Augusta Victoria

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Augusta Victoria
Augusta Victoria (vor dem Umbau), ca. 1890

Augusta Victoria (vor dem Umbau), ca. 1890

p1
Schiffsdaten
Schiffstyp Passagierdampfer
Bauwerft Stettiner Maschinenbau AG Vulcan
Stapellauf 01. Dezember 1888
Indienststellung 10. Mai 1889
Verbleib 1907 in Stettin abgewrackt
Schiffsmaße und Besatzung
Länge
144,80 m (Lüa)
Breite 016,90 m
Vermessung 7.661 BRT
 
Besatzung 245
Maschine
Geschwindigkeit max. 19 kn (35 km/h)
Propeller 2

Die Augusta Victoria war ein Schnelldampfer, der von 1888 bis 1889 das größte deutsche Passagierschiff war. Er fuhr für die Hamburg-Amerikanische Packetfahrt-Actien-Gesellschaft (HAPAG). Mit diesem Schiff veranstaltete die HAPAG die allererste Kreuzfahrt. Benannt wurde das Schiff nach der deutschen Kaiserin Auguste Victoria. Es gab ein Schwesterschiff, die Columbia, und die zwei etwas größeren Schwestern Normannia und Fürst Bismarck.

Rekorde und Erstbefahrungen[Bearbeiten]

  • Schnellste Jungfernfahrt über den Atlantik in Ost-West-Richtung (19. Mai 1889)
  • Erste Kreuzfahrt (Januar bis März 1891), dabei Passage von Gibraltar als: größtes bisheriges Handelsschiff, erster Doppelschrauben-Personendampfer, und erstes HAPAG Schiff.

Geschichte[Bearbeiten]

Liniendienst und Kreuzfahrten bei der HAPAG[Bearbeiten]

Das Schiff sollte ursprünglich Normannia heißen. Es wurde dann, wenn auch nicht ganz korrekt, nach der beim Stapellauf anwesenden Kaiserin Auguste Viktoria benannt.

Die am 1. Dezember 1888 von Stapel gelaufene Augusta Victoria wurde am 24. April 1889 der HAPAG übergeben und trat am 10. Mai ihre Jungfernfahrt von Hamburg über Southampton nach New York an. Sie war zu dieser Zeit der dritte Doppelschrauben-Schnelldampfer [1] auf dem Nordatlantik nach den britischen Dampfern City of Paris und City of New York der Inman Line, die größer und schneller waren.

Die Augusta Victoria und die im Juni von Laird gelieferte Columbia versahen ihren Dienst zuverlässig und schnell. Allerdings gab es im Winter kein ausreichendes Publikumsinteresse an der Querung des Nordatlantiks. In ihrem ersten Winter wurden die Schnelldampfer daher aufgelegt. Albert Ballin entschloss sich für den nächsten Winter, in dieser Zeit eine Kreuzfahrt anzubieten. Vom 22. Januar bis zum 21. März 1891 wurde eine Mittelmeerkreuzfahrt der Augusta Victoria von und nach Cuxhaven angeboten, an der 241 Personen, darunter 49 Ausländer und 67 weibliche Fahrgäste, teilnahmen. Über Southampton, Gibraltar und Genua wurde Alexandria angelaufen, wo das Schiff 5 Tage verblieb. Nächste Ziele waren Jaffa, Beirut und Konstantinopel mit je vier Tagen Aufenthalt. Auf dem Rückweg wurden Piräus, Malta, Palermo, Neapel, Lissabon und schließlich noch Southampton angelaufen. In den Häfen mit längeren Aufenthalten gab es Ausflugsprogramme z.B. nach Kairo, Jerusalem, Damaskus, Athen und Rom. 1892 und 1893 wurde ähnliche Reisen durchgeführt. Am 16. Jui 1894 lief die Augusta Victoria zur ersten Nordland-Reise, die bis Spitzbergen führte, aus Hamburg aus. 1896 führte das Schwesterschiff Columbia die erste Westindien-Kreuzfahrt durch. Als "Vergnügungsreisen" angeboten, wurden diese Reisen zu einem festen Bestandteil des Angebotes der HAPAG neben dem Linienverkehr.

Augusta Victoria auf Reede vor Piräus, 1891. Zeichnung von C.W. Allers

Ab August 1892 hatten die HAPAG-Schiffe ein Problem wegen der Cholera-Epidemie in Hamburg und der strengen Quarantänebestimmungen in New York. Die Schnelldampfer liefen in dieser Zeit nur bis Southampton. Als im September kurzzeitig wieder vermehrt Cholera-Fälle auftraten, wurde Wilhelmshaven für eine Weile Endpunkt des Verkehrs der Schnelldampfer.

Der Norddeutsche Lloyd (NDL) setzte seine Schnelldampfer im Winter von Mittelmeerhäfen nach New York ein. Dem schloss sich die HAPAG 1893 an und die Augusta Victoria lief am 15. März 1894 erstmals auf der der Route GenuaNeapelGibraltar–New York.

Im Juni 1895 dienten die Augusta Victoria und ihr Schwesterschiff Columbia dem Transport der Ehrengäste bei der Eröffnung des Nord-Ostsee-Kanals.
Am 22. Oktober 1896 fuhr sie von Hamburg nach New York, um anschließend in Großbritannien umgebaut zu werden. Die Augusta Victoria war das langsamste Schiff der Serie und man erhoffte sich durch eine Verlängerung auf das Maß der beiden späteren Schnelldampfer auch eine höhere Geschwindigkeit.

Umbau 1897[Bearbeiten]

Der Dampfer wurde im Winter 1896/97 bei Harland & Wolff in Belfast auf 163,1 m verlängert, dabei erhöhte sich die Vermessung auf 8.479 BRT, und es wurden der mittlere Mast entfernt und die Brücke überdacht [2]. Der Name wurde auf "Auguste Victoria" geändert, da dies der korrekte Name der Kaiserin war.

Im April 1897 wurde das Schiff wieder in Dienst gestellt [3] und im alten Umfang eingesetzt. Allerdings waren die vier HAPAG-Schnelldampfer durch das Erscheinen der Kaiser Wilhelm der Große des NDL inzwischen weit übertroffen worden und auch die HAPAG suchte nach neuen Schiffen und ließ die ähnliche Deutschland bauen. Sie gab daher 1898 die Columbia und die Normannia nach Spanien als Hilfskreuzer ab. Auguste Victoria blieb im Dienst der HAPAG und lief am 16.Januar 1904 zum letzten Mal aus Hamburg nach New York aus.

1904 wurde sie dann wie ihre beiden bei der HAPAG noch vorhandenen Schwestern Columbia und Fürst Bismarck nach Russland verkauft und im Mai nach Libau überführt.

Einsatz bei der russischen Marine[Bearbeiten]

Die russische Marine kaufte 1904 das Schiff, um es im Russisch-Japanischen Krieg als Hilfskreuzer einzusetzen; dabei erhielt es den Namen Kuban (nach dem Fluss im Kaukasus).
Während der Umrüstungsarbeiten (Bewaffnung, Änderung und Erweiterung der Kohlenlager) kam es am 12. Juli zu einem Unfall im Dock [4], so dass der Hilfskreuzer für eine geplante Kontrollfahrt in den Atlantik mit seinem Schwesterschiff Terek (ehemals Columbia) ausfiel. Die Kuban lief zwei Wochen nach dem aus der Baltischen Flotte entstandenen Zweiten Pazifischen Geschwader aus Libau aus und lief allein Richtung Ostasien. Sie war inzwischen mit zwei 12 cm-Geschützen, vier 7,6 cm-Armstrong-Kanonen und acht 5,7 cm-Vickers-Schnellfeuerkanonen bewaffnet. Am 30. November erreichte sie Dakar und kohlte auf See aus dem deutschen Dampfer Friesland, da die französischen Behörden eine Versorgung im Hafen nicht gestatteten. Ab dem 2. Januar 1905 vor Madagaskar war die Kuban dann ein Teil der Zweiten Pazifischen Geschwaders auf dem Weg in den Fernen Osten. Anfang Mai wurde sie vor der Seeschlacht bei Tsushima aus dem Geschwaderverband entlassen, um als Handelsstörer östlich der japanische Inseln den Schiffsverkehr Richtung USA und Kanada zu stören.

Sie kontrollierte mehrere neutrale Dampfer und erhielt von ihnen Informationen über den Ausgang der Schlacht. Sie lief nach Indochina zurück, wo die Franzosen nur eine Versorgung für den Weg bis Wladiwostok zuließen. Die Kuban passierte am 18. Juni 1905 Singapur und erreichte am 1. Juli Djibouti. Von deutschen Schiffen mit Kohlen versorgt, lief sie durch das Rote Meer Richtung Suez und durchsuchte weiterhin Handelsschiffe auf Ladungen nach Japan. Am 15./16. Juli passierte sie den Sueskanal. Nach einem Zwischenstopp in Algier erreichte sie am 3. August Libau, das sie am 28. Oktober 1904 verlassen hatte. 1907 wurde das Schiff zum Abbruch verkauft und in Stettin zerlegt.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • J. H. Isherwood: The "Augusta/Auguste Victoria" of 1889. In: Sea breezes, Liverpool, Band 31 (1961), S.240-244 (englisch).
  • Arnold Kludas: Die deutschen Schnelldampfer II. Die "Augusta-Victoria"-Klasse. In: Deutsches Schiffahrtsarchiv, Band 4 (1981), S.93-108, ISSN 0343-3668.
  • Arnold Kludas: Deutsche Ozean-Passagierschiffe 1850 bis 1895, Transpress, Berlin 1983, ohne ISBN, S.82-83.
  • Arnold Kludas: Vergnügungsreisen zur See, Band 1: 1889-1939, Convent Verlag, Hamburg 2001, ISBN 3-934613-21-7, S. 21-28
  • H. J. Rook: Der erste deutsche Doppelschrauben-Schnelldampfer >Augusta Victoria<. Hintergründe der Auftragserteilung.. Deutsches Schiffahrtsarchiv, Band 14 (1991), S.139-156, ISSN 0343-3668
  • C. W. Allers: Backschisch. Skizzen zu einer Orient-Kreuzfahrt im Jahre 1891. Neuausgabe Berlin 2008, ISBN 978-3-86805-159-9 (Bericht über die erste deutsche Kreuzfahrt, auf der Augusta Victoria)
  • Elias Haffter: Briefe aus dem hohen Norden, Verlag von J. Huber, Frauenfeld 1899. Bericht über eine Nordlandfahrt auf der Auguste Viktoria im Juli 1899 (im Projekt Gutenberg).

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Pläne der Augusta Victoria
  2. Bild der umgebauten Auguste Victoria
  3. Bild der Auguste Victoria
  4. Bilder vom Unfall der Kuban