Abeking & Rasmussen

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Abeking & Rasmussen Schiffs- und Yachtwerft Aktiengesellschaft
Rechtsform Aktiengesellschaft
Gründung 1907
Sitz Lemwerder
Leitung Hans M. Schaedla (Vorstandsvorsitzender)
Branche Schiffbau
Website http://www.abeking.com
Die Werft „Abeking und Rasmussen“ in Lemwerder, von Vegesack aus gesehen

Abeking & Rasmussen Schiffs- und Yachtwerft Aktiengesellschaft (A&R) ist eine Werft in Lemwerder bei Bremen im Bundesland Niedersachsen.

Gründung in Lemwerder (1907)[Bearbeiten]

Die Firma wurde 1907 von Henry Rasmussen (1877–1959) und Georg Abeking (1881–1970) gegründet. Georg Abeking schied zu Beginn der 1920er Jahre aus der Firma aus. Henry Rasmussen vererbte seinem Enkel Hermann Schaedla (1934–2011) die Werft. 1987 trat sein Sohn Hans Schaedla in die Firma ein. Seit dem 22. Juni 2009 ist Abeking & Rasmussen eine nicht-börsennotierte Aktiengesellschaft.

Die Werft hat in der Bootsbauer-Branche einen ausgezeichneten Ruf für hochklassiges Design und die hervorragende handwerkliche Ausführung von Yachten, und zudem einen Ruf für die sehr gute Ausbildung ihrer Mitarbeiter. Das veröffentlichte Baunummernbuch verzeichnet für den Zeitraum von 1907 bis 2009 genau 6481 Aufträge, von denen insgesamt etwa 40 nicht ausgeführt wurden.[1]

Unter Oldtimer-Segelbootbesitzern ist ein handwerklich gebautes Boot von A&R vergleichbar mit einem Rolls-Royce unter Automobilliebhabern. Besonders bekannt geworden sind die von A&R nach dem Weltkrieg entwickelten Hansa-Jollen. Für originale Hansa-Jollen werden heute Höchstpreise gezahlt.

Heutzutage werden große Segel- und Motoryachten (v. a. Mega-Yachten) und andere Schiffstypen wie Lotsenboote, Minensuchboote oder Seenotrettungskreuzer ab ca. 30 Meter Länge gebaut. Dies zumeist auf Individualbestellung, teils auch in besonderen Werkstoffen wie Aluminium.

Marineschiffbau (1909)[Bearbeiten]

R-Boot der 125-t-Klasse

An die Kaiserliche Werft Wilhelmshaven wurde 1909 ein 4m-Boot abgeliefert, Beginn einer Zusammenarbeit mit der Kaiserlichen Marine, die zum Bau verschiedenster Marinefahrzeuge führte. Neben Torpedobooten und Torpedofangbooten gehörten besonders Minenabwehrboote (Minensuchboote M-Boote) und die U-Boot-Zerstörer (1916) zu den anspruchsvollen Aufträgen. Nach dem Ersten Weltkrieg entwickelte und fertigte A&R den deutschen Typ des Minenräumbootes. Bis 1945 wurden Schnellboote und 28 Räumboote (R-Boote) abgeliefert. Dabei wurden 1938 erstmals Voith-Schneider-Propeller eingesetzt.

Minenjagdboot der Frankenthal-Klasse

Patrouillenboote, Schnellboote und Minensuchboote gehörten auch nach dem Zweiten Weltkrieg zum Bauprogramm der Werft. Zündsystemkombinationen in den Minen erforderten die Entwicklung moderner Minenjagdsysteme mit ferngelenkten unbemannten Hohlstabfernräumgeräten vom Typ Seehund. Die Minensuchboote aus der Frankenthal-Klasse (Klasse 332) mit einer Verdrängung von rund 600 t sind die größten der Bundesmarine. Es waren die weltweit ersten Überwasserschiffe aus nichtmagnetisierbarem Stahl. Bei Minensuchbooten ist A&R heute Weltmarktführer.

Konstruktion und Bau von Swath-Schiffen (1995)[Bearbeiten]

Bei den Schiffen in Swath-Bauart (Small Waterplane Area Twin Hull) hat A&R weltweit eine Spitzenstellung erreicht. Die Schiffe werden seit 1995 entwickelt, konstruiert und gebaut. Als erste Swath-Schiffe wurden die Lotsentender Döse und Duhnen 1999 abgeliefert. Die Vorteile der Swath-Bauart kommen aufgrund der guten Seeeigenschaften den Lotsenbooten, sowohl den Versetzboote und besonders den Stationsschiffen (Beispiel Elbe), zugute.

Im April 2010 wurde die Natalia Bekker getauft, ein Windpark Boarding Tender, der für den Personaltransfer zu den derzeit entstehenden Windparks in der Nord- und Ostsee eingesetzt wird.[2]

Abeking & Rasmussen Rotec GmbH (1990/1993)[Bearbeiten]

Die 1990 gegründete Abeking & Rasmussen Faserverbundtechnik GmbH war eine 100-prozentige Tochterfirma. Sie wurde 1993 in Abeking & Rasmussen Rotec GmbH & Co. KG umbenannt und entwickelt, konstruiert und fertigt Rotorblätter für Windenergieanlagen, eine Spezialproduktion mit Wurzeln in der Militärtechnik mit Kunststoffprodukten. Im August 2008 hat die SGL-Group die Mehrheit von 51 % an der Abeking & Rasmussen Rotec GmbH & Co. KG übernommen. Der Betrieb in Lemwerder läuft jetzt unter dem Namen SGL Rotec GmbH & Co. KG mit dem Ziel, weitere Produktionsstandorte in aller Welt aufzubauen.

Bekannte Schiffe, Boote und Yachten[Bearbeiten]

Holzdrachen von Abeking & Rasmussen (Baujahr 1954) auf dem Großen Brombachsee

Literatur[Bearbeiten]

  • o. Vf.: Abeking & Rasmussen. Die Kunst des Schiffbaus. Koehlers Verlagsgesellschaft, Hamburg 2010. ISBN 978-3-7822-0996-0.
  • Henry Rasmussen: Yachten, Segler und eine Werft. Hamburg, Hans Dulk 1956. (Mit Anhang "A & R Liste der Neubauten" 1908-1956).
  • 100 Jahre Abeking & Rasmussen. In: HANSA 11/2007 S.24-37. ISSN 0017-7504
  • Klaus Auf dem Garten: Abeking & Rasmussen. Eine Weserwerft im Spiegel des 20. Jahrhunderts. Hauschild, Bremen 1998 (mit Faksilime des Baunummernbuches 1907–1998).
  • Svante Domizlaff: Abeking & Rasmussen. Evolution im Yachtbau. Delius Klasing, Hamburg 1996.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Abeking & Rasmussen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. o. Vf.: Abeking & Rasmussen. Die Kunst des Schiffbaus. Koehlers Verlagsgesellschaft, Hamburg 2010, S. 132–171. ISBN 978-3-7822-0996-0.
  2. Taufe des ersten SWATH-Offshore-Tenders – Baubeginn im ersten kommerziellen deutschen Offshore-Windpark. BARD Holding GmbH, 9. April 2010, archiviert vom Original am 19. April 2010, abgerufen am 3. Februar 2014 (PDF; 107 kB, Pressemitteilung).
  3. Mitteilung Abeking & Rasmussen

53.1661111111118.6177777777778Koordinaten: 53° 9′ 58″ N, 8° 37′ 4″ O