): Aldo Rossi; Bauten und Projekte 1981-1991. Artemis Verlag, Zürich/ München 1991.
  • documenta 8 Katalog: Band 1: Aufsätze. Band 2: Katalog. Band 3: Künstlerbuch. Kassel 1987, ISBN 3-925272-13-5.
  • Ákos Moravánszky, Judith Hopfengärtner (Hrsg.): Aldo Rossi und die Schweiz. Architektonische Wechselwirkungen. gta Verlag, Zürich 2011, ISBN 978-3-85676-253-7.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Günter Baumann: Meisterwerke der Architektur. S. 287, Stuttgart 2002, ISBN 3-15-018118-6.
  2. Sebastian Redecke: Die Verführung; Drei Vermächtnisse. In: Bauwelt. Berlin, Heft 7, 1998, S. 314–317.
  3. a b Monzo, Luigi: Auf der Suche nach der verlorenen Identität.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Aldo Rossi – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien