Abendmahlssaal

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Das franziskanische Coenaculum

Abendmahlssaal (lat. Coenaculum) ist die traditionelle Bezeichnung für den Raum, in dem Jesus Christus in Jerusalem am Vorabend seines Todes mit seinen Jüngern das Abschiedsmahl gefeiert haben soll. Nach dem Bericht der drei Synoptiker war es zugleich ein Pessachmahl, das bei den Juden bis heute als Seder gefeiert wird. Die Christen gedenken des sog. Letzten Abendmahls, bei dem Jesus die Eucharistie einsetzte und die seither zum Motiv zahlreicher Gemälde wurde, am Abend des Gründonnerstags. Das gesamte Gebäude des Abendmahlsaales in Jerusalem befindet sich seit 1948 faktisch im Eigentum des jüdischen Staates und ist ein Museum.

In den Evangelien[Bearbeiten]

Nach Mk 14,12–16 EU und Lk 22,7–13 EU handelte es sich um einen großen Raum im Obergeschoss, den die Jünger auf Weisung ihres Meisters fanden, indem sie in der Stadt einem Wasserträger in ein Haus folgten und den Hausherrn auf den benötigten Raum ansprachen. In Mt 26,17–19 EU fehlen diese Details. Joh 13,1–17 EU erwähnt zwar in Vers 2 das Mahl, sagt sonst aber nichts über den Raum, wie er auch die Deuteworte Jesu über Brot und Wein nicht wiedergibt. Das Mahl ist hier jedoch mit der zeichenhaften Fußwaschung verbunden.

Die christliche Tradition hat diesen Raum gleichgesetzt mit dem Raum, in dem die Jünger sich nach der Kreuzigung Jesu einschlossen und wo ihnen der Auferstandene mit dem Friedensgruß begegnete (Lk 24,36ff. EU; Joh 20,19ff. EU), außerdem mit jenem Obergemach, in dem die Jünger mit den Frauen und Maria laut Apg 1,12–14 EU betend warteten und den Heiligen Geist empfingen.

Erste Kirche der Christen[Bearbeiten]

So bekam dieser Raum große Bedeutung als Keimzelle der Kirche, und als man in nachkonstantinischer Zeit die Schauplätze des Evangeliums zu lokalisieren versuchte, errichtete man auf dem Südwesthügel der Altstadt, der seitdem ungenau Berg Zion genannt wird, eine Basilika, die den Ort des Letzten Abendmahls markieren sollte.[1] Dieser Bau wurde in der Kreuzfahrerzeit durch einen Neubau ersetzt, St. Marien auf dem Berg Sion (St. Mary on Mount Sion)[2], von dem bei der Zerstörung durch Sultan Saladin nur Teile erhalten blieben. Diese wurden 1336 von den Franziskanern erworben, die hundert Jahre später hier den gotischen Saal errichteten, der bis heute als Abendmahlssaal und dessen Untergeschoss von Christen als Ort der Fußwaschung gezeigt und verehrt wird. Die Juden verehren dort das Grab Davids.

Literatur[Bearbeiten]

  • Michael Wolffsohn: Israel. Geschichte, Politik, Gesellschaft, Wirtschaft. Vs-Verlag 2007, ISBN 3-531-15654-3
  • Paul Badde: Heiliges Land : auf dem Königsweg aller Pilgerreisen., Gütersloher Verl.-Haus, Gütersloh, 1. Aufl. 2008
  • Denys Pringle: The Churches of the Crusader Kingdom of Jerusalem. A Corpus, Bd. 3: The City of Jerusalem, Cambridge 2010, S. 261-287.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Abendmahlsaal Jerusalem – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Paul Badde: Heiliges Land : auf dem Königsweg aller Pilgerreisen., Gütersloher Verl.-Haus, Gütersloh, 1. Aufl. 2008, S. 153
  2. Denys Pringle, S. 261ff.

31.77180555555635.228972222222Koordinaten: 31° 46′ 19″ N, 35° 13′ 44″ O