Ancona (Schiff, 1908)

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Ancona
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Schiffsdaten
Flagge Italien 1861Königreich Italien (1861–1946) Italien
Schiffstyp Passagierschiff
Heimathafen Genua
Eigner Italia Società di Navigazione a Vapore
Bauwerft Workman, Clark, Belfast
Baunummer 270
Stapellauf 19. Dezember 1907
Indienststellung 26. März 1908
Verbleib 8. November 1915 versenkt
Schiffsmaße und Besatzung
Länge
147 m (Lüa)
Breite 17,8 m
Vermessung 8.188 BRT
Maschine
Maschine Dampfmaschine
Geschwindigkeit max. 16 kn (30 km/h)
Propeller 2
Transportkapazitäten
Zugelassene Passagierzahl I. Klasse: 60
III. Klasse: 2500

Die Ancona war ein 1908 in Dienst gestellter Transatlantik-Passagierdampfer der italienischen Reederei Italia Società di Navigazione a Vapore, der zwischen Italien und den Vereinigten Staaten verkehrte. Sie wurde am 8. November 1915 südlich von Sardinien von einem deutschen U-Boot versenkt, wobei 208 Passagiere und Besatzungsmitglieder ums Leben kamen.

Das Schiff[Bearbeiten]

Das 8188 BRT große Dampfschiff Ancona wurde auf der Werft Workman, Clark & Co. im nordirischen Belfast für die italienische Reederei Italia Società di Navigazione a Vapore (genannt Italian Line) gebaut und lief am 19. Dezember 1907 vom Stapel. Das 147 Meter lange Passagier- und Frachtschiff, das nach der gleichnamigen Stadt an der italienischen Adriaküste benannt wurde, wurde für den Passagierverkehr von Italien in die USA gebaut. Die Ancona hatte zwei Masten, einen Schornstein und zwei Propeller und war für eine Reisegeschwindigkeit von 16 Knoten ausgelegt. Die Passagierunterkünfte waren für 60 Reisende in der Ersten und 2500 in der Dritten Klasse vorgesehen.

Sie hatte zwei Schwesterschiffe, die ebenfalls 1908 in Dienst gestellt wurden: Die Taormina (8282 BRT), die bei D. & W. Henderson & Company in Glasgow gebaut wurde und die bis 1923 im Dienst war und die Verona (8240 BRT), die ebenfalls bei Workman, Clark entstand und die am 11. Mai 1918 im Einsatz als Truppenschiff von einem deutschen U-Boot versenkt wurde, wobei 880 Menschen umkamen.

Im Februar 1908 fertiggestellt, lief die Ancona am 26. März 1908 in Genua zu ihrer Jungfernfahrt über Neapel nach New York und Philadelphia aus. Ab 1909 konnten in der Ersten Klasse 120 Passagiere befördert werden und ab 1910 waren die Passagierunterkünfte für 60 Fahrgäste in der Ersten und 120 in der Zweiten Klasse bemessen.

Versenkung[Bearbeiten]

Auf dem Weg von Neapel nach New York wurde das Schiff am 8. November 1915 vom deutschen, aber unter österreichischer Flagge fahrenden U 38 unter dem Kommando von Kapitän Max Valentiner versenkt. Zu diesem Zeitpunkt befand sich Italien bereits im Kriegszustand mit Österreich-Ungarn, aber noch nicht mit dem Deutschen Reich. Der Torpedoangriff forderte 208 Tote; nur wenige Passagiere überlebten den Angriff und wurden von einem französischen Kriegsschiff gerettet.

Konsequenzen[Bearbeiten]

Unter den Opfern waren auch neun US-Amerikaner, was für schwere Verstimmungen zwischen den USA und Österreich-Ungarn sorgte. Eine österreichische Note an die US-Regierung vom 18. November wurde von dieser als unzureichend angesehen, ohne dass es zunächst zu weitergehenden Reaktionen kam. Die Versenkung der Ancona war aber einer von mehreren Vorfällen im U-Boot-Krieg, die mit dazu beitrugen, dass die USA später schließlich in den Ersten Weltkrieg eintraten. Bereits am 7. Mai 1915 war die RMS Lusitania versenkt worden (1198 Tote, darunter 128 Amerikaner), am 24. März 1916 die französische Kanalfähre Sussex (ca. 50 Tote).

Literatur[Bearbeiten]

  • Gerald H. Davis: The “Ancona” Affair: A Case of Preventive Diplomacy. In: The Journal of Modern History, Bd. 38, Nr. 3 (1966), S. 267–277 ISSN 0022-2801