Anne Bonny

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Anne Bonny

Anne Bonny (* um 1690 in Kinsale, Irland; † nach 28. November 1720, Ort und genaues Datum des Todes unbekannt) war die Tochter von William Cormac, einem angesehenen, verheirateten Juristen und seiner Dienstmagd, Mary oder Peg Brennan, kam somit also unehelich zur Welt. Ihr Vater versuchte dies zu vertuschen, indem er Anne als Jungen kleidete und als entfernten Verwandten ausgab. Doch seine Frau fand den Betrug heraus und machte es als Skandal überall bekannt. Da es damals als schwere Sünde betrachtet wurde, ein uneheliches Kind zu haben, blieben die Klienten aus. Aus diesem Grund zogen Annes Eltern, wie so viele andere auch, in die britischen Kolonien Amerikas, die heutigen USA. Sie schifften sich nach South Carolina ein. Dort erwarb der Vater Land und wurde aufgrund seiner kaufmännischen Fähigkeit zu einem reichen Plantagenbesitzer.

Da Anne das Plantagenleben zu langweilig war, zog es sie an den nahe gelegenen Hafen in Charleston. Dort wurde sie von betrunkenen Matrosen belästigt. Sie wehrte sich jedoch dermaßen vehement, dass zumindest einer von ihnen für eine Woche bettlägerig wurde. Hier am Hafen lernte Anne auch James Bonny kennen, einen mittellosen Abenteurer und Seemann, den sie heiratete. Ihr Vater verstieß sie deswegen; angeblich hat Anne daraufhin seine Plantage niedergebrannt. Zusammen mit ihrem Mann schiffte sie sich nach New Providence (heutiges Nassau) ein. Diese Stadt galt als Hauptstadt der Piraten. Hier traf sie Calico Jack Rackham, der die Piratenflagge Jolly Roger erfunden haben soll, verließ ihren Mann und heuerte auf Charles Vanes Schiff an, auf dem Rackham Steuermann war.

Weil Frauen an Bord von Piratenschiffen nicht gern gesehen waren, kleidete sie sich als Mann. Sie kämpfte geschickt, doch sie wurde entdeckt. Einer Legende zufolge tötete Anne einen Mann, der seinen Unmut darüber geäußert hatte, dass eine Frau anwesend war, mit einem Messerstich ins Herz.

In New Providence heuerte ein neuer Mann, Mark Read, auf Annes und Rackhams Schiff an. Diese hatten sich inzwischen von Charles Vane (Sie hatten ihn erst ab- und dann ausgesetzt) getrennt, um ihr eigenes Schiff zu führen. Anne fiel der neue Mann auf – bei dem sich allerdings bei näherer Betrachtung herausstellte, dass es sich ebenfalls um eine Frau handelte: Mary Read. Zu dritt segelten die beiden Frauen und Calico Jack nun kapernd, plündernd und mordend durch die Karibik und waren als Team berüchtigt und gefürchtet.

Zwischenzeitlich wurde Anne schwanger, wahrscheinlich von Calico Jack. Sie bekam das Kind auf Kuba und ließ es dort zurück. 1720 wurde Rackhams Schiff, die Revenge, von einem englischen Kriegsschiff angegriffen. Zu diesem Zeitpunkt waren sie in Jamaika. Die Schiffsbesatzung – abgesehen von den beiden Frauen – war betrunken und versteckte sich unter Deck. Anne Bonny und Mary Read kämpften alleine. Lange währte ihr Widerstand nicht; als die übrigen Piraten dann doch noch an Deck kamen, schoss Mary in ihrer Wut auf sie und tötete einen.

Am 16. November 1720 wurde das Urteil für Calico Jack, Anne, Mary und die Crew gefällt: Tod durch den Strang. Am Tage der Hinrichtung bat Rackham darum, Anne nochmals zu sehen. Ihre Worte waren: “I’m sorry to see you here, Jack, but if you’d fought like a man, you wouldn't need to hang like a dog.” („Es tut mir leid, dich hier zu sehen, Jack, aber wenn du wie ein Mann gekämpft hättest, müsstest du jetzt nicht wie ein Hund hängen.“). Die Hinrichtung der beiden Frauen wurde aufgeschoben, da sie schwanger waren. Mary Read starb an einem Fieber, über Anne Bonnys weiteres Leben ist nichts bekannt.

Literatur[Bearbeiten]

  • Robert Bohn: Die Piraten. 2. Auflage. Beck, München 2005, ISBN 3-406-48027-6, S. 103ff.
  • Captain Charles Johnson: A General History of the Robberies and Murders of the Most Notorious Pirates. London 1724. Reprint: The Lyons Press 2002, ISBN 1-58574-558-8, S. 138ff. (gilt als einzige authentische Schilderung des Lebens von Anne Bonny und Mary Read)
    Deutsche Ausgabe: Umfassende Geschichte der Räubereien und Mordtaten der berüchtigten Piraten. Robinson, Frankfurt am Main 1982, ISBN 3-88592-009-3.
  • Joan Druett: She Captains: Heroines and Hellions of the Sea. Simon & Schuster 2001, ISBN 0-684-85691-3, S. 91ff.

Weblinks[Bearbeiten]