Minarett

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Drei der sechs Minarette der Sultan-Ahmed-Moschee in Istanbul, vollendet 1616. Klassischer osmanischer Stil. Runder Schaft unten (türkisch gövde), Balkon (şerefe), oberer Schaft (petek), Spitzkegeldach (külah) und Bekrönung (alem)
Das Minarett von Samarra wurde 852 erbaut und ist eines der ältesten erhaltenen Minarette.

Ein Minarett (selten Minar,[1] arabisch ‏منارة ‎ manāra ‚ursprünglich: Leuchtturm‘) ist ein erhöhter Standplatz oder Turm für den Gebetsrufer (Muezzin) bei oder an einer Moschee. Von hier aus werden Muslime fünfmal am Tag zum Gebet gerufen.

Etymologie[Bearbeiten]

Minarett ist eine Entlehnung des französischen minaret, welches über das türkische mināre von arabisch ‏منارة ‎ manāra abstammt,[2][3] welches ursprünglich Leuchtturm, wörtlich „Ort des Lichts“,[4] bedeutete.

Geschichte[Bearbeiten]

Das erste Minarett wurde wahrscheinlich in Syrien erbaut, andere Historiker halten das Minarett der Moschee von Qairawān für das älteste.[5] Es ist seit der Herrscherfamilie der Umayyaden (661–750) gebräuchlich. In einigen der ältesten Moscheen wie der Umayyaden-Moschee in Damaskus dienten Minarette ursprünglich als von Fackeln erhellte Wachtürme – daher die Wortherkunft aus dem Arabischen nur / ‏نور‎ / ‚Licht‘. Heute dient das Minarett dagegen weitgehend als traditionelles Dekorationsmittel, da die Gebetsrufe (Adhān / ‏أذان‎) in den meisten modernen Moscheen mittels Lautsprechern aus dem Betsaal ausgerufen werden.

Architektur[Bearbeiten]

Aus Gründen der Bausymmetrie und des Status der Bauherrschaft wird die Anzahl der Minarette mitunter auf zwei, vier oder sechs erhöht; die al-Haram-Moschee in Mekka hat neun Minarette. Die meisten Moscheen besitzen nur ein einzelnes Minarett, das an der Moschee angebaut ist. Formal unterscheidet man Minarette mit rundem, quadratischem und polygonalem Grundriss, die in der Osmanischen Architektur (14. Jahrhundert bis 1923) oft nadelförmige Spitzen erhielten. Ihre Geschossgliederung erfolgt häufig durch Balkons, ihre dekorative Außengliederung übernehmen farbig glasierte Ziegel, Ziegelmosaik oder kalligraphische Schriftzeichen. Optische Vor- und Rücksprünge werden durch Nischen und Gesimse hervorgerufen.

Das mit 210 Metern derzeit höchste Minarett der Welt befindet sich in Casablanca als Bestandteil der Hassan-II.-Moschee. Das höchste Ziegelsteinminarett, Kutab Minar, steht in Delhi. Als schönstes Minarett in Westeuropa gilt die Giralda in Sevilla (Ende 12. Jahrhundert von den Mauren erbaut). In Algier entsteht das höchste Minarett der Welt mit 214 Metern.[6]

Profane Bedeutung[Bearbeiten]

Das Minarett ist nicht nur Wahrzeichen einer Moschee, es diente auch als Wachturm. Als Signalturm dienten Minarette der Orientierung für Karawanen.[7]

An bestimmten islamischen Festtagen in der Türkei werden Minarette mit Lichtern und Spruchbändern (Mahyâ) geschmückt.

Sonderfälle sind die einigen zentralasiatischen und indischen Grabbauten der Mogulzeit zugeordneten und im Wesentlichen dekorativ ('Schmuckminarett') oder repräsentativ gemeinten Minarette: Gur-Emir-Mausoleum (Samarkand), Akbar-Mausoleum (Sikandra) und Itmad-ud-Daulah Mausoleum (Agra). Auch die vier rahmenden Minarette des Taj Mahal (Agra) und des Bibi-Ka-Maqbara (Aurangabad) sind in diesem Zusammenhang zu nennen, doch gehört zum Gesamtkomplex der beiden letztgenannten Bauten immerhin eine – wenn auch nur in Randlage platzierte – Moschee ohne eigene Minarette.

Ein weiterer Sonderfall sind die vier minarettähnlichen Türme am 1591 erbauten und überwiegend repräsentativen Zwecken dienenden Torbau des Charminar in Hyderabad.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Minarette – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Minarett – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Brockhaus Enzyklopädie in zwanzig Bänden, 1971, S. 577
  2. Duden, Das große Fremdwörterbuch, 4., aktualisierte Auflage, Dudenverlag Mannheim - Leipzig - Wien - Zürich, 2007, ISBN 3-411-04164-1, S. 884
  3. Duden, Deutsches Universalwörterbuch, 6., überarbeitete und erweiterte Auflage, Dudenverlag Mannheim - Leipzig - Wien - Zürich, 2006, ISBN 3-411-05506-5, S. 1146
  4. Arnold Betten: Marokko: Antike, Berbertraditionen und Islam - Geschichte, Kunst und Kultur im Maghreb, 4. Ausgabe, DuMont Reiseverlag, 2009, S. 88 eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche
  5. http://books.google.fr/books?id=YVYkrNhPMQkC&pg=PA302&dq=kairouan+oldest+minaret&lr=&cd=8#v=onepage&q=kairouan%20oldest%20minaret&f=false
  6. rp-online: Höchstes Minarett der Welt – Deutsche bauen Riesen-Moschee; 17. Juli 2008.
  7. A. J. Wensinck, J. H. Kramers: Handwörterbuch des Islam; E. J. Brill, Leiden, 1941; S. 413f.