Animal Liberation Front

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Die Animal Liberation Front (ALF, deutsch: Tierbefreiungsfront) ist eine international wirkende, dezentral organisierte Gruppe der militanten Tierbefreiungsbewegung, deren Ziel es ist, Tierversuche und Tötung von Tieren zu verhindern. Dies soll mittels Anschlägen auf Einrichtungen und andere materielle Güter (Sabotage, Vandalismus, Brandanschlag) sowie Tierbefreiungen geschehen.

Entstehung[Bearbeiten]

Die Organisation wurde 1976 von Ronnie Lee, einem englischen Tierrechtsaktivisten, nach einer Haftstrafe wegen diverser Anschläge auf Tierversuchslabore und Pelztiereinrichtungen ins Leben gerufen.

Organisation und Methoden[Bearbeiten]

ALF-Aktivisten und aus einem Versuchslabor der Boots Group befreite Beagles 1990. Daraufhin verkaufte Boots das Labor. Linda McCartney kaufte die verbliebenen Welpen für £8.000,– frei und vermittelte sie weiter.

Die ALF ist eine nicht organisierte Bewegung, es gibt keine Mitgliedschaft im herkömmlichen Sinn, es gibt nur unabhängig voneinander agierende autonome Kleingruppen, die sich das Label ALF geben. Jede Gruppe oder auch Einzelperson, die sich mit den Zielen der ALF identifiziert, kann sich als Teil der ALF bezeichnen und in ihrem Namen Aktionen durchführen.

Zu den Methoden, derer sich die ALF bedient, gehören die Befreiung von Tieren aus Versuchslaboren oder Zuchtbetrieben, Warnbriefe, Telefonvorsorge und Hausdemonstrationen, sowie die Markierung von Gebäuden, Fahrzeugen, Geräten u. ä., die mit jeglichen Formen der Nutzung von Tieren in direktem oder indirektem Zusammenhang stehen. Durch die Sabotage und die dabei entstehenden Kosten soll der Betreiber wirtschaftlich geschädigt werden.

Den auf ihren Homepages veröffentlichen Bekennerschreiben nach beschränken sich viele Aktionen, insbesondere in Deutschland, auf Vandalismus gegen, nach Meinung der ALF, nicht opportune Einrichtungen. Dies sind vor allem Jagdanlagen (Hochsitze etc.), Fleischereigeschäfte, Schlachthöfe, Pelzhändler, Pelztierfarmen usw., wobei die Methoden vom Einschlagen der Fensterscheiben über das Absägen von Hochsitzen und den Einsatz von Buttersäure bis hin zu Brandanschlägen reichen.[1]

In den USA sind allerdings durchaus militantere Strömungen zu beobachten. So wurden dort Mitglieder der University of California at Los Angeles (UCLA), die an Tierversuchen beteiligt waren, ernsthafter bedroht, was bis zum Anschlag mit Molotow-Cocktails auf deren Privathäuser reichte.[2][3] Vom FBI wird die ALF als Terrorgruppe mit besonderer Interessenlage gesehen.[4] Da ALF keine Vereinigung ist, gibt es in vielen Ländern Unterstützervereine (z. B. Animal Liberation Front Supporters Group (ALF-SG) oder Die Tierbefreier). Diese veröffentlichen Bekennerschreiben, übernehmen Rechtshilfekosten für Aktivisten, oder betreuen inhaftierte Täter.

Richtlinien[Bearbeiten]

Die Organisation agiert nach vier Grundsätzen. Jeder Vegetarier oder Veganer, der sich an diese Richtlinien hält, darf sich als Teil der ALF bezeichnen und in deren Namen Aktionen durchführen. Die Grundsätze sind:

  1. Die Befreiung von Tieren aus den Stätten, in denen sie gequält werden, z. B. Laboratorien, Tierfabriken, Pelzfarmen etc. Die Tiere müssen in ein gutes Zuhause übergeben werden, wo sie frei von Leiden bis zu ihrem natürlichen Ende leben dürfen.
  2. Das Zufügen ökonomischer Schäden für all jene, die von der Not und der Ausbeutung der Tiere profitieren.
  3. Das Aufzeigen der Gewalt, denen Tiere hinter verschlossen Türen ausgesetzt sind, mit Hilfe von gewaltfreien, direkten Aktionen und Befreiungen.
  4. Das Ergreifen aller notwendigen Vorsichtsmaßnahmen, damit weder Mensch noch Tier durch die Aktionen Schaden nehmen.

Kritik[Bearbeiten]

Kritik richtet sich gegen die teilweise angewandten Methoden (z. B. Brandanschläge auf Autos von Personen, die mit entsprechenden Firmen in Kontakt stehen), die terroristische Züge haben. Obwohl die ALF immer wieder betont, dass ein wichtiger Teil ihrer Planung darin bestehe, Schaden an Menschen und Tieren auszuschließen, gibt es bei jedem Brandanschlag die Gefahr, dass Unbeteiligte verletzt werden können, was bisher allerdings noch nicht vorkam.

Gerade aufgrund des deutlich militanteren Auftretens in den USA wird die ALF dort oft als terroristische Vereinigung angesehen.[5] Im Januar 2005 führte das amerikanische Department of Homeland Security auch mögliche Anschläge von Mitgliedern der ALF in ihrem Lagebericht zum Terrorismus auf.[6]

Im Wiener Neustädter Tierschützerprozess wurden Sympathisanten der ALF angeklagt, eine kriminellen Vereinigung nach § 278a StGB (Österreichischer "Anti-Mafia-Paragraph") gebildet zu haben. Das Gericht verneinte die Eigenschaft der ALF als kriminelle Organisation in diesem Fall. In dem konkreten Fall ging es um eine Serie von Buttersäureanschlägen und Sachbeschädigungen gegen österreichische Pelzhandelsgeschäfte, bei denen jedoch die konkreten Täter nicht ermittelt werden konnten. Die Staatsanwaltschaft wertete jedoch die Zielsetzung und die Organisationsstruktur als Bildung einer kriminellen Vereinigung. [7]

Moderatere Teile der Tierrechtsbewegung kritisieren, dass das Handeln der ALF dazu führe, Personen von tierrechtspolitischen Themen abzuschrecken. Ein solches Vorgehen wirke polarisierend, dadurch entfernten sich Aktivisten von gesellschaftlichen Grundwerten. [8] Es würden dadurch Mauern eher auf- (Schaffung von Feindbildern) als abgebaut und ein Dialog verhindert. Seitens der ALF wird argumentiert, dass durch radikales Vorgehen ihrerseits Tierrechtsorganisationen mit weniger radikalen Methoden in die gesellschaftliche Mitte gerückt würden.[9] Obwohl die ALF sich zur linken Szene zählt, gelten sie in der linken Szene vielfach als Sonderlinge, denen Antihumanismus und krude KZ-Vergleiche vorgeworfen werden [10].

Die ideologischen Ausrichtung unterscheidet sich fundamental vom Tierschutzgedanken, weshalb viele Tierschutzorganisationen diese als zu radikal empfinden und sich deshalb von der ALF und ihren Aktionen distanzieren. [11] Während "klassische" Tierschutzorganisationen eine inadäquate oder in ihren Augen tierquälerische Haltung bzw. Nutzung von Tieren bekämpfen, lehnen Aktivisten der ALF die Haltung und Nutzung von Tieren per se als illegitim ab. [12][13] Gleichzeitig lehnt die ALF den klassischen Tierschutz, unter anderem mit dem Ziel artgerechter Tierhaltung und schonender Schlachtung kategorisch ab. [14]

Peter Singer, einer der Vordenker der Tierrechtsbewegung, fordert eine exakte Beschreibung und differenzierte Bewertung der ALF-Aktivitäten. Insbesondere müsse klar unterschieden werden zwischen verschiedenen Formen von Gewalt. Erst auf dieser Grundlage könnten bestimmte Formen von Gewalt kategorisch verurteilt werden. [15]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. „Brandanschlag auf Wurstfabrik in Hannover“, Pressemitteilung der Organisation „Die Tierbefreier“ vom 19. März 2007, das Bekennerschreiben ist datiert auf den 26. März 2007 (ebenfalls auf der Homepage)
  2. UCLA Vivisector Lynn Fairbanks Targeted by Animal Liberation Front (Version vom 13. Februar 2009 im Internet Archive) The Animal Liberation Press Office, 12. Juli 2006. Aufgerufen 13. August 2012.
  3. „Terror at UCLA“, Critical Mass, 22. August 2006.
  4. FBI testimony on the ALF, James F. Jarboe vor dem House Resources Committee, Subcommittee on Forests and Forest Health, 12. Februar 2002. (englisch) Aufgerufen am 13. August 2012.
  5. „From Push to Shove“, Southern Poverty Law Center Intelligence Report, Herbst 2002.
  6. Rood, Justin. „Animal Rights Groups and Ecology Militants Make DHS Terrorist List, Right-Wing Vigilantes Omitted“, Congressional Quarterly, 25. März 2005.
  7. Obskurer Prozess in Wien, Süddeutsche Zeitung, 3. März 2011
  8. Kaplan, Helmut F.: Tierbefreiungen – Kriminelle Akte oder konsequente Ethik? In: Interdisziplinäre Arbeitsgemeinschaft Tierethik Heidelberg (Hrsg.): Tierrechte. Erlangen: Harald Fischer Verlag, 2007, S. 151.
  9. Animal rights extremists in arson spree - Kritischer Artikel über die Anschläge der ALF (englisch). In: Guardian, 25. Juni 2005
  10. "Mastanlagen sollen brennen" Artikel in der taz vom 4. August 2013
  11. Militante Tierbefreier - Verteidigung der Zwerghasen, Angriff auf den Kapitalismus Der Spiegel vom 21. Oktober 2006.
  12. "Kritik am Konzept der Anti-Pelz-Demos" Tierbefreiung 79 (2013) - Vereinszeitschrift des Vereins "Die Tierbefreier"
  13. "Stellungnahme" der Tierbefreier Hamburg zu einer Protestaktion gegen den Deutschen Tierschutzbund bzw. deren Vorsitzenden
  14. Filmverbot für Tierbefreier Artikel bei Europe Online vom 16. Januar 2014
  15. Peter Singer über Demokratie, Gesetzesverstöße und Gewaltanwendung

Literatur[Bearbeiten]

  •  Steven Best: Terrorists or Freedom Fighters. Reflections on the Liberation of Animals. Lantern Books, New York 2004, ISBN 1-59056-054-X.
  • Donald R. Liddick: Eco-Terrorism: Radical Environmental and Animal Liberation Movements. Praeger, , ISBN 0275985350.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Animal Liberation Front – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien