Philippe Pétain

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Pétain als Marschall von Frankreich (Gemälde von Marcel Baschet, 1926)

Henri Philippe Benoni Omer Joseph Pétain (* 24. April 1856 in Cauchy-à-la-Tour, Département Pas-de-Calais; † 23. Juli 1951 in Port-Joinville, Île d’Yeu) war ein französischer Militärbefehlshaber und Politiker.

Aufgrund seiner Abwehrerfolge in der Schlacht von Verdun während des Ersten Weltkriegs avancierte Pétain zum gefeierten Nationalhelden ("Held von Verdun") und wurde 1917 Oberbefehlshaber der französischen Armee. Als Marschall von Frankreich und Generalinspekteur der Armee prägte er die Verteidigungsdoktrin seines Landes in der Zwischenkriegszeit entscheidend mit.

Nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs und der französischen Niederlage übernahm er von 1940 bis 1944 als autoritärer Chef de l’État (Staatschef) die Führung des mit dem Deutschen Reich kollaborierenden Vichy-Regimes. Wegen dieser Zusammenarbeit wurde er 1945 zu lebenslanger Haft verurteilt.

Herkunft[Bearbeiten]

Philippe Pétain wurde 1856 in Cauchy-à-la-Tour, einer Gemeinde im Nordosten Frankreichs (Département Pas-de-Calais), als viertes von fünf Kindern des Bauern Omer-Verant Pétain und dessen Ehefrau Clotilde geboren. Durch den frühen Tod der Mutter im Jahre 1857 wuchs er allerdings im Haushalt seiner Großmutter auf.

Als Schüler am katholischen Privatkolleg Saint-Bertin in Saint-Omer erhielt Pétain eine von Religiosität und Disziplin geprägte Ausbildung.

Militärlaufbahn[Bearbeiten]

Pétain als Offizier (vor 1918)

1876 erfolgte die Aufnahme Pétains in die nationale Militärschule Saint-Cyr, die er nach bestandener Offiziersausbildung zwei Jahre später im Rang eines Unterleutnants abschloss. Er trat in das Heer ein und diente zwischen 1878 und 1888 in verschiedenen Kommandos und wurde, abgesehen von einer kurzen Verwendung in Marokko, ausschließlich im französischen Mutterland eingesetzt. Von 1888 bis 1890 absolvierte Pétain die Generalstabsausbildung an der Pariser Militärakademie. Aufgrund seiner unkonventionellen Ablehnung einer reinen Offensivstrategie machte Pétain in Militärkreisen auf sich aufmerksam. Beeindruckt von der enormen Feuerkraft der neuen Maschinengewehre hielt er die strategische Offensive für nicht mehr vertretbar. Da er mit dieser Haltung im Gegensatz zur taktischen Doktrin der französischen Armeeführung (Offensive à outrance) stand, wurde er in den folgenden Jahren nur langsam befördert. Trotz der kritischen Betrachtung seiner taktischen Ideen wirkte Pétain von 1901 bis 1910 als Dozent für Infanterie-Taktik an der Militärakademie in Paris.

1910 übernahm Pétain, im Rang eines Oberst, das 33. Infanterieregiment in Arras, wo der junge Charles de Gaulle seinem Stab angehörte. Als man ihm im März 1914 den Befehl über die 4. Infanteriebrigade übertrug, blieb die damit üblicherweise einhergehende Beförderung zum General aus und Pétain blieb Oberst.

Erster Weltkrieg[Bearbeiten]

Die Oberbefehlshaber der Alliierten: Pétain, Haig, Foch, Pershing (v.l.)

Nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs fand Pétain erstmals im aktiven Kampfeinsatz Verwendung und befehligte seine Brigade in der Schlacht bei Saint-Quentin. Anschließend, zum Brigadegeneral befördert, erhielt er das Kommando über die 6. Infanteriedivision mit der er sich in der Marneschlacht für höhere Aufgaben empfehlen konnte. Damit begann der späte militärische Aufstieg Pétains, der im Alter von 58 Jahren schon kurz vor der Pensionierung gestanden hatte. Bereits im Oktober 1914 erhielt Pétain den Befehl über das XXXIII. Armeekorps und im Juni 1915 schließlich erfolgte seine Ernennung zum Oberbefehlshaber der 2. Armee. Als Konsequenz seines gescheiterten Durchbruchversuchs in der Champagne lehnte er weitere verlustreiche Offensiven ab und empfahl eine Defensivstrategie, wodurch er einmal mehr in Gegensatz zum Oberkommando unter Joseph Joffre geriet.

Am 26. Februar 1916 betraute das Oberkommando General Pétain mit der Verteidigung im Frontsektor Verdun, in dem die deutsche Armee mit einer massiven Großoffensive die Kriegsentscheidung herbeizuführen suchte (Schlacht um Verdun). Mit Maßnahmen wie dem Ausbau der Sperrfeuerstellung, effektiver Organisation des Nachschubs (Voie Sacrée) und der Entwicklung des Noria-Reservesystems erwies sich Pétain als kompetenter Heerführer dem es gelang, die deutschen Angriffe auf den Frontabschnitt von Verdun abzuwehren. Seiner Erfolge in einer der verlustreichsten Materialschlachten des Krieges zum Trotz, ersetzte das Oberkommando Pétain am 19. April durch General Robert Nivelle, Vertreter einer offensiven Verteidigungsstrategie. Pétain übernahm den Oberbefehl der Heeresgruppe Mitte (Groupe d'Armées du Centre), in dessen Zuständigkeitsbereich Verdun lag. Infolge der Abwehr deutscher Angriffe auf Verdun avancierte er in der französischen Öffentlichkeit zum gefeierten Nationalhelden („Retter Frankreichs“, „Held von Verdun“), der im Gegensatz zu zahlreichen anderen Befehlshabern auch bei den einfachen Frontsoldaten hohes Ansehen genoss.

Als nach der gescheiterten Offensive an der Aisne im Frühjahr 1917 große Teile der demoralisierten französischen Nordarmee meuterten und dem Frontabschnitt der Zusammenbruch drohte, ersetzte Staatspräsident Raymond Poincaré den bisherigen Oberbefehlshaber des Heeres, General Nivelle, am 15. Mai 1917 durch den populären Pétain. Weniger mit drakonischen Disziplinarmaßnahmen, als vielmehr mit einer deutlichen Verbesserung der Nachschuborganisation sowie unzähligen Frontbesuchen gelang es Pétain die Kampfmoral der Truppen allmählich wiederherzustellen und die Front zu stabilisieren. Um hohe Verlustzahlen zu vermeiden, beschränkte sich Pétain in den folgenden Monaten, gemäß seiner Maxime „Feuerkraft tötet“ („Le Feu tue“), bis zum Eintreffen amerikanischer Streitkräfte auf eine defensivere Kriegsführung, womit er im Widerspruch zum ihm übergeordneten Marschall Ferdinand Foch, dem Leiter des Alliierten Obersten Kriegsrats, stand. Erst nach der erfolgreichen Abwehr der deutschen Frühjahrsoffensive gingen die Alliierten, mit starker amerikanischer Unterstützung, im Sommer 1918 geschlossen zum Gegenangriff über. Allerdings wurden durch den Waffenstillstand von Compiègne am 11. November 1918 Pétains Planungen für eine Offensive in Lothringen hinfällig.

Zwischenkriegszeit[Bearbeiten]

Pétain um 1930

Pétain, der am Ende des Krieges neben Ferdinand Foch zu den angesehensten französischen Befehlshabern zählte, ernannte Staatspräsident Poincaré am 8. Dezember 1918 zum Marschall von Frankreich, die höchste militärische Auszeichnung die das Land zu vergeben hatte. Als weiteren Ausdruck der öffentlichen Wertschätzung wohnte Pétain der Unterzeichnung des Friedensvertrags von Versailles (28. Juni 1919) bei und wurde im Januar 1920 Vizepräsident des Obersten Kriegsrats.

In seiner Zeit als Generalinspekteur der Armee (1922 bis 1931) prägte Pétain die Verteidigungsdoktrin Frankreichs entscheidend mit. Sich auf seine Erfahrungen aus dem Grabenkrieg stützend, plädierte er für den Ausbau starker Verteidigungsbefestigungen entlang der französisch-deutschen Grenze. Gegen den Widerstand verschiedener junger Offiziere wie Charles de Gaulle, die eine mobile motorisierte Kriegsführung forderten, setzte sich Pétain entschieden für die Errichtung der Maginot-Linie ein. 1925/26 betraute die Regierung Painlevé Pétain mit dem Oberbefehl über die französischen Expeditionsstreitkräfte in Marokko. Erst unter massivem Truppeneinsatz gelang es ihm, den sich zum Rifkrieg ausgeweiteten Aufstand der Rifkabylen niederzuschlagen und die französisch-spanische Kolonialherrschaft wiederherzustellen.

Am 9. Februar 1931 trat der 75-jährige Marschall Pétain aus dem aktiven Militärdienst aus und vollzog seinen Abschied aus der Armee. Im selben Jahr trat er die Nachfolge Fochs als Mitglied der renommierten Académie française an.

Dem Ausscheiden aus der Armee zum Trotz, stellte Pétain auch weiterhin eine bedeutende Persönlichkeit auf der politischen Bühne dar. Seine ungebrochene Autorität als "Held von Verdun" war in der französischen Gesellschaft fest verankert und verschiedene rechte politische Gruppierungen buhlten um die Gunst des Marschalls. Durch die Ernennung zum Kriegsminister in der kurzlebigen Regierung der Nationalen Einheit von Premierminister Gaston Doumergue (9. Februar bis 8. November 1934) fand Pétain endgültig Eintritt in die zivile Politik.

Nach der Anerkennung des nationalistischen Franco-Spaniens durch Frankreich wurde Pétain im März 1939 zum Botschafter ernannt und nach Burgos entsandt.

Staatschef in Vichy-Frankreich (1940 bis 1944)[Bearbeiten]

Frankreich nach dem Waffenstillstand von Compiègne (1940)
Die Francisque, Wappen des Vichy-Regimes
Persönliche Standarte des Staatschefs von Vichy

Der Ausbruch des Zweiten Weltkriegs im Westen und der überraschende Vorstoß der deutschen Wehrmacht durch die Ardennen unter Umgehung der Maginot-Linie erschütterte das Vertrauen der Bevölkerung in die französische Regierung. Aus diesem Grund berief Premierminister Paul Reynaud den populären Marschall Pétain am 18. Mai 1940 in die Regierung und ernannte ihn zu seinem Stellvertreter. Wenig später, nach dem Fall der Hauptstadt Paris und angesichts der drohenden Niederlage, plädierte Reynaud für eine Fortsetzung des militärischen Widerstands, blieb aber mit dieser Ansicht im Kabinett in der Minderheit und trat daraufhin am 16. Juni von seinem Amt zurück. Tags darauf ernannte Staatspräsident Albert Lebrun den mittlerweile 84-jährigen Pétain zum neuen Premierminister. Pétain, der eine Fortsetzung militärischen Widerstands für aussichtslos hielt, ersuchte das Deutsche Reich noch am selben Tag um Waffenstillstandsverhandlungen. Am Folgetag rief der nach London geflohene General de Gaulle die Franzosen mit dem „Appell des 18. Juni“ zur Fortführung des Krieges auf. Der am 22. Juni geschlossene deutsch-französische Waffenstillstand von Compiègne beendete die Kämpfe und brachte unter anderem die De-facto-Teilung Frankreichs in einen unter deutscher Militärverwaltung stehenden Nord- und Westteil sowie einen unbesetzten Südteil (etwa 40 Prozent der Landesfläche). Anschließend verlegte Pétain den Sitz der Nationalversammlang und der Regierung von Bordeaux ins unbesetzte Vichy, das de facto neue Hauptstadt wurde. Unter dem unmittelbaren Einfluss der katastrophalen Niederlage, verabschiedete die Nationalversammlung auf Betreiben Pierre Lavals am 10. Juli mit 569 gegen 80 Stimmen ein Gesetz, das Pétain ermächtigte, in einem oder mehreren Akten eine die Rechte von Arbeit, Familie und Vaterland garantierende Verfassung für den État français auszuarbeiten. Dieser Beschluss setzte die Verfassung der Dritten Republik außer Kraft und mit den ersten Konstitutionsakten erklärte sich Pétain am folgenden Tag zum Chef de l’État (Staatschef) mit nahezu absoluten Vollmachten gegenüber Exekutive, Judikative und Legislative.

Persönlich war Pétain überzeugt, dass die innere Zerrissenheit des Landes und der Verfall traditioneller Werte wesentlich zur Niederlage beigetragen hatten. Der Marschall wollte die Franzosen in einer Révolution nationale zu neuer Einheit und moralischer Erneuerung führen (Prozess von Riom). Unter der Parole "Travail, Famille, Patrie" ("Arbeit, Familie, Vaterland") setzte sich das Vichy-Regime von den Prinzipien der Französischen Revolution "Liberté, Égalité, Fraternité" ("Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit") und der aus ihr gewachsenen republikanischen Tradition ab. Vielmehr verfolgte Pétains Regierung eine autoritäre Politik, die sich unter anderem in scharfer Pressezensur, Unterdrückung der Opposition und einem regelrechten Personenkult um den Staatschef ausdrückte. Neues Staatssymbol wurde die Francisque, bestehend aus dem Marschallstab Pétains und zwei Liktoren-Beilen, das Lied "Maréchal, nous voilà" wurde als inoffizielle Nationalhymne nach der Marseillaise gespielt.

Pétain und Hitler am 24. Oktober 1940 in Montoire

Außenpolitisch proklamierte Pétain ein neutrales Frankreich, das zwischen den kriegführenden Parteien Äquidistanz zu halten suchte. In diesem Sinne lehnte er am 24. Oktober 1940 bei einem Treffen mit Adolf Hitler in Montoire eine Kriegsbeteiligung Frankreichs an der Seite der Achsenmächte ab. Eine Zusammenarbeit (Kollaboration) mit dem Deutschen Reich hielt Pétain jedoch für notwendig, um die Versorgung der Bevölkerung sicherzustellen, Art und Umfang der materiellen, personellen und industriellen Ausbeutung des Landes in Grenzen zu halten und die Rückführung der fast zwei Millionen französischer Soldaten aus deutscher Kriegsgefangenschaft zu erreichen. Nach der Versenkung der französischen Mittelmeerflotte in Mers-el-Kébir durch die britische Royal Navy am 3. Juli 1940 (Operation Catapult) brach Vichy die diplomatischen Beziehungen zu Großbritannien ab, hielt den Kontakt jedoch weiterhin über den amerikanischen Botschafter William Daniel Leahy aufrecht.

Aufgrund seiner autoritären Politik und zunehmender deutscher Repressalien verlor das Vichy-Regime ab 1942 spürbar an Rückhalt in der Bevölkerung und geriet in immer stärkere Abhängigkeit zum Deutschen Reich. Auf deutschen Druck hin ernannte Pétain Pierre Laval am 18. April 1942 erneut zum Premierminister, der in der Folge zum wichtigsten Entscheidungsträger des Regimes wurde. Der entschieden deutsch-freundliche Laval intensivierte die Kollaboration, indem er beispielsweise die Deportation von Juden als auch die verstärkte Gestellung französischer Zwangsarbeiter für das Reich organisierte. Staatschef Pétain, der an Einfluss eingebüßt hatte, deckte jedoch mit seiner Autorität diese verstärkte Kollaboration und die Aktionen der Milice française. Als sich nach der Landung der Alliierten in Nordafrika im November 1942 ein Angriff auf die "Festung Europa" abzeichnete, besetzten deutsche und italienische Truppen am 11. November handstreichartig auch den bis dahin unbesetzten Süden Frankreichs (Unternehmen Anton). Durch diese Besetzung büßte das Vichy-Regime seine ohnehin geringe faktische Macht weitgehend ein und sank endgültig auf den Status einer deutschen Marionettenregierung herab. Hitler sprach davon, dass es klug sei, die Fiktion einer französischen Regierung mit Pétain aufrechtzuerhalten. Deshalb solle man Pétain ruhig als eine Art Gespenst beibehalten und ihn von Zeit zu Zeit etwas von Laval aufblasen lassen, wenn er etwas zu sehr zusammensinke.[1]

Mit der alliierten Landung in der Normandie Anfang Juni 1944 (Operation Overlord) ging die Befreiung Frankreichs in die entscheidende Phase und das baldige Ende des Vichy-Regimes zeichnete sich ab. Am 20. August wurde die Regierung zunächst nach Belfort verlegt und auf deutschen Befehl hin am 7. September ins schwäbische Sigmaringen. Dort bezog sie im Hohenzollernschloß Quartier und bildete in der provisorischen "Hauptstadt des besetzten Frankreich" eine faktisch einflusslose Exilregierung. Pétain, der gezwungen worden war Frankreich zu verlassen, erklärte, sich nicht an dieser Exilregierung beteiligen zu wollen, der nun auch Faschisten wie Fernand de Brinon und Jacques Doriot angehörten.

Prozess & Lebensende[Bearbeiten]

Grab Pétains auf der Île d’Yeu

Mit deutscher Genehmigung reiste Pétain am 23. April 1945 über die neutrale Schweiz nach Frankreich aus und stellte sich drei Tage später den dortigen Behörden.

Am 14. August 1945 wurde er in Paris von einem Kriegsgericht wegen Kollaboration mit dem Feind und Hochverrat nach mehrwöchigem Prozess für schuldig befunden und zum Tode verurteilt. Während der Verhandlungen hatte Pétain seine Unschuld beteuert und hervorgehoben, alles ihm mögliche zur Rettung Frankreichs getan zu haben. Aufgrund des fortgeschrittenen Alters des Verurteilten schlug das Gericht Charles de Gaulle als provisorischem Regierungschef die Begnadigung Pétains zu lebenslanger Haft vor, die am 17. August ausgesprochen wurde. Nach kurzer Unterbringung im Fort du Portalet (Département Pyrénées-Atlantiques) wurde er im November 1945 auf die Atlantikinsel Île d’Yeu verbracht und in der Zitadelle von Port-Joinville interniert.

Dort verstarb Philippe Pétain am 23. Juli 1951 im Alter von 95 Jahren und wurde auf dem Friedhof der Insel beigesetzt.

Die französische Regierung lehnte seinen Wunsch ab, im Beinhaus von Douaumont bei Verdun beigesetzt zu werden. Um eine Umbettung dorthin zu erzwingen, wurden die Gebeine Pétains zwei Wochen vor den Wahlen zur Nationalversammlung des Jahres 1973 von Anhängern des Marschalls entwendet, zwei Tage später von der Polizei gefunden und am 22. Februar 1973 auf Anweisung von Staatspräsident Georges Pompidou wieder auf die Île d’Yeu übergeführt. [2][3]

Nachleben[Bearbeiten]

Da Pétain großen Teilen der Bevölkerung sowie vor allem der politischen und militärischen Elite immer noch als Kriegsheld galt, wurde er jahrelang eher als Opfer der deutschen Besatzung gesehen und betont, dass sein Regime bei allen Fehlern auch als „Schutzschild“ gegen Nazi-Deutschland gewirkt habe. Die Verbrechen des Regimes wie etwa die Deportation der französischen Juden wurden entweder verschwiegen oder anderen Vichy-Funktionären zugeschrieben. Der Historiker Henry Rousso bezeichnete dies 1987 als das „Vichy-Syndrom“. Noch François Mitterrand (der erste sozialistische Präsident, 1981–1995) legte 1987 wie alle seine Vorgänger eine Rose zur Erinnerung an Pétain am Fort Douaumont (Verdun) nieder; als dies 1992 publik wurde, löste es einen Skandal aus. Erst Mitterrands Nachfolger Jacques Chirac verurteilte die Verbrechen des Regimes und benannte die Verantwortung des französischen Staates dafür.

In einigen rechtsextremen Kreisen, z. B. beim Front national (FN) gilt Pétain immer noch als Held; allerdings vermeidet (Stand 20xx) die FN-Vorsitzende Marine Le Pen anders als ihr Vater Jean-Marie Le Pen (* 1928, Parteigründer der FN) das Thema eher.

Im Februar 2014 wurde die Existenz eines 350-seitigen Manuskripts (darunter 77 Skizzen und Schlachtpläne) mit dem Titel "La guerre mondiale 1914-1918" öffentlich bekannt.[4] Das Manuskript bearbeitete Pétain 1920-1931; einige Jahre mit seinem damaligen Protegé Charles de Gaulle. Nach einem Streit zwischen den beiden wurde es nicht veröffentlicht.[5]

Veröffentlichungen (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Actes et écrits. Flammarion, Paris 1974 (2 Bde.).
  • La bataille de Verdun. Édition Avalon, Paris 1986, ISBN 2-906316-02-4 (Nachdr. d. Ausg. Paris 1929).
  • Discours aux Francais. 17 juin 1940–20 août 1944. Albin Michel, Paris 1989, ISBN 2-226-03867-1.

Literatur[Bearbeiten]

  • Ansbert Baumann: Ein Nationalheld vor Gericht. Philippe Pétain wird zum Tod verurteilt. In: DAMALS. Das Magazin für Geschichte und Kultur. Heft 8/2010, S. 10–13.
  • Gérard Boulanger: A mort la Gueuse! Comment Pétain liquida la République à Bordeaux, 15, 16 et 17 juin 1940. Calmann-Lévy, Paris 2006, ISBN 2-7021-3650-8.
  • Pierre Bourget: Der Marschall. Pétain zwischen Kollaboration und Résistance („Un certain Philippe Pétain“). Ullstein Verlag, Frankfurt/M. 1968.
  • Christiane Florin: Philippe Pétain und Pierre Laval. Das Bild zweier Kollaborateure im französischen Gedächtnis; ein Beitrag zur Vergangenheitsbewältigung in Frankreich zwischen 1945 und 1995. Peter Lang, Frankfurt/M. 1997, ISBN 978-3-631-31882-9 (zugl. Dissertation, Universität Bonn 1996).
  • Günther Fuchs u.a.: Werden und Vergehen einer Demokratie. Frankreichs Dritte Republik in neun Porträts. Léon Gambetta, Jules Ferry, Jean Jaurès, Georges Clemenceau, Aristide Briand, Léon Blum, Édouard Daladier, Phillipe Pétain, Charles de Gaulle. Universitätsverlag, Leipzig 2004, ISBN 3-937209-87-5.
  • Henry d’Humières: Philippe Pétain, Charles de Gaulle et la France. Lettres du Monde, Paris 2007, ISBN 978-2-7301-0212-4.
  • Pierre Pelissier: Philippe Pétain. Hachette, Paris 1980, ISBN 2-01-005746-5.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Philippe Pétain – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Siehe Eberhard Jäckel: Frankreich in Hitlers Europa: die deutsche Frankreichpolitik im 2. Weltkrieg, Stuttgart 1966, S. 260 f.
  2. Time Magazine, März 1973.
  3. Grabstätte von Pétain
  4. L'histoire en rafale
  5. Le Monde / Antoine Flandrin: Un manuscrit de Pétain sur 14-18 mis au jour; Le Point: Un manuscrit de Philippe Pétain découvert
Vorgänger Amt Nachfolger
Joseph Paul-Boncour Kriegsminister von Frankreich
9. Februar 19348. November 1934
Louis Maurin