AVM GmbH

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
AVM Computersysteme Vertriebs GmbH
AVM-Logo
Rechtsform GmbH
Gründung 1986
Sitz Berlin, Deutschland
Leitung Johannes Nill, Geschäftsführer
Mitarbeiter 450 (2013)[1]
Umsatz 300 Mio. EUR (2013)[1]
Branche Telekommunikation
Website www.avm.de

Die AVM Computersysteme Vertriebs GmbH ist ein deutscher Hersteller von Produkten aus dem Bereich der Telekommunikation und Netzwerktechnik (unter anderem DSL, ISDN, WLAN und Internettelefonie).

Geschichte des Unternehmens[Bearbeiten]

Das Unternehmen wurde von den vier Studenten Johannes Nill, Peter Faxel, Ulrich Müller-Albring und Jörg-Detlef Gebert 1986 gegründet und hat seinen Sitz in Berlin. Im Jahr 2013 beschäftigte AVM 450 Mitarbeiter und erzielte einen Umsatz von 300 Millionen Euro. Geschäftsführer ist der Mitgründer Johannes Nill.

Die erste ISDN-Karte wurde 1989 für 4300 Mark an Unternehmen verkauft. Mit der Einführung der Marke Fritz! (Eigenschreibweise: FRITZ![2]) und der Fritz!Card, einer ISDN-Karte für PCs, kam 1995 der Durchbruch. Zugleich war es auch die Geburtsstunde des Produktlogos, eines im Comicstil gezeichneten Frettchens, das alle Verpackungen und Anzeigen zierte. Der Name Fritz wurde gewählt, „weil ein nicht-technischer Name gesucht wurde, der auch im Ausland augenzwinkernd deutsche Wertarbeit andeuten sollte.“[3] Inzwischen ist das Frettchen abgelöst und taucht nur noch vereinzelt auf. Der Marktanteil bei ISDN-Karten in Deutschland wuchs von 1995 an kontinuierlich auf über 80 Prozent im Jahr 2004. Dies verdankte AVM hauptsächlich seiner hohen Qualität der Hard- und Software. Somit konnte sich AVM mit seinen Produkten wie der Fritz!Card (ISA, ISA-PnP, PCI) trotz geringfügig höherer Produktpreise gegen Wettbewerber wie TELES oder SEDLBAUER durchsetzen.

Auf der Cebit 2004 zeigte AVM erstmals die Fritz!Box, eine Kombination aus DSL-Modem und Router. Dazu kamen später Varianten für WLAN und Internettelefonie (VoIP). 2007 erschien die Fritz!Box Fon WLAN 7270, deren wichtigste Neuerung die Unterstützung von WLAN Draft-N (IEEE 802.11n) war. Neben den bekannten Funktionen enthält sie auch noch eine DECT-Basisstation und einen Mediaserver. Zur Cebit 2009 stellt AVM das neue Modell FRITZ!Box Fon WLAN 7390 vor. Es enthält ein VDSL- und ADSL2+-fähiges Modem, einen Gigabit-Ethernet Switch und einen WLAN-N-Access-Point (gleichzeitig 2,4- und 5-GHz-Band) sowie 512 Megabyte internen Netzwerkspeicher und ist seit Ende März 2010 erhältlich. Mit der Fritz!Box erzielte AVM 2008 bei DSL-Endgeräten laut des Marktforschungsinstituts IDC einen Marktanteil von 60 Prozent in Deutschland und 18 Prozent europaweit. Der hohe Marktanteil erklärt sich unter anderem dadurch, dass viele ISPs eine Fritz!Box bei Abschluss eines Vertrages kostenlos oder gegen einen geringen Aufpreis anbieten.

Seit einigen Jahren ist AVM auch im Bereich der Hausautomation bzw. Smart-Home tätig. Die Produktreihen FRITZ!Powerline und FRITZ!DECT bieten Möglichkeiten, das eigene Netzwerk über die Stromleitungen zu erweitern bzw. den Stromverbrauch zu messen und angeschlossene Geräte aus der Ferne (automatisiert) zu schalten.

Das „AVM“ im Firmennamen ist die Abkürzung für „Audio Visuelles Marketing“ und bezieht sich auf die Anfänge des Unternehmens als BTX-Dienstleister.

Produktion und Firmware[Bearbeiten]

Die Fritz!-Boxen werden zum Teil von der RAFI GmbH & Co. KG in Deutschland gefertigt.[4] Einzelne Komponenten wie z.B. Netzteile und Platinen (unbestückt) stammen aus Fernost.

Als Grundlage der von AVM selbst programmierten Fritz!Box-Firmware dient ein Mini-Linux. Über das Netzwerk ist versionsabhängig der Texteditor vi ausführbar.

Aufgrund der leichten Veränderbarkeit hat sich eine Community gebildet, welche verschiedene Modifikationen (Mods) erstellt. So lässt sich die Fritz!Box um viele Funktionen erweitern, z. B. kann man so über das Internet durch Wake On LAN einen PC im Netzwerk starten und fernsteuern.

AVM ist allerdings der Ansicht, dass jedwede Veränderungen der Software (außer durch AVM) illegal sind und hat Klage gegen Cybits eingereicht.[5] Ein Linux-Kernel-Entwickler (also Halter von Urheberrechten auf Teile der Software, die AVM mit seinen Produkten vertreibt), Harald Welte, hat sich an dem Verfahren auf Seiten von Cybits beteiligt.[6] Die Klage wurde schließlich weitestgehend abgewiesen und dem Softwarehersteller Cybits dadurch erlaubt, eine veränderte Software für die Geräte des Herstellers AVM zu vertreiben.[7]

Produkte (Auswahl)[Bearbeiten]

ISDN-Karten[Bearbeiten]

AVM FRITZ!Card in PCI- und ISA-Ausführung
AVM A1-Card passive ISDN-Karte – der Vorläufer zur AVM FRITZ!Card
AVM FRITZ!Card passive ISDN-Karte
AVM B1-Card aktive ISDN-Karte (1 Leitung, 2 Kanäle)
AVM C2-Card aktive ISDN-Karte (2 Leitungen, 4 Kanäle)
AVM C4-Card aktive ISDN-Karte (4 Leitungen, 8 Kanäle)
AVM T1-Controller aktiver S2M-Controller (1 Leitung, 30 Kanäle)

DSL-Karten[Bearbeiten]

FRITZ!Card DSL Kombination aus DSL- und ISDN-Karte, mittlerweile in der zweiten Generation und als externe (USB) und reine DSL-Lösung verfügbar

DSL-Router[Bearbeiten]

Hauptartikel: FRITZ!Box

Die FRITZ!Box in ihrer kleinsten derzeit erhältlichen Variante (Fritz!Box SL) ist ein DSL-Modem und Router mit einem LAN-Port und einem USB-Port. Die „größte“ Version beinhaltet ein „komplettes Netzwerkkommunikationscenter“ mit Internet-DSL-Anschluss, Telefon (analog, ISDN und VoIP sowie einer DECT-Basisstation), WLAN- und Switchfunktionalität, sowie die Möglichkeit, USB-Massenspeicher (externe USB-Festplatten, USB-Sticks) und/oder Drucker über USB dem Netzwerk zur Verfügung zu stellen.

FRITZ!Box DSL-Modem und Router (PC-Anschluss per LAN oder USB)
FRITZ!Box WLAN DSL-Modem und Router (PC-Anschluss per LAN und WLAN)
FRITZ!Box Fon DSL-Modem, Router (LAN) sowie Telefonanlage für Internet (VoIP) und Festnetz
FRITZ!Box Fon WLAN DSL-Modem, Router (LAN und WLAN) sowie Telefonanlage für Internet (VoIP) und Festnetz
FRITZ!Box Fon ATA Router (LAN) sowie Telefonanlage für Internet (VoIP) und Festnetz – die Box kann über ein externes DSL- oder Kabel-Modem mit dem Internet verbunden werden
FRITZ!Box Fon
internationale Version
DSL-Modem, Router (LAN und WLAN) sowie Telefonanlage für Internet (VoIP) und Festnetz, unterstützt den in den meisten Ländern (unter anderem Österreich und die Schweiz) im analogen Telefonnetz eingesetzten DSL-Standard AnnexA.

Kabel-Produkte[Bearbeiten]

Seit 2010 entwickelt und produziert AVM auch FRITZ!Boxen für den Kabel-Anschluss. Diese Produkte sind ausschließlich über die Kabel-Anbieter verfügbar. Sämtliche Modelle unterstützen den Euro-Docsis-3-Standard und können somit Geschwindigkeiten von bis zu 220 MBit/s übertragen.

FRITZ!Box 6360 Cable Kabelmodem (nach Euro-Docsis-3-Standard), Router (4 x Gigabit-LAN und WLAN N, Dualband (nicht simultan)) sowie Telefonanlage für Internet (VoIP) und Festnetz, DECT-Basis für Schnurlostelefone, Unterstützt HD-Telefonie bei Voice over IP, USB-Anschluss, Unterstützung für IPv6
FRITZ!Box 6340 Cable Kabelmodem (nach Euro-Docsis-3-Standard), Router (4 x Gigabit-LAN und WLAN N, Dualband (nicht simultan)) sowie Telefonanlage für Internet (VoIP) und Festnetz, Unterstützung für IPv6
FRITZ!Box 6320 Cable Kabelmodem (nach Euro-Docsis-3-Standard), Router (Gigabit-LAN und WLAN N) sowie DECT-Basis für Schnurlostelefone, Unterstützung für IPv6

LTE-Produkte[Bearbeiten]

Seit 2010 bietet AVM die FRITZ!Box auch für den neuen Mobilfunkstandard LTE (Long Term Evolution) an. Die FRITZ!Box 6840 LTE ist nach AVM-Angaben das erste stationäre LTE-Gerät (Breitband über Funk), das Modem, Router, TK-Anlage und Mediaserver in einem Gerät vereint. Diese FRITZ!Box ermöglicht Datenraten von bis zu 100 MBit/s und unterstützt beide LTE-Frequenzbänder (800 MHz und 2,6 GHz). Das neuere jedoch mit weniger Funktionen ausgestattete Modell 6810 LTE erschien 2012. Beide Modelle sind nicht in der Lage, den von der Telekom für LTE genutzten Frequenzbereich um 1800 MHz herum zu empfangen. Damit lassen sich beide FRITZ!Boxen im LTE-Netz der Telekom nur beschränkt einsetzen. Ende Februar 2013 wurde ein neues Modell basierend auf der FRITZ!Box 6840 LTE vorgestellt. Die FRITZ!Box 6842 LTE unterstützt anders als die beiden bisherigen Modelle neben LTE auf den Frequenzbändern 800 und 2600 MHz auch das von der Telekom eingesetzte 1800 MHz Frequenzband.

FRITZ!Box 6810 LTE LTE-Modem (800 MHz & 2,6 GHz), Router (1x 100 Mbit/s LAN und WLAN N), Telefonanlage für Internet (VoIP) über DECT, DECT-Basis, kleiner Bruder der 6840 LTE im neuen & kompakten Design
FRITZ!Box 6840 LTE LTE-Modem (800 MHz & 2,6 GHz), Router (Gigabit LAN und WLAN N, Dualband), NAS, Telefonanlage für Internet (VoIP) und Festnetz, DECT-Basis und Mediaserver
FRITZ!Box 6842 LTE LTE-Modem (800 MHz, 1,8 & 2,6 GHz), Router (Gigabit LAN und WLAN N), NAS, Telefonanlage für Internet (VoIP) und Festnetz, DECT-Basis und Mediaserver

WLAN-Produkte[Bearbeiten]

FRITZ!WLAN Repeater N/G
FRITZ!WLAN USB Stick WLAN-USB-Stick für PCs
FRITZ!WLAN USB Stick N 2.4 WLAN-USB-Stick für WLAN N bis zu 150 Mbit/s
FRITZ!WLAN USB Stick N WLAN-USB-Stick für WLAN N bis zu 300 Mbit/s
FRITZ!WLAN Repeater N/G WLAN-Repeater für WLAN a/b/g und N (dualband) bis zu 300 Mbit/s
FRITZ!WLAN Repeater 300E WLAN-Repeater für WLAN a/b/g und N (dualband) bis zu 300 Mbit/s mit Gigabit-Ethernet-Anschluss
FRITZ!WLAN Repeater 310 WLAN-Repeater für WLAN a/b/g und N (singleband) bis zu 300 Mbit/s

Systemvoraussetzungen: 500 MHz, Windows 98SE/Me/2000/XP/XP64 oder Linux

Weitere ISDN- / DSL- / Netzwerkprodukte[Bearbeiten]

FRITZ!-Software-Paket, liegt den FRITZ!-Karten bei Diverse Programme, die die ISDN-Funktionen der Fritz!-Karten erweitern. Beispielsweise ein Dateitransfer-Programm (FRITZ!Data) oder ein ISDN-Überwachungsprogramm (ISDNWatch)
KEN!ISDN / KEN!DSL / KEN!4 (ISDN- und DSL-Funktionalität) Internet-Proxy- und E-Mail-Server mit Router-, Organizer- und Firewallfunktion für kleinere Unternehmen und den privaten Gebrauch.
AVM Access Server / NetWays/ISDN / Network Distributed ISDN Ein VPN-Server mit entsprechendem Client-Programm (NetWays/ISDN, das „ISDN“ im Namen ist historisch bedingt, funktioniert heute auch ohne ISDN), der sich auch in o. g. Ken! „einklinken“ kann (dies ist aber keine Voraussetzung) und angelegten Benutzern Zugriff auf das Firmen- oder Privatnetzwerk auch von entfernten Standorten ermöglicht.
VoIP Gateway 5188 Ein Gerät zum Einbinden von VoIP-Leitungen in bestehende ISDN-Systeme mit integriertem Router.
FRITZ! Media Set-Top-Box für Video-on-Demand-Systeme im Internet und für das Fernsehgerät, auch bekannt als Mediacenter-Box
FRITZ! Mini WLAN-Telefon, weitere Funktionen: RSS-Feeds sowie E-Mails abrufen, Musik oder Podcasts hören, kann außerdem als Fernbedienung für FRITZ! Media dienen. Aufgrund der hohen Akkulast wurde die WLAN-Telefonie zugunsten der stromsparenden DECT-Technologie aufgegeben.
1&1 NetXXL powered by FRITZ! Für T-ISDN XXL (bzw. 1&1) vorgesehener ISDN-Connector
BlueFRITZ! ISDN-TK-Anlage mit Bluetooth-Access-Point.
FRITZ!Fon1 MT-C/MT-D/MT-F DECT-Telefone, weitere Funktionen: RSS-Feeds sowie E-Mails abrufen, Internetradio oder Podcasts hören.
1 Eine Besonderheit stellt das FRITZ!Fon 7150 dar, bei dem es sich um eine vollwertige FRITZ!Box Fon WLAN handelt, die direkt in die Ladeschale für das zugehörige DECT-Handgerät eingebaut ist.[8]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: AVM GmbH – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatÜber AVM. AVM GmbH, abgerufen am 2. Februar 2014.
  2. Markeneintrag FRITZ!. Deutsches Patent- und Markenamtes(DPMA). Abgerufen am 6. Oktober 2011.
  3. Udo Flohr: Spiegel Online
  4. Produktsortiment der RAFI GmbH & Co. KG. Abgerufen am 5. Januar 2014.
  5. Artikel im Linux Weekly Newsletter zu der Klage AVM gegen Cybits (english) Linux Weekly Newsletter (LWN). Abgerufen am 3. November 2011.
  6. Posting auf gpl-violations.org zu der Klage AVM gegen Cybits (english) gpl-violations.org. Abgerufen am 3. November 2011.
  7. Artikel bei Heise Open bzgl. des Rechtes des Gerätebesitzers die Software zu ändern bzw. ändern zu lassen. Abgerufen am 28. Dezember 2011.
  8. Service-Portal für FRITZ!Fon 7150 auf avm.de