Altstoff Recycling Austria

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Altstoff Recycling Austria (ARA)
Typ Aktiengesellschaft
Gründung 1993 (Rechtsform)[1]
Sitz Wien 6, Mariahilfer Straße 123
Personen

Vorstand: Christoph Scharff, Werner Knausz

Schwerpunkt Verpackungsrecycling
Budget 144,1 Mio. € (Lizenzeinnahmen)[2]
Angestellte 82[3]
Mitglieder ca. 15.500 Lizenzpartner
Website www.ara.atwww.facebook.com/ara
Behördliche Aufsicht: BMLFUW

Die Altstoff Recycling Austria AG (ARA) ist Österreichs führendes Sammel- und Verwertungssystem für Verpackungen und übernimmt für mehr als 15.500 Unternehmen deren Rücknahme- und Verwertungspflicht gemäß Verpackungsverordnung (VVO). Als Non-Profit-Unternehmen führt die ARA etwaige Überschüsse über Tarifkalkulationen an ihre Kunden zurück. Die ARA AG organisiert und finanziert die Sammlung, Sortierung und Verwertung von Verpackungsabfällen. Gemeinsam mit ihren Partnern stellt sie Konsumenten und Betrieben flächendeckend in ganz Österreich ein modernes und hoch ausgebautes Sammelangebot für sämtliche Verpackungsabfälle zur Verfügung. Die ARA steht – wie alle Sammel- und Verwertungssysteme – unter behördlicher Aufsicht des Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft (BMLFUW, Lebensministerium). Sie vertritt in Österreich das System Grüner Punkt (hier: Der Punkt).[4]

Geschichte und Organisation[Bearbeiten]

Gegründet wurde die Altstoff Recycling Austria 1993 von der österreichischen Wirtschaft, die durch die Verpackungsverordnung (VVO) verpflichtet worden war, für die Erfassung und Verwertung sämtlicher in Verkehr gesetzter Verpackungen Sorge zu tragen. Rechtsgrundlage dafür ist das Abfallwirtschaftsgesetz (AWG).[5] Die Verpackungsverordnung konkretisiert die Pflichten für die Hersteller, Importeure, Abpacker, Abfüller und Vertreiber von Verpackungen sowie für Sammel- und Verwertungssysteme, etwa durch Festlegung von Zielen für die Erfassung und die stoffliche Verwertung.[6]

Die ARA ist das gemäß § 29 AWG per Bescheid genehmigte Sammel- und Verwertungssystem für im Haushalts- und Gewerbebereich anfallende Packstoffe aus Kunststoff, Holz, textilen Faserstoffen, Keramik, biogenen Packstoffen und Metall, Papier, Karton, Pappe und Wellpappe sowie Materialverbunden.[7] Für Glasverpackungen ist die Austria Glas Recycling GmbH Systembetreiber gemäß § 29 AWG.

Die ARA AG finanziert die ordnungsgemäße Sammlung, Sortierung und Verwertung gebrauchter Verpackungen aus den Lizenzentgelten ihrer Kunden. Die Lizenztarife werden getrennt für den Haushalts- und Gewerbebereich und für jede Tarifkategorie nach betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten kalkuliert. Sie richten sich im Sinne der Kostenwahrheit nach dem Aufwand, den die einzelnen Packstoffe im Sammel- und Verwertungskreislauf verursachen. Das Lizenzentgelt ist letztlich von der lizenzierten Menge sowie den spezifischen Materialien der lizenzierten Verpackungen abhängig.

Die ARA wird als Aktiengesellschaft privatwirtschaftlich geführt. Hauptaktionär ist der Altstoff Recycling Austria Verein. Mitglied dieses Vereins kann jedes Unternehmen werden, das Verpackungen herstellt, importiert oder verpackte Waren vertreibt. Ausgenommen sind Unternehmen der Entsorgungsbranche.[8] Der Verein besteht aus drei Kurien, um den Ausgleich zwischen den drei Interessengruppen – Verpackungshersteller, Abfüller/Abpacker/Importeure und Handel – zu gewährleisten.

Kenndaten (ausgewählte Jahre)
Jahr Erfassung in t Verwertung in t Lizenz-
partner
Lizenz-
einnahmen
in Mio. €
Lizenz-
kosten in €
pro t
Sammelbehälter Mitarbeiter
2010 835.146 784.751 15.231 179,8 146 1.463.750 81
2011 834.304 782.196 15.416 158,8 129 1.493.638 80
2012 829.607 778.240 15.550 144,2 126 1.540.123 82
Quelle: ARA/Quality Austria[9]

Die Kontrolle obliegt einem vom Umweltministerium bestellten Expertengremium, das aus einem Wirtschaftstreuhänder, einem abfallwirtschaftlichen Sachverständigen und einem Rechtsexperten gebildet wird. Diese überwachen die Einhaltung der grundlegenden Leitlinien der ARA und der rechtlichen Rahmenbedingungen.[10]

Beteiligungen[Bearbeiten]

  • ERA Elektro Recycling Austria GmbH[11] – Tochterunternehmen der ARA zusammen mit dem ERA Verein: WEEE-Sektor (Elektrogeräte und Batterien)
  • NetMan Network Management und IT Service GmbH – Datenkommunikations- und Informationsmanagementleistungen
  • ARES Advanced Recycling Solutions GmbH – entwickelt maßgeschneiderte Entsorgungslösungen

Aufgaben[Bearbeiten]

Die ARA organisiert seit 1993 die Verpackungssammlung aus privaten Haushalten und Betrieben in ganz Österreich, in Zusammenarbeit mit den Gemeinden und Städten, Abfallwirtschaftsverbänden, privaten und kommunalen Entsorgungsunternehmen, regionalen Experten und anderen Organisationen der Mülltrennung.[12] In den 20 Jahren ab der Gründung wurde viel erreicht:

  • 1.500.000 Sammelbehälter stehen den Österreicherinnen und Österreichern für die getrennte Verpackungssammlung zur Verfügung. Zum Vergleich: 1994 waren es nur halb so viele. Heute haben schon vier von fünf Häusern eine bequeme Sammlung ab Haus.
  • 8,4 Millionen Tonnen CO2 wurden in den letzten 20 Jahren durch das ARA Verpackungsrecycling eingespart. Das entspricht den Treibhausgasemissionen von 40 Milliarden PKW-Kilometern.
  • Seit 1993 hat die Wirtschaft die Sammlung und Verwertung von Verpackungen mit mehr als 3 Milliarden Euro finanziert: gelebte Produzentenverantwortung mit hohem Umweltnutzen.
  • Zu Beginn der 1990er Jahre wurden in Österreich 44 % der gebrauchten Verpackungen verwertet. Heute kommen bereits 71 % als Recyclat wieder in den Kreislauf.
  • Verpackungsrecycling high speed: Jede Sekunde werden in Österreich sechs Sammelbehälter entleert, Gelbe Säcke verladen oder Container abgeholt. Damit hat die ARA die Entsorgungsfrequenz seit 1993 mehr als verdoppelt.
  • Durch die Verwertung von Kunststoffverpackungen konnten in den letzten 20 Jahren 110 Millionen Gigajoule an Primärenergie eingespart werden. Das entspricht ersparten Rohölimporten im Ausmaß von 59.000 Tankzügen.
  • Seit 1993 wurden in Österreich pro Kopf 746 kg Verpackungen aus Papier, Karton und Wellpappe gesammelt und verwertet – rund das 10-fache unseres durchschnittlichen Körpergewichts.
  • Zu einem Berg aufgeschüttet würde das vom ARA Partner AGR in den letzten 20 Jahren gesammelte Altglas die Höhe des Wiener Kahlenberg mit 484 m erreichen.
  • Ein Dach für Graz. Mit den gesammelten und wiederverwerteten Metallverpackungen der letzten 20 Jahre könnte die Stadt Graz mit einer Fläche von 127 km² mit einem Blechdach gedeckt werden.
  • Ein Zug gefüllt mit den in den letzten 20 Jahren von der ARA gesammelten Verpackungen würde entlang des Äquators einmal rund um die Erde reichen.
  • Die Kosten für die Entpflichtung einer Tonne Verpackungen sind vom Beginn der ARA bis 2013 um fast 60 % gesunken – von 310 Euro auf 126 Euro.

Daneben ist Abfallvermeidung ein Hauptanliegen der ARA. Dazu initiierte die ARA etwa schon 2003 den Lehrstuhl für Ressourcenmanagement an der Technischen Universität Wien.[13] Regelmäßige Veranstaltungen (ARA-Lectures)[14] fanden im Center for Sustainable Technology (CST) der TU Wien statt.[15]
Die Förderungsinitiative Abfallvermeidung unterstützt betriebliche Investitionen zu dauerhafter Abfallvermeidung. In den letzten 10 Jahren wurden 3,6 Millionen Euro in Abfallvermeidung investiert und damit mehr als 340 Projekte im modernen Ressourcenmanagement unterstützt.[16]

Die ARA betreut die Öffentlichkeitsarbeit zur richtigen Verpackungssammlung.[17] Die Erfolge dieser Arbeit sind groß – Österreich nimmt im europäischen Vergleich eine Spitzenstellung ein. Eine Studie der Europäischen Kommission bescheinigt Österreich in 16 von 18 Kategorien die höchste Punktezahl.[18]

Außerdem arbeitet die ARA seit 1993 mit Abfallberatern zusammen, die im Auftrag der ARA die Konsumenten über die getrennte Verpackungssammlung informieren. Die Abfallberater werden von der ARA mitfinanziert. Sie sind im Verband Abfallberatung Österreich (VABÖ)[19]

Publikationen[Bearbeiten]

  • TRENNT – Das Magazin der ARA AG (Archiv, ara.at)

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Altstoff Recycling Austria AG: Leistungsreport. Jahresberichte 2005 ff (Download PDF, ara.at)

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Altstoff Recycling Austria AG, Firmenbuchdaten
  2. Zahlen und Fakten
  3. Leistungsreport 2012 (PDF; 4,0 MB)
  4. Der Punkt
  5. Abfallwirtschaftsgesetz
  6. Packstoffe im Sinne dieser Verordnung sind folgende Erzeugnisse, aus denen unmittelbar Packmittel oder Packhilfsmittel hergestellt werden: 1. Papier, Karton, Pappe und Wellpappe; 2. Glas; 3. Holz; 4. Keramik; 5. Metalle; 6. textile Faserstoffe; 7. Kunststoffe; 8. Materialverbunde; 9. sonstige Packstoffe, insbesondere auf biologischer Basis. Begriffsbestimmungen § 2. Z. 6 VerpackVO 1996.
  7. Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft: Sammel- und Verwertungssysteme für Verpackungen Veröffentlichung gemäß § 29 Abs.4 letzter Satz AWG 2002, Stand: September 2011 (Online-Artikel, lebensministerium.at → Umwelt → Abfall und Ressourcenmanagement → Verpackungen → Sammel- und Verwertungssysteme; pdf)
  8. Eigentümer der ARA
  9. ARA Leistungsreport 2012
  10. Rechtliche Rahmenbedingungen
  11. ERA Elektro Recycling Austria GmbH
  12. Partner der ARA
  13. Institut für Wassergüte, Ressourcenmanagement und Abfallwirtschaft
  14. ARA Lectures, ara.at
  15. Center for Sustainable Technology
  16. Abfallvermeidung
  17. ARA Leistungsreport, S. 66. (PDF; 4,0 MB)
  18. Lebensministerium/Studie der Europäischen Kommission
  19. VABÖ