Abensperg und Traun

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Dieser Artikel behandelt die österreichische Adelsfamilie. Eine namensähnliche bayrische Adelsfamilie ist Abensberg.
Stammwappen derer von Abensperg und Traun

Die Familie Abensperg und Traun ist eine ursprünglich aus dem oberösterreichischen Traungau stammende, dem "österreichischen Hochadel" angehörige Adelsfamilie, die 1653 von Kaiser Ferdinand III. unter diesem Namen in den Reichsgrafenstand erhoben bzw. wiedereingesetzt wurde. Sie zählt zu den sogenannten "Apostelgeschlechtern", jenen drei Familien, die schon zur Zeit der Babenberger (976 bis 1246) in Österreich eine Rolle spielten und bis heute existieren[1] (neben den Liechtenstein und den Starhemberg).

Bernhard von Traun[Bearbeiten]

Die gesicherte Stammreihe des aus dem Traungau stammenden Geschlechts der späteren Grafen von Abensperg und Traun beginnt mit Bernhard von Traun (Pernhart de Trune), der 1114/1120 urkundlich genannt wird. Wie verschiedene andere bereits um die Mitte des 12. Jahrhunderts namentlich fassbare Angehörige der Familie war er wohl edelfreier Herkunft. In der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts traten die Herren von Traun in die Ministerialität (ritterliche Dienstmannschaft) der auch Traungauer Grafen genannten Otakare ein und wurden nach deren Aussterben 1192 in die Ministerialität der Babenberger übernommen. Nach dem Aussterben der Babenberger wechselten die Herren von Traun schließlich 1246 in die Dienstmannschaft der auch in Oberösterreich reich begüterten Bischöfe von Passau.

Schloss Petronell

Zwei Linien[Bearbeiten]

Die gehobene Position der Familie Traun manifestierte sich im späteren Mittelalter durch weitreichenden Grundbesitz, einer seit 1260 nachweisbaren ritterlichen Gefolgschaft, Vogteirechte über Güter der Klöster St. Florian und Göttweig sowie über die Ausübung verschiedener hoher landesfürstlicher Ämter, darunter das Amt des Landeshauptmanns ob der Enns (1362) und das Erbmarschallsamt von Salzburg (1436). Gegen Ende des 15. Jahrhunderts teilte sich die dem oberösterreichischen Herrenstand angehörige Familie anlässlich einer Gütertrennung in zwei Hauptlinien. Die zu Beginn des 19. Jahrhunderts erloschene Eschelberger Linie erhielt das von 1283 bis 1599 in Familienbesitz befindliche Schloss Eschelberg bei St. Gotthard, während die namensgebende Stammburg Traun im Besitz der seit dem 16. Jahrhundert so genannten Maissauer Linie verblieb.[2]

Im 18. Jahrhundert wiederum teilte sich die Maissauer Linie in eine Maissauer und eine Petroneller Linie. Während Maissau, Rappottenstein und Wolkersdorf an die Maissauer Linie gingen, verblieben die Schlösser und Herrschaften Petronell, Traun, Groß-Schweinbarth, Bisamberg und Bockfließ bei der älteren Petroneller Linie.[3]

Burg Rappottenstein

Herren von Maissau[Bearbeiten]

Nachdem Herrschaft Maissau und Schloss Maissau im Jahre 1537 erbweise an die Herren von Traun gelangt war, verlagerte sich das Interesse der Familie im Verlauf der frühen Neuzeit mehr und mehr nach Niederösterreich. Wie die meisten führenden Geschlechter der österreichischen Erblande konvertierten die Herren von Traun im konfessionellen Zeitalter zum Protestantismus und gehörten somit der ständischen Opposition gegen die habsburgischen Landesfürsten an. Nach der Rückkehr zum katholischen Glauben eröffnete sich auch für verschiedene Mitglieder der Familie Traun seit etwa 1620 die Möglichkeit, im Dienste der Habsburger hervorragende Hof- und Militärkarrieren einzuschlagen.

Reichsgrafen von Abensperg und Traun[Bearbeiten]

Im Jahre 1653 wurde die Familie von Kaiser Ferdinand III. unter dem Namen Abensperg und Traun in den Reichsgrafenstand erhoben. Beachtung verdient in diesem Zusammenhang die Tatsache, dass es sich bei dieser Standeserhöhung formal nicht um eine Erhebung, sondern um eine Wiedereinsetzung in den Grafenstand handelte. Grundlage für diese Wiedereinsetzung – für die keine Parallelbeispiele existieren – war eine von der kaiserlichen Kanzlei ausdrücklich bestätigte genealogische Anknüpfung an die um 1480 ausgestorbenen bayerischen Grafen von Abensberg. In der Folge erlangten die Grafen von Abensperg und Traun bereits 1656 als eine der wenigen erbländischen Familien Sitz und Stimme im schwäbischen Reichsgrafenkollegium und erwarben 1662 die zur Teilnahme am Reichstag berechtigende, reichsunmittelbare Herrschaft Eglofs im Allgäu, die 1804 an die Fürsten zu Windisch-Graetz verkauft wurde. Dadurch gehörten sie dann auch zum Hochadel ("zweiter Abteilung") des Heiligen Römischen Reichs.

In die zweite Hälfte des 17. Jahrhunderts fällt auch der Erwerb der großteils bis heute in Familienbesitz befindlichen Burgen und Schlösser Petronell (1656), Groß-Schweinbarth (1658), Rappottenstein (1664), Bockfließ und Bisamberg sowie der frühbarocke Ausbau (1660) des 1857 abgetragenen Palais Traun in der Wiener Herrengasse. Im Jahr 1668 stiftete Ernst Reichsgraf von Abensperg und Traun ein die reichsunmittelbare Grafschaft Eglofs, die Herrschaft Traun und mehrere Häuser in Wien und Linz umfassendes Majorats-Fideikommiss und ein weiteres die Herrschaft Petronell betreffendes Primogenitur-Fideikommiss.[4]

Besitzungen der Familie (Auswahl)[Bearbeiten]

Zum heutigen Besitzstand der Familie zählt die Burg Rappottenstein, das Schloss Maissau, das Schloss Traun, das Schloss Groß-Schweinbarth samt den dazugehörigen Land- und Forstflächen mit einer Gesamtgröße von 7506 ha, sowie das Palais Abensperg-Traun in der Wiener Weihburggasse, eine Reihe von Wiener Zinshäusern und ein argentinischer Grundbesitz. Schloss Petronell war 17 Generationen bzw. 350 Jahre in Familienbesitz und wurde 2006 an einen privaten Investor verkauft.

In Wien Landstraße (3. Bezirk) erinnert die Traungasse an das Adelsgeschlecht.

Das 1705 erweiterte Stammwappen. Wappenspruch: Mortuus vivam - wir werden leben (in der Erinnerung), auch wenn wir schon gestorben sind.

Wappenbesserung[Bearbeiten]

1705 erlangte die Familie in der Person Otto Ehrenreichs das Erblandpanier- und Fähnrichsamt der Erzherzogtümer unter und ob der Enns, weshalb das seit 1259 nachweisbare und bis dahin nie veränderte, von Silber und Schwarz gespaltene Stammwappen durch die hinter dem Schild gekreuzten Fahnen von Nieder- und Oberösterreich gebessert wurde. Auch im 18. und 19. Jahrhundert bekleideten verschiedene Angehörige des in eine Maissauer und eine Petroneller Linie geteilten Geschlechts vielfältige Militär- und Hofämter, von denen besonders die Würden des Oberstjägermeisters, Oberzeremonienmeisters und Obersthofmeisters hervorzuheben sind.

Generalkriegskommissär Graf Ernst von Abensperg und Traun

Bedeutende Familienmitglieder[Bearbeiten]

Unter den bedeutendsten Vertretern der Familie ist zunächst der zwischen 1328 und 1378 urkundlich genannte Jans (Hans) von Traun zu erwähnen, dessen abenteuerliches Leben außergewöhnlich gut dokumentiert ist. Jans von Traun, der unter anderem auch die Landeshauptmannschaft ob der Enns innehatte, kämpfte im Laufe seines Lebens in zahlreichen Schlachten in österreichischen und zeitweilig in englischen Kriegsdiensten, wo er während des hundertjährigen Krieges gegen Frankreich 1356 als englischer Kriegshauptmann und Bannerträger fungierte.

Neben Sigmund Adam von Traun (1573–1638), der als Protestant anfänglich im Gegensatz zu den Habsburgern stand, nach seiner Konversion aber zum niederösterreichischen Kammerpräsidenten und Landmarschall avancierte, ist vor allem dessen Sohn Ernst Graf von Abensperg und Traun (1608–1668) von Bedeutung. Dieser stellte als Generalwachtmeister, Mitglied des Hofkriegsrats, Generalkriegskommissär von 1647 bis 1651 (zuständig für die Aufstellung, Ausrüstung, Bezahlung und Verpflegung der kaiserlichen Truppen am Ende des Dreißigjährigen Krieges), später Landmarschall von Niederösterreich und zuletzt, im Jahre 1668 Stadtkommandant von Wien eines der einflussreichsten Mitglieder des geheimen Rats Kaiser Ferdinands III. dar. Zu den profiliertesten Familienangehörigen zählt auch Otto Ehrenreich (1644–1715), der als niederösterreichischer General-Landobrist nicht zuletzt aufgrund hervorragender Militärverdienste in den Orden vom Goldenen Vlies aufgenommen wurde und, wie erwähnt, das Oberst-Erbpanieramt von Österreich ob und unter der Enns erblich an die Familie Abensperg und Traun brachte.

Feldmarschall Otto Ferdinand[Bearbeiten]

Die bekannteste Persönlichkeit des Hauses ist wohl Feldmarschall Otto Ferdinand Graf von Abensperg und Traun (1677–1748), der 1696 in kaiserliche Kriegsdienste trat, 1712 ein eigenes Regiment erhielt, 1735 zum Feldzeugmeister und 1740 zum Feldmarschall befördert wurde. Im Österreichischen Erbfolgekrieg siegte er 1743 am italienischen Kriegsschauplatz bei Camposanto am Panaro über die Spanier und manövrierte 1744 die preußischen Streitkräfte aus Böhmen, wofür er im gleichen Jahr mit dem Orden vom goldenen Vlies ausgezeichnet wurde. Ohne Feldschlacht, doch mit den Folgen einer schweren Niederlage für Preußen ging der Feldzug zu Ende. König Friedrich II. hat die Meisterschaft Trauns voll anerkannt und ihn später als seinen Lehrer in der Kriegskunst bezeichnet.

In die Militärgeschichte ist Otto Ferdinand Abensperg und Traun als einer der größten österreichischen Feldherren des 18. Jahrhunderts eingegangen. Auf dem 1888 feierlich enthüllten Denkmal der Kaiserin Maria Theresia in Wien ist der Feldmarschall als einer der vier „Paladine der Kaiserin“ im Kreise der Generäle Daun, Loudon und Khevenhüller hoch zu Ross dargestellt.[5]

Statue des O.F. Traun am Maria Theresia Denkmal in Wien

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. "Österreichisches Adellexikon"
  2. C. v. Wurzbach, "Biographisches Lexikon des Kaiserthum Österreich", Wien 1856 – 1891
  3. Hormayer, "Österreichischer Plutarch", Bd. 17
  4. A. Graf Thürheim, "FM O. F. Graf von Abensperg-Traun", Wien, 1877
  5. "Otto Ferdinand Graf Abensperg-Traun" Website der kuk – Wehrmacht

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Abensperg und Traun – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien