André Marie

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André Marie (* 3. Dezember 1897 in Honfleur; † 12. Juni 1974 in Rouen) war ein französischer Politiker der Radikalen Partei. Er war 1948 Ministerpräsident und zwischen 1947 und 1954 mehrfach Minister.

Biographie[Bearbeiten]

Nach der Schulzeit in Honfleur und Rouen, wo die Familie ab 1908 lebt, wird André Marie 1916 zur Armee eingezogen, während des Ersten Weltkriegs zweimal leicht verletzt und mit der Croix de guerre ausgezeichnet.

1922 schlägt er die Laufbahn als Anwalt ein. Er wird zwischen 1928 und 1962 neunmal als Abgeordneter des Départements Seine-Maritime in die Nationalversammlung gewählt. Sein erstes Regierungsamt erhält er 1933 als Unterstaatssekretär für Elsass-Lothringen. Noch vor dem Zweiten Weltkrieg wird er mehrfach Staatssekretär sowie Vertreter Frankreichs beim Völkerbund.

Beim Ausbruch des Zweiten Weltkriegs meldet er sich freiwillig als Artilleriehauptmann zur Armee. Er wird gefangen genommen und in Sarrebourg interniert. Er nimmt daher nicht an der Abstimmung der Nationalversammlung über die Übertragung verfassunggebender Vollmachten auf Marschall Philippe Pétain teil, mit der das Vichy-Regime installiert wird.

1941 wird André Marie freigelassen. Da er die Politik des Vichy-Regimes ablehnt, verzichtet er auf alle politischen Ämter. Als Mitglied der Résistance wird er verraten und im September 1943 von der deutschen Besatzungsmacht verhaftet. Am 16. Dezember 1943 wird er nach Buchenwald deportiert, wo er bis zur Befreiung des Lagers durch amerikanische Truppen am 11. April 1945 bleibt.

Nach seiner Rückkehr nach Frankreich nimmt André Marie bald wieder seinen Platz im politischen Leben ein. 1947 wird er Justizminister in der Regierung von Paul Ramadier; unter seiner Verantwortung finden die letzten Prozesse gegen Kollaborateure statt. Am 27. Juli 1948 wird er als Nachfolger von Robert Schuman zum Ministerpräsidenten berufen, aber er muss einen Monat später zurücktreten. Er wird Stellvertretender Ministerpräsident unter Henri Queuille und übernimmt wieder das Justizministerium. In dieser Funktion lehnt er die Verfolgung der Kommunisten nach den Bergarbeiterstreiks des Jahres 1948 ab. Von August 1951 bis Juni 1954 ist er Erziehungsminister. In seiner Amtszeit werden Gesetze zur Unterstützung der Privatschulen verabschiedet.

Von 1945 bis 1974 ist André Marie zugleich Bürgermeister von Barentin im Département Seine-Maritime.

Literatur[Bearbeiten]

Vorgänger Amt Nachfolger
Robert Schuman Ministerpräsident der Vierten Republik
26. Juli 194828. August 1948
Henri Queuille