Alexander Arutjunjan

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Alexander Arutjunjan

Alexander Grigorjewitsch Arutjunjan, auch Harut'yunyan, (russisch Алекса́ндр Григо́рьевич Арутюня́н Alexander Grigorjewitsch Arutjunjan, armenisch Ալեքսանդր Գրիգորի Հարությունյան Aleksandr Grigori Harutjunjan; * 23. September 1920 in Jerewan; † 28. März 2012 ebenda[1]) war ein armenischer Komponist in der UdSSR.

Karriere[Bearbeiten]

Arutjunjan erhielt bereits als Kind den ersten Klavierunterricht und begann 1934, Komposition und Klavier am Konservatorium seiner Heimatstadt zu studieren. 1941 unterbrach er seine Studien und setzte diese erst 1944 am Moskauer Konservatorium fort (u. a. bei Nikolai Peiko). Im Jahre 1946 beendete er seine Studien und kehrte im folgenden Jahr nach Jerewan zurück. In den folgenden Jahren machte er sich besonders durch seine Kantate von der Heimat und sein Trompetenkonzert als Komponist einen Namen. Vor allem das Trompetenkonzert machte ihn international bekannt. 1954 wurde Arutjunjan als Lehrer für Komposition an das Konservatorium in Jerewan berufen; 1977 wurde er zum Professor ernannt. Auch als Pianist trat er hervor. Arutjunjan wurde während seiner gesamten Laufbahn vielfach ausgezeichnet. Schon 1949 erhielt er den Stalinpreis, später wurde er zum Volkskünstler der UdSSR und von Armenien ernannt. Außerdem erhielt er beispielsweise den Orpheus Award (Kentucky) und im Jahre 2001 einen armenischen Staatsorden.

Stil[Bearbeiten]

Obwohl Arutjunjans Stil insgesamt recht einheitlich ist, lassen sich drei Perioden in seinem Schaffen erkennen: zunächst eine Phase, in der die armenische Volksmusik zusammen mit einem gewissen Pathos eine große Rolle spielte, etwa ab den 1960er-Jahren eine verstärkte Hinwendung zum Neoklassizismus und zu Merkmalen des Barock und schließlich eine Synthese aus diesen beiden Richtungen. Arutjunjan schrieb eine sehr eigenständige Musik, die vielfältige Wurzeln und Einflüsse erkennen lässt. Wichtig war für ihn stets die Folklore seiner Heimat. Gleichzeitig war er jedoch stark mit der westeuropäischen Tradition verbunden, indem er Elemente des Barock und auch der Romantik in seine Musiksprache einfließen ließ. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf dem konzertanten Element; er verstand es, bestimmte Instrumente sehr gekonnt in Szene zu setzen. Arutjunjans Musik ist zudem ausgesprochen vital, teilweise geradezu „musikantisch“ wie auch sehr emotional: die Palette der zum Ausdruck gebrachten Emotionen ist sehr groß. Außerdem ist sein Stil durch ausgeprägte Polyphonie und einprägsame, volkstümliche Melodien gekennzeichnet. Arutjunjan behielt den Rahmen einer erweiterten, vor allem stark modal geprägten Tonalität stets bei. Seine Musik bereitet dem Hörer keine Verständnisprobleme. Direkte Vorbilder lassen sich nur schwer ausmachen, da er einen ausgeprägten persönlichen Stil besaß; in seinem Gesamtwerk steht er Aram Chatschaturjan und Dmitri Kabalewski am nächsten. Arutjunjan ist nach Chatschaturjan der bedeutendste armenische Komponist. In Deutschland sind in erster Linie seine Blechbläserkonzerte (v. a. das Trompetenkonzert) bekannt.

Werke[Bearbeiten]

  • Orchesterwerke
    • Konzertouvertüre (1944)
    • Tanzsuite (1952)
    • Sinfonie c-moll (1957, rev. 1980)
    • Sinfonietta für Streichorchester (1966)
  • Konzerte
    • Klavierkonzert (1941)
    • Trompetenkonzert (1950)
    • Concertino für Klavier und Orchester (1951)
    • Hornkonzert (1962)
    • Thema und Variationen für Trompete und Orchester (1973)
    • Concertino für Violoncello und kleines Orchester (1976)
    • Oboenkonzert (1977)
    • Flötenkonzert (1980, rev. 2009)
    • Violinkonzert „Armenia-88“ für Violine und Streichorchester (1988)
    • Posaunenkonzert (1991)
    • Tubakonzert (1992)
    • Elegie für Trompete und Orchester (2000)
  • Vokalmusik
    • „Kantate von der Heimat“ (1948)
    • Konzert für Sopran und Orchester (1950)
    • „Die Sage vom armenischen Volk“, Poem (1960)
    • „Sajat-Nowa“, Oper (1967)
    • „Ode an Lenin“ für Chor und Orchester (1967)
    • Lieder
    • Chöre
  • Kammermusik
    • Streichquartett (1947)
    • „Concert Scherzo“ für Trompete und Klavier (1955)
    • Violasonate „Retro“ (1983)
    • „Armenische Skizzen“ für Blechbläserquintett (1984)
    • Sonate-Poem für Violine und Klavier (1985)
    • „Aria et Scherzo“ für Trompete und Klavier (1987)
    • Suite für Oboe, Horn und Klavier (1998)
  • Klaviermusik
    • „Polyphone Sonate“ (1946)
    • Sonatine (1967)
    • „6 Stimmungen“ (1976)
    • weitere kleinere Stücke

Literatur[Bearbeiten]

  • Svetlana Sarkisyan: Harut'yunyan, Aleksander. In: Ludwig Finscher (Hrsg.): Die Musik in Geschichte und Gegenwart. Allgemeine Enzyklopädie der Musik. Zweite, neubearbeitete Ausgabe. Personenteil Band 8, S. 763. Bärenreiter und Metzler, Kassel-Weimar 2002.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Armenian composer Alexander Harutyunyan dies at 92