Gartow

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Gartow (Begriffsklärung) aufgeführt.
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Gartow
Gartow
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Gartow hervorgehoben
53.02388888888911.457517Koordinaten: 53° 1′ N, 11° 27′ O
Basisdaten
Bundesland: Niedersachsen
Landkreis: Lüchow-Dannenberg
Samtgemeinde: Gartow
Höhe: 17 m ü. NHN
Fläche: 28,28 km²
Einwohner: 1352 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 48 Einwohner je km²
Postleitzahl: 29471
Vorwahl: 05846
Kfz-Kennzeichen: DAN
Gemeindeschlüssel: 03 3 54 005
Gemeindegliederung: 3 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Springstraße 14
29471 Gartow
Webpräsenz: www.gartow.de
Bürgermeister: Ulrich von Mirbach (UWG)
Lage der Gemeinde Gartow im Landkreis Lüchow-Dannenberg
Mecklenburg-Vorpommern Sachsen-Anhalt Brandenburg Landkreis Lüneburg Landkreis Uelzen Neu Darchau Hitzacker Göhrde gemeindefreies Gebiet Göhrde Damnatz Karwitz Zernien Gusborn Langendorf Dannenberg (Elbe) Jameln Lüchow Wustrow Luckau (Wendland) Küsten Waddeweitz Clenze Bergen an der Dumme Schnega Lübbow Woltersdorf Lemgow Prezelle Trebel Gorleben Gartow Höhbeck Schnackenburg gemeindefreies Gebiet GartowKarte
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Gartow ist ein Flecken im Landkreis Lüchow-Dannenberg in Niedersachsen und gleichzeitig Sitz der Samtgemeinde Gartow.

Es besteht auch ein gleichnamiges gemeindefreies Gebiet nahe der Gemeinde Gartow.

Geografie[Bearbeiten]

Gartow liegt in der historischen Landschaft Wendland am westlichen Ufer der Seege, eines linken Elbzuflusses, der sich nördlich von Gartow zu einem See ausweitet. Der Ort befindet sich im Gebiet der Gartower Elbmarsch innerhalb der Niedersächsischen Elbtalaue. Südwestlich dehnt sich ein großes Kiefernwaldgebiet, die Gartower Tannen, aus. Die höchste Erhebung, die Hahnenberge, beträgt 32 m.

Durch den Ort führt die B 493 zwischen Lüchow und Schnackenburg.

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Der Flecken setzt sich aus den drei Ortsteilen

  • Gartow
  • Laasche
  • Nienwalde, bis 16. März 1936 Niendorf bei Gartow[2] zusammen.

Geschichte[Bearbeiten]

Ältere Geschichte

Schon in der jüngeren Steinzeit (4000–2000 v. Chr.) haben Menschen im Gartower Raum gesiedelt, worauf aufgefundene Steinbeile und Steinäxte hinweisen. Weitere Funde aus der Bronzezeit und Eisenzeit belegen eine über Jahrtausende andauernde Siedlungstätigkeit.

Um 800 geriet das Gartower Gebiet in kriegerische Auseinandersetzung zwischen Franken, Slawen und Sachsen und wurde dann vom Frankenkaiser Karl dem Großen unterworfen.

Im frühen Mittelalter wohnten hier Deutsche und aus dem Osten zugewanderte Wenden friedlich miteinander.

Schloss und Gut Gartow

BW

Obwohl die Stadt Schnackenburg als Zollstätte eine größere Bedeutung als Gartow erlangte, befand sich vermutlich schon seit 1225 in Gartow eine Sperrburg gegen slawische Bestrebungen, hier Einfluss zu nehmen. In diesem Jahr wurde auch erstmals urkundlich ein Conrad von Gartow erwähnt. Die Herren von Gartow waren mit etlichen Besitzungen begütert, die im engeren und weiteren Umkreis von Gartow lagen. Die ehemalige Burg Gartow bestand aus Vor- und Hauptburg und war mit einem Wassergraben umgeben.

Damals lag Gartow mit mehreren umliegenden Orten im Einflussbereich der Markgrafschaft Brandenburg. Auch das Fürstentum Lüneburg erhob Anspruch auf dieses Gebiet, doch keine der beiden Lehnsmächte konnte verhindern, dass es im Jahre 1360 an den Johanniterorden verkauft wurde. Als der Orden 1483 Gartow an die Dannenberger Ritter von Bülow verkaufte, machte Brandenburg erneut Ansprüche geltend. Mehr als ein Jahrhundert lang gelang es den von Bülows, die einander widerstreitenden Lehnsinteressen des welfischen und askanischen Fürstenhauses zu ihren eigenen Gunsten zu nutzen und durch geschickte Kauf- und Pfandpolitik ihr Besitztum abzurunden. Aber auf Dauer konnten sie es nicht halten.

Andreas Gottlieb von Bernstorff kaufte 1694 den stark verfallenen und vernachlässigten Bülowschen Besitz, nachdem er als Minister des Braunschweigisch-Lüneburgischen Fürsten den ehemaligen Verzicht des Hauses Brandenburg auf jegliche Ansprüche durchgesetzt hatte. Er führte den Ort Gartow zu wirtschaftlicher Blüte und damit den ganzen umgebenden ländlichen Raum, der sich zunehmend mehr nach Gartow orientierte.

1721 und 1764 wurde Gartow von Großbränden heimgesucht. Nach dem ersten Großbrand 1721 wurde Gartow völlig umgestaltet. 1724 wurde die St.-Georg-Kirche im Barockstil gebaut, 1710 bis 1727 das Gartower Schloss neu aufgebaut.

Kirche St. Georg in Gartow

Verwaltungspolitisch konnte von Bernstorff 1720 die Schaffung eines so genannten „Geschlossenen Adeligen Gerichts Gartow“ erreichen. Die Verwaltung und Rechtsprechung über Gartow und 24 Dörfer erfolgte von Gartow aus, wo die Familie von Bernstorff den Landesgesetzen gemäß alle Verwaltungsaufgaben erledigen ließ. Zuvor wurden die Dörfer Holtorf, Kapern und Gummern an das Kurfürstentum Hannover abgetreten und der Verwaltung des „Geschlossenen Gerichts Gartow“ unterstellt.

Im Gefolge politischer Entscheidungen wurde 1850 die Trennung von Verwaltung und Justiz vorgenommen und gleichzeitig eine neue Amtsordnung verkündet, wonach alle bisherigen Adeligen Gerichte aufgelöst werden mussten, also auch das von Gartow. Am 15. Juli 1850 wurde ein neues Amt Gartow gegründet. Das ehemalige Amt Schnackenburg hatte aufgehört zu existieren.

Mit dieser Veränderung verschlechterten sich die Einflussmöglichkeiten der Familie Bernstorff erheblich. Hinzu kam noch die seit 1831 gesetzlich betriebene Loslösung von Verpflichtungen gegenüber dem Haus Gartow. Als Einnahmequelle verblieb nur die eigene Land- und Forstwirtschaft. Der Besitz, eines der grössten Waldgüter Niedersachsens, wird bis heute von den Grafen Bernstorff bewirtschaftet. Fried Graf von Bernstorff ist Betriebswirt. Er ist schon wie sein Vater Andreas Graf von Bernstorff Gegner des geplanten Atommüllendlagers in Gorleben.[3]

Jüngere Geschichte

Das Amt Gartow wurde im Zuge weiterer Verwaltungsreformen 1872 in das Amt Lüchow, welches später in Kreis Lüchow umbenannt wurde, integriert und bestand nun endgültig nicht mehr. Von 1945 bis 1989 gehörte der Raum Gartow zum Zonenrandgebiet. Im Zuge der Verwaltungs- und Gebietsreform 1972 wurde die Samtgemeinde Gartow mit Sitz in Gartow gebildet.

Im Jahre 1974 begannen die Bauarbeiten für den Seegedeich Gartow-Nienwalde; die dafür erforderliche Erde stammt zum größten Teil aus der Seegeniederung zwischen Gartow und Restorf. Dort entstand durch Aufstauen der Seege der 67 ha große Gartower See.

Heute beträgt die Fläche der Samtgemeinde Gartow 184,76 km², auf der ca. 4100 Einwohner leben.

Religionen[Bearbeiten]

Die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde Gartow hat mit den benachbarten Kirchen- und Kapellengemeinden Meetschow, Vietze, Holtorf, Kapern, Restorf und Schnackenburg ein gemeinsames Pfarramt. Sie haben sich im Kirchspiel an Elbe und Seege zusammengeschlossen.[4] Der Pfarrer Eckhard Kruse ist Beauftragter für Endlagerfragen der Landeskirche Hannover.[5] Die Grafen von Bernstorff sind weiterhin Patron der Kirchengemeinde Gartow.[6]

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Am 1. Juli 1972 wurden die Gemeinden Laasche und Nienwalde eingegliedert.[7]

Erklärung des Ortsnamens[Bearbeiten]

Alte Bezeichnungen des Ortes sind 1255 Garttowe, 1319 Gartowe, 1364 Ghartow und um 1462 Gartow. Es gibt Annahmen, dass der Ortsname slawischer Herkunft ist, identisch mit dem polnischen Ortsnamen Chartowo (dieser geht auf die Hunderasse Windhund zurück, „chart“ heißt „Windund“). Wahrscheinlich jedoch geht Gartow auf den Gewässernamen Garte zurück.[8]

Politik[Bearbeiten]

Der Flecken Gartow gehört zum Landtagswahlkreis 48 Elbe und zum Bundestagswahlkreis 38 Lüchow-Dannenberg – Lüneburg.[9][10]

Gemeinderat[Bearbeiten]

Gemeindewahl 2011[11]
Wahlbeteiligung: 66,9 % (2006: 64,1 %)
 %
50
40
30
20
10
0
45,1 %
32,2 %
22,7 %
keine
Sonst.
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2006
 %p
 14
 12
 10
   8
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
-4,7 %p
+14,0 %p
-5,6 %p
-3,7 %p
Sonst.

Dem Rat der Gemeinde gehören elf Mitglieder an, die sich seit der Kommunalwahl am 11. September 2011 auf folgende Parteien und Wählervereinigungen verteilen:

  • CDU: 5 Sitze (–1)
  • UWG: 4 Sitze (+2)
  • SPD: 2 Sitze (–1)

Bürgermeister[Bearbeiten]

Bürgermeister des Fleckens Gartow ist seit dem 15. November 2011 Ulrich von Mirbach (UWG).

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Kirche[Bearbeiten]

Die St.-Georg-Kirche wurde 1724 im Barockstil gebaut, nachdem der gotische Vorgängerbau abgebrannt war. Das Innere besticht durch seine barock-protestantische Harmonie. Der erhöhte Chor im Osten mit einem Kanzelaltar und umlaufenden Emporen ist in Weiß und Gold gehalten.[12]

Von Bedeutung ist die Orgel in der Kirche, gebaut 1740 von Johann Matthias Hagelstein. Hagelstein hat in Gartow sein einziges Instrument erbaut. Die Orgel ist im Originalzustand erhalten und hat einen sehr eigentümlichen Klang, der anlässlich der Restaurierung durch die Firma Hillebrand im Jahre 1991 weitestgehend auf einen belegbaren Ursprungszustand zurückgeführt werden konnte.

Weitere Bauwerke[Bearbeiten]

In Höhbeck bei Gartow befand sich die Rundfunk- und Richtfunkübertragungsstelle Sender Gartow, die auch als Funkübertragungsstelle Höhbeck bezeichnet wurde. Diese Anlage verfügte über zwei Antennenträger von 324 m und 344 m Höhe. Am 20. August 2009 wurde der kleinere Sendemast, Gartow 1, gesprengt. Der Sendemast Gartow 2 ist weiterhin in Betrieb. Während der Zweiteilung Deutschlands wurden über die 133 km lange Richtfunkstrecke nach Berlin Frohnau nahezu die Hälfte aller Telefonverbindungen zwischen der Bundesrepublik und West-Berlin abgewickelt.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Tourismus[Bearbeiten]

Gartower See

Gartow ist Luftkurort. Als Anziehungspunkt für Touristen verfügt Gartow neben Camping- und Wassersportmöglichkeiten am Gartower See und seiner Lage im Biosphärenreservat Elbtalaue mit der Wendlandtherme auch über ein größeres Freizeithallen- und Erlebnisbad mit Thermalsole-Becken.

Jährlich werden in der Samtgemeinde Gartow ca. 175.000 Übernachtungen registriert.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter des Ortes[Bearbeiten]

Persönlichkeiten, die vor Ort gewirkt haben[Bearbeiten]

  • Gerhard Ellissen (* 1778 in Northeim; † 1838 in Gartow), lebte und arbeitete lange Jahre ab 1814 als Mediziner in Gartow, Vater von Adolf Ellissen.
  • Karl May (* 1842; † 1912) hielt sich auf einer Reise 1898 einige Zeit im Ort auf. Er wohnte im Hotel Krug in der Hauptstraße 15. Er war sofort gesellschaftlicher Mittelpunkt des Ortes. Nach einer Verhaftung reiste er am 7. Mai 1898 schnell weiter. Der Gartower Polizei war er verdächtig vorgekommen, weil er eine arme Familie großzügig beschenkt hatte.[13]
  • Hermann Junack (* 6. September 1912 in Neudeck, Oberschlesien, heute Świerklaniec, Polen; † 26. September 1992 in Gartow), leitete von 1941 bis 1979 das Privatforstamt Gartow der Gräflich von Bernstorff’schen Verwaltung und entwickelte in dieser Zeit den Gartower Wald zu einem Beispielbetrieb für die „Naturgemäße Waldwirtschaft“.
  • Alexander Stahlberg (* 12. September 1912 in Stettin; † 9. Januar 1995 in Neukirchen-Vluyn), lebte ab 1989 in Gartow und trat in Lesungen und Vorträgen in der Region auf.[14]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Gartow – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Landesbetrieb für Statistik und Kommunikationstechnologie Niedersachsen, Fortgeschriebene Einwohnerzahlen zum 31. Dezember 2012 (Hilfe dazu)
  2. Statistik des Deutschen Reichs, Band 450: Amtliches Gemeindeverzeichnis für das Deutsche Reich, Teil I, Berlin 1939; Seite 265
  3. http://www.taz.de/1/zukunft/umwelt/artikel/1/adel-verzichtet/
  4. Webseite des Kirchspiels, abgerufen am 2. Dezember 2012.
  5. Landeskirche weist Kritik an Beauftragung für Endlagerfragen zurück, epd 13. Juli 2009, abgerufen am 2. Dezember 2012.
  6. Porträt der Kirche, abgerufen am 3. Dezember 2012.
  7.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 231.
  8. Der Ortsnamenforscher auf NDR 1 Niedersachsen, Recherche Jürgen Udolph
  9. Landtagswahlkreise ab 16. Wahlperiode. Wahlkreiseinteilung für die Wahl zum Niedersächsischen Landtag. Anlage zu § 10 Abs. 1 NLWG, S. 4. (PDF; 87 KB)
  10. Beschreibung der Wahlkreise. Anlage zu § 2 Abs. 2 Bundeswahlgesetz. In: Achtzehntes Gesetz zur Änderung des Bundeswahlgesetzes. Anlage zu Artikel 1. Bonn 18. März 2008, S. 325. (PDF; 200 KB)
  11. http://wahl.luenecom.de/gartow/gwahl_gartow2011.html
  12. Ernst-Günther Behn: Das Hannoversche Wendland – Kirchen und Kapellen, Lüchow 2011, Seiten 56 ff.
  13. Axel Kahrs: Wendland literarisch, Göttingen 1985, S. 49 ff.
  14. Wendland-Lexikon, Band 2, Lüchow 2008, S. 441f.