Krakatau

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Krakatau
Krakatau (19. Jahrhundert)

Krakatau (19. Jahrhundert)

Höhe 813 m
Lage Sunda-Straße, Indonesien
Koordinaten 6° 6′ 10″ S, 105° 25′ 23″ O-6.1027777777778105.42305555556813Koordinaten: 6° 6′ 10″ S, 105° 25′ 23″ O
Krakatau (Indonesien)
Krakatau
Typ Vulkaninsel
Letzte Eruption 2011 (anhaltend)[1]

Krakatau ist eine Vulkaninsel in der Sunda-Straße zwischen den indonesischen Inseln Sumatra und Java. Der Vulkan brach im Laufe der letzten Jahrhunderte mehrfach aus. Die bekannteste Eruption, bei der die gesamte Vulkaninsel vollkommen zerstört wurde, ereignete sich am 27. August 1883. Die Insel gehörte damals zu Niederländisch-Indien.

Seit 1927 entsteht am Ort des damaligen Ausbruches eine neue Insel vulkanischen Ursprungs, die Anak Krakatau, Kind des Krakatau, genannt wird. Es gibt auch Theorien basierend auf der Wetteranomalie von 535/536, wonach im Jahre 535 n. Chr. an gleicher Stelle ein Vorgänger des Krakatau, der Proto-Krakatau, explodierte.[2]

Der Name des Vulkans[Bearbeiten]

Sundastraße, Meeresenge zwischen Sumatra und Java, in der sich Krakatau befindet
Krakatau, Indonesien

Die ältesten Erwähnungen der Vulkaninsel in der westlichen Welt findet man auf einer Landkarte von Lucas Janszoon Waghenaer (etwa 1533/34–1605/06). Er nannte die Insel Pulo Carcata. Pulo ist dabei offenbar von pulau abgeleitet, einem indonesischen bzw. malaiischen Wort für Insel. Die heute gebräuchlichen Bezeichnungen sind Krakatoa oder Krakatau. Der Name Krakatoa wird vor allem in der englischsprachigen Welt häufig verwendet; die Bezeichnung Krakatau wird dagegen häufig von Indonesiern gebraucht.

Vulkanische Aktivität[Bearbeiten]

Ausbruch, August 1883[Bearbeiten]

Bereits in den vorangehenden Monaten war es nach einer jahrhundertelangen Ruhephase, die zum Aufbau des Explosionsdruckes im Vulkaninneren führte, zu kleineren und mittleren Ausbrüchen gekommen. Die niederländische Kolonialverwaltung entsandte hintereinander zwei Expeditionen, von denen die erste beim Anblick der Schäden auf der Insel zurückkehrte, die zweite hingegen – in teilweiser Unkenntnis der Gefahren – den Vulkan noch einmal bestieg und sozusagen als letzte das Innere des bereits aktiven, aber kurzzeitig ruhenden Vulkankraters sah, bevor dieser kurze Zeit später in einer gewaltigen Calderaexplosion verschwand.

Am Mittwoch, dem 22. August 1883, erfolgte die erste Eruption. Am Sonntag, dem 26. August, um 13:06 Uhr (jeweils Ortszeit) erfolgte dann eine weitere. Am 27. August 1883 um 5:30 Uhr erfolgte der zweite Ausbruch, um 6:44 Uhr der Dritte und um 8:20 ein weiterer. Um 10:02 Uhr fand der gewaltigste Ausbruch statt. Der Krakatau schleuderte 20 km³ Asche und Gestein bis in eine Höhe von 25 km in die Erdatmosphäre. Bei den heftigen Ausbrüchen des Mount St. Helens im Mai 1980 waren es etwa 1 km³ und beim Pinatubo etwa 10 km³. Das Äquivalent des Ausbruchs an Sprengkraft dürfte zwischen 200 und 2.000 Megatonnen TNT gelegen haben, was etwa 10.000 bis 100.000 Hiroshima-Bomben entspricht.

Die unterirdische Magmakammer entleerte sich rasch und stürzte dann unter dem Gewicht der Deckenformation ein, woraufhin die Wassermassen des umgebenden Meeres schlagartig nachströmten. Wie bei einer Implosion verursachte dieser Einsturz an den umliegenden Küsten eine stellenweise bis zu 40 Meter hohe Flutwelle (Tsunami). Auf die Flutwelle folgten Ascheregen und pyroklastische Ströme – glühend heiße Gemische aus Gestein, Gas und Asche, welche Geschwindigkeiten bis zu 400 km/h und Temperaturen von 300 bis 800 °C erreichen können. Diese elementaren Gewalten zerstörten auf den umliegenden Inseln 165 Städte und Dörfer und töteten insgesamt mindestens 36.417 Menschen, darunter 37 Europäer.[3] Selbst ein Dampfschiff wurde vier Kilometer weit landeinwärts geschoben. Es war das niederländische Schiff Berouw, das im Hafen von Telok-Betong vor Anker lag. Von der Vulkaninsel blieb nahezu nichts mehr übrig, zwei Drittel der Insel versanken im Meer.

Der Ausbruch des Krakatau war der zweitgrößte Vulkanausbruch der Neuzeit. Seine Stärke erreichte einen Vulkanexplosivitätsindex (VEI, mögliche Werte 0 bis 8) von 6. Vergleichbar in der jüngsten Vergangenheit ist der ungefähr halb so starke Ausbruch des Pinatubo 1991, ebenfalls VEI 6. Der stärkste Ausbruch der letzten 10.000 Jahre war zwischen dem 10. und 15. April 1815 der des Tambora auf der indonesischen Insel Sumbawa. Dieser Ausbruch hatte einen VEI von 7 und schleuderte etwa 160 km³ Material in die Atmosphäre. Einen VEI von 8 erreichte keine Eruption in den letzten 10.000 Jahren.

Tierwelt[Bearbeiten]

Die größeren Tierarten überlebten den Ausbruch nicht. Im Jahre 1886 wurden die Reste des alten Vulkans durch von benachbarten Inseln angeschwommene Warane besiedelt. Nach dem Ausbruch wurden einige Expeditionen zur Untersuchung der Tierwelt durchgeführt. 1933 entdeckte man bei einer solchen Expedition Schlangen, Geckos und andere kleine Echsen sowie weitere Kleintiere wie Fledermäuse, Vögel und Ratten, welche wahrscheinlich größtenteils durch Treibholz auf die Insel gelangt waren.

Auswirkungen weltweit[Bearbeiten]

Vulkane in Indonesien

Die Explosionsgeräusche, die diesen Ausbruch begleiteten, gehörten zu den lautesten der Menschheitsgeschichte. Sie waren sowohl im 3100 Kilometer entfernten Perth als auch auf der etwa 4800 Kilometer entfernt liegenden Insel Rodrigues nahe Mauritius zu hören. Die Folge waren atmosphärische Schockwellen, die rund um die Erde registriert wurden. Die Luftdruckwelle der Explosion war so gewaltig, dass sie auch noch nach fünf Tagen und sieben Erdumläufen messbar war.[4]

Die Flutwelle wurde auch noch in Europa registriert. An Pegeln im Golf von Biskaya, 17.000 Kilometer von ihrem Ursprung entfernt, und entlang des Ärmelkanals wurde sie als Ausschlag von 2 cm aufgezeichnet.

Größere Partikel, wie zum Beispiel Bimsstein, der nach zeitgenössischen Berichten europäischer Seefahrer große Meeresflächen im Umkreis bedeckte, gingen in einem Gebiet von beinahe 4 Millionen km² nieder – einem Areal von der doppelten Größe des gesamten indonesischen Archipels. Die feine Vulkanasche (Aerosol) stieg in die obere Atmosphäre auf und verteilte sich dort in wenigen Tagen weltweit in über 70 % dieser Luftschicht.

Überall rund um die Erde wurden aufgrund der Partikel in der Atmosphäre, an denen es zu Lichtbrechungen kam, spektakuläre Sonnenuntergänge beobachtet. So soll einer Untersuchung US-amerikanischer Wissenschaftler zufolge die auffallende rötliche Färbung des Himmels in Edvard Munchs berühmtem Gemälde „Der Schrei“ auf die nach der Eruption weltweit veränderte Färbung des Himmels zurückzuführen sein. Munch schrieb in seinem Tagebuch: „Plötzlich färbte sich der Himmel blutrot, die Wolken aus Blut und Flammen hingen über dem blau-schwarzen Fjord und der Stadt“.[5]

Ein Astronom berichtete über die totale Mondfinsternis am 4. Oktober 1884 an „Nature“, dass … die Verdunkelung des Mondes weit über den Grad hinausgeht, den man bei Finsternissen der letzten Zeit gesehen hat.

Es dauerte einige Jahre, bis diese Partikel wieder aus der Atmosphäre abgesunken waren. Unter anderem durch die Reflexion der Sonnenstrahlen zurück ins All sank vor allem auf der Nordhalbkugel die Durchschnittstemperatur um 0,5 bis 0,8 °C.

Der Ausbruch des Krakatau im Jahre 1883 wird in der Medienwissenschaft als eines der frühesten Beispiele für das globale Dorf angeführt. Ohne die telegraphischen Berichte nach Europa wäre beispielsweise die Flutwelle nicht erkannt worden.[4]

Anak Krakatau[Bearbeiten]

Die zweite der drei temporären Vorläuferinseln des heutigen Anak Krakatau im Mai 1929.[6] Aus der Sammlung des Amsterdamer Tropenmuseums
Vulkanische Aktivität des Anak Krakatau 2008
Anak Krakatau bei Nacht 2008
Anak Krakatau von oben

Nach langer Inaktivität begann sich 1927 der Anak Krakatau (‚Kind des Krakatau‘) als neues untermeerisches Vulkangebäude am Rand der Caldera des Krakatau zu erheben. Drei Aschekegel durchbrachen nacheinander die Wasseroberfläche, die jeweils durch marine Erosion und untermeerische Rutschung am steilen Hang der Caldera zerstört wurden. Im August 1930 bildete sich eine vierte Insel, die bis heute Bestand hat.[6]

Viele der in der Region lebenden Menschen nehmen die Gefahr eines Ausbruchs des Anak Krakatau nicht sehr ernst. Oft fehlt ihnen auch das Wissen über das Geschehen der Vergangenheit: Zwischen 1959 und 1963 war der Vulkan bisher am aktivsten.[7]

Am 8. November 2007 fand ein größerer Ausbruch des Anak Krakatau statt, ohne Menschen dabei zu gefährden[8][9]; im Juni 2009 brach der Anak Krakatau erneut aus und zeigt seitdem anhaltende strombolianische Aktivität.[1] Er zählt damit zu den aktivsten Vulkanen der Erde.

Der heftigste Ausbruch des Anak Krakatau seit über zehn Jahren fand am 2. und 3. September 2012 statt: Es ereigneten sich ohne Unterbrechung kanonenschussartige Explosionen unter Freisetzung großer Mengen Pyroklastika. Zudem floss ein ca. 600 Meter langer Lavastrom aus der Gipfelregion nach Südosten und ergoss sich etwa 100 Meter ins Meer. Erst am 3. September 2012 gegen 16 Uhr ging diese heftige eruptive Phase in eine leichte strombolianische Aktivität über.[10]

Literatur[Bearbeiten]

Filme[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Fotos und Videos[Bearbeiten]

 Commons: Krakatau – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Wissenschaftliche Beiträge[Bearbeiten]

Andere[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Krakatau im Global Volcanism Program der Smithsonian Institution (englisch)
  2. wissenschaft.de, 9. Januar 2001: Das dunkle Zeitalter – Hat ein gewaltiger Vulkanausbruch die Kälteperiode im 6. Jahrhundert verursacht?.
  3. Anak Krakatau spuckt Lava und Gas - Spiegel.de, 8. November 2007
  4. a b www.vulkane.net, Anak Krakatau - Pulverfaß in der Sundastrasse
  5. [1] Olson, Donald W.; Russell L. Doescher and Marilynn S. Olson (May 2004). „The Blood-Red Sky of the Scream“. APS News (American Physical Society) 13 (5). Retrieved 22. Dezember 2007.
  6. a b Wild Indonesia: Birth of an Island - The Child grows. Von Rob Whittaker auf PBS. Zuletzt abgerufen am 28. Mai 2011
  7. [2]„Naturgewalten.de“
  8. [3]„Spiegel.de“
  9. [4]„Volcanodiscovery.com“
  10. Heftige eruptive Phase des Anak Krakatau am 2. und 3.9.2012 Kurzbericht des "Georesearch Volcanedo Germany"; Auf: volcanedo.de