Angelo Dibona

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Angelo Dibona (* 7. April 1879 in Cortina d’Ampezzo; † 21. April 1956 ebenda) war ein Südtiroler Bergführer und einer der besten Kletterer seiner Zeit.

Leben[Bearbeiten]

Dibona wuchs in Cortina d’Ampezzo auf, das zur damaligen Zeit noch zu Österreich-Ungarn gehörte. Er war Vater von vier Töchtern und drei Söhnen, liebte Musik und spielte selber Gitarre und Klarinette.[1]

1907 wurde er nach einem dreiwöchigen Kurs in Villach[2] Bergführer und erwarb sich durch seine außergewöhnlichen Kletterfähigkeiten sowie seine Sprachkenntnisse – er sprach Italienisch, Deutsch und Englisch[2] – einen guten Ruf, so dass sich Prominente, wie beispielsweise die Industriellen Guido und Max Mayer, von ihm führen ließen.

Als der Erste Weltkrieg ausbrach, nahm Dibona auf österreichischer Seite als Kaiserjäger daran teil. Namhafte Bergsteiger wie Sepp Innerkofler, Gustav Jahn, Luis Trenker und Rudl Eller waren seine Kameraden an der Dolomitenfront.[3] Während des Krieges wurde Dibona nach St. Christina zur „Bergführerersatz- und Instruktionsabteilung“ abkommandiert. Hier war er mit anderen großen Alpinisten, wie Erwin Merlet und Gustav Jahn, als Kursleiter und Ausbilder tätig.[4] Dibona wurde für seinen Kriegseinsatz die Silberne Tapferkeitsmedaille 1. Klasse, die Silberne Tapferkeitsmedaille 2. Klasse und das Eiserne Verdienstkreuz mit der Krone am Bande der Tapferkeitsmedaille verliehen.[5]

Nach dem Krieg blieben die ausländischen Touristen aus, was ihn finanziell sehr traf und seinen bergsteigerischen Wirkungsradius auf Südtirol einschränkte.

In den 1920er-Jahren arbeitete er als Skilehrer, was ihm ein bescheidenes Einkommen einbrachte. Über sein Leben während des italienischen Faschismus und im Zweiten Weltkrieg gibt es keine Informationen. International unbemerkt verstarb er 1956 in seiner Heimatstadt Cortina.[2]

1976 wurde ihm an prominenter Stelle am Hauptplatz von Cortina, der Piazza Angelo Dibona, ein Denkmal in Form einer Bronzebüste[6][7] errichtet. Bei der Einweihung meinte Luis Trenker: „Er war der berühmteste und erfolgreichste Bergführer seiner Zeit, vielleicht der universellste. Kein anderer Dolomitenführer kann ähnliche Leistungen aufweisen, und unter den jungen wird es so bald keinen geben, der ihm gleichkommt an menschlicher Größe …“[3] Seine Tochter Anonia ließ zum Gedenken an ihren Vater das Rifugio Angelo Dibona errichten.[6][7]

Der Bergsteiger[Bearbeiten]

Zwischen 1910 und dem Ersten Weltkrieg bildete Dibona zusammen mit seinem Bergführerkollegen Luigi Rizzi und den wohlhabenden Brüdern Max und Guido Mayer aus Wien die wohl beste Seilschaft der Dolomiten.[6] Zusammen begingen sie als Erstbegehungen z. B. die Nordwestkante am Großen Ödstein (1910) und die Laliderer-Nordwand (1911).[8]

Angelo Dibona blieb immer in den Dolomiten heimisch. Seine Arbeit als Bergführer, in den Jahren vor 1914, mit anderen Gästen als den Mayer-Brüdern führte ihn in das Mont-Blanc-Gebiet und nach Großbritannien. Seine Erstbegehungen und seine umgängliche Art brachten ihm den Ruf ein „[…] der beste Dolomitenführer, nicht nur als Kletterer, auch als Mensch […]“ zu sein (Zitat: Franz Wenter).[1] Er wurde zu einem der bekanntesten Führer und Bergsteiger überhaupt.

Bekannte Berggrößen seiner Zeit zählten zu seinen Freunden, wie Franz Nieberl, Tita Piaz, Luis Trenker, Julius Kugy und andere. Hans Dülfer und Paul Preuß kannte er.[1]

Zusammen mit seinem Bergführerkollegen Angelo Dimai beging Dibona ebenfalls neue Kletterrouten. Insgesamt werden ihm 60,[1] nach anderer Quelle bis 70[2] Neutouren zugeschrieben.

Bei einem Interview im Jahr 2009 mit der Zeitung Der Standard bezeichnete Reinhold Messner ausdrücklich Angelo Dibona als einen der größten österreichischen bzw. altösterreichischen Bergsteiger neben Hermann Buhl, Matthias Rebitsch, Peter Habeler und Paul Preuß.[2]

Wichtige Touren[Bearbeiten]

Dibona-Kante an der Nordwand der Großen Zinne (2999 m)
  • Dibona war darüber hinaus auch in verschiedenen Gebieten der britischen Inseln als Kletterer erfolgreich.
  • Auch die berühmte Dibona-Kante an der Großen Zinne kletterte Dibona und stand mit seinem Namen für die vermeintliche Erstbegehung Pate; allerdings war diese markante Linie bereits ein Jahr zuvor, 1908, von Rudl Eller geklettert worden, was erst viel später bekannt wurde.

Mauerhakenstreit[Bearbeiten]

Bereits 1908 wendete sich Rudolf Fehrmann in seinem Elbsandsteinführer gegen künstliche Hilfsmittel im Klettersport. Er postulierte, dass das Schlagen von Tritten und Griffen, das Setzen von Mauerhaken zur Überwindung sonst unmöglicher Stellen usw. als unsportlich anzusehen sei. Mit einer nahezu gleichen Vision trat auch Paul Preuß an die Öffentlichkeit, was schließlich zu dem Mauerhakenstreit von 1911/12 führte.[11] Im Laufe dieses Streites entwickelte Paul Preuß seine Klettergrundsätze, die bis heute Zündstoff für Kontroversen liefern. Bezugnehmend auf diese Diskussion wurde geschrieben, dass Dibona sich heftige Wortgefechte mit Preuß geliefert habe[3] und dass er als „[…] bedenkenloser Verfechter des Sicherheitskletterns […] ein vehementer Gegner von Paul Preuß“[2] gewesen sei. Trotz dieser Aussagen bleibt es unklar, ob überhaupt ein echter Widerstreit der Meinungen zwischen Preuß und Dibona vorlag, und wenn doch, welcher Argumente sich Dibona in diesem Disput bedient hatte. Gegen eine vehemente Gegnerschaft in der Sache spricht zumindest diese Aussage Dibonas: „Nie habe ich mich so gefreut wie in einem Gespräch mit ihm (Anmerkung: Paul Preuß) über Berge. In der Hakenfrage waren wir uns einig.“[1] Im Wesentlichen müssen sie sich einig gewesen sein, denn Dibona behauptete von sich, in seinem Bergsteigertun nicht mehr als 15 Mauerhaken gesetzt zu haben.[1] Aus damaliger sowie aus heutiger Sicht scheint es eine geringe Anzahl zu sein.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e f  Reinhold Messner: Der Philosoph des Freikletterns – Die Geschichte von Paul Preuß. 1. Auflage. Pieper Verlag, München 2011, ISBN 978-3-492-40416-7, S. 210 f..
  2. a b c d e f Horst Christoph: Held mit 15 Haken. derStandard.at GmbH 2013, 28. Februar 2013, abgerufen am 10. Mai 2013.
  3. a b c Gerhard Schirmer: Angelo Dibona – Bergführer, Kaiserjäger, Dolomiten-Pionier. www.BergNews.com – Thomas Rambauske, Heiderichstraße 2a, A-1160 Wien, abgerufen am 10. Mai 2013.
  4.  Ivo Rabanser: Reinhold Messners Kletterfavoriten – Auf den Spuren der Bergsteigerlegenden in den Dolomiten. 1. Auflage. Bruckmann Verlag, München 2011, ISBN 978-3-7654-5440-0, S. 34.
  5. Österr. Staatsarchiv, Abt. Kriegsarchiv Wien, Belohnungsakten des WK 1914-1918, MBA Nr. 150.433 (Karton 66), Nr. 297.672 (Karton 150), Neue Feldakten 10. AK Nr. 5.709 vom 20. Oktober 1918 (Karton 372)
  6. a b c d e f g h i  Horst Höfler: Dream Teams – Die erfolgreichsten Seilschaften des Alpinismus. 1. Auflage. Bruckmann Verlag, München 2008, ISBN 978-3-7654-4496-8, Dibona, Rizzi & die Mayers, S. 25 f..
  7. a b Rifugio Dibona. Abgerufen am 10. Mai 2013 (Bild des Denkmals und der Hütte).
  8. a b  Uli Auffermann: Entscheidungen in der Wand – Marksteine des Alpinismus. 1. Auflage. Schall-Verlag, Alland 2010, ISBN 978-3-900533-62-5, S. 35, DNB 100697623X.
  9.  Ivo Rabanser: Reinhold Messners Kletterfavoriten - Auf den Spuren der Bergsteigerlegenden in den Dolomiten. 1. Auflage. Bruckmann Verlag, München 2011, ISBN 978-3-7654-5440-0, S. 51.
  10. Angelo Dibona - Personenmappe (DAV PER 1 SG/572/0). Historisches Alpenarchiv der Alpenvereine in Deutschland, Österreich und Südtirol, abgerufen am 10. Mai 2013 (PDF; 644 kB).
  11.  Reinhold Messner: Vertical – 150 Jahre Kletterkunst. 2. Auflage. BLV Buchverlag, München 2008, ISBN 978-3-8354-0380-2, Die Regeln des Klettersports, S. 74 f..