Agung (Vulkan)

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Gunung Agung
Agung usgs.jpg

f6

Höhe 3142 m
Lage Bali (Indonesien)
Koordinaten 8° 20′ 31″ S, 115° 30′ 29″ O-8.342115.5083142Koordinaten: 8° 20′ 31″ S, 115° 30′ 29″ O
Agung (Vulkan) (Indonesien)
Agung (Vulkan)
Typ Schichtvulkan
Letzte Eruption 1963/64
Tempel in Besakih, im Hintergrund der Agung (um 1935)
Links der Gunung Agung, rechts die Caldera des Gunung Batur

Der Gunung Agung (indones. Gunung ‚Berg‘, Agung ‚hoch‘; englisch Mount Agung) ist ein aktiver Schichtvulkan auf der indonesischen Insel Bali und die höchste Erhebung der Insel. Bei einem Ausbruch des Agung starben 1963 über 1100 Menschen.

Mythologische Bedeutung[Bearbeiten]

Der Gunung Agung galt bereits vor Einführung des Hinduismus als heiliger Berg. An der Südwestflanke befand sich auf ungefähr 900 Meter Höhe ein Heiligtum zur Verehrung des Berges und der hier ansässigen Ahnengeister. Später wurde dieses Heiligtum vom Hinduismus übernommen und an derselben Stelle der Tempel Pura Besakih errichtet, der heute noch genutzt wird.

Der Gunung Agung wird vielfach als Symbol des mythologischen Berges Meru und damit des Zentrums der Welt angesehen. Dieser Bergkult mischt sich mit der Verehrung Shivas, besonders in seiner Form als Sonnengott Surya, und mit einem Ahnenkult. Der Pura Besakih enthält mehrere Altäre, Schreine und wertvolle Statuen und ist das höchste hinduistische Heiligtum Balis. In religiösen Zeremonien wird der Berg bestiegen, um dort in Palmblättern heiliges Wasser aufzufangen, mit dem dann die Pilger benetzt werden.[1]

Vulkanismus[Bearbeiten]

Die höchste Erhebung des Agung mit 3142 Metern befindet sich westlich des rund 200 Meter tiefen Kraters. Aus der Entfernung erscheint der Vulkan nahezu perfekt kegelförmig. Im 19. Jahrhundert brach der Vulkan dreimal aus. Über die älteren Eruptionen ist wenig bekannt; der Ausbruch von 1843 beschränkte sich auf den Kraterbereich.

Der Ausbruch von 1963 und 1964 war die stärkste Vulkaneruption in Indonesien seit dem Ausbruch des Krakatau im Jahr 1883. Er begann am 18. Februar mit kleineren Explosionen im Gipfelkrater. Wenige Tage später floss ein Lavastrom aus dem Krater nach Norden, der eine Länge von 7,5 Kilometer erreichte. Zugleich bewegten sich pyroklastische Ströme den Nordhang hinab. Am 17. März kam es zu einem heftigen Ausbruch, bei dem eine Eruptionssäule schätzungsweise 19 bis 26 Kilometer hoch aufstieg. Vulkanische Asche verteilte sich vor allem nach Westen und Nordwesten und war noch im knapp 1000 Kilometer entfernten Jakarta nachweisbar. Pyroklastische Ströme mit einer Länge von bis zu 14 Kilometer stürzten sich den Süd- und Südosthang des Agung hinab; durch sie starben die weitaus meisten der an diesem Tag getöteten Menschen. Da der Ausbruch in die Regenzeit auf Bali fiel, bildeten sich kalte und heiße Schlammströme, sogenannte Lahars, die zum Teil die Küste erreichten. Ein zweiter, schwächerer Ausbruch am 16. Mai hatte eine etwa 20 Kilometer hohe Eruptionssäule und weitere Todesopfer zur Folge. In Pura Besakih wurden am 18. Mai die meisten Gebäude der Tempelanlage durch ein Erdbeben zerstört; bereits zuvor waren Lapilli auf die Anlage niedergegangen. Zwischen Mai 1963 und Januar 1964 kam es zu weiteren, schwächer werdenden Eruptionen. Die im November einsetzende Regenzeit mobilisierte Ablagerungen der pyroklastischen Ströme, wodurch weitere Lahars auftraten.[2] Durch den Ausbruch wurde das seit 1942 am Strand von Tulamben im Norden Balis liegende Wrack der USAT Liberty ins Meer geschoben, wo es seitdem in rund 30 Meter Wassertiefe liegt.

Insgesamt wurden 1148 Menschen getötet und 624 verletzt[3] sowie 540 km² landwirtschaftlich genutzte Fläche, 185 km² Wald und viele Dörfer zerstört.[4] Der Volcanological Survey of Indonesia, die für Vulkanüberwachung zuständige indonesische Behörde, hatte am 13. März zur Evakuierung des Gebietes um den Agung aufgefordert. Nach Angaben von Vulkanologen wurde die Evakuierung von der Regierung der Insel Bali zögerlich umgesetzt. Viele Bewohner verließen die Gefahrenzone nicht, weil für den 17. März wichtige religiöse Zeremonien bevorstanden. Als weiterer Grund für die hohe Anzahl an Toten wird das lange Ausbleiben schwerer Vulkanausbrüche auf Bali genannt, wodurch sich die Menschen der möglichen Gefahren nicht bewusst waren.[5]

Durch den Vulkanausbruch wurden ungefähr 7 Millionen Tonnen Schwefeldioxid freigesetzt und bis in die Stratosphäre getragen, wo sie sich durch die jahreszeitlich vorherrschenden Windrichtungen überwiegend über der Südhalbkugel verteilten. Schwefelhaltige Aerosole konnten unter anderem über Australien nachgewiesen werden. Nach späteren Auswertungen sank die durchschnittliche Temperatur in der tropischen Troposphäre vorübergehend um 0,5 °C, während sich die Temperatur in der Stratosphäre um mehrere Grad erhöhte. Anhand der gewonnenen Daten wurde das erste Klimamodell aufgestellt, mit dem der Einfluss von Vulkanausbrüchen auf die Temperatur beschrieben werden sollte.[6]

Besteigung des Berges[Bearbeiten]

Es gibt drei Wege, auf denen der Berg bestiegen werden kann: von Süden, Südosten und Westen. Der Weg im Westen ist der übliche Aufstiegspfad. Er beginnt beim Muttertempel Pura Besakih. Für Wanderer ist es wichtig, dass sie eigenes Wasser mitnehmen, da die einzige Quelle auf dem Weg heilig und ihre Benutzung daher verboten ist (je nach Touristenfrequenz stehen auf dem Gipfel auch Wasserverkäufer).

Vom Gipfel des Vulkans aus kann man den Gipfel des Gunung Rinjani auf der Insel Lombok sehen, obwohl beide Vulkane oftmals von Wolken eingehüllt sind. Die beste Zeit für die Ankunft auf dem Gipfel ist bei Tagesanbruch, da er zu dieser Zeit meist wolkenfrei ist und die Ausblicke nicht beeinträchtigt sind.

Literatur[Bearbeiten]

  • Stephen Self, Michael R. Rampino: The 1963–1964 eruption of Agung volcano (Bali, Indonesia). In: Bulletin of Volcanology, 2012(74), S. 1521–1536 doi:10.1007/s00445-012-0615-z.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Gunung Agung – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Karl Gratzl: Mythos Berg. Lexikon der bedeutenden Berge aus Mythologie, Kulturgeschichte und Religion. Hollinek, Purkersdorf 2000, ISBN 3-85119-280-X.
  2. Self, 1963–1964 eruption, S. 1521–1524; M. T. Zen, Djajadi Hadikusumo: Preliminary report on the 1963 eruption of Mt.Agung in Bali (Indonesia). In: Bulletin Volcanologique, 27 (1964) S. 269–299.
  3. Agung in The Significant Volcanic Eruption Database der NOAA (abgerufen am 7. Februar 2013).
  4. Zen, Preliminary report, S. 286.
  5. Zen, Preliminary report, S. 287.
  6. Stephen Self: Effects of volcanic eruptions on the atmosphere and climate. In: Joan Martí, Gerald Ernst (Hrsg.): Volcanoes and the environment. Cambridge University Press, Cambridge 2005, ISBN 978-0521-59254-3, S. 152–174, hier S. 157.