Seenotrettungskreuzer

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Seenotrettungskreuzer Vormann Leiss am Anleger von Nordstrand
Historischer Seenotrettungskreuzer H. H. Meier umgetauft auf Theodor Heuss im Deutschen Museum in München.

Als Seenotrettungskreuzer (Präfix SRK) oder Seenotkreuzer (SK) bezeichnet die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger ihre Rettungsboote, die mit professionellen Mannschaften besetzt sind und auf hoher See eingesetzt werden können.

Entwicklung[Bearbeiten]

Nach der Gründung der DGzRS 1865 wurden die Rettungsstationen an den deutschen Küsten zunächst mit Ruderrettungsbooten ausgestattet, die im Einsatzfall meistens mit Pferdegespannen an den Strand transportiert wurden. Diese Boote waren speziell für den Rettungseinsatz konzipierte Konstruktionen und hatten ein relativ hohes Gewicht. Dies bedeutete körperliche Schwerstarbeit für die Rettungsmänner.

So reiste DGzRS-Oberinspector Pfeifer in die Niederlande und nach England, um sich die dort bereits im Einsatz befindlichen Motorrettungsboote anzuschauen und die Beobachtungen auszuwerten.

Seit dem Jahr 1911 wurden daraufhin schrittweise auch auf deutschen Rettungsstationen Motorrettungsboote (MRB) eingeführt. Dabei handelte es sich teilweise um umgerüstete ehemalige Ruderrettungsboote, andererseits aber auch um spezielle Neukonstruktionen.

Das erste deutsche Motorrettungsboot war die 10 Meter lange Oberinspector Pfeifer, auf den Namen des Mannes getauft, der die neue Technik nach Deutschland geholt hatte.

Das Großmotorenrettungsboot Hindenburg wurde 1944 in Dienst gestellt und 1981 ausgemustert. Heute liegt es im Museumshafen Kiel.

In den Folgejahren wurden die Boote, die anfangs nicht übermäßig erfolgreich waren, stetig weiterentwickelt. Nicht zuletzt wurde dabei auf die Erfahrungen der freiwilligen Besatzungen zurückgegriffen. Unter anderem wurden einige Einheiten mit einem gedeckten Aufbau versehen, um die Besatzungen vor den Auswirkungen von Seegang und Witterung besser schützen zu können.

In den 1950er-Jahren stiegen die Anforderungen nach einem neuen Schiffstyp: gewünscht waren fast unbegrenzte Seetüchtigkeit, höhere Geschwindigkeiten als mit den bisherigen Booten sowie die Einsatzfähigkeit in tiefem und flachem Gewässer.

Dies führte zunächst zu vielfältigen Versuchen mit dem umgebauten Motorrettungsboot Konsul Kleyenstüber. Dies wurde am 1. Januar 1953 als Versuchskreuzer Bremen fertiggestellt und verfügte bereits über ein Tochterboot in einer Heckwanne. Dieses Tochterboot ermöglichte aufgrund des geringen Tiefgangs und der guten Manövrierbarkeit den Einsatz in Flachgewässern wie beispielsweise dem Wattenmeer.

Der Kreuzer war als erste Einheit der DGzRS als Selbstaufrichter konstruiert, das Schiff konnte somit durchkentern und sich danach wieder aufrichten (Kenterrolle), dies ist vergleichbar mit der aus dem Kanusport bekannten Eskimorolle. Jedoch bedeutet die Situation des Durchkenterns selbst für die modernsten Seenotrettungskreuzer eine höchste Belastung des Materials; Schäden am Kreuzer sind dabei unvermeidbar, und es ist auch für die Besatzung eine Extrembelastung in physischer und psychischer Hinsicht.

Mit der Geschwindigkeit von lediglich 10 Knoten war man seinerzeit noch nicht zufrieden. Bei extremen Einsatzbedingungen in schwerster See ist es in der Regel gar nicht möglich, mit übermäßig hohen Geschwindigkeiten zu fahren, jedoch waren Geschwindigkeitsreserven in jedem Falle wünschens- und erstrebenswert.

Eine Verbesserung ergab sich mit dem Bau der Neukonstruktion Hermann Apelt, der in der Lage war, eine Höchstgeschwindigkeit von etwa 17 Knoten zu laufen.

Aus den Erfahrungen mit der Bremen und der Hermann Apelt entstand der Einheitstyp des deutschen Rettungskreuzers mit der ca. 23 Meter langen und ca. 20 Knoten schnellen Theodor Heuss, die 1957 in Dienst gestellt wurde, und ihren Schwesterschiffen, der Ruhr-Stahl, der H. H. Meier und der Hamburg.

Ein weiterer Entwicklungsschritt erfolgte 1967 mit dem Bau des 17-Meter-Kreuzers Paul Denker, der vollständig aus Aluminium gefertigt war. Alle weiteren Neubauten nach der Paul Denker wurden nun ebenfalls in Aluminiumbauweise gefertigt.

1975 wurde der erste von drei Schiffen des Typs „Großer Seenotrettungskreuzer“ in Dienst gestellt, die John T. Essberger, ein 44 Meter langes Schiff, für den Hochsee-Einsatz konzipiert und normalerweise auf einer festen Wachposition auf See. Diese Klasse wurde u. a. für Großschadenslagen konzipiert und Tests kurz vor bzw. nach der Indienststellung haben bewiesen, dass bei schweren Unfällen auf See mit vielen Personen bis zu 313 Schiffbrüchige unter Deck aufgenommen werden können, ohne dass der normale Schiffsbetrieb beeinträchtigt wird.

Mit der Einführung der neuen 23-Meter-Klasse im Jahre 1996 erfolgte bei der DGzRS eine Abkehr von der für die deutschen Seenotrettungskreuzer so markanten und eigentlich bewährten Rumpfform; statt des bisher stets abgerundeten Hecks erhalten die SK nun einen Deltarumpf auf Grund der Erkenntnisse, die in den vergangenen Jahren gewonnen wurden. Weitere Neuerung ist der geschlossene obere Fahrstand, der in Kombination mit einer Gasschutzanlage den Gasschutzbetrieb ermöglicht. Dieser Gasschutzbetrieb wurde allerdings nur bei dieser Klasse eingebaut. Die umgebauten Kreuzer Fritz Behrens und Alfried Krupp besitzen diesen Zitadellenbetrieb nicht.

Einsatzbilanzen und die Auswertung von Unglücksfällen haben gezeigt, dass die Fahrzeuge der DGzRS die an sie gesetzten Erwartungen erfüllt haben. Denn selbst bei den tragischen Unglücksfällen der Adolph Bermpohl vor Helgoland im Jahre 1967, bei dem die komplette Besatzung des Kreuzers ums Leben kam, und der Alfried Krupp im Jahre 1995, bei denen zwei Rettungsmänner vor Borkum ihr Leben ließen, bewiesen die Schiffe ihre außerordentliche Seetüchtigkeit.

Die letzte abgeschlossene deutsche Seenotrettungskreuzer-Entwicklung ist der 36 Meter lange Kreuzer Harro Koebke, der im Jahre 2012 in Dienst gestellt wurde.

Gegenwärtige Klassen[Bearbeiten]

Dieser Artikel oder Abschnitt besteht hauptsächlich aus Listen, an deren Stelle besser Fließtext stehen sollte. Bitte hilf Wikipedia, das zu verbessern. Mehr zum Thema ist hier zu finden.

Die deutschen Seenotrettungskreuzer werden in mehrere Klassen eingeteilt und sind in vielen Fällen nach Unterstützern der DGzRS und verdienstvollen Besatzungsmitgliedern benannt:

20-m-Klasse[Bearbeiten]

SK Eiswette (20-m-Klasse)

Dies sind die kleinsten Seenotrettungskreuzer der DGzRS mit geringem Tiefgang (1,30 m) und hauptsächlichem Einsatzgebiet im Flachwasserbereich. Sie verfügen über ein Festrumpfschlauchboot anstelle des klassischen Tochterbootes. Auf den Wohnbereich für die Besatzung wurde verzichtet, diese ist an Land im Stationsgebäude untergebracht. Erstmals wurde ein Datenbussystem eingesetzt, außerdem wurden die neusten Radar- und Navigationssysteme verwendet.

23,1-m-Klasse[Bearbeiten]

SK Theo Fischer (23,1-m-Klasse)

Besonderheit dieser Klasse ist der sogenannte Deltarumpf. Hier wurde erstmals von der zuvor bewährten Bauweise mit tropfenförmigen Rumpf abgewichen und eine gerade verlaufende Heckpartie gebaut, an der die Wasserkante abreissen kann.

Die Schiffe dieses Typs wurden erstmals mit einem geschlossenen Fahrstand versehen. Dieser Fahrstand ist hermetisch abriegelbar (so genannter Zitadellenaufbau), so dass die Kreuzer im Gasschutzbetrieb operieren können.

23,3-m-Klasse[Bearbeiten]

SK Minden (23,3-m-Klasse)

Diese zwischen 1980 und 1991 gebauten Schiffe sind immer noch ein wichtiger Bestandteil der DGzRS-Flotte, obwohl ein Teil dieser Klasse bereits ausgemustert und verkauft wurde. Einige Schiffe der Serie wurden bereits während der Bauzeit modifiziert und überarbeitet.

Ab der Nis Randers wird bei der DGzRS das neue automatische Tochterboot-Aufholsystem verwendet. Außerdem verfügen die Nis Randers und die folgenden Seenotrettungskreuzer dieser Klasse über einen Löschmonitor an der Achterkante des Aufbaus sowie einen Zweibeinmast, der freie Sicht nach achtern ermöglicht.

27,5-m-Klasse[Bearbeiten]

SK Alfried Krupp (27,5-m-Klasse)

Diese Klasse ist mit der 23,3-m-Klasse vergleichbar und ähnlich ausgestattet. Die Schiffe sind jedoch etwas größer und mit drei Motoren versehen. Eine Besonderheit stellt hier die Alfried Krupp dar, die nach ihrem Unfall im Jahr 1995 umgebaut wurde. Der obere Fahrstand wurde geschlossen, der untere entfiel. Außerdem wurde das Heck zur Deltarumpfform umgebaut.

36,5-m-Klasse[Bearbeiten]

SK Harro Koebke (36,5-m-Klasse)

Für den Einsatz in der Ostsee wurde diese Klasse komplett neu konstruiert. Besonderheit ist das Tochterboot, wofür ein Festrumpfschlauchboot mit Kajüte verwendet wird. Dieses ist bis zu 32 Knoten schnell. Außerdem ist der Kreuzer mit einem Hubschrauberarbeitsdeck und einem Bordkran ausgerüstet. Bei der Farbgebung des Kreuzers wurde auf den typischen signalroten Anstrich des Deckshauses anderer Kreuzer verzichtet.

46-m-Klasse[Bearbeiten]

SK Hermann Marwede (46-m-Klasse)

Für den Einsatz in der Deutschen Bucht wurde diese Klasse konzipiert. Sie stellt den größten Seenotrettungskreuzer der Welt dar. Auch diese Klasse ist mit Hubschrauberarbeitsdeck und Bordkran ausgerüstet. Als Tochterboot kam ein modifiziertes Seenotrettungsboot der 9,5-m-Klasse zu Einsatz. Dieses wurde jedoch im Jahr 2012 durch ein Festrumpfschlauchboot wie bei der 36,5-m-Klasse ersetzt.

Zukünftige Klassen[Bearbeiten]

28-m-Klasse[Bearbeiten]

Im Oktober 2013 hat die DGzRS ein Typschiff einer neuen Klasse zur perspektivischen Ablösung der Kreuzer der 27,5-m-Klasse bei der Fassmer-Werft in Auftrag gegeben. Dieses soll zum 150-jährigen Jubiläum der DGzRS im Jahr 2015 fertiggestellt werden. Der Kreuzer wird knapp 28 Meter lang sein und Ähnlichkeiten mit der 36,5-m-Klasse aufweisen. Er wird wieder ein klassisches Tochterboot mit einer Länge von 8 Metern haben. [1]

Historische Klassen[Bearbeiten]

Dieser Artikel oder Abschnitt besteht hauptsächlich aus Listen, an deren Stelle besser Fließtext stehen sollte. Bitte hilf Wikipedia, das zu verbessern. Mehr zum Thema ist hier zu finden.

Versuchskreuzer[Bearbeiten]

1953 stellte die DGzRS ein umgebautes Motorrettungsboot als Versuchskreuzer in Dienst, 1955 folgte ein Neubau, um das Seenotrettungskreuzerkonzept zur Serienreife zu entwickeln.

17-m-Klasse[Bearbeiten]

Das einzige Schiff dieser Klasse aus dem Jahr 1967 ist nicht mehr aktiv im Dienst, wurde jedoch bis Juni 2005 als Trainingseinheit der DGzRS in Neustadt in Holstein verwendet und ist seit Sommer 2007 im Garten des Bremer Focke-Museums ausgestellt.

19-m-Klasse[Bearbeiten]

Diese Klasse von 1969 wird auch – nach ihrem Typschiff – als „Schülke-Klasse“ bezeichnet.

23-m-Klasse[Bearbeiten]

Diese Klasse der Baujahre 1957 bis 1960 ist auch – nach ihrem Typschiff – als Theodor Heuss-Klasse bekannt.

26-m-Klasse[Bearbeiten]

SK Georg Breusing (26-m-Klasse)

Baujahre 1963 bis 1965, nach dem Typschiff auch als Breusing-Klasse bekannt.

44-m-Klasse[Bearbeiten]

SK Wilhem Kaisen (44-m-Klasse)

Baujahre 1975 bis 1978

Sonstiges[Bearbeiten]

Viele ehemalige Einheiten der DGzRS werden an ausländische Rettungsdienste weitergegeben, wo sie noch Jahrzehnte ihren Dienst versehen und die vorhandenen Flotten wertvoll ergänzen. Z. B. wurde die 1965 gebaute Arwed Emminghaus 1993 an den isländischen Rettungsdienst ICESAR verkauft und noch bis 2006 eingesetzt, wobei es bis dahin das schnellste Schiff der Flotte war.

Einheiten, die die DGzRS nach der Wiedervereinigung kurzzeitig vom ehemaligen DDR-Rettungsdienst übernommen hatte, sind nicht aufgeführt. Sie wurden relativ zügig durch DGzRS-eigene Neubauten und umstationierte Einheiten ersetzt.

Neben den Seenotrettungskreuzern betreibt die DGzRS noch kleinere Rettungseinheiten, nämlich die Seenotrettungsboote (SRB) sowie auf einer Station ein RIB.

siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Claußen/Kaack: Deutsche Seenotkreuzer in aller Welt – Lizenzbauten, Seenotrettungsboote, Zollkreuzer und Unikate. Verlag Peter Kurze, Bremen 2010, ISBN 978-3-927485-95-2 (7. Band der Buchreihe Rausfahren, wenn andere reinkommen).
  • Sven Claußen: Seenotkreuzer BERNHARD GRUBEN – Seenotrettung auf Norderney. Verlag Peter Kurze, Bremen 2009, ISBN 978-3-927485-94-5 (5. Band der Buchreihe Rausfahren, wenn andere reinkommen).
  • Sven Claußen: Seenotkreuzer THEODOR HEUSS – Ein technischer Meilenstein in der Geschichte der DGzRS. 2007, zu beziehen über den Online-Shop der Seenotretter auf seenotretter.de bzw. dgzrs-shop.de.
  • Claußen/Kaack: Die Seenotkreuzer der DGzRS. Geschichte, Geschichten und Technik. Band 1. Verlag Peter Kurze, Bremen 2007, ISBN 978-3-927485-90-7 (1. Band der Buchreihe Rausfahren, wenn andere reinkommen).
  • Claußen/Kaack: Die Seenotkreuzer der DGzRS. Geschichte, Geschichten und Technik. Band 2. Verlag Peter Kurze, Bremen 2008, ISBN 978-3-927485-91-4 (2. Band der Buchreihe Rausfahren, wenn andere reinkommen).
  • Claußen/Kaack: Die Seenotkreuzer der DGzRS. Geschichte, Geschichten und Technik. Band 3. Verlag Peter Kurze, Bremen 2008, ISBN 978-3-927485-92-1 (3. Band der Buchreihe Rausfahren, wenn andere reinkommen).
  • Wilhelm Esmann: Die Rettungsboote der DGzRS von 1865–2004; Hauschild Verlag, Bremen 2004, ISBN 978-3-897572-33-1.
  • Ulf Kaack: Die Seenotkreuzer-Klasse EISWETTE – Konstruktion und Bau der DGzRS-Rettungseinheiten SK 30 und SK 31. Verlag Peter Kurze, Bremen 2009, ISBN 978-3-927485-93-8 (4. Band der Buchreihe Rausfahren, wenn andere reinkommen).
  • Kaack/Lubkowitz/Reemts: HERMANN MARWEDE – Der größte Seenotkreuzer der DGzRS. Verlag Peter Kurze, Bremen 2003, ISBN 978-3-927485-45-7 (0. Band der Buchreihe Rausfahren, wenn andere reinkommen).
  • Lutz Ruminski: SOS – Neue Kreuzer für die Seenotretter. Schwarzweiß-Bildband, Edition 63, 2009, ISBN 978-3000268397.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Seenotretter geben Typschiff für neue 28-Meter-Klasse in Auftrag