Bahnstrecke Wiesenburg–Roßlau

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Wiesenburg–Roßlau (Elbe)
Bahnhof Medewitz (Mark), 2012
Bahnhof Medewitz (Mark), 2012
Kursbuchstrecke (DB): 207
Streckennummer: 6414 Wiesenburg–Roßlau Ra
6416 Roßlau Abzw Ai-Roßlau Gbf
Streckenlänge: 28,7 km
Spurweite: 1435 mm (Normalspur)
Stromsystem: 15 kV 16,7 Hz ~
Strecke – geradeaus
von Berlin
Bahnhof, Station
0,0 Wiesenburg (Mark)
   
nach Güsten
Straßenbrücke
L8411 Wiesenburg–Roßlau
Bahnhof, Station
5,6 Medewitz (Mark)
   
Landesgrenze Brandenburg / Sachsen-Anhalt
Brücke (klein)
L120 Wiesenburg–Roßlau
Haltepunkt, Haltestelle
14,7 Jeber-Bergfrieden (ehem. Bf)
Straßenbrücke
L121 Coswig–Zerbst
   
19,2 Thießen (bis 2012)
Brücke über Wasserlauf (klein)
Rossel
Brücke (klein)
L120 Wiesenburg–Roßlau
Blockstelle, Awanst, Anst etc.
25,0 Roßlau (Elbe) Abzw Ai
BSicon BS2+l.svgBSicon BS2+r.svg
BSicon ABZrg.svgBSicon KRZo+l.svg
von Falkenberg/Elster
BSicon STR.svgBSicon BST.svg
26,9 Abzw Meinsdorf / Roßlau Ra
BSicon BRÜCKE2.svgBSicon BRÜCKE2.svg
L120 Wiesenburg–Roßlau
BSicon STR.svgBSicon HST.svg
Meinsdorf
BSicon WBRÜCKE2.svgBSicon WBRÜCKE2.svg
Rossel
BSicon DST.svgBSicon STR.svg
26,1 Roßlau (Elbe) Gbf
BSicon ABZgr+r.svgBSicon STR.svg
von/nach Magdeburg
BSicon BS2l.svgBSicon BS2r.svg
Straßenbrücke
Bundesstraße 184
Bahnhof, Station
Roßlau (Elbe)
Strecke – geradeaus
nach Dessau

Die Bahnstrecke Wiesenburg–Roßlau ist eine zweigleisige Hauptbahn und verbindet Wiesenburg/Mark in Brandenburg mit Roßlau in Sachsen-Anhalt. Über sie verläuft die Verbindung von Berlin nach Dessau und weiter in Richtung Halle/Leipzig.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Berlin-Anhaltische Eisenbahn-Gesellschaft verband mit ihrer Stammstrecke bereits 1841 Berlin mit dem anhaltischen Dessau, allerdings mit dem Umweg über Wittenberg. 1879 entstand mit der Bahnstrecke Berlin–Blankenheim im Rahmen des Kanonenbahn-Projektes eine Verbindung von der Berliner Stadtbahn über Belzig, Wiesenburg nach Güsten und weiter in Richtung Westdeutschland. Wegen ihrer vorrangig militärischen Ausrichtung verlief diese Strecke überwiegend fern von allen größeren Ortschaften. Planungen, die Lücke zwischen beiden Hauptbahnen zu schließen, hatte es bereits vor dem Ersten Weltkrieg gegeben. Fahrpläne aus dem Jahr 1914 bezeichnen die Strecke Wiesenburg–Rosslau (damalige Schreibweise) als „im Bau“ befindlich. In Meinsdorf sollte an die bestehende Strecke aus Wittenberg angeschlossen werden, ein Zwischenhalt waren damals in Hundeluft vorgesehen.[1]

Erst in den 1920er Jahren, sehr spät für eine Hauptbahn, wurde schließlich mit dem Bau der Verbindung von Wiesenburg nach Roßlau die Lücke zwischen beiden Strecken geschlossen und die Verbindung von Berlin nach Dessau deutlich abgekürzt. Am 1. April 1921 wurde der Abschnitt von Jeber-Bergfrieden zum Anschluss an die Bahnstrecke Roßlau–Falkenberg/Elster bei Meinsdorf eröffnet, am 1. Juni 1923 folgte der Abschnitt von Wiesenburg nach Jeber-Bergfrieden.

Die neue Strecke übernahm rasch einen Gutteil des Verkehrs von der Bahnstrecke Berlin–Blankenheim. 1934 verkehrten ein Schnellzug Berlin–Wiesbaden und ein Eilzug Berlin–Frankfurt(Main) über die Strecke. Auch die Personenzüge liefen überwiegend in Richtung Berlin durch.

Nach der deutschen Teilung und erst recht nach dem Mauerbau war die Strecke für den direkten Fernverkehr aus dem Großraum Halle/Leipzig nach Berlin gegenüber der Strecke über Wittenberg unattraktiv, da der Ostteil Berlins nur auf Umwegen über den Berliner Außenring erreichbar war. Wichtig war sie allerdings für den Güterverkehr, da über sie die kürzeste Verbindung zwischen dem mitteldeutschen Industriegebiet und dem bedeutenden Güterbahnhof Seddin (bei Potsdam) verlief. Im Personenverkehr verkehrten in den 1970er und 1980er Jahren unter anderen ein D-Zug Rostock–Potsdam–Karl-Marx-Stadt sowie mehrere Eilzüge Berlin–Belzig–Dessau–Aschersleben. Auch Transitzüge von West-Berlin nach West-Deutschland nutzten die Strecke. Hinzu kamen diverse Personenzüge, die meistens weiter zum Potsdamer Bahnhof Drewitz fuhren und in Bergholz Anschluss nach Ost-Berlin hatten.

Nach der deutschen Wiedervereinigung nahm die Bedeutung der Strecke zunächst zu, da über sie die schnellste Verbindung aus Süd- und Westdeutschland in den Westteil Berlins verlief. Eine Vielzahl von Schnellzügen und in der zweiten Hälfte der 1990er-Jahre die Interregio-Linie Berlin-Frankfurt(Main) nutzten die Strecke. Dies änderte sich nach und nach mit dem Ausbau der Bahnstrecke Berlin–Halle über Lutherstadt Wittenberg und mit der Eröffnung der Berliner Nord-Süd-Fernbahn durch den Tiergartentunnel im Jahre 2006. Seitdem nutzt fast der gesamte Fernverkehr die schnellere Verbindung über Lutherstadt Wittenberg, der letzte Intercity-Zug über Dessau wurde 2007 eingestellt. Nur im Nachtzugverkehr wird die Strecke noch von Fernzügen befahren. Im Regionalverkehr verbindet die Regional-Express-Linie RE 7 Berlin und Dessau im Stundentakt (am Wochenende zweistündlich).

Seit 2009 erfolgt ein umfassender Umbau einschließlich einer grundlegenden Sanierung der Gleis- und Oberleitungsanlagen des Eisenbahn-Verkehrsknotens Roßlau/Dessau. In Rahmen dieses Projektes finden seit Mitte 2012 auch Modernisierungsarbeiten zwischen Medewitz und Roßlau statt. Hierbei wurde der Bahnhof Jeber-Bergfrieden zum Haltepunkt umgebaut. Anschließend erfolgt die Erneuerung der Sicherungstechnik in diesem Streckenabschnitt, wofür in Medewitz ein Elektronisches Stellwerk errichtet wird. Der Haltepunkt Thießen wurde zum Fahrplanwechsel im Dezember 2012 aufgegeben. Für die Zukunft ist auch ein Umbau der Bahnhöfe in Wiesenburg, Medewitz und Roßlau geplant.[2]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bahnstrecke Wiesenburg–Roßlau – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Hendschels Telegraph. Reichs-Kursbuch 1914, Nachdruck bei Ritzau Verlag Zeit und Eisenbahn, 2005, ISBN 3-921-30409-1, Strecke 400a, S. 106.
  2. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatZweiter Realisierungsabschnitt zur Modernisierung des Eisenbahnknoten Roßlau/Dessau beginnt. Deutsche Bahn AG, 27. April 2012, abgerufen am 3. Dezember 2012.