Adolf Ellissen

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Wechseln zu: Navigation, Suche
Dr. Adolf Ellissen
Dr. Adolf Ellissen

Georg Anton Adolf Ellissen (* 14. März 1815 in Gartow; † 5. November 1872 in Göttingen) war ein deutscher Politiker, Philologe und Literaturhistoriker.

Ellissen studierte an der Georg-August-Universität Göttingen Medizin, Geschichte, Literatur- und Sprachwissenschaft. Weitere Studien betrieb er in Berlin und Paris. Seine Promotion erfolgte an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg. 1838 und 1860 reiste er nach Griechenland, um die bis dahin weitgehend unbekannte mittel- und neugriechische Literatur zu erforschen.

Zunächst machte Ellissen sich als Übersetzer von Montesquieu ("Geist der Gesetze") und Voltaire (Werke in Auswahl) einen Namen. Mit seinem Versuch einer Polyglotte war er seinerzeit bahnbrechend für die kulturgeschichtliche Betrachtungsweise und die vergleichende Literaturgeschichte. In Zusammenarbeit mit Heinrich Loedel machte er sich um Hans Holbein und dessen "Totentanz" verdient. Besondere Verdienste erwarb er sich durch Erschließung und Verbreitung der bis dato nahezu unerforschten mittel- und neugriechischen Literatur.

Obelisk auf Ellissens Grab in Göttingen (Bartholomäusfriedhof)
Obelisk auf Ellissens Grab in Göttingen (Bartholomäusfriedhof)

Ellissen lebte ab 1842 in Göttingen, wo er 1847 Mitarbeiter der Universitätsbibliothek wurde. Im Zuge der Märzrevolution 1848 setzte er sich öffentlich sehr kritisch mit den herrschenden politischen Verhältnissen auseinander und wurde vom Göttinger Bürgerverein zunächst als Codeputierter der hannoverschen Ständeversammlung nach Hannover und später nach Frankfurt zur Nationalversammlung entsandt. 1849 kam er als Abgeordneter Göttingens in die zweite Kammer der hannoverschen Ständeversammlung, welche ihn 1852 zum Vizepräsidenten und 1854 zum Präsidenten wählte. Ellissen war dort Wortführer im Protest gegen die Absichten der hannoverschen Regierung, die Zustände vor 1848 wieder herzustellen. Seine Opposition war der Regierung so unangenehm, dass sie jede Beförderung des Philologen verhinderte. 1864 ging er als Abgeordneter für Osnabrück wieder in die Zweite Kammer und 1866 in den konstituierenden Reichstag, in das preußische Abgeordnetenhaus und den hannöverschen Provinziallandtag, wo er jeweils der nationalliberalen Fraktion angehörte.

[Bearbeiten] Werke (Auswahl)

  • Thee- und Asphodelosblüten. Göttingen 1840 (metrische Bearbeitungen chinesischer und neugriechischer Gedichte).
  • Versuch einer Polyglotte der europäischen Poesie. Leipzig 1846.
  • Der alte Ritter. Leipzig 1846.
  • Michael Akominatos, Erzbischof von Athen. Göttingen 1846.
  • Zur Geschichte Athens nach dem Verlust seiner Selbständigkeit. Göttingen 1848.
  • Analekten zur mittel- und neugriechischen Litteratur. Leipzig 1855-62.
  • Französische Thronfolger. Eine retrospektive Betrachtung. Göttingen 1870.

[Bearbeiten] Literatur

  • Karl Goedecke: Adolf Ellissen zu seinem hundertjährigen Geburtstag am 14. März 1915. In: Göttinger Blätter für Geschichte und Heimatkunde in Südhannover, Göttingen 1915
  • Georg Kaufmann: Adolf Ellissen, ein Vorkämpfer nationaler Politik aus der letzten Periode des Königreiches Hannover, Preußische Jahrbücher, Bd. 161, 1915, S. 470 ff.
  • Albrecht Saathoff: Geschichte der Stadt Göttingen, 2 Bde, Göttingen 1937 - 1940, Bd. II, S. 172 ff.
  • Eberhard Borsche: Adolf Ellissen (1815-1872) als Politiker, in: Niedersächsisches Jahrbuch für Landesgeschichte (NsJbLG) 25, 1953, S. 87ff

[Bearbeiten] Weblinks

Persönliche Werkzeuge