Akute Bronchitis

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Klassifikation nach ICD-10
J20 Akute Bronchitis
ICD-10 online (WHO-Version 2013)

Als akute Bronchitis wird eine neu entstandene Entzündung der größeren verzweigten Atemwege – der Bronchien – mit Husten, Schleimproduktion, Fieber sowie weiteren Allgemeinsymptomen bezeichnet. Wenn – wie es häufig der Fall ist – auch die Luftröhre mit betroffen ist, spricht man von einer akuten Tracheobronchitis.

Zusammenfassung[Bearbeiten]

Die Diagnose einer akuten Bronchitis ist eine der meistgestellten Diagnosen in Allgemeinarztpraxen, obwohl bezüglich Definition und Pathophysiologie oft Unklarheiten bestehen. Besser wäre meistens die Diagnose: akuter Atemwegsinfekt, da in der Regel nicht nur die Bronchien, sondern auch andere Teile der Atemwege betroffen sind.

Epidemiologie[Bearbeiten]

Ein Grund für die häufige Diagnose ist die unreflektierte Zusammenfassung verschiedener Krankheitsbilder unter diesem Begriff. Da klare krankheitsspezifische Symptome ebenso wie richtungsweisende Laborparameter fehlen, wird oft jeder Husten bei Infekten der oberen Luftwege, allergischen Syndromen oder sogar eine Sinusitis als Bronchitis bezeichnet; sie ist einer der häufigsten Beratungsanlässe in einer allgemeinmedizinischen Praxis.[1]

In einer Studie konnte schon belegt werden, dass Patienten mit akuter Bronchitis eine auf das 6,5-fach erhöhte Krankheitshäufigkeit (Prävalenz) von Asthma bronchiale in ihrer Vorgeschichte aufwiesen und ein neunfach erhöhtes Risiko hatten, in der Folge die Diagnose eines Asthma bronchiale gestellt zu bekommen. Das ist ein Hinweis auf eine beiden Krankheitsbildern zugrundeliegende Überempfindlichkeit der Atemwege (bronchiale Hyperreagibilität).
Eventuell spielt eine unbehandelte Chlamydieninfektion der Luftwege eine wichtige Rolle für den Wandel einer akuten Bronchitis in ein Asthma bronchiale.

Ätiologie[Bearbeiten]

Die Datenlage, in wie viel Prozent der Fälle eine Virus-, Bakterien- oder Pilzinfektion der Bronchien vorliegt oder auch nicht infektiöse Ursachen anzuschuldigen sind, ist dürftig, insbesondere wenn man die Häufigkeit und die volkswirtschaftliche Bedeutung dieser Krankheit betrachtet.

Die Codierung der Krankheiten im deutschen Gesundheitswesen im DRG-System unterscheidet mehrere verschiedene erregerbezogene Formen der akuten Bronchitis. Auch wird die Diagnose mit Keimnachweis besser vergütet. Es wäre also zu erwarten, dass sich zunehmend bessere Aussagen über die einzelnen Erreger der akuten Bronchitis machen lassen. Die Daten hierzu werden kaum veröffentlicht und kritisch gesichtet.

Symptome und Befunde[Bearbeiten]

Husten und obstruktive Symptome wie der oft vorhandene Stridor werden durch die Entzündung der Bronchialschleimhaut mit dadurch bedingter Schwellung und Schleimproduktion verursacht.

Der Husten ist zunächst meistens trocken, da die Schwellung der Schleimhäute aufgrund der infektbedingten gesteigerten Durchblutung (gr.: Hyperämie) der Produktion von Schleim vorangeht, mit dessen Bildung wird der Husten produktiv. Der Auswurf – in der medizinischen Fachsprache als Sputum bezeichnet – ist zäh- oder dünnflüssig. Bei viraler Entzündung ist er in der Regel klar bis gräulich, bei einer bakteriellen Entzündung hingegen eher gelb-grünlich gefärbt, was aber nur tendenzielle Hinweise auf die zu Grunde liegende Ätiologie geben kann.

Bei der obstruktiven Bronchitis (früher auch spastische Bronchitis) kann die krampfende Muskelkontraktion der Bronchien röchelnde und pfeifende Atemgeräusche, vor allem bei der Ausatmung, verursachen, und das Abhusten von Sputum erschweren.

Die mittels Spirometrie beurteilte Lungenfunktion zeigt bei ca. 60 Prozent der Patienten ähnliche Werte wie bei einem milden Asthma bronchiale. Da sich dieses bei wiederkehrenden akuten Bronchitiden, die durch Chlamydien hervorgerufen wurden, möglicherweise entwickeln kann, sollten sich Patienten nach Abklingen der akuten Symptomatik einer Kontrolle unterziehen.

Diagnose[Bearbeiten]

Die körperliche Untersuchung kann die Verlegung der Atemwege bestätigen, wichtiger ist jedoch die Anamnese: ein nächtlicher Husten kann das alleinige Symptom einer akuten Bronchitis sein. Routinemäßig durchgeführte Untersuchungen des Sputums bringen entweder keine Ergebnisse oder sind nicht kosteneffektiv. In den 25 Prozent der Fälle, die an einem länger als vier Wochen anhaltenden Husten leiden, sollten jedoch eine Keuchhustenserologie und andere weitergehende Untersuchungen veranlasst werden, um auch schwererwiegende Erkrankungen auszuschließen wie z. B. Lungenkrebs- oder Systemerkrankungen. An wegweisenden Untersuchungen wären Blutwerte, eine Röntgenaufnahme der Lunge und Ultraschalluntersuchungen zu nennen.

Differentialdiagnose[Bearbeiten]

Therapie[Bearbeiten]

Antibiotika[Bearbeiten]

Die Gabe eines Antibiotikums ist nur bei Verdacht auf einen bakteriellen Infekt angezeigt, bei einer rein viralen Infektion hingegen nicht. Oft jedoch kommt es infolge einer Schwächung der Abwehrkräfte (zusätzlich zu der bestehenden Vireninfektion) zu einer zum Teil hartnäckigen und gefährlichen Bakterieninfektion.

Hustenmittel[Bearbeiten]

Die Gabe eines den Hustenreiz stillenden Mittels kann kontraproduktiv sein, da das produzierte Sputum abgehustet werden sollte. Bei Klagen über eine gestörte Nachtruhe muss an eine Refluxösophagitis oder eine Herzinsuffizienz gedacht werden, die beide im Liegen deutlich vermehrt Symptome verursachen können. Ansonsten liegen kaum Daten über den sinnvollen Einsatz der Hustenreiz stillenden oder das Abhusten erleichternden Mittel (Expektorantien) vor.

Bronchospasmolytika[Bearbeiten]

Die bisherigen Studien, die den Nutzen von das Bronchialsystem erweiternden Substanzen (Bronchospasmolytika) belegen, erlauben hierzu keine Aussage.

Krankheitsverlauf[Bearbeiten]

Die akute Bronchitis heilt meistens ohne Behandlung nach mehreren Tagen oder manchmal Wochen ohne Komplikationen ab. Die Symptome halten meistens für nicht länger als zehn Tage an. In seltenen Fällen kann der Husten mehrere Monate bestehen, wobei dann an einen Keuchhusten, ein Asthma bronchiale oder cardiale, eine Tumorbildung oder eine chronische Pneumonie gedacht werden sollte.

Vorbeugung[Bearbeiten]

  • Verzicht auf Rauchen

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Nach W. Fink, G. Haidinger: Die Häufigkeit von Gesundheitsstörungen in 10 Jahren Allgemeinpraxis. Z. Allg. Med. 83 (2007) 102–108. Zitiert nach Womit sich Hausärzte hauptsächlich beschäftigen, MMW-Fortschr. Med. Nr. 16 / 2007 (149. Jg.)
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