Wladiwostok
| Stadt
Wladiwostok
Владивосток
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Wladiwostok (russisch Владивосто́к, wiss. Transliteration Vladivostok
anhören?/i – übersetzt: „Beherrsche den Osten“; chinesisch 海參崴 / Hǎishēnwǎi – übersetzt: Seegurkenmarsch) ist eine Großstadt am Japanischen Meer. Sie ist Russlands wichtigste Hafenstadt am Pazifik sowie die Hauptstadt der Region Primorje.
Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] Geographie
Wladiwostok liegt am südlichen Ende der Murawjow-Amurski-Halbinsel, die rund 30 km lang und 13 km breit ist.
Die Entfernung nach Moskau beträgt über die Transsibirische Eisenbahn 9.288 Kilometer, über die Luftlinie sind es 6.430 km. Wladiwostok ist sieben Zeitzonen von Moskau entfernt.
[Bearbeiten] Geschichte
Bevor Russland die Seeprovinz durch den Vertrag von Aigun erwarb, war die Pazifikküste in der Region von Wladiwostok durch die Völker der Jurchen und Mandschu bevölkert. Ein französischer Walfänger, der 1852 in die Solotoi Rog-Bucht einlief, entdeckte am Ufer Hütten chinesischer oder mandschurischer Fischer.
Am 20. Junijul./ 2. Juli 1860greg.[1] wurde dort ein Marinevorposten gegründet und Wladiwostok genannt (zu deutsch: Beherrscher des Ostens), nach dem Namensvorbild Wladikawkas. 1862 bekam Wladiwostok einen Hafen. Ein durchdachtes System von Festungen entstand zwischen den 1870er- und 1890er-Jahren. 1880 erhielt Wladiwostok den Stadtstatus. Das städtische Wappen, das den sibirischen Tiger darstellt, wurde im März 1883 angenommen. Die Wirtschaft erlebte ab 1903 einen Aufschwung mit der Fertigstellung der Transsibirischen Eisenbahn, die Wladiwostok mit Moskau und Europa verbindet. Schnell entwickelte sich Wladiwostok zu einem internationalen Handelszentrum. Um die Jahrhundertwende siedelten sich hier viele ausländische Kaufleute an, deren Bauten teilweise noch heute das Stadtbild prägen. Im engen Zusammenhang mit der wirtschaftlichen Entwicklung ist die rasante Zunahme der Bevölkerungszahlen zu sehen.
Während des Russisch-Japanischen Krieges 1904-05 wurde Wladiwostok von japanischen Kriegsschiffen belagert. Nach dem Ausbruch der Oktoberrevolution 1917 wurde die Stadt durch Ententetruppen besetzt und in der Folge ein Sammelplatz der Weißen Armee und ihrer Unterstützer. (vgl. Fernöstliche Republik und Sibirische Intervention). Nach der Einnahme der Stadt durch die Rote Armee 1922, der umfangreiche Kampfhandlungen voraus gingen, wurde Wladiwostok zum Hauptquartier der sowjetischen Pazifikflotte und zum Standort wichtiger militärisch-industrieller Einrichtungen. Die Stadt blieb bis 1991 für Ausländer gesperrt. Dennoch war es Wladiwostok, wo sich 1974 Leonid Breschnew und Gerald Ford zu Gesprächen über Strategic Arms Limitation Talks (SALT) trafen.
Nach der Öffnung der Pazifikmetropole Anfang der 1990er Jahre knüpft Wladiwostok in Ausnutzung seiner guten verkehrsgeographischen Lage wieder zunehmend an seine früheren Handels- und Industriefunktionen an und profiliert sich zu einem wichtigen Wirtschaftszentrum im südostasiatischen Raum.
[Bearbeiten] Wirtschaft und Verkehr
[Bearbeiten] Wirtschaft
Wladiwostok ist einer der wichtigsten Pazifikhäfen Russlands. Hauptwirtschaftszweige sind der Hafen, die Fischereiindustrie und der Marinestützpunkt. Die Hauptexportprodukte sind Fisch, Holz und Metalle. Importiert werden hauptsächlich Gebrauchtwagen, Kleidung, Schuhe und andere Konsumgüter.
Wirtschaftlich bedeutsam ist Wladiwostok aufgrund seiner Grenznähe zur Volksrepublik China sowie der Fährverbindung nach Japan.
Die Stadt ist rund 100 Kilometer von der Volksrepublik China entfernt, und so stellen Chinesen einen bedeutenden Faktor im Wirtschaftsleben dar. Einen Wirtschaftsfaktor stellt das Glücksspiel dar, dies ist in der Volksrepublik China verboten und so weichen Teile der chinesischen Oberschicht nach Wladiwostok aus.
[Bearbeiten] Verkehr
In Wladiwostok befindet sich der östliche Endpunkt der Transsibirischen Eisenbahn.
Der internationale Flughafen (IATA-Code VVO, ICAO-Code UHWW) von Wladiwostok liegt ca. 42 Kilometer nördlich der Stadt nahe Artjom.
Der ÖPNV der Stadt wird sowohl von Bus- und Trolleybuslinen als auch von Straßenbahnen (siehe Straßenbahn Wladiwostok) durchgeführt, hinzu kommen wie überall in Russland eine Vielzahl an Kleinbuslinien, sogenannte „Marschrutki“.
Viele Besucher von Wladiwostok sind heutzutage überrascht, dort nur noch wenige Autos aus russischer Fabrikation zu sehen. Die meisten Fahrzeuge kommen aus Japan oder Korea. Wegen des in Japan üblichen Linksverkehrs haben diese Fahrzeuge meist Rechtslenkung.
Am Ort befindet sich eine Monitoring-Station des SDCM-Systems.
[Bearbeiten] Einwohner
2,04 Millionen Menschen leben in der südöstlichsten Gegend der Russischen Föderation. 580.800 davon in Wladiwostok (Stand 2007), neben der Mehrheit der Russen auch Koreaner und Ukrainer. Seit Anfang der 1990er-Jahre sind außerdem viele Chinesen zugewandert.[2][3]
Erst seit 1991 dürfen Ausländer die Stadt wieder ohne Sondergenehmigung besuchen; zuvor war sie gesperrt, da der Hafen auch heute noch zu den Hauptstützpunkten der russischen Pazifikflotte zählt.
Die Stadt wird gelegentlich auch als das musikalische Liverpool Russlands bezeichnet: mit Mumi Troll wurde hier eine der populärsten russischen Rockbands gegründet.
[Bearbeiten] Klima
Wladiwostok liegt etwa auf demselben Breitengrad wie Florenz, dennoch können die Winter „sibirisch“ kalt werden. Die Sommer sind aufgrund der Nähe zur Monsunzone jedoch regnerisch und mild.
Klimadiagramm-Wladiwostok: [1]
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| Klimadiagramm (Erklärung) | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Wladiwostok
Quelle: Roshydromet
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[Bearbeiten] Umwelt
Nach Ansicht von örtlichen Umweltspezialisten des „Ecocenter“ sind zwei Drittel der Vororte von Wladiwostok so verschmutzt, dass das Leben dort ein Gesundheitsrisiko darstellt. Es hat zehn Jahre gedauert den Ecocenter-Report zu erstellen. Er basiert auf 30.000 Proben der Luft, des Wassers, des Schnees und von menschlichem Gewebe, die zwischen 1985 und 1993 genommen wurden. Die Proben zeigen über den Untersuchungszeitraum signifikante Anstiege bei den Schwermetallen, so bei Cadmium, Cobalt, Arsen und Quecksilber, welche das Atmungs- und das zentrale Nervensystem angreifen.
Die Umweltverschmutzung hat laut Ecocenter verschiedene Ursachen. In Wladiwostok gibt es etwa 80 verschiedene industrielle Standorte. Das ist zwar nicht viel im Vergleich zu den großen Industriestandorten in Russland, jedoch gibt es in der Umgebung der Stadt sehr umweltbelastende Industrieunternehmen, wie etwa Schiffbau und -reparatur, Kraftwerke, Bergbau und Pelzfarmen. Wladiwostoks Geographie verstärkt den Verschmutzungseffekt: der Wind kann die Luftverschmutzung aus den am stärksten belasteten Teilen der Stadt nicht wegwehen, da sie in einer Art Becken liegen. Zusätzlich gibt es im Winter recht wenig Schnee, der die Verschmutzung binden könnte.[4]
[Bearbeiten] Weiterführende Bildungseinrichtungen
- Fernöstliche Managementhochschule
- Fernöstliche Staatliche Akademie für Meereskunde
- Fernöstliche Staatliche Akademie für Ökonomie und Verwaltung
- Fernöstliche Staatliche Technische Universität
- Fernöstliche Staatliche Technische Universität für Fischwirtschaft
- Fernöstliche Staatliche Universität
- Fernöstliches Handelsinstitut
- Fernöstliches Staatliches Kunstinstitut
- Filiale der Russischen Akademie der Wissenschaften
- Filiale der Russischen Zollakademie
- Filiale der Staatlichen Ingenieurökonomischen Akademie Sankt-Petersburg
- Filiale des Staatlichen Pädagogischen Instituts Komsomolsk-na-Amure
- Filiale Petersburger Universität der Gewerkschaftsverbände
- Institut für internationale Touristik
- Institut für Management und Business der Fernöstlichen Staatlichen Universität
- Kolleg für Internationale Touristik
- Pazifisches Militärisches Marineinstitut
- Wladiwostoker Filiale des Juristischen Instituts des Innenministeriums Russlands
- Staatliche Medizinische Universität Wladiwostok
- Wladiwostoker Staatliche Universität für Ökonomie und Service
[Bearbeiten] Sport
In Wladiwostok ist der Fußball-Club Lutsch-Energija Wladiwostok beheimatet und der Basketball-Club Spartak Primorje.
[Bearbeiten] Partnerstädte
Niigata (Japan)
Akita (Japan)
Hakodate (Japan)
Busan (Südkorea)
Dalian (China)
Juneau (USA)
San Diego (USA)
San Francisco (USA)
Tacoma (USA)
[Bearbeiten] Söhne und Töchter der Stadt
- Jan Albers, Präsident des Hamburger Oberverwaltungsgerichts († 2006)
- Harry Igor Ansoff, Mathematiker und Wirtschaftswissenschaftler
- Yul Brynner, russisch-mongolisch-schweizerisch-US-amerikanischer Schauspieler
- Felix Nikolajewitsch Gromow, Flottenadmiral und ehemaliger Oberkommandierender der Russischen Marine
- Boris Gryslow, Politiker
- Yoshiro Irino, japanischer Komponist
- Igor Kunizyn, Tennisspieler
- Natalja Pogonina, Schachspielerin
- Irina Rusljakowa, Badmintonspielerin
- Ilja Simin, Journalist und Fernsehreporter
- Igor Tamm, Physiker
[Bearbeiten] Verweise
[Bearbeiten] Literatur
- Geschichte Sibiriens, Sabine A. Gladkov (ISBN 3-7917-1825-8)
- Geschichte Russlands und der Sowjetunion, Leonid Luks (ISBN 3-7917-1687-5)
- Panorama der Weltgeschichte Band III (Bertelsmann Verlag)
[Bearbeiten] Weblinks
[Bearbeiten] Einzelnachweise
- ↑ Deutschlandradio Kultur vom 4. Januar 2009: Wo die Transsibirische Eisenbahn endet, abgefragt am 1. Juli 2010
- ↑ Asia Times, 25. Mai 2006: The Chinese are coming ... to Russia
- ↑ http://www.worldpress.org/Asia/1651.cfm
- ↑ B. V. Preobrazhensky, A. I. Burago, S. A. Shlykov. Primorye Ecology. Ecological Situation. Verschmutzung der Luft und des Wassers
Verwaltungszentrum: Wladiwostok
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