Bartholomäus Ziegenbalg

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Stahlstich aus einem Missionsbericht von 1715
Stahlstich aus einem Missionsbericht von 1715
Büste von Bartholomäus Ziegenbalg in Tranquebar.
Büste von Bartholomäus Ziegenbalg in Tranquebar.

Bartholomäus Ziegenbalg (* 10. Juli 1682 in Pulsnitz, Oberlausitz; † 23. Februar 1719 im südindischen Tranquebar) war der erste deutsche evangelische Missionar.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Leben und Werk

Bartholomäus Ziegenbalg, der 1682 als Sohn eines Getreidehändlers im sächsischen Pulsnitz geboren wurde, durchlief ab 1694 das Gymnasium in Görlitz, wechselte 1702 an ein Berliner Gymnasium und studierte ab 1703 Theologie in Halle (Saale) als Schüler von August Hermann Francke.

Bevor er das Studium abschließen konnte, wurde er 1705 zum Missionsdienst berufen und vom dänischen König Friedrich IV. gemeinsam mit Heinrich Plütschau in die dänische Kolonie Tranquebar (heute: Tarangambadi) an der Südostküste Indiens entsandt, wo er am 9. Juli 1706 eintraf. Seine Tätigkeit übte er unter großen Schwierigkeiten und Anfeindungen durch die bereits ansässigen Europäer aus. Widerstand brachte seiner Arbeit vor allem die Dänische Ostindien-Kompanie entgegen, die ihre Handelsinteressen bedroht sah.

Ziegenbalg entschloss sich zu dem damals sehr ungewöhnlichen Schritt, die tamilische Sprache zu erlernen, um besser wirken zu können. Er war der Erste, der das Neue Testament (NT) und größere Teile des Alten Testaments ins Tamilische übersetzte. Das NT war das erste in tamilischer Sprache gedruckte Buch. Auch den Lutherischen Katechismus übersetzte er und erstellte weitere Schriften in Tamil. Er engagiert sich im sozialen Bereich, unter anderem durch Gründung eines Kinderheimes und von Schulen. 1707 gründete er die erste evangelisch-lutherische Tamilgemeinde in Tranquebar.

Zwischen 1714 und 1716 besuchte er Deutschland, wo er Maria Dorothea Salzmann, die Tochter eines Merseburger Beamten, kennenlernte und am 4. Juni 1715 in Halle heiratete. Er kehrte zusammen mit ihr nach Tranquebar zurück.

Die Strapazen seiner Arbeit sowie des Klimas schwächten den ohnehin kränklichen Missionar so weit, dass er mit nur 36 Jahren in Tranquebar verstarb.

[Bearbeiten] Nachleben

In Tamil Nadu ging aus Ziegenbalgs 13-jähriger Tätigkeit die noch heute existierende Evangelisch-Lutherische Tamilkirche (TELC) hervor.

Darüber hinaus hat er einige Grundsätze der evangelischen Missionsarbeit begründet, die auch spätere landes- und freikirchliche Missionswerke übernommen haben. Dazu gehören:

  • Verwendung der Umgangssprache der örtlichen Bevölkerung,
  • Auseinandersetzung mit den kulturellen Gegebenheiten,
  • Übersetzung der Bibel in die Umgangssprache, ggf. sogar Entwicklung einer Schrift,
  • Alphabetisierung, Aufbau von Schulen und Gründung von Waisenhäusern,
  • Ausbildung örtlicher Prediger und Missionare.

[Bearbeiten] Literatur

  • Gita Dharampal-Frick: Malabarisches Heidenthum: Bartholomäus Ziegenbalg über Religion und Gesellschaft der Tamilen. In: Missionsberichte aus Indien im 18. Jahrhundert. Ihre Bedeutung für die europäische Geistesgeschichte und ihr wissenschaftlicher Quellenwert für die Indienkunde. Herausgegeben von Michael Bergunder. Neue Hallesche Berichte. Quellen und Studien zur Geschichte und Gegenwart Südindiens. Bd. 1. Halle 1999. ISBN 3-931479-15-3
  • Daniel Jeyaraj: Bartholomäus Ziegenbalgs Genealogie der malabarischen Götter. Edition der Originalfassung von 1713 mit Einleitung, Analyse und Glossar von Daniel Jeyaraj. Neue Hallesche Berichte Bd. 3, Halle 2003. ISBN 3-931479-45-5

[Bearbeiten] Weblinks

Commons
 Commons: Category:Ziegenbalg – Bilder, Videos und Audiodateien

Indische Briefmarke

deutsche Texte:

englische Texte:

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