Claude-Nicolas Ledoux

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Claude-Nicolas Ledoux

Claude-Nicolas Ledoux (* 21. März 1736 in Dormans, Département Marne; † 18. November 1806 in Paris) war ein klassizistischer französischer Architekt, der zahlreiche öffentliche und private Bauvorhaben ausführte. Er entwarf aber auch völlig utopische Bauten und gilt gemeinsam mit Étienne-Louis Boullée als Hauptvertreter der französischen Revolutionsarchitektur.

Leben[Bearbeiten]

Claude-Nicolas Ledoux wurde am 27. März 1736 in Dormans an der Marne, 100 km östlich von Paris geboren. Seine Eltern, Claude Ledoux und Françoise Dominot, führten ein kleinbürgerliches und bescheidenes Leben, doch blieben ihm das „bodenständige, rechtschaffene“ Landleben in der dörflichen Gemeinschaft stets in guter Erinnerung, wie sein späteres Werk zeigte. Die Reform der Landwirtschaft und die Entwicklung der Provinzen wurden ein für ihn wichtiges Thema.

Am 26. Juli 1764 heiratete Ledoux in der Église Saint-Eustache von Paris Marie Bureau († 30. August 1792), die Tochter des Musikers Joseph-Grégoire Bureau. Mit ihr zusammen hatte er zwei Töchter - Adelaïde-Constance (1771–1794) und Alexandrine-Euphrasie (* 1775).

Ausbildung[Bearbeiten]

Durch die in der örtlichen Pfarrschule früh auffallende Begabung erhielt Ledoux ein Stipendium des örtlichen Bistums für ein Studium am Collège de Beauvais in Paris, das er 1749 begann. Sein Lehrer Rollin lehrte nach der didaktischen Methode der morceaux choisis. Die Schüler lernten den üblichen Bildungskanon der Klassik und der Gegenwart durch ausgewählte Zitate der anerkannten Größen kennen. (Seine späteren Bauten und Schriften sind von dieser Zusammenwürfelung der Zitate geprägt.) So reichten Ledoux’ Kenntnisse der Geometrie, der Poetik, der Philosophie und der Rhetorik von der Klassik bis zur damaligen Gegenwart. Er wurde geprägt durch die Aufklärung, den Rationalismus und die Freimaurerei mit seinen Idealen der Gemeinschaft.

1753 begann Ledoux eine Lehre als Graveur und anschließend das Architekturstudium an der von Jacques-François Blondel gegründeten "École des Arts" in Paris. Dieses Studium vermittelte ihm das Wissen der Antike mit den Schwerpunkten Ordnung und Proportion, die Entwürfe der Renaissance – vermutlich über den „englischen Umweg“ – und die damals aktuellen Themen der Architekturdebatte: Logik, Methode, Strenge und Charakter im Gegensatz zum noch dominierenden Stil des Rokoko. Zahlreiche Theoretiker forderten, dass Funktion und Eigenschaften eines Baues schon am Äußeren zu erkennen sein sollten, gleichzeitig stellte sich dabei die Frage nach der Fassade, nach Ehrlichkeit oder Maske.

Bauten und Projekte[Bearbeiten]

Ledoux’ erster wichtiger Auftrag als Architekt war 1762 die Gestaltung des „Café Militaire“, das Treffpunkt der Pariser Oberschicht war. In den folgenden Jahren baute er für diesen Kreis zahlreiche Palais, Villen und Landschlösser, so den Pavillon der Madame Dubarry, die seine wichtigste Förderin wurde, in Louveciennes (nahe Paris) und die Gartenfassade des Hôtel von Franz-Joseph Hallwyl, einem Oberst der Schweizergarde. Er errichtete für den Kardinal de Luynes das Schloss von Brienon-l’Archevêque. Mit diesen Arbeiten erregte Ledoux am Hof Aufmerksamkeit, und so wurden ihm im ersten Jahrzehnt seiner Berufslaufbahn öffentliche Ämter anvertraut. Er arbeitete für die Straßen- und Brücken- und die Forstbehörden, baute Landkirchen und wurde 1771 Bevollmächtigter für die Salzbergwerke in der Franche-Comté und Lothringen.

In dieser Funktion unternahm er 1771 eine Inspektionsreise, bei der er das unzureichende Funktionieren der Salinen kennenlernte. Ledoux schlug den Bau einer neuen Saline in 17 Kilometer Entfernung von einer Solequelle, am Rand des Waldes von Chaux vor. Das Salzwasser sollte durch Leitungen dorthin geleitet werden, denn „es ist einfacher, das Wasser auf Reisen zu schicken, als einen Wald Stück um Stück durch die Gegend zu fahren“.

König Ludwig XV. gab als Besitzer sämtlicher Salinen das Projekt im April 1773 in Auftrag. Ein Jahr später legte Ledoux seinen ersten Entwurf vor, 1774 den zweiten. Am 15. April 1775 erfolgte die Grundsteinlegung. Die Arbeiten sollten drei Jahre dauern. Les Salines Royales, die Königlichen Salinen im heutigen Arc-et-Senans, wurden Ledoux’ Hauptwerk. In seinem Architekturtraktat von 1804 stellt Ledoux die Bauten der Saline in Arc-et-Senans als Teil einer großen, nur teilweise realisierten Stadt- und Sozialplanung dar, die auf die Gebäude für die Salzproduktion reduziert worden sei. Tatsächlich waren aber am Standort der Salinen nie weitere Bauten geplant. Erst im Nachhinein hat Ledoux seine Stadtutopie entworfen.

Ledoux beaufsichtigte als "contrôleur général des bâtiments" des Baudepartments von Hessen-Kassel das 1779 fertiggestellte Museum Fridericianum.[1] Er baute das Theater in Besançon und errichtete 1778 in Paris das Hôtel de Thellusson.

Das letzte große Projekt von Ledoux war der Entwurf der Zollgebäude der 1785 errichteten Mauer der Generalpächter (Mur des Fermiers généraux). Diese vorletzte der Pariser Stadtmauern diente der Erhebung von Akzisen also Verbrauchssteuern oder Binnenzöllen. Auf einer Länge von 24 Kilometern sollte die Mauer die Hinterziehung des Wegezolls unterbinden, der bei der Einfuhr von Waren in die Stadt erhoben wurde. Doch nach zwei Jahren wurde Ledoux von der Aufgabe entbunden, weil seine Gebäude zu teuer kamen. Die meisten pavillons d’octroi genannten Wachhäuser fielen bald darauf dem Feuer der Revolution zum Opfer. Bis heute erhalten blieben die Rotonde de la Villette im 19. Arrondissement, die Rotonde de Monceau im Parc Monceau, die Barrière du Trône (Place de la Nation) sowie die Barrière d'Enfer (Place Denfert-Rochereau).

Liste der realisierten Bauten[Bearbeiten]

  • 1762: Gestaltung des "Café Militaire" in der rue Saint-Honoré, Paris (zerstört)
  • 1763: Château de Mauperthuis, Mauperthuis (zerstört)
  • 1765: Hôtel du président Hocquart in der rue de la Chaussée-d'Antin, Paris (zerstört)
  • 1766: Hôtel d'Halwyll in der rue Michel-le-Comte, Paris
  • 1767: Hôtel d'Uzès in der rue Montmartre, Paris (zerstört)
  • 1769: Château de Bénouville in Bénouville (Calvados)
  • 1770: Maison de Mlle Saint-Germain in der rue Saint-Lazare, Paris (zerstört)
  • 1771: Pavillon d’Attilly in faubourg Poissonnière, Paris (zerstört)
  • 1771: Pavillon de musique de Madame du Barry in Louveciennes (in großen Teilen umgebaut)
  • 1771: Hôtel de Montmorency im boulevard des Capucines, Paris (zerstört)
  • 1778: Saline royale (Königliche Salinen) in Arc-et-Senans (UNESCO Weltkulturerbe seit 1982)
  • 1778: Hôtel Thellusson in der rue de Provence, Paris (zerstört)
  • 1779: Theater von Besançon (zerstörter und nicht rekonstruierter Innenraum nach einem Brand im Jahr 1958)
  • 1785: Bau der „barrières“ (Zollhäuser) für die Fermiers généraux in Paris (von den ursprünglich rund vierzig realisierten „barrières“ blieben vier erhalten)

Theoretisches Schaffen[Bearbeiten]

Die Französische Revolution beendete schlagartig das bauliche Schaffen von Claude-Nicolas Ledoux, war er doch Vertreter und Baumeister des Ancien Régime und hatte seine Pläne mit dem Zusatz "Architecte du Roi" (Architekt des Königs) signiert. Am 29. November 1793 wurde er für gut ein Jahr in Haft genommen (Freilassung am 13. Januar 1795) und entging einer Ermordung durch die Volkstribunale, indem er sein Buch über die Saline von Chaux als Prototyp des demokratischen Zusammenlebens schrieb. Sein Leben wurde nun von Gönnern finanziert, Ledoux widmete sich ganz der theoretischen Arbeit und Aufarbeitung seines Gesamtwerkes.

Bevor er 1806 starb, wurde nur der erste Band seines auf vier Bände angelegten Werkes L’Architecture considerée sous le rapport de l’art, des moeurs et de la législation veröffentlicht. Er enthielt die Beschreibung einer Chaux genannten idealen Stadt. Es ist die Utopie eines zur Untätigkeit verdammten Baumeisters, der sich und sein Werk in der gerade errichteten neuen Staatsordnung zu verteidigen versuchte.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Claude-Nicolas Ledoux – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Quellen[Bearbeiten]

  1. Cornelius Steckner: Ledoux, Kassel und der Amerikanische Unabhängigkeitskrieg, in: XXVIIe Congrès International d'Histoire de l'Art. L'Art et les Révolutions, Strasbourg 1992, S. 345 - 372